DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT PINCHAS
Nr. 261
19. Tammus 5760

 

Diese Woche in der Tora (Num. 25,10-30,1):
G~ttes Friedensbund mit Pinchas, dem Priester; Musterung der
Kinder Israels vor Jericho; Auslosung der Anteile am Lande
Israel; auch Töchter erben Land; Jehoschua zum Nachfolger
Moschehs erwählt; Opfergesetze für Wochentage, Schabbat,
Neumond und Feiertage.
 
 

Der Stand der Dinge...
Einigkeit und die Mauer Jerusalems
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Wir befinden uns in der traurigen Periode zwischen dem 17.
Tammus und dem 9. Aw ("Tischa beAw"), zwischen der
Durchbrechung der Stadtmauer durch die Römer und der
Zerstörung des Tempels vor knapp 2000 Jahren, möge er bald
in unseren Tagen wieder erbaut werden, amen.

Zu jeder Zeit, und besonders in unseren Tagen, müssen wir
dafür sorgen, dass sich die Gründe für die Zerstörung
Jerusalems und des Tempels nicht wiederholen. Die
talmudischen Weisen lehrten, dass uns grundloser Bruderhass
ins Exil trieb und bedingunslose Liebe unser Land, Jerusalem
und den Tempel wiedererbauen werde.

Die Zerstörung Jerusalems, die mit der Bresche in der
Stadtmauer begann, veranschaulicht die Methode der Römer,
wie auch unser heutigen Feinde. Die Stadtmauer symbolisiert
die Einheit der Nation, wie aus der Kritik der Weisen an den
Juden im babylonischen Exil hervorgeht, die "nicht wie eine
Mauer nach dem Lande Israel zurückkehrten" (Joma 9b), d.h.
alle zusammen, ein Herz und eine Seele.

Unsere Feinde, auch die heutigen, versuchen, diese Mauer zu
brechen, einen Keil ins Volk Israel zu treiben und uns zu
spalten.

Nach dem Stand der Dinge dürfen wir keine Mühe scheuen, die
Nation zu einen, "und zum Bruder spricht jeder: sei stark"
(Jeschajahu 41,6), und gemeinsam zur Verteidigung Jerusalems
und des Staates Israel antreten. "Über deine Mauern,
Jeruschalajim, habe ich Wächter bestellt" (Jeschajahu 62,6).
Man muss lernen und lehren und ins Bewusstsein der jüdischen
Öffentlichkeit bringen, was Jerusalem für uns und die ganze
Menschheit bedeutet. Jerusalem, das Licht der Welt, Herz der
Nation und Herz der Welt. Das Herz kann man nicht teilen, und
auf sein Herz verzichtet man auch nicht. Tausende von Jahren
beteten wir, nach Jerusalem zurückkehren zu können. Wir
vergossen darüber Bäche von Tränen und Blut, die nicht
umsonst vergossen wurden. Und bald wird sich auch das Gebet
erfüllen "Und zu Jerusalem, Deiner Stadt, kehre mit Erbarmen
wieder, und lasse Deine Gegenwart in ihr weilen, wie Du
verheißen, und erbaue sie in naher Zeit, in unseren Tagen, zu
ewigem Bau" (Schmone Esre), und wir werden erleben, wie "der
Ewige Macht gibt seinem Volke, der Ewige segnet sein Volk mit
Frieden" (Psalm 29,11).
 
