DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHEMOT
Nr. 232
23. Tewet 5760


Diese Woche in der Tora (Ex. 1,1 - 6,1):
Vermehrung und Ausbreitung der Kinder Israels über ganz
Ägypten; neuer Pharao "vergisst" Josef und unterdrückt die
Israeliten; Tötung der neugeborenen Söhne; Moschehs Geburt;
adoptiert von Pharaos Tochter; Moscheh tötet den ägyptischen
Schläger; flieht nach Midian und heiratet Jitros Tochter; G~tt
schickt ihn zurück, um die Kinder Israels zu befreien;
Beschneidung seines Sohnes auf dem Wege; Begegnung mit
seinem Bruder Aharon; Audienz beim Pharao; Verschärfung der
Sklaverei; Protest der Israeliten gegen Moscheh und Aharon.
 
 
Frage und Antwort

Auf den Golanhöhen
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Sollte man nicht für den Frieden eine gewisse Flexibilität
bezüglich der Golanhöhen zeigen?

Antwort: Damit das ein für alle Mal klar ist: Der Golan gehört
uns, und wir werden nicht von ihm abrücken, auf gar keinen
Fall. Und warum nicht? Weil er uns gehört.

Interessanterweise hielt Raschi (Rabbi Schlomo ben Jizchak,
größter Bibel- und Talmudkommentator, lebte vor etwa 900
Jahren) es in seiner Weisheit für richtig, genau mit diesem
Thema seinen Kommentar zur Bibel zu beginnen. Bekanntlich
enthält die Tora eine Anleitung für den Menschen, wie er sich in
allen Lebenslagen zu verhalten hat, und sie erklärt ihm, was gut
ist und was schlecht; doch warum beginnt sie mit langwierigen
Klärungen, wie G~tt "am Anfang Himmel und Erde geschaffen"
hat? Wozu diese ganze Geschichte? Dazu erklärte Raschi unter
Berufung auf die talmudischen Weisen: Wenn uns einst die
Völker der Erde sagen sollten, 'Räuber seid ihr, Diebe seid ihr,
ihr nahmt die Gebiete der sieben kana'anitischen Völker!' - dann
antworten wir ihnen: stimmt nicht! Wir haben niemandem etwas
weggenommen! Der Herr der Welt hat die Welt geschaffen. Er
verteilt sie wie er will. Und er hat uns dieses Land gegeben.

"Strategischer Vorteil" ist für uns kein Argument, obwohl
natürlich jeder versteht, dass man eine Verteidigungsposition
eher auf einer Anhöhe anlegt, denn unten fällt es schwerer, im
Notfall seine Kräfte zusammenzuziehen. Auch die "Sicherung
der Wasserversorgung" lassen wir nicht als Argument gelten,
obwohl wir natürlich das Wasser der Golanhöhen benötigen.
Alle diese Argumente sind gut und schön, zielen aber am Kern
des Themas vorbei.

Gehört der Golan uns oder gehört er nicht uns? - lautet die
ethische Frage. Wohl wird uns ohne den Golan Wasser fehlen,
doch wenn er wirklich nicht uns gehört, darf man ihn dann für
Wasser stehlen!? Ohne ihn stecken wir wirklich, strategisch
gesehen, in einer schwierigen Lage, doch wenn er wirklich nicht
uns gehört - dürfen wir ihn dafür stehlen?!

