DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MISCHPATIM
Nr. 237
29. Schewat 5760

Diese Woche in der Tora (Ex. 21,1 - 24,18):
Gesetze vom Umgang mit Sklaven, von den Schädigungen
durch Mensch, Tier und Feuer, Diebstahl, Leihe, Hütung, Leihe,
Wucher, Gerichtsbarkeit, Schabbat u.v.a.m. G~tt verspricht
Segnungen und Hilfe bei der Eroberung des Landes Israel,
wenn die Gebote eingehalten werden; das Volk verspricht die
Einhaltung der Gebote, und sie zu erlernen; Moscheh steigt auf
den Berg Sinai, um die Gesetzestafeln zu erhalten.
 
Frage und Antwort

Der Messias
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wie wissen wir, wer der wahre Messias ("Maschiach",
wörtl. "der Gesalbte") ist? Fast jeden Tag taucht irgendjemand
auf, der behauptet, er sei der Maschiach, oder sein Rabbi sei
der Maschiach?

Antwort: Unser großer Lehrmeister, Rabbiner Moscheh ben
Maimon ("Maimonides" größter nach-talmudischer Rabbiner,
u.a. Kodifizierer sämtlicher jüdischer Gesetze im Werke
"Mischne Tora", lebte vor ca. 800 Jahren), fasste in zwei Kapiteln
seiner "Gesetze von Königen und Kriegen" alles zusammen,
was unsere talmudischen Weisen über den Maschiach zu
sagen hatten, fügte alles in sorgsamer Ordnung aneinander und
brachte es in Gesetzesform. Dadurch sind wir heute im Besitz
von exakten Maßstäben zur Erkennung des Maschiach.

1. Der Maschiach muss ein König sein. Damit ist ein König im
wahrsten Sinne des Wortes gemeint, und nicht etwa ein "König
in Toragelehrsamkeit" oder ein "König der Heiligkeit". Dies geht
eindeutig aus dem Zusammenhang der verschiedenen Gesetze
hervor, wo es u.a. um die Einsetzung eines Königs geht, um
seine Aufgaben, seine Rechte und Pflichten und seine Autorität
in Kriegsfragen. Der Begriff "König" stellt keine sinnbildliche
Übertragung dar, so wie generell in jüdischen Gesetzestexten
keine Sinnbilder verwendet werden, sondern klare Worte zum
Thema.

Manche möchten schon den Regierungschef in diese Position
rücken. Aber nein! Es muss ein richtiger König sein, der alle
Fäden der Macht in seiner Hand hält. "Aber ist das nicht ein
bisschen gefährlich, alles auf eine Karte zu setzen?" - Das kann
schon sein, doch sprechen wir hier über den Maschiach, dessen
konzentrierte Macht uns zum Segen gereichen wird. Vielleicht
wird er sich Ratgeber bedienen, doch ist er derjenige, der die
Entscheidungen trifft. Auch die demokratische Herrschaftsform
hat ihre segensreichen Seiten, weil alle Gruppen vertreten sind
und einander vertrauen; und die Schattenseite, dass sich
dieselben Gruppen manchmal in die Quere kommen.

2. Ein König "aus dem Hause Davids". Zeitweilig darf es auch
einen König von einem anderen Stamm geben, wie Maimonides
zu Beginn der "Gesetze von Königen und Kriegen"
(Kap.1,Hal.8) schrieb, wie z.B. Scha'ul aus dem Stamme
Benjamin vor David (Jehuda), und später Jerow'am ben Newat.
Doch der Thron, der ewigen Bestand hat, gehört zur
davidischen Linie (1,7).

3. Jener König "studiert die Tora und beschäftigt sich mit den
Geboten (Mitzwot)" (Gesetze v.K.u.K., 11,4). Er fürchtet G~tt,
lernt Tora und erfüllt die Gebote. Überhaupt muss ein jüdischer
König viel Tora lernen (ebda., 3,5). Wie will er denn erfolgreich
die Nation führen, wenn er von der Tora keine Ahnung hat?! Der
Maschiach muss sich in dieser Hinsicht besonders "wie sein
Vorfahr David" (11,4) anstrengen, wenn nicht noch mehr.

4. "..und er bringt das ganze Volk Israel dazu, sie [die Tora]
einzuhalten" (ebda.). "Was, Religionszwang?!" - Dafür ist er ja
König, und das ist sein Job. Jede Herrschaftsordnung hat
notwendigerweise Zwangsaspekte, so auch ein Königtum; dazu
gehören z.B. das Zahlen von Steuern, die Ableistung von
Wehrdienst und die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung.
Hier handelt es sich ja nicht um eine persönliche
Zwangsmaßnahme, die jemand auf seinen Nächsten anwendet,
sondern um Gesetzgebung. In jedem Staat gibt es Gesetze, und
nicht immer sind alle Bürger mit ihnen einverstanden. Doch im
Endeffekt beugen sie sich dem Gesetz, und so können sie in
gegenseitigem Respekt und Brüderlichkeit gut zusammenleben.

