DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT PEKUDE
Nr. 242
4. Adar-2 5760


Diese Woche in der Tora (Ex. 38,21 - 40,38):
Detaillierte Beschreibung des Wüstenheiligtums und der
Priestergewänder; endgültige Abnahme der ganzen Anlage
durch Moscheh; Weisung G~ttes an Moscheh, wann und wie
das Heiligtum aufzustellen sei sowie Aufgaben der Priester;
Einweihung durch G~ttes Herrlichkeit.
 
 

Der Stand der Dinge...
Mit Hilfe von oben
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Und sie brachten die Wohnung zu Moscheh" (Ex. 39,33)...
"Und es geschah im ersten Monat, im zweiten Jahre am ersten
des Monats, wurde die Wohnung aufgestellt. Und Moscheh
stellte die Wohnung auf" (Ex. 40,17-18). Dazu heißt es im
Raschikommentar: "..denn durch die Schwere der Balken
konnte kein Mensch sie aufrichten, weil keiner die Kraft besaß,
diese aufzustellen, und Moscheh stellte sie auf; da sagte
Moscheh vor dem Heiligen, gelobt sei er, wie vermag sie ein
Mensch aufzurichten? Und G~tt sprach, beschäftige du dich
damit mit deiner Hand; es sah aus, als richte er sie auf, sie
richtete sich aber selbst auf und stand von selbst, wie es heißt
'wurde die Wohnung aufgerichtet' - von selbst aufgerichtet".

Raschis Worte weisen auf ein wichtiges Prinzip hin - die
beschränkten Möglichkeiten des Menschen, der sich manchmal
vor schwierige Aufgaben gestellt sieht, die schwerer zu
handhaben sind als die Balken des Heiligtums. Man muss aber
bei der Auseinandersetzung mit fast unüberwindbaren
Problemen die göttliche Hilfe ("Ssiata di'schmaja")
berücksichtigen, die keine Hindernisse kennt und die uns
Extrakräfte verleiht, die weit über unsere begrenzten
Möglichkeiten hinausreichen.

Wenn wir nur guten Willen zeigen und uns nach Kräften
anstrengen, lässt uns G~tt seine Hilfe aus den höheren Sphären
zukommen.

Nach dem Stand der Dinge können wir Einiges aus der
Aufstellung des Wüstenheiligtums durch Moscheh-mit-
göttlicher-Hilfe lernen.

Auch auf nationaler Ebene gibt es manchmal schwierige und
schwerwiegende Probleme, die auf den ersten Blick
unüberwindbar scheinen. Wenn wir uns aber einen Ruck geben
und von uns aus mit der Arbeit anfangen, wird G~tt uns über
unsere Fähigkeiten hinaus unterstützen.

So war es bei der Gründung des Staates, als wir Wenige gegen
Viele kämpften. Und so steht es auch heute, wenn es um jedes
Fleckchen unseres geliebten Landes geht.

Und so verhält es sich auch bei der Rückkehr der Nation zu
ihren jüdischen Wurzeln und bei der Aufgabe, die Nation unter
Zufügung des Lichtes der Liebe und des Glaubens zu einigen.

Wir werden es von uns aus mit allen Kräften und festem Willen
versuchen - und der, "der sein Volk in Liebe erwählt"
(Morgengebet), wird uns von oben helfen.

In Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und Antwort

Ein neuer Feminismus

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wie ist die Bewegung des Feminismus zu beurteilen - als
etwas Gutes oder als etwas Schlechtes?

Antwort: Das lässt sich nicht auf einen Schlag beantworten. Es
gibt schließlich viele verschiedene feministische Bewegungen,
die nicht unbedingt einander ähneln. Wie in jeder Bewegung
gibt es dabei positive Aspekte wie auch Unfug. Über die
Schwächen möchte ich mich gar nicht auslassen, sondern einer
positiven Aufgabe des Feminismus zuwenden.

In diesem Zusammenhang möchte ich zu einem wichtigen,
prinzipiellen Kampf um ein Thema aufrufen, das uns sehr am
Herzen liegt - Männer, die sich für etwas Besseres als ihre
Ehefrauen halten. Es reicht nicht, die Frauen nur nicht zu
prügeln - denn auch das gibt es überreichlich. Psychologen/-
innen schätzen, dass in Israel 200.000 Ehefrauen regelmäßig
von ihren Männern geschlagen werden. Das glaube ich nicht!
Das kann ich einfach nicht glauben! Doch auch wenn man mir
100.000 gesagt hätte, würde ich mich weigern, das zu glauben.
Auch nicht 50.000, nicht 10.000 und auch nicht 1000.