Ich erinnere mich noch an den Golan, wie er nach dem
Sechstagekrieg aussah. Er war vollkommen öd und wüst,
vernachlässigt und ohne Flächenbesiedlung. Wir haben einen
Garten Eden daraus gemacht. Doch das reicht noch nicht. Und
wenn jemand seinem Nächsten einen Sessel stiehlt und dann
die Polsterung verbessert - wird der Sessel dadurch seiner? Die
Selbstaufopferung beim Aufbau der Golanhöhen ist sicher ein
Zeichen dafür, dass er wirklich uns gehört. Und was er vorher so
vernachlässigt war, deutet sicher daraufhin, dass er nie den
Syrern gehörte, die darum auch nichts dort investierten. Ein
Zeichen, aber kein Grund. Auch Jerusalem gehört uns und
niemand anderem. Im Laufe von hunderten von Jahren stand
die Stadt leer und aufs äußerste vernachlässigt. Seit unserer
Rückkehr wird sie auf wunderbare Weise erbaut. Das ist ein
Zeichen, dass sie uns gehört. Doch können wir daraus noch
keine ausreichende moralische Rechtfertigung ableiten, sie uns
zuzurechnen.

Raschi lehrte uns: Ihr müsst vor der moralischen Fragestellung
bestehen! Man sagt euch nach, ihr seiet Räuber. Ihr könnt
darauf nicht antworten, euer Recht auf das Land Israel begründe
sich auf eure größere militärische Stärke. Das überzeugt
niemanden. Ihr müsst beweisen, dass ihr im Recht seid. -
Schließlich und endlich siegt immer der, der recht hat. Es kann
schon vorkommen, dass der wirkliche Eigentümer eine Schlacht
verliert und der Bösewicht gewinnt. Doch den Krieg gewinnt der,
der die Moral auf seiner Seite hat.

Auf diesen Punkt läuft alles hinaus - was erklärt ihr den
Nichtjuden, und den Juden, die es mit ihnen halten, die
behaupten: Das gehört euch nicht, ihr seid Diebe. Wenn ich
wirklich ein Dieb bin, werde ich sicher nicht mein Leben aufs
Spiel setzen, nur um an Diebesgut festzuhalten.

Bezüglich eines Gegenstandes, von dem sich der Eigentümer
nicht eindeutig bestimmen lässt, gibt es eine halachische Regel:
der Stärkere darf es behalten. Eigentlich seltsam: "der Stärkere
hat recht"? Rabenu Ascher (rabbinische Autorität vor etwa 700
Jahren) gibt dafür zwei Erklärungen: 1. der "Stärkere" im Sinne
von "überzeugenderen Beweisen". Das ist nur logisch. 2. der
"Stärkere" nach Krafteinsatz, denn wer genau weiß, dass diese
Sache ihm gehört, wird bis zum Umfallen dafür kämpfen. Wem
die Sache nicht gehört, mag bereit sein, sie zu stehlen, aber
sich dafür aufopfern steht auf einem anderen Blatt geschrieben,
besonders, wenn am Ende die Wahrheit doch ans Tageslicht
kommt und er die Sache sowieso abgeben muss.

Dazu schrieb Rabbiner Re'uwen Margoliot: Im Exil (Galut)
mussten wir immer Hiebe von den Nichtjuden einstecken und
konnten uns kaum davor schützen, denn in gewisser Hinsicht
hatten sie ja recht, wenn sie uns zuriefen: 'Was macht ihr in
unserem Land, dreckige Juden, geht doch nach Palästina!' -
G~ttseidank sind wir nun in "Palästina", oder, genauer gesagt,
im Lande Israel, und jetzt sind anscheinend wir im Recht, denn
wir siegen in allen unseren Kriegen.

Kraft allein reicht nicht, um am Lande Israel festzuhalten. Der
Ausspruch der Nichtjuden und verwirrter Juden, "Räuber seid
Ihr!", schwächt. Wir sind keine Räuber, das ist unser Land. Und
warum? Bestimmt nicht wegen militärischer oder wirtschaftlicher
Gründe, sondern weil die ganze Erde dem Herrn der Welt
gehört, und er hat uns genau dieses Land gegeben.

