DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ERA
Nr. 233
1. Schewat 5760

Diese Woche in der Tora (Ex. 6,2 - 9,35):
G~tt erinnert Moscheh an seinen Bund mit den Vorvätern und
das Versprechen, ihren Nachkommen das Land Kanaan zu
geben; schickt ihn zu den Kindern Israels, den Auszug
anzukündigen, doch sie wollen nichts davon hören; kleine
Stammeskunde; Moscheh und Aharon wieder bei Pharao;
Wunderzeichen, Pharaos Zauberer machen es nach; die ersten
7 der 10 Plagen. 

 
Frage und Antwort

Von Regen und Segen
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: In den letzten Jahren hat es in Israel weniger geregnet.
Hat jemand eine Idee, wie sich dieses Problem lösen ließe?

Antwort: Aber sicher! "Und es wird geschehen, wenn ihr auf
meine Gebote höret... so werde ich den Regen eures Landes
geben" (Dt. 11,13-14). Jeden Tag sagen wir das zweimal,
manche sogar dreimal. Wenn wir die Gebote G~ttes einhalten,
gibt es Regen, und wenn wir fremden Göttern nachlaufen,
keinen Regen.

Wir müssen uns also, neben dem Einsatz moderner
Technologie, auch um reumütige Umkehr (Teschuwa) bemühen.

Nun stellt sich allerdings die Frage, bei welchem Gebot wir am
besten anfangen, um so schnell wie möglich das gewünschte
Ergebnis zu erzielen. Dafür gibt es eine ganze Reihe von
Vorschlägen: 1. Die Schabbatgesetze einhalten. Wer diesen
Vorschlag gemacht hat, hält natürlich selber den Schabbat,
g~ttseidank. 2. Die Siebentjahrvorschriften. Der Urheber dieses
Vorschlages hält natürlich die Schmittagesetze. Er ist kein
Landwirt, und so braucht er sich dabei nicht besonders
anzustrengen. 3. Die Wahrung der Sittlichkeit. Dieser Vorschlag
stammt natürlich von einem, g~ttseidank, sittsamen Juden. 4.
Das konzentrierte, andächtige Beten, ohne in der Synagoge mit
dem Nachbarn zu schwatzen - die Idee eines teuren Juden, der
betet, wie es sich gehört.

Jeder hat seine eigene Vorstellung, wo man mit der Umkehr am
besten anfangen sollte - wo die anderen anfangen sollten. Er
hält schon den Schabbat, jetzt brauchen nur noch die anderen
Schabbat zu halten. Weil es nun im jüdischen Volk viele Juden
mit vielen Vorzügen gibt, schlägt jeder vor, dass alle anderen
seinen Vorzug annehmen.

Wer hat recht? Alle haben recht. Alle müssen die Vorzüge von
allen anderen annehmen. Jeder muss selber umkehren und nicht
nur gute Ratschläge für andere austeilen. Einmal herrschte eine
Epidemie in Russland, und man sagte, 'das kommt von unseren
Sünden. Wir müssen den Grund suchen und uns bessern'. Da
sprach der örtliche Rabbiner, der weise Rabbi Mordechai
Gimpel Jaffe (später Rabbiner von Jehud in Israel): Jeder suche
Mängel nur bei sich, nicht bei den anderen. Sprecht das
Sündenbekenntnis nicht in der zweiten Person: du bist schuldig,
du handeltest verräterisch, du raubtest...

Jeder muss dort reumütige Umkehr tun, wo es bei ihm hapert.
Der eine bei den Schabbatgesetzen, der andere bei der
Ehrlichkeit gegenüber den Arbeitskollegen, der eine muss es mit
der Wahrheit genauer nehmen, der andere aufhören, seine Frau
zu prügeln und zu beleidigen, usw.

Ebenso muss jede politische Partei reumütige Umkehr tun und
nicht den anderen Parteien Moralpredigten halten. Jede Partei
hat ihre eigenen Mängel, auch die Partei, für die ich stimme. So
ist das auf der Welt, "Ja, da ist kein Mensch gerecht auf Erden,
der das Gute tue und nimmer fehle" (Prediger 7,20), und auch
keine gerechte Partei, die nur das Gute tue und nie was falsch
macht. Jede Partei muss über sich selbst nachdenken, wo sie
noch etwas verbessern kann.