Was soll ich dazu sagen? Ich würde jeder geschlagenen Frau
raten, mit einem Knüppel zurückzuschlagen. In der Mehrheit der
Fälle würde das jedoch nichts nützen, sondern den Mann zu
noch mehr Gewalt provozieren. Stattdessen sollte sich die Frau
an die Polizei wenden. Es macht einen besonderen Eindruck,
wenn die Blutergüsse noch frisch sind. Es soll auch
Polizeidienststellen geben, die sich auch ohne äußerliche
Zeichen der Gewaltanwendung ernsthaft mit einer derartigen
Anzeige befassen. Gibt es doch verbrecherische und
hinterlistige Ehemänner, die ihre Frauen so schlagen, dass keine
äußerlichen Zeichen entstehen. Was für eine Verdorbenheit!

Doch nicht nur Schläge sind furchtbar, sondern auch
Beleidigungen. Manchmal verletzen Beleidigungen noch
schlimmer als Schläge. Auf jiddisch sagt man: "A Schlag geit, a
Wort bleibt" [oder so ähnlich]. Wir reden hier nicht von einem
Ehemann, der nur einmal aus Versehen seine Frau verletzt hat.
Das kann leider jedem passieren, und dann muss man halt um
Verzeihung bitten. Es geht hier vielmehr um einen Ehemann,
der seine Frau regelmäßig beleidigt und sich obendrein im
Recht glaubt, weil er sich als Erzieher seiner Frau sieht, und er
erzieht sie eben durch Beleidigungen. Ganz schrecklich!

Wie heißt es in der Tora genau, "Erzieher" oder "Partner"?!
Nach der Halacha (dem jüdischen Gesetz) muss er die Frau
ernähren, für ihren Lebensunterhalt sorgen und sie würdigen. Er
muss sie angemessen ehren und würdigen, aber nicht durch
Schläge und Erniedrigungen "erziehen".

Und die Frauen sind bereit zu leiden. Warum nur? Wegen der
Verantwortung für die Einheit der Familie, sie nicht
auseinanderbrechen zu lassen, nicht die Kinder leiden zu
lassen. Darum lassen sie sich alles gefallen.

Würde es sich nur um eine Ausnahmeerscheinung handeln,
könnten wir uns damit trösten, dass es in jeder Gesellschaft
Randgruppen gibt. Aber leider ist dies kein seltener Extremfall,
sondern ohne Unterschiede in allen Kreisen anzutreffen, bei
Religiösen und Nichtreligiösen, Orthodoxen und Zionisten,
Aschkenasim, Sefaradim, Äthiopiern und Jemeniten,
Intellektuellen und einfachen Leuten, Rechten und Linken.
Diese bösartige Krankheit zieht sich durch alle
Bevölkerungsgruppen.

Gegen diese Erscheinung muss eine neue feministische
Bewegung gegründet werden, die gegen die Erniedrigung der
Frauen kämpft, gegen Prügel und gegen Beleidigung, gegen
Arroganz und gegen Verächtlichmachung. Dagegen muss man
eine große Bewegung gründen. Ich bin dabei! Alle Rabbiner
werden dabei mitmachen. Alle Menschen mit Geist und Herz
werden dabei mitmachen, und auch alle guten Ehemänner.

Auch Frauen müssen teilnehmen. Es gibt nämlich geprügelte
und erniedrigte Frauen, die noch glauben, der Mann habe damit
recht. Er hat ihr so eine Gehirnwäsche verpasst, dass sie von
seiner Rechtschaffenheit überzeugt ist. Darum muss so eine
Frau auch in dieser Bewegung mitmachen, damit sie weiß, dass
ihr Mann nicht recht hat.

Sie muss daran erinnert werden, dass der Segensspruch bei ihrer
Hochzeit unter der Chuppa nicht lautete: ...der geschaffen hat
Prügel und Erniedrigung, Schmach und Schande, Arroganz und
Hochnäsigkeit, sondern: Liebe und Brüderlichkeit, Frieden und
gutes Zusammenleben.  

 
 
Kinder, Kinder...

Wenn der Monat Adar eintritt..
 
 

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

Jedes Jahr zu Beginn des Purimmonates Adar bricht in vielen
Erziehungsanstalten jegliche Disziplin zusammen. Schon an
Rosch Chodesch Adar wird wild herumgetobt, und diese
Ausgelassenheit zieht sich in unterschiedlicher Stärke bis Purim
hin. Clownereien, freches Gerede und jeder Kritik spottendes
Verhalten sind sowohl in den Mittelschulen-Jeschiwot, in den
Mädchenschulen als auch in den religiösen Gymnasien
anzutreffen. Große Energie wird auf die Krönung eines "Purim-
Rabbiners" (oder -Rabbinerin) aufgewendet und Gelder
verschwendet (bis hin zur Anschaffung eines Esels oder der
Anmietung eines Hubschraubers). "Eitelkeit der Eitelkeiten, alles
ist eitel" (Prediger 1,2), eine Affenschande!