Jetzt werden natürlich alle gleich sagen: Und das soll die
Nichtjuden überzeugen? Jawohl!! Wir haben es hier ja
schließlich nicht mit Japanern oder Chinesen zu tun, die nichts
mit der Bibel verbindet, sondern mit Christen und Moslems. Die
Bibel wird auch von Christen und Moslems verehrt, die ihr den
dem Heiligen gebührenden Respekt zollen. Und in der Tora
steht unzählige Male geschrieben, dass das Land Israel dem
Volk Israel gehört: Judäa und Samaria, Gasastreifen und
Golanhöhen, die dort "Baschan" genannt werden. Moscheh
eroberte höchstpersönlich den Baschan von "Og, König von
Baschan" (siehe Num. 21,33-35).

Jeden Schabbat beten wir:
"Der große Könige schlug, denn ewiglich währt seine Huld
Und tötete mächtige Könige, denn ewiglich währt seine Huld
Den Sichon, König des Emori, denn ewiglich währt seine Huld
Und den Og, König von Baschan, denn ewiglich währt seine Huld
Und gab ihr Land zum Besitze, denn ewiglich währt seine Huld
Zum Besitze Israel seinem Volke, denn ewiglich währt seine
Huld" (Psalm 136, 17-22).
Das steht alles auch in den Büchern des Christentums und des
Islams, die aus unserer heiligen Tora aufbauten. Das Problem
besteht vielmehr darin, ob wir das wissen, dass der Golan uns
gehört.

Worin besteht das physikalische Geheimnis des Ofens, ein
Zimmer zu heizen? Weil er selber innen heiß ist. Das ist die
Antwort: Wir haben den sieben kana'anitischen Völkern kein
Stückchen Land gestohlen, im Gegenteil, sie sind die
eigentlichen Diebe: "..und der Kana'ani war damals im Lande"
(Gen. 12,6) - vorher nicht, vielmehr stahl er es von dem, der es
vorher von G~tt erhalten hatte (Raschi ebda.).

Vor allem anderen muss die moralische Frage zufriedenstellend
beantwortet werden: Dieses Land gehört uns, denn G~tt hat es
uns gegeben. Später kamen die Römer und vertrieben uns,
doch deswegen gehört es nicht ihnen. Diese verdammten
Römer änderten sogar den Namen des Landes und
bezeichneten es mit "Palästina", damit wir es uns ja aus dem
Kopf schlugen. Einige Epochen weiter kamen die Briten und
benutzten diesen Namen wieder.

Eigentlich seltsam: "Am Anfang schuf G~tt den Himmel und die
Erde", "und wenn man euch sagt, Räuber seid ihr, dann
antwortet: G~tt hat es uns gegeben". - Noch gibt es keinen
einzigen Menschen auf der Erde, noch nicht einmal Land
getrennt von Wasser, und weder Sonne noch Mond! Aber wisset
schon, was ihr den Anklägern zu antworten habt: Dieses Land
gehört uns!

Wenn sich hinter dieser geheimnisvollen Kombination von Vers
und Kommentar kein wichtiges Grundprinzip verbirgt! Hat denn
G~tt die Welt einfach-nur-so geschaffen?! Sicher hatte er ein
Ziel vor Augen, nämlich die Heiligung der Welt in den
Niederungen der Erde, eine Welt voller Gerechtigkeit, voller
Licht, voller Heiligtum, voller Weisheit. Es sei Licht; eine
wunderbare Welt. Und so sieht sie aus? Wohl nicht, manchmal
gibt sie sich als wahres Monster, und es wird eine Sintflut fällig.
Momentan gleicht die Welt eher einem Dschungel voller Wilder
als einem "Institut für göttliche Gerechtigkeit". Und wer soll da
aufräumen? Dafür gibt es ein besonderes Volk: das Volk Israel.

Alle Ideale, die die Welt zur Zeit hoch und teuer schätzt, die
Gerechtigkeit, die Ehrlichkeit, die Wahrheit und die Hoffnung auf
eine gute Zukunft - woher stammen sie? Vielleicht aus einer
Schachtel Waschpulver als Werbegeschenk? Vielleicht aus
dem Kodex Hamurabi in Keilschrift oder aus dem "Bhagavad-
Gita" Indiens?! Woher stammen die Ideale, der Stolz der
Menschheit? Aus dem Tanach (Abk.f. "Tora-Neviim-Ketuwim", =
5 Bücher Moscheh, Propheten, Schriften; "Altes Testament"),
dem Lichte Israels.

