DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NEZAWIM-WAJELECH
Nr. 270
23. Elul 5760

 

Diese Woche in der Tora (Dt. 29,9-31,30):
Das ganze Volk am Bund mit G~tt beteiligt, nochmalige
Ermahnung zur Einhaltung der Gebote, göttliches Versprechen,
auch nach schwerer Strafung zu G~tt und Land
zurückzukehren. Moschehs 120. Geburtstag, moralische
Unterstützung für seinen Nachfolger, Jehoschua, Ausblick auf
die Zukunft, Wohlstand wird zur Abwendung von G~tt und
Strafe führen.
 

Der Stand der Dinge...
Fluch und Segen
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Die Eilboten gingen hurtig ab mit dem Befehl des Königs, und
das Gesetz wurde ausgegeben in der Stadt Schuschan... und
die Stadt Schuschan war verstört" (Esther 3,15). Wie die Juden
von den zu erwartenden harten königlichen Dekreten erfuhren,
wurde ihnen bang ums Herz. Sie waren besorgt und ratlos.

Nach dem Stand der Dinge redet man derzeit über die
Trennung von Staat und Religion, was nichts anderes bedeutet
als die Trennung der Seele von unserem nationalen Körper.
Gleichzeitig packen hauseigene und fremde "Chirurgen"
Jerusalem, das Herz der Nation, auf den Operationstisch und
beraten, wie man es am besten aufbricht und an fremde Völker
und Religionen verteilt. Kein Wunder also, dass dieses Gerede,
diese Pläne und auch Taten unter vielen, vielen Juden aus allen
gesellschaftlichen Strömungen Sorge und Ratlosigkeit
hervorrufen.

Während unseres fast zweitausendjährigen Exils glaubten wir
an, beteten für und erwarteten unsere Rückkehr nach dem
Lande Israel und Jerusalem, "erneuere unsere Tage wie
ehedem" (Klagelieder 5,21), d.h., um wie ein freies Volk in
seinem Land zu leben (Hatikwa), und nicht nur im politischen
Sinne, sondern auch in spiritueller und jüdischer Hinsicht.
Jetzt aber, wo wir vor der Verwirklichung unseres Traumes
stehen, werden plötzlich Stimmen laut, die die vollständige
Unterdrückung des jüdischen Erscheinungsbildes des Staates
verlangen, die das Land Israel und Jerusalem aufteilen und an
ein fremdes Volk abgeben wollen.

Diese Handlungen und Sprüche zerreißen das Herz, quälen uns
und treiben uns Tränen in die Augen. Doch handelt es sich beim
Volk Israel um ein Volk von Gläubigen. Das Volk Israel, das so
viele Leiden und Qualen im Laufe tausender Jahre
durchgestanden hat und seinem Glauben und seinem Lande die
Treue hielt, wird auch diese Probleme mit G~ttes Hilfe
bewältigen. Wir wissen nach dem göttlichen Versprechen, dass
all dieses Gerede unter dem Aspekt der Schale zu sehen ist, die
eine süße Frucht verbirgt, oder als Abstieg vor dem
Aufschwung, und der Tag ist nicht mehr fern, an dem die ganze
Nation einschließlich ihrer politischen Führung verstehen wird,
dass der Kitt, der das jüdische Volk und alle seine Generationen
zusammenhält und ihm Kraft und Ausdauer verleiht, in der
jüdischen Tradition zu finden ist, was eine Trennung von Staat
Israel und jüdischer Religion unmöglich macht, und erst recht
die Trennung von jüdischem Volk und Jerusalem, dem Herzen
der Nation.

Mögen wir alle gemeinsam ein gutes und süßes neues Jahr
erleben.

"Lösche das Jahr und seine Flüche, beginne ein Jahr und seine
Segnungen" (aus dem Gebet an Rosch Haschana).

In Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
 
Frage und Antwort

Frauen sind doch nicht geizig!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich fühle mich durch die Worte des Talmuds beleidigt,
dass "eine Frau gegen Gäste geiziger ist als ein Mann" (Baba
Mezia 87a). Wenn mein Mann Gäste einlädt, gebe ich mir bei
deren Bewirtung große Mühe, und es ist mir keineswegs schade
darum. Ich verstehe auch nicht, wie die Weisen das aus dem
Vers "Hole schnell drei Maß Mehl [Kemach] feinen Mehls
[Ssolet]" (Gen. 18,6) herauslernen. Sie erklären: "Es heißt
gewöhnliches Mehl/Kemach und es heißt feines Mehl/Ssolet"
(B.M.ebda.), und im Raschikommentar dazu steht: "Sie sagte
'Mehl' und er sagte 'feines Mehl'" - woher wissen sie das?!
Diesen Vers hat doch Awraham alleine gesagt?

Antwort: Sie haben sicher das Recht, sich beleidigt zu fühlen.
Selbstverständlich glauben wir gleichzeitig, dass unsere heiligen
Weisen gute Gründe für ihre Aussprüche haben. Doch fragen
Sie zu recht.

Nehmen wir uns zunächst den zweiten Teil Ihrer Frage vor.
Dazu gibt es mehrere Kommentare.
1. Awraham sagte: "Drei Maß". Sara fragte: "Mehl?" und
Awraham antwortete: "feines Mehl" ("Schwut Jakov").