 
Frage und Antwort

Vielen Dank, Jehoschua!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

[Briefwechsel aus dem Jahre 5738/1978; damals war Rav
Aviner Rabbiner des Kibbutz Lavi im Galil]

Frage: Ich verfolge die Aktivitäten von "Gusch Emunim"
[Siedlerorganisation], und von Tag zu Tag sorge ich mich mehr
wegen eurer zunehmenden Stärke. Wohlbemerkt liebe ich das
"Westufer" [alias Cisjordanien alias "besetzte Gebiete" alias
"Westbank" alias "Judäa und Samaria" alias Jehuda und
Schomron alias ?] nicht weniger als Sie. Es würde mich sehr
schmerzen, im Zuge von Gebietsrückgaben auf diese
Landstriche verzichten zu müssen. Doch wenn ich mich mal
einen Moment in Ruhe hinsetze, meine Gefühle beiseite schiebe
und versuche, hundert oder zweihundert Jahre weiter zu
denken, muss ich erzittern. Heute machen wir zwei Drittel der
Bevölkerung im Lande aus, doch angesichts der arabischen
Geburtenrate werden sie uns bald überholen. ...

Ich würde mich daher mit einem verkleinerten Land begnügen,
dann aber exklusiv für Juden, und die anderen gingen in einen
neu zu bestimmenden jordanisch-palästinensischen Staat. "Für
eine bessere Zukunft" - setzen Sie sich einmal mit Ihren
Genossen zusammen und überlegen, was Sie wollen und wohin
Ihre Ideen führen. Was wollt ihr: Einen jüdischen Staat mit
jüdischer Regierung, oder einen bi-nationalen Staat mit der
Möglichkeit einer arabischen Partei an der Regierung? - Man
muss Gefühle überwinden und vernünftig an die Zukunft denken!

Antwort: Weil ich mir nichts vormachen will, gebe ich zu, und
schäme mich dessen nicht, dass ich kein "tiefes Gefühl" für das
Westufer verspüre und auch keine "Liebe" für Jehuda und
Schomron. So G~tt will, wird der Tag kommen und es mir
vergönnt sein, zu lieben und zu spüren. Zur Zeit jedoch brennt
in mir nicht die Liebe wie eine Feuersbrunst, echte Liebe, Liebe,
nur Liebe, und nicht nur bedeutungsloses Gesäusel.

Doch ich verstehe, und ich weiß aus tiefster Erkenntnis, dass wir
ohne die volle Weite unseres Landes kein Leben haben,
höchstens ein zerrüttetes Leben, ein geteiltes Leben und ein
krankhaftes Leben - und auch darüber freuen wir uns und halten
daran fest, bis uns das vollkommene Leben zuteil werden wird.
*
In Wirklichkeit liebe ich also Jehuda und Schomron - weil ich
das Leben liebe.
*
Ich danke dir, Jehoschua bin Nun, dem Eroberer unseres
Landes, der sich nie mit Demographie beschäftigte, sondern mit
der Einnahme unseres Erbbesitzes.

Sicher war dir bewusst, dass uns die Kanaaniter eine Menge
Unannehmlichkeiten bereiten würden, viel Blutvergießen und
große moralische Verdorbenheit; trotzdem hattest du keine
Angst, suchtest keine Ausflüchte und riefst nicht zum Verzicht
auf nur einen Millimeter unseres Landes auf.

Auch dir, unserem König David, dem Eroberer unseres Landes -
du führtest die von Jehoschua begonnene Aufgabe zum Ziel,
dem Erreichen der vorgesehenen Grenzen, und brachtest uns
den ersehnten Frieden.

Ich danke euch, Esra und Nechemja, dass ihr euch weder von
den Schomronim ["Samaritanern"] noch von den Arabern und
Ammonitern beeindrucken ließt.

Ich danke euch, erste Besiedler Zions nach unserer
Wiedererstehung, und euch, den Kämpfern unseres
Unabhängigkeitskrieges, dass ihr für jedes Fleckchen unseres
Landes euer Leben gabt und euch nicht um Demographie
gekümmert habt.

Durch euer Verdienst sind wir heute hier und verhandeln über
das Land unseres Lebens wie jemand, der weltmännisch über
den Verzicht auf eine seiner Hände oder eines seiner Beine
verhandelt.