Ich werde mich bessern, wir alle werden uns bessern, und dann
wird es mit G~ttes Hilfe regnen. Auch wenn es nicht regnet,
haben wir damit viel gewonnen, viel mehr als nur Regen.

Ägypten hatte den Regen nicht nötig: "..wo du bewässerst, mit
deinen Füßen, wie einen Krautgarten" (Dt. 11,10), der Nil tritt
über die Ufer und bewässert das Land. Das Land Israel "trinkt
vom Regen des Himmels Wasser" (11,11). Ist es dann nicht
besser in Ägypten? Nein - dort tut man keine reumütige
Umkehr. Wenn es bei uns eine Weile nicht regnet, fangen wir
an, zu beten und uns zu bessern.
 

 
 
Am Schabbes-Tisch

Die vollständige Erlösung 

Rav Jakov Halevi Filber

In unseren Gebeten kommt es  viermal vor, dass einem
Begriff das Attribut "vollkommen" beigegeben wird. Wir sagen
z.B. "ich glaube mit vollkommenem Glauben.." ("Emuna
schelema"), und wir erbitten: "mache uns bald umkehren in
vollkommener Umkehr für deinen Namen" ("Teschuwa
schelema"). Man hat sogar ein Merkwort dafür erfunden: ETRoG
(Emuna, Teschuwa, Refu'a [Heilung], Ge'ula [Erlösung]).
Warum fügen wir dieses Attribut gerade diesen Begriffen bei?
Aus einfachem Grund: Alle vier resultieren aus einem
Entwicklungsprozess und stehen nicht plötzlich fix und fertig da.
Niemand wird sofort zu einem perfekten Gläubigen, und selbst
der Größte im Glauben, unser Vorvater Awraham, erkannte
seinen Schöpfer erst im Alter von vierzig Jahren. Auch die
Teschuwa erfolgt in Stufen, wie Erkennen der Sünde, Gefühl
des Bedauerns, Ablassen von der Sünde und Aufsichnahme der
Besserung für die Zukunft, und auf jeder Stufe entwickeln sich
die Dinge weiter in Richtung auf die vollkommene Umkehr.
Ebenso wird ein Kranker nie plötzlich gesund, vielmehr erfordert
es einen langsamen Heilungsprozess, bis er seine vollkommene
Gesundheit wiedererlangt. Über die Erlösung heißt es im
"Talmud Jeruschalmi" (Brachot 4b): "So ist sie, die Erlösung des
Volkes Israel: Am Anfang wenig, wenig, und im weiteren Verlauf
zulegend". Beim Propheten Micha (7,15) lesen wir: "Wie in den
Tagen deines Auszuges aus Ägypten werde ich dich Wunder
sehen lassen", und in diesen Worten klingt an, dass die Erlösung
aus Ägypten den Präzedenzfall für alle weiteren Erlösungen
stellt. Entsprechendes erfahren wir aus dem Midrasch: "So
werde ich euch in der kommenden Zukunft erlösen von der
Unterdrückung Edoms [=Rom/Christentum] und euch Wunder
tun, wie es heißt 'Wie in den Tagen deines Auszuges aus
Ägypten werde ich dich Wunder sehen lassen'" (Tanchuma
Toldot 17). Eine Erlösung, die sich stufenweise und in kleinen
Schritten abspielt, finden wir bereits bei der Erlösung von
ägyptischer Sklaverei, wie in den Versen der vierfältigen
Erlösung zum Ausdruck kommt. G~tt versprach Moscheh:
"Darum spreche zu den Kindern Israels: Ich bin der Ewige, ich
werde euch von den Lastarbeiten der Ägypter befreien, euch
aus ihrer Knechtschaft erretten, euch mit ausgestrecktem Arme
und mit großen Strafgerichten erlösen, und ich werde euch mir
zum Volke nehmen und euer G~tt sein" (Ex. 6,6-7) - vier Stufen
der Erlösung. Die erste Stufe ist die Erleichterung der
Sklavenarbeit, obwohl die Juden weiterhin im Dienste Pharaos
stehen. (Nach dem Torakommentar "Ha'emek Dawar" fand
diese Erleichterung anlässlich der Plage der wilden Tiere statt).
Die zweite Stufe bildetet die endgültige Befreiung von der
Knechtschaft (während der Hagelplage, als Pharao anfing, die
Israeliten zu respektieren; ebda.); das Volk war allerdings noch
nicht frei, sondern unterstand weiterhin der ägyptischen
Oberhoheit. Nach der Plage der Erstgeborenen erfolgte dann als
dritte Phase die vollständige Befreiung "mit ausgestrecktem
Arme und mit großen Strafgerichten", und so zogen sie von der
Knechtschaft in die Freiheit. Doch immer noch steckten sie im
Morast der "49 Stufen der spirituellen Unreinheit" wie
Götzendiener, und in dieser Situation kam die vierte Stufe zur
Anwendung, in der sie G~tt "sich zum Volke nahm und ihr G~tt
wurde".