2. Awraham war sicher kein Geizkragen, sondern hatte die
Angewohnheit, wenig zu reden und viel zu tun. In einem alten
Manuskript zum Raschikommentar finden wir jedoch eine
andere Lesart: Demnach sagte er "Mehl" und sie "Feinmehl"
(Pessach-Hagada "Ma'asse Nissim" von Rabbi Jakov aus
Lissa).

3. Andere erklären, wenn im Talmud ihr Vorschlag von
Feinmehl betont wurde, dann ist das ein Hinweis auf einen
Ausnahmefall, und im allgemeinen sind die Frauen eher
missgünstig (Ba'al Schemtov).

4. In der Mischna "Sprüche der Väter" lernen wir: "Sei dein
Haus geöffnet der Erleichterung, und seien Arme deine
Hausgenossen, und pflege nicht zuviel Geschwätz mit der Frau"
(1,5). Was haben diese drei Dinge gemeinsam? Wenn du auf
deine Frau hörst, wird sie deine Eigenschaft der
Gastfreundschaft einschränken. Entspechend sagte Sara
"Feinmehl", um Awraham anzudeuten, dass die
Gastfreundschaft eine kostspielige Eigenschaft sei (Maharam
Alschech).

5. Der Begriff "Mehl" umfasst alle Sorten, auch die groben, und
weil Sara knauserig war, betonte unser Vorvater Awraham
"Feinmehl" ("Tora Temima").

Bleibt jedoch die Hauptfrage. Warum beschuldigt man die
Frauen der Missgunst gegenüber Gästen, wo gerade sie sich so
große Mühe mit ihnen geben? Der MaHaRaL aus Prag erklärte,
dass die Hausfrau auf die Gäste eifersüchtig ist. Warum gilt nicht
auch sie als Gast? Warum benimmt sich ihr Mann ihr
gegenüber nicht so freundlich wie mit den Gästen? Im Gegenteil
- der Gast isst umsonst und geht seines Weges, und wie sie, die
sich so sehr abgemüht hat, sieht, wie ihr Mann die Gäste ehrt,
tut es ihr im Herzen weh und ist zu recht auf den Gast
eifersüchtig.

Leider gibt es noch viele andere Beispiele, wie der Mann die
ganze Welt ehrt, nur nicht seine Frau. Sie opfert sich auf für die
Einheit der Familie, schluckt alle Erniedrigungen, und der Mann
nutzt das aus.

Betrachten wir einmal, welche Strafe unser Vorvater Jakov für
die Verletzung seiner Frau Rachel erhielt, wie es das Buch
"Messilat Jescharim" ("Der Weg der Frommen", Rabbiner
Moscheh Chajim Luzzatto) schildert: "Jakov zürnte Rachel, weil
sie ihn aufforderte "Verschaffe mir Kinder!"; im Midrasch heißt
es dazu: Da sprach G~tt zu ihm: So redet man mit einer
Bekümmerten?!". - Was können wir schwacher Abglanz unserer
Vorväter erst zu unserer Entschuldigung vorbringen?!

Häufig fühlt der Mann ein falsches Überlegenheitsgefühl. Die
Psychologen erklären diese Überheblichkeit der Männer mit
einem Minderwertigkeitskomplex. Darum sollten sie sich lieber
die Eigenschaft der Demut zueigen machen, und mit
unterdrückter Stimme den morgendlichen Segensspruch sagen
"... der mich nicht als Frau geschaffen", wie einer unserer frühen
Rabbiner aus der Provence vor etwa 700 Jahren schrieb, Rabbi
Kalonymus Sohn des Kalonymus Sohn des Rabbi Me'ir des
Fürsten, am Ende seines Lied-Gedichtes "Maza ischa, maza
tow" ("Fand eine Frau, fand das Gute"):

Unser Vater im Himmel -
der mit Feuersbrunst und Wasserkraft unseren Vorvätern
Wunder geschafft /
der für unseren Vorvater Awraham dem Feuer der Kasdäer die
Brennkraft nahm /
und machte von Mann zum Weib Dina im Mutterleib /
und Aharons Stab zur Schlange war vor Hunderttausender
Augenpaar /
Du wandeltest in Moschehs Gewand die reine in eine weiße
Hand /
des Schilfmeers Boden wurde trocken /
und der Grund des Jordans zu festen Brocken /
ein Fels zu einem See zerfließt /
und aus dem Feuerstein sich ein Wasserquell ergießt /
Ach, könntest du mich doch von Mann in eine Frau verwandeln!
/
wenn ich nur dies Verdienst hätt, welch Gut tät ich mir
einhandeln /
befehligte ich des Hauses Heer und nicht Soldaten beim Militär /
Doch was red ich hier und was soll ich sagen? /
was nützt das Weinen und das Klagen? /
wenn mein Vater im Himmel es über mich so verhängt hat /
und mich mit einem nicht entfernbaren Makel bedrängt hat /
Der Kummer über das Unmögliche ist mir ein tödliches
Schmerzensleid/
mit gutgemeintem, doch leerem Trost komme ich auch nicht
weit
So sprach ich: ich trage es und werde eben leiden /
bis es mit mir zuende ist und muss von dieser Welt scheiden /
Doch war mir der Spruch der Weisen begegnet /
dass man das Gute wie auch das Böse segnet /
so werde ich mit gesenkter Stimme sprechen, mit den Lippen,
den schlaffen:
"Gelobt seist du, Ewiger, der mich nicht als Frau geschaffen!"