DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHOFTIM
Nr. 267
2. Elul 5760

Diese Woche in der Tora (Dt. 16,18-21,9):
Regierung: Richter, König, Priester, Propheten; Warnung vor
Götzendienst, Erkennen und Bestrafen desselben - Zeugen;
Wiederholung Totschlägergesetze, -städte; Betrug durch
Verschieben von Landmarkierungen; intrigierende Zeugen;
Gesetze der Kriegführung; Gebot der Vernichtung der Ka'aniter;
die Leiche im Feld/Mörder unbekannt.
 
 

Der Stand der Dinge...
Nötige Liebe
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

65 Jahre ist es jetzt her, seit am 3. Elul Rabbiner Awraham
Jizchak HaKohen Kuk (erster Oberrabbiner Israels) von uns
ging, der für alle Juden innige Liebe empfand und für den galt:
"Sprechet zum Gerechten, dass er es gut hat, denn die Frucht
ihrer Taten werden sie essen" (Jeschajahu 3,10) - die ganze
Generation isst von seinen Früchten.

Er lehrte uns die wahre Liebe zu Israel gerade "zur Zeit des
Niederganges der Nation in ihrem spirituellen Zustande, zu
einer Zeit, da das Niedertrampeln alles Heiligen und
Verhöhnung der Religion mit allem Nachdruck und Macht
sichtbar werden" ("Orot", S.148). Dazu erklärte Rabbiner Kuk,
man müsse erkennen, dass "die Liebe zu[m Volke] Israel ein
Ergebnis des Glaubens im göttlichen Lichte der israelitischen
Gemeinschaft ist... [es gilt] die innere Lichtquelle zu erkennen,
die den Geist der Allgemeinheit durchflutet, und dass sie auch in
jeder individuellen Seele Israels offen oder verborgen residiert,
selbst in der sehr entrückten Seele, die sehr vom Wege G~ttes
abwich" (ebda.).

Womit können wir das vergleichen? Mit einem Kind, das in
liebloser Umgebung aufwuchs, was sich in agressivem
Verhalten äußert; gerade diesem Kind muss man besondere
Liebe entgegenbringen.

Rabbiner Kuk predigte nicht nur, sondern ließ seinen Worten
Taten folgen, um die jüdische Nächstenliebe zu mehren. Er
brachte Abtrünnige der Tora näher, war stets dem Volk
verbunden, fühlte dessen Schmerz und freute sich bei dessen
Freude. Stets nahm er die ganze Generation in Schutz,
verteidigte sie und sühnte für sie in seinen Gebeten und
Werken.

Nach dem Stand der Dinge müssen wir in die Fußstapfen von
Rabbiner Kuk treten, dem "größten Kohen unter seinen
Brüdern" (Lev. 21,10; Bezeichnung für den Hohepriester im
Tempel), der seine Liebe zum Volke Israel ständig intensivierte.
Er verhielt sich zu den Juden wie ein wahrer Hirte, der sich voll
und ganz für seine Herde und ihren Frieden einsetzt und sich
darum bemüht, und ihr Bestes auf allen möglichen Wegen
sucht. Ebenso stand er fest in Krisen und betete für sie, um
harte Schicksalsschläge von ihnen abzuwenden und die
himmlischen Tore des Segens für sie zu öffnen.

"G~tt liebt nur den, der Israel liebt, und je mehr der Mensch
seine Liebe zu Israel verstärkt, umso mehr bestärkt G~tt ihn"
("Der Weg der Frommen", Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto
"RaMChaL").
 
Frage und Antwort

Echte Patentrezepte

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich leide an einer chronischen Krankheit. Ein Freund gab
mir neulich einen Talisman, der mir angeblich helfen soll. Was
halten Sie davon?

Antwort: Häufig wenden sich Leute an Rabbiner mit der Bitte um
"Sgulot" (Wundermittel) für eine kranke Person. Neben der
Behandlung durch den Arzt suchen sie auch Hilfe in spirituellen
Tricks, wie z.B. einem besonderen Vers aus der Tora, einem
Amulett oder einer Veränderung. Leider suchen sie ganz
umsonst nach etwas, was es gar nicht gibt.