Bevorzugen wir unsere Welt als Dschungel, oder möchten wir
lieber ein Paradies auf Erden? Die Sache hängt von diesem
Volk auf diesem Land ab. Auch im Exil strahlte dieses Volk
einen Abglanz des Lichtes aus. In der Galut wurden Talmud und
die Bücher der späteren Weisen geschrieben. Doch lassen sich
diese nicht mit der Ausstrahlung von Mischna und Tanach, die
im Lande Israel verfasst wurden, vergleichen.

Für [be] "Reschit schuf G~tt den Himmel und die Erde", für
Israel, Israel, die auch "Reschit", Anfang, heißen, ist ein Volk
Israel in einem Staat Israel nötig, doch ein Volk ohne Land zählt
nicht als Volk. Ein Volk ohne Land gilt als 100%
schwerbehindert, und ein Volk, dem man Teile seines Landes
amputiert, bekommt einen Schwerbeschädigtenausweis mit
einem entsprechenden Prozentsatz... Das Volk ohne Golan ist
ein behindertes Volk.

Zur Verwirklichung des Zieles "Für 'Reschit' schuf G~tt.." gab er
1. uns 2. dieses Land. Nicht dieses Land anderen Menschen,
und nicht uns ein anderes Land, nicht Uganda und nicht
Birobidschan und auch nicht 35 andere mehr oder weniger
exotische Vorschläge, uns dort einen Staat einzurichten. Es
muss genau hier sein! Für uns einen Staat hier, und für die
Nichtjuden - woanders. Aber nicht für die Nichtjuden hier und für
uns woanders.

Die Schöpfung der Welt bildet das Fundament für unsere
moralische Zugehörigkeit zu unserem Land. Es stimmt, der
Golan hat gewaltigen strategischen Wert, und glaubt ja nicht
jemandem, der das Gegenteil behauptet. In diesem
Zusammenhang wird momentan großer Unsinn verzapft,
wirklich haarsträubende, krumme Argumente. Doch nicht
deshalb halten wir an den Golanhöhen fest.

Es war einmal ein Generalstabschef, der sagte: Wir dürfen
Jüdäa und Samaria nicht verlassen, denn ohne diese Gebiete
ist Israel in Gefahr. Unser großer Lehrer, Rabbiner Zwi Jehuda
Hakohen Kuk sel., schrieb ihm darauf eine gepfefferte Antwort:
Wir dürfen Jüdäa und Samaria nicht verlassen, nicht weil diese
Gebiete das Land Israel schützen, sondern weil sie selber
Bestandteil des Landes Israel sind!

Es stimmt, dass wir enorm im Golan unter militärischer und
siedlerischer Selbstaufopferung investiert haben und ein Stück
vernachlässigter Erde in ein Schauobjekt verwandelten - der
Ausgangspunkt dafür liegt jedoch auf einer höheren Ebene:
dieses Land ist unser Land.

Manche machen dazu die Einwendung, man müsse die
diversen politischen Probleme berücksichtigen. Auch das ist uns
bekannt. Doch frage ich: Sind wir etwa dafür in unser Land
zurückgekehrt? Liegt unser ganzes Bestreben in einer gut
geölten Wirtschaft und ausreichender Sicherheit? Oder kamen
wir für etwas Wichtigeres, nämlich die historische Bestimmung
des jüdischen Volkes fortzuführen? 'Ja, genau dafür' wird jeder
Mensch mit oder ohne Käppchen zustimmen. Und das
beinhaltet den Golan, oder nicht? Sicher ist der Golan da mit
inbegriffen.

Vom Golan abzurücken bedeutet von "Am Anfang schuf G~tt
den Himmel und die Erde" abzurücken - und darum rücken wir
nicht ab.