Selbst meiner bescheidenen Wenigkeit gebührt etwas Dank,
denn ich wohne im Galil mit weiteren dreißigtausend meiner
Brüder und einer knappen halben Million Araber, und mir kommt
ganz und gar kein Gedanke, etwa den Galil "zurückzugeben",
und ich hoffe sehr, dass auch Ihr nicht auf diese Idee kommt,
obwohl die demographischen Verhältnisse hier denen in Jehuda
und Schomron ähneln.

Doch euch, den Kundschaftern, habe ich nichts zu danken, ihr
hattet Angst vor den Bewohnern des Landes und sagtet, sie
seien euch zu stark (Num. 13,31).

Ihr sagtet: "ein Land, das seine Bewohner verzehrt" (Num.
13,32). Sie werden uns verzehren und auf lange Sicht
vernichten. Ihr wart wie Grashüpfer in euren eigenen Augen,
und deshalb sahen sie euch auch so. "In ihren Rat komme
meine Seele nicht" (nach Gen. 49,6), nicht in euren Rat, nicht in
den Rat eurer Schüler und nicht in den Rat aller jener, die eure
Sünde weiterführen. Vollkommen zu Recht antwortete euch
Kalew: "Wohl können wir hinaufziehen und es in Besitz nehmen,
denn wir können es bewältigen" (Num. 13,30).

Es mangelt uns nicht an Ärger und Problemen, aber die
grausame Zerteilung unseres Landes ist nicht nur einfach ein
Ärgernis, eine Schwierigkeit, sondern eine dauerhafte
Schwächung, eine Schwerbeschädigung.

Sicher stellen die nicht wenigen Minderheiten ein große
Belastung dar und ich vertraue nicht auf ein Wunder wie im
Unabhängigkeitskrieg, als eine Million Araber unser Land
verließen. Ich vertraue nicht auf ein Wunder wie "Ich werde sie
nicht in einem Jahre vor dir vertreiben... nach und nach will ich
sie vor dir vertreiben, bis du fruchtbar geworden und das Land
besetzen kannst" (Ex. 23,29-30), aber vielleicht vertraut das
Wunder auf mich...

Momentan tue ich mich schwer mit anderthalb Millionen
beherrschter Araber in unserer Mitte, aber noch schwerer wäre
es für mich mit den gleichen Arabern säbelrasselnd in ihrem
eigenen, unabhängigen Staat nebenan, und unsere Hasser und
Boykotteure verheimlichen nicht ihre Absichten.

Was soll ich noch sagen, was ich nicht schon erwähnte. Auch
mich beunruhigt das demographische Problem sehr, aber nicht
das der Ischma'eliten [Araber], sondern das der Kinder Israels,
die mehrheitlich immer noch in der Unreinheit des Exils weilen.

Doch ich frage: Brauchen wir denn eine Sofortlösung für alle
unsere Probleme - zeichnen wir uns denn nicht durch die Stärke
der Geduld aus? Haben wir denn das Recht, nur für die
Bequemlichkeit dieser Generation bzw. Generationen das
anzutasten, was gar nicht uns allein gehört, sondern allen
vergangenen und allen zukünftigen Generationen gemeinsam?

Es gibt diejenigen, die schon jetzt "zur Ruhestätte und zum
Erbbesitz" (Dt. 12,9) kommen wollen und erwarten, dass man
ihnen unser Land auf dem silbernen Tablett serviert. Doch
unsere Wiedererstehung erfolgt Stück um Stück, und unsere
Erlösung liegt nicht in der Ungeduld, sondern im Mut, am Land
unseres Lebens festzuhalten.

Darum lieben wir unser Land in seiner ganzen Länge und
Breite, nicht aus irgendeinem unklaren Gefühl heraus, nicht aus
einer sinnlosen Sehnsucht heraus, sondern aus tiefster Einsicht
und deren Quelle - dem Lebensspender der Welten.

Und diese Liebe ist genau die, mit der wir unser Volk lieben.

(aus dem Buch "Am weArzo", Rabbiner Schlomo Aviner,
Jerusalem 5759/1999)