Viele Erzieher sind über diesen Zustand nicht glücklich und
versuchen, den Schaden in Grenzen zu halten. Dabei wurden
Erfolge erzielt, aber auch Rückschläge erlitten. Viele Erzieher
stehen den Bräuchen und der "grandiosen" Tradition der
Sprengung aller Regeln im Monat Adar machtlos gegenüber. Es
gelingt ihnen nicht, die genannten Unsitten abzuschaffen. Ein
Ausweg nur bleibt noch zur Verhinderung einiger der
Auswüchse übrig: die jährliche Klassenreise auf diesen Termin
zu legen.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben - man müsste mit diesem
ganzen Unsinn kurzen Prozess machen. Für die Vergeudung
von psychischen Kräften und Verschwendung von Geldern für
erziehungsfremde Ziele gibt es keine Rechtfertigung. Über den
Monat Adar heißt es: "Sie nahmen [die Tora] später wiederum in
den Tagen Achaschweroschs [freiwillig] an" (Schabbat 88a), der
Monat also, an dem das jüdische Volk von Neuem die Tora auf
sich nahm - und sich deshalb viel eher zu spiritueller Erhebung,
intensiverem Torastudium und der Freude an der Erfüllung der
Gebote eignet. Natürlich weiß jeder, der sich auch nur ein
bisschen in Erziehungsfragen auskennt, dass man so einen
Zustand nicht auf einmal korrigieren kann. Darum sollten wir uns
zuerst und vordringlich die Ausrichtung der psychischen
Energien auf positive, kreative Ziele zur Aufgabe machen.

Unsere Weisen hatten sich schon dieses Themas angenommen
und überlegt, wie man die Freude in nützliche Bahnen lenken
könne. Im Idealfall "Gebotsfreude", von der es heißt: "So lobe ich
mir die Freude" (Prediger 8,15). Nicht jeder ist allerdings fähig,
seine Freude in den Geboten und im Torastudium zu
verwirklichen.

Einen Ratschlag, den sich aber doch jeder zu Herzen nehmen
kann, erteilte schon Maimonides: an zwei Stellen warnte er,
nicht nur sich selbst an den Festtagen und an Purim zu
erfreuen, weil man so das Gebot der Festtagsfreude nicht
ausreichend erfüllt. Er schrieb, wer sich selbst erfreut und nicht
"die Armen und die bitteren Gemütes" mit einbezieht, "nicht das
Gebot der Festfreude erfüllt, sondern nur seinen Bauch erfreut"
(Gesetze der Feiertage, Kap.6,18). "Es gibt keine größere und
prächtigere Freude als die Herzen der Armen, der Waisen, der
Witwen und der Konvertiten zu erfreuen, denn wer das Herz
jener Benachteiligten erfreut, gleicht der göttlichen Präsenz, wie
es heißt: 'zu beleben den Mut der Gebeugten, und zu beleben
das Herz der Niedergeschlagenen' (Jeschajahu 57,15)"
(Gesetze der Estherrolle, Kap.2,17).

"Mit dem Eintritt des Adar mehre man die Fröhlichkeit" (Ta'anit
29a) muss die Bedeutung gewinnen, "das Herz der
Benachteiligten" zu erfreuen, der Armen, Kranken, Bedürftigen
und alten Leute, und wer in einer Notlage steckt. Kurz gesagt:
Wir müssen den Adar zum Monat der Mildtätigkeit machen. Alle
Energie sollte der Mildtätigkeit zugewandt werden, ebenso alle
Gelder. Alle ausgetüftelten Pläne und geniale Festlogistik -
Richtung Mildtätigkeit. Initiativen, Aktivitäten, kreatives Denken -
für die Mildtätigkeit. Sollen die Schüler in ihren
Festausschüssen zusammenkommen und beratschlagen, wie
man eine Hilfsaktion erfolgreich über die Bühne bringt. Die
Schulleitung sollte ihnen dabei mit finanzieller und
organisatorischer Hilfe zur Seite stehen. Zwar führen viele
Erziehungsinstitutionen schon Adar-Hilfsaktionen durch, wie die
Verteilung von "Armengeschenken" in Krankenhäusern u.ä.,
doch sieht man darin noch nicht den Dreh- und Angelpunkt des
ganzen Monats.

Die "Aktion Mildtätigkeit" wird mit Sicherheit den regulären
Stundenplan durcheinanderbringen, vielleicht mehr noch wie
bisher, doch werden nun die seelischen Kräfte auf ein würdiges,
die Persönlichkeit bildendes Ziel statt auf zerstörerische
Anarchie gerichtet. Wenn wir hartnäckig dieser Linie folgen,
werden wir eine neue und dem Monat Adar weit angemessenere
Tradition in unseren Erziehungsanstalten schaffen. Wenn sich
eine ausreichend breite Koalition von Schulleitern und Erziehern
der Grund- und Mittelschulen bilden ließe, könnte man in
wenigen Jahren eine Revolution im Erziehungswesen bewirken.
Dann wird der Adar auch nicht mehr der Schrecken der Lehrer
sein, sondern ein ganz der Erziehung gewidmeter Monat: ein
Monat der Mildtätigkeit!