"Was soll das heißen?!", höre ich schon aufgebrachte Leute
rufen, "Meine Tante hatte keine Kinder, dann besorgte sie sich
eine Sgula, und heute erfreut sie sich einer ganzen Kinderschar,
g~ttseidank!", und dergleichen.

Es gibt aber noch mehr Tanten auf der Welt, die auch keine
Kinder bekommen konnten, die keine Sgulot benutzten - und
trotzdem Kinder zur Welt brachten. Und das Geheimnis: In 10%
aller Fälle von Kinderlosigkeit erfolgt spontane Heilung, auch bei
Verwendung vollkommen unwirksamer Mittel, ohne dass jemand
den Grund dafür wüsste.

Man kann sein Leben nicht auf Sgulot bauen! Wenn man
Probleme mit dem Einkommen, der Gesundheit oder dem
Familienleben hat, gibt es eine erprobte Medizin: "Gebet,
Umkehr und mildtätige Gaben wenden den strengen
Richterspruch ab" [aus dem Gebet von Rosch Haschana].
Wenn man zu G~tt betet, Psalmen liest und mit intensiver
Aufmerksamkeit die täglichen Gebete von A bis Z betet, so zählt
auch das als Aufopferung.

Und der/die Betreffende kümmere sich um seine bußfertige
Umkehr! Viele fragen dann, wie sie das am besten anstellen -
vielleicht durch Gebete an der Klagemauer? Sicher ist die
Klagemauer ein heiliger Ort, doch muss man vor allem von
seinen Sünden umkehren, von denen gegen G~tt und von
denen gegen die Mitmenschen.

Man gebe Spenden an die Unglücklichen und die Armen, helfe
allen anderen, den Freunden und den Nachbarn, Verwandten
und Bekannten, den Eltern und den Kindern, und natürlich dem
Ehepartner. Gib Geld, gib guten Rat, gib von deiner Zeit, gib
Unterstützung, besuche Kranke.

"Gebet, Umkehr und mildtätige Gaben" - das sind die wahren
Patentrezepte. Wer sich daran hält, braucht nicht nach
zwielichtigen Auswegen zu suchen. Wo haben die Leute bloß
diesen Hokuspokus her? Aus der Tora, den Propheten und
Schriften vielleicht? Aus der Mischna? Steht irgendwo
geschrieben, dass sich einer unserer großen Rabbiner gegen
seine Probleme eines Tricks bediente, eines Amulettes oder
einer Mesusa? Weder in der Tora noch im Talmud kommt so
etwas vor. Vielmehr werden dort Gebet, Umkehr und
Mildtätigkeit erwähnt.

Nicht "wird gesühnt die Schuld des Hauses Eli's durch
Opfermahl und Speiseopfer bis in Ewigkeit!" (Schmu'el I 3,14;
die Söhne des Hohepriesters Eli verlangten Anteile von Opfern,
die ihnen gar nicht zustanden. Damit zogen sie den göttlichen
Fluch auf sich, wodurch sie und alle ihre Nachkommen jung
sterben mussten); wie kam es also, fragten die talmudischen
Weisen, dass ihre Kollegen Abaje und Raba relativ alt wurden,
obwohl beide aus dem Hause Eli stammten? Raba studierte
Tora, Abaje studierte Tora und übte Mildtätigkeit (Rosch
Haschana 18a). Die "Tora des Lebens und der Liebe zur
Mildtätigkeit" haben die Kraft, ein so schweres Schicksal wie
vorzeitigen Tod abzuwenden! Man kann also ohne weiteres
davon ausgehen, dass es sich beim Torastudium um ein
tatsächlich funktionierendes Patentrezept handelt.

******

Frage: Wir sind schon einige Jahre glücklich verheiratet, in
letzter Zeit aber mehren sich die Streitereien. Auf Anraten von
Freunden wandten wir uns an einen "Mekubal" [ein mit den
Geheimnissen der Kabbala vertrauter Rabbiner], um unsere
Ketuba [Heiratsurkunde] auf entsprechende Hinweise prüfen zu
lassen. Er fand denn auch prompt heraus, dass unsere Namen
nicht zueinander passen, worin die Ursache der familiären
Dissonanzen zu sehen sei. Er riet uns, andere Namen
anzunehmen und eine neue Ketuba ausfertigen zu lassen, und
alles würde gut werden. Wir können uns allerdings nicht unserer
Zweifel bei dieser ganzen merkwürdigen Geschichte entledigen.

