DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TEZAWE
Nr. 239
13. Adar-1 5760

Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20 - 30,10):
Die Priester - Ahron und seine Söhne;
Priesterkleidung und -ausstattung; besondere
Opfer und Amtseinführung; das tägliche Opfer;
Opferdienst nur im Heiligtum und nur durch
Priester; der Räucheraltar und der Dienst des
Räucherwerkes im Heiligtum.
 
 
Frage und Antwort

Die Medien und das Gesetz von 
der üblen Nachrede

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Darf man über die diversen Massenmedien wie Radio,
Fernsehen, Zeitungen usw. negative und verletzende Dinge
über wichtige Personen des öffentlichen Lebens verbreiten, wie
z.B. Parlamentsmitglieder und Minister?

Antwort: Natürlich nicht! Genau das nennt man "Laschon Hara"
(üble Nachrede)! Und diese Sorte von übler Nachrede wiegt
besonders schwer, weil sie von so vielen Menschen
aufgenommen wird. Nach den Worten des "Chafez Chajim"
(Rabbi Israel Meir Hakohen, einer der größten Gelehrten der
neueren Zeit, besonders bekannt als Verfasser des
Gesetzeswerkes "Chafez Chajim" über das Vermeiden übler
Nachrede gemäß den Geboten der Tora) ist üble Nachrede vor
zwei Zuhörern schlimmer als vor einem, und dem Radio hören
Millionen zu - auf einen Schlag Millionen Vergehen gegen die
Gesetze der Tora!

Wenn es sich bei dieser üblen Nachrede zusätzlich auch um
eine Lüge handelt, nimmt das Vergehen im Rahmen der Tora
den Rang des "mozi schem ra", eine Verunglimpfung des guten
Namens, an. Wie bedauerlich ist doch die ungeheure Menge
von Lügen, die von den Massenmedien über viele Leute
ausgeschüttet wird, die sie verleumden und heruntermachen.
Die Betroffenen werden beschämt, verzehren sich vor Leid und
wissen nicht, in welches Loch sie sich noch verkriechen sollen.

Um Himmels Willen! Im alten Rom wurden Verleumder schwer
mit Geldbußen und Gefängnis bestraft, und wir, das heilige
Volk, erlauben solche Sachen?!

Die talmudischen Weisen sagten, wer "Laschon Hara" rede sei
würdig, den Hunden zum Fraß vorgeworfen zu werden.
Natürlich haben wir nicht vor, alle Journalisten zu Schappi zu
verarbeiten, doch wie kann man "Laschon Hara" durchgehen
lassen?!

Es gibt allerdings eine Ausnahme, nämlich "Laschon Hara" mit
einem bestimmten Nutzeffekt wie Lebensrettung oder
Verhinderung von körperlicher oder finanzieller Schädigung. Ein
Beispiel dafür ist die Geschichte von Gedalja ben Achikam
(Kö.II, 25.Kap., Jirmijahu 40.u.41.Kap.), dessen wir alljährlich an
"Zom Gedalja" gedenken. Dieser war vom babylonischen König
Nebukadnezar als Statthalter über die judäische Bevölkerung
eingesetzt worden. Zu ihm kam Jochanan ben Kereach, um ihn
vor einem geplanten Attentat zu warnen. Doch Gedalja wollte
von dieser Geschichte nichts wissen: "Eine Lüge erzählst du!"
(Jirm. 40,16). Laschon Hara! Rede nicht solche Sachen! - Doch
leider stimmte die Geschichte. Seine Ermordung hatte eine
nationale Katastrophe zur Folge, und darum fasten wir an "Zom
Gedalja". Er wandte das Gesetz zu strenge an. Er war zu fromm.

Es gibt also eine erlaubte "Laschon Hara" zu einem Nutzen.
Vielleicht ist es also zum Nutzen, wenn das ganze Land weiß,
dass Minister X stiehlt oder Bestechungsgelder annimmt? In
Wirklichkeit hat dies weder Nutzen noch Bedeutung. Wer muss
das schon wissen... Man könnte die Veröffentlichung vielleicht
damit rechtfertigen, um dagegen durchzugreifen? Weiß die
Polizei etwa nicht, wie man das macht? Sicher greift keiner der
vielen Fernsehzuschauer bei sich zuhause dagegen durch.
Wozu allen erzählen?! Schmach und Schande.

Die erlaubte "Laschon Hara"-zum-Nutzen gilt nur für wenige,
extreme Ausnahmesituationen und nicht im täglichen Umgang.
Man darf zum Beispiel am Schabbat nicht mit dem Auto fahren.
Und was, wenn die Ehefrau entbinden muss? Dann ist es
erlaubt, sie ins Krankenhaus zu fahren, doch dabei handelt es
sich um eine Ausnahme. Hiermit gebe ich es schriftlich: Ein
Kranker am Schabbat, dem der Arzt sagt: Fahr! - wie wird er mit
sich ringen, bis er das ausführt!

So muss es auch sein, wenn wir uns einmal dazu durchringen,
über jemanden "Laschon Hara"-zum-Nutzen zu reden.
Besonders ist darauf zu achten, dass alle Bedingungen, die im
"Chafez Chajim" aufgeführt sind, erfüllt werden und dass der
Nutzen nicht auf eine andere Weise erzielt werden kann, nach
Ausschöpfung aller Möglichkeiten. Ebenso sind Übertreibungen
und Lästerungen verboten und eine besondere Genehmigung
vonnöten.

Es steht uns nicht gut zu Gesicht, dass diese Angelegenheit so
vollkommen außer Kontrolle gerät. Manche Menschen würden
in ihrem Privatleben nie ein böses Wort über einen
Mitmenschen hervorbringen, doch was das öffentliche Leben
angeht, zeigen sie keine Hemmungen, als ob alles erlaubt wäre.
Im Gegenteil! Dort ist es umso schlimmer.

Wir alle müssen in dieser Sache reumütige Umkehr tun.