Obwohl das Volk Israel zu diesem Zeitpunkt die Erlösung gar
nicht verdient hatte, erlöste sie G~tt trotzdem, wie es im
Midrasch heißt: "G~tt sprach: Wenn ich mir die Taten der
Israeliten ansehe, werden sie niemals erlöst werden, doch wen
sehe ich mir wirklich an? - ihre heiligen Vorväter; wegen des
Verdienstes ihrer Väter erlöse ich sie" (Midrasch raba Schemot
15). Ein Hinderungsgrund für die Erlösung liegt nicht nur im
Zustand des jüdischen Volkes in der Vergangenheit, sondern
auch in dessen zu erwartender zukünftiger Entwicklung, und
darum schickte G~tt den vier Stufen der Erlösung Folgendes
voraus: "Darum spreche zu den Kindern Israels: Ich bin der
Ewige" (s.o.). Dazu heißt es: "Ich weiß, dass sie sich später
gegen mich auflehnen und mich erzürnen werden, und trotz
alledem erlöse ich sie um meines Namens willen" (Midrasch
Hagadol). Demnach müsste die vollkommene Erlösung darin
bestehen, dass "der Ewige uns G~tt sein" wird, wie es auf der
vierten Stufe heißt, bei der Übergabe der Tora. Doch die Tora
erwähnt noch eine fünfte Stufe der Erlösung: "Ich will euch in
das Land bringen, von dem ich mit erhobener Hand
geschworen, es Awraham, Jizchak und Jakov zu geben, und ich
werde es euch zum Erbsitz geben, ich, der Ewige" (Ex. 6,8). Von
der Erlösung aus Ägypten lernen wir, dass für die vollkommene
Erlösung das Volk Israel frei und unabhängig sein muss
("erlösen"), im Lande Israel ("in das Land bringen"), an G~tt
glauben und seine Gebote befolgen muss ("euer G~tt sein"), und
diese Erlösung schreitet zu ihrer Vervollkommnung voran mit
kleinen, kleinen Schritten.
 

H A L A C H A

Wann fällt der 1.1.?

"Dieser Monat sei euch der wichtigste der Monate; der erste sei
er euch unter den Monaten des Jahres" (Ex. 12,2). In diesem
Vers ist die Rede vom Monat Nissan, dem Monat, in den das
Pessachfest fällt, die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.
Verschiedene religionsgesetzliche Autoritäten haben von
diesem Vers das Verbot abgeleitet, Monate nach einem anderen
als dem Monat Nissan als ersten Monat zu zählen. Für unser
tägliches Leben ist das insofern relevant, als dass wir uns
bemühen sollten, in unserer Korrespondenz, auf Schecks,
Formularen usw. statt einer Monatszahl immer die Abkürzung in
Buchstaben zu verwenden, wie "Jan.", "Feb." oder "Dez." (wenn
wir schon nicht das jüdische Datum benutzen können).