Antwort: Ihr Gefühl täuscht sie nicht - diese Methode ist "eitel
und ein Haschen nach Wind" (Prediger 1,14), Lug und Trug, frei
erfunden und erstunken. Wir kennen keine solche Art der
Friedensstiftung und Problemlösung zwischen Eheleuten. Sie
können gerne in der Tora und den Prophetenbüchern
nachschlagen, oder im Talmud, im Gesetzeswerk von
Maimonides oder im Schulchan Aruch. Vom Mittelalter bis auf
den heutigen Tag findet sich in keinem der Gesetzesbücher
auch nur ein Hinweis auf so eine Methode. Im Gegenteil: große
Rabbiner wie der sefardische Oberrabbiner Israels, Rav Elijahu
Bakschi-Doron, und Rabbiner Schmu'el Halevi Wosner aus
Bnei-Brak warnten öffentlich vor diesen Patenten.

Natürlich muss eine Ketuba den religionsgesetzlichen
Vorschriften entsprechen. In dieser Hinsicht kann eine Prüfung
durchaus angebracht sein. Wenn sich ein disqualifizierender
Fehler herausstellt, muss sie neu geschrieben werden. Doch
selbst in diesem Fall darf man nicht einfach andere Namen
einsetzen. Das kann sogar halachische Probleme
nachsichziehen, denn die Ketuba muss die gebräuchlichen
Namen des Paares aufweisen, und nicht neue Namen, die sie
sich gerade erst ausgedacht haben. Auf keinen Fall aber haben
Gültigkeit der Ketuba oder die Namen des Paares irgendetwas
mit den Ereignissen in ihrem täglichen Leben zu tun.

Leider gibt es viele einfältige Leute, die sich zum Glauben an
solche Erfindungen verführen lassen und davon ihre Erlösung
erhoffen, statt ernsthaft und mit wirksamen Mitteln ihre
Eheprobleme zu attackieren, wie z.B. durch regelmäßige
Aussprache oder Eheberatung.

Neben der Unwirksamkeit hat diese Art Deutung auch eine
finstere Seite: Unter den Ketuba-Deutern gibt es Hochstapler,
die aus ihrer "Kundschaft" den letzten Groschen herauspressen
und deren Not ausnutzen. Manche erteilen Schwerkranken
medizinische Ratschläge, ohne über die geringste Ausbildung
zu verfügen und verschlimmern den Zustand der
Hilfesuchenden noch. Manche geben vor, aus der Form der
Buchstaben Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
herauslesen zu können, verkünden dem Paar bevorstehende
Katastrophen und kassieren Zehntausende für deren
"Abwendung" - und wirklich, die Katastrophe findet nicht statt...
Auf diese Weise machen die Betrüger Millionen. Es sind Fälle
bekanntgeworden, in denen die Eheleute bestens
zusammenlebten und auf einen teuflischen Rat hin zu einem
Mesusa-Deuter gingen, der ihnen dann 100%ig eröffnete, dass
sie aufgrund ihrer Namen nicht zueinander passten. Ein anderer
beschuldigte einen der Eheleute des Ehebruchs, trotz aller
gegenteiligen Beteuerungen, und das so gesäte Misstrauen ließ
das Paar nicht mehr in Frieden leben, bis es sich scheiden ließ.

Man darf sich keinen Illusionen über das Wesen der Ketuba
hingeben. Sie ist zweifelsohne ein sehr wichtiges Dokument,
das die Pflichten des Ehemannes der Frau gegenüber festhält,
hauptsächlich unterhaltsbezogene Pflichten. Sie verfügt aber
keineswegs über mystische Kräfte wie Zukunftsbeeinflussung.

Wenden Sie sich lieber an echte Toragelehrte und nicht an
falsche Kabbalisten. Wenn Sie krank sind, gehen Sie zum Arzt,
und wenn Sie sich dauernd streiten, zum Eheberater. Und wenn
Ihnen der Sinn nach spiritueller Behandlung steht, dann
"wenden Gebet, Umkehr und mildtätige Gaben den strengen
Richterspruch ab" [siehe oben].