5. "..und wird die Kriege G~ttes führen". Auch hier handelt es
sich keineswegs um bildhafte Sprache, sondern um echte
Kriege gegen einen Feind aus Fleisch und Blut. So sagte
Awigail zu David: "..denn die Kriege G~ttes führt mein Herr"
(Schmu'el I, 25,28). Auch das ununterbrochene Torastudium bei
Tag und bei Nacht lässt sich als "Krieg der Tora" bezeichnen,
aber wie gesagt, Maimonides verwendete in seinem
Gesetzesbuch keine blumigen Umschreibungen, und wenn er
es doch tut, so weist er ausdrücklich darauf hin, etwa "so sagten
unsere Weisen auf dem Wege der Anspielung, 'dies ist die
Lehre, wenn ein Mensch im Zelte stirbt' (Num. 19,14), die Tora
hat Bestand nur bei jemandem, der sich in den Zelten der
Weisheit bis zum Umfallen abmüht" (Gesetze vom Toralernen,
3,12). Hier geht es um die Kriege G~ttes, um Mitzwa-Kriege und
nicht um Imperialismus und die anderen meist im gleichen
Atemzug genannten -ismusse. Nach Maimonides' Definition:
"Errettung Israels vor einem Überfall eines Bedrückers"
(Gesetze v.K.u.K., 5,1), d.h., ein Verteidigungskrieg, oder
gemäß Nachmanides "zur Eroberung des Landes", d.h. der
Unabhängigkeitskrieg. König Maschiach beschäftigt sich mit der
Kriegführung. Wir lieben keine Kriege, wir lieben nur den
Frieden, in Ruhe und Sicherheit in unserem Lande zu leben.
Doch was können wir machen, wenn uns die Völker ringsum wie
Hornissen zusetzen und wir um unsere Existenz kämpfen
müssen. Vor allen Dingen muss der Maschiach den Bestand des
jüdischen Volkes sicherstellen. Darum kämpft er die "Kriege
G~ttes", er zieht voran in den Krieg als Generalsstabschef.

Wenn der König alle die vorgenannten Bedingungen erfüllt,
wenn er persönlich Tora lernt, die Gebote einhält und auf
öffentlicher Ebene die Einhaltung der Tora gewährleistet und die
Kriege G~ttes führt - dann können wir ihn "mit einiger Sicherheit
für den Maschiach halten" (11,4). Der hierfür verwendete
Terminus "beCheska" bezeichnet den Fall, wenn sich etwas
nicht hundertprozentig bestimmen lässt und man darum auf den
gesetzlichen Status Quo vertraut, solange nicht das Gegenteil
erwiesen ist. Zum Beispiel darf man bei jedem gottesfürchtigen
Juden ohne Koscherprüfung essen, da er den Status der
Toratreue genießt ("Cheskat Kaschrut"), solange uns nichts
Gegenteiliges über ihn bekannt ist. So verhält es sich auch bei
diesem König: stammt er aus dem Hause David, beschäftigt
sich mit der Tora und den Geboten, führt die Nation mit
entsprechender Innen- und Außenpolitik nach dem Worte
G~ttes - dann ist er "beCheskat" Maschiach, bis das Gegenteil
bewiesen wird. Er ist ein möglicher Maschiach.

Und wann wissen wir, ob es sich wirklich um den Maschiach
handelt? "Wenn er mit dem Vorgenannten Erfolg hat, alle
Nachbarvölker besiegte, den Tempel am vorgeschriebenen
Platze baute und die Verstreuten Israels einsammelte - dann ist
dies mit Sicherheit der Maschiach" (11,4).

Darum war Schabtai Zwi kein Maschiach und noch nicht einmal
ein "möglicher Maschiach", sondern hatte nur großen Erfolg,
eine Menge Leute hinters Licht zu führen.

Jetzt werden sicher einige Leute fragen, warum Maimonides
nicht schrieb, dass der Maschiach das ganze Volk Israel zu
reumütiger Umkehr veranlassen werde? Diese Aufgabe fällt
jedoch dem Propheten Elijahu zu, wie Maimonides in der Folge
ausführte (Gesetze v.K.u.K., 12,2). Natürlich ist uns schon vor
dem Kommen von Elijahu HaNawi geboten, die Herzen der
Juden ihrem Vater im Himmel näherzubringen.

Die Aufgabe des Maschiach besteht darin, als König das
davidische Königtum in seiner ursprünglichen Form zu erneuern
(11,4). Individuelle Heiligkeit gibt es auch bei den Nichtjuden
("Gerechter der Völker", "Frommer der Völker"). Das besondere
Wesen des Volkes Israel liegt in der Heiligkeit der Gemeinschaft
("Keduschat HaKlal"). "Und ich werde dich [Awraham] zu einem
großen Volke machen" (Gen. 12,2), "ein Königtum von Kohanim
(Priestern) und ein heiliges Volk" (Ex. 19,6), ein Staat, der den
Namen G~ttes in der Welt heiligt, und an seiner Spitze König
Maschiach.  
 
 
Am Schabbes-Tisch

Der erste Monat

Rav Asri'el Ari'el

Das erste Gebot (Mitzwa), das wir als Volk erhielten, noch vor
dem Auszug aus Ägypten, betraf die Festlegung eines eigenen
Kalenders. Wir sollten die Jahre nicht ab der Schöpfung der
Welt zählen, sondern mit dem Exodus anfangen. Auch die
Zählung der Monate beginnt keineswegs mit dem Neujahr
(Rosch Haschana) am 1. Tischri, das sich auf die Schöpfung
bezieht, sondern mit dem Neujahr der Befreiung des Volkes im
Monat Nissan (Pessach!). Darum werden die Monate des
jüdischen Kalenders gerade nach ihrem Ordnungswert benannt,
wie Nachmanides (RaMbaN, Rabbi Moscheh ben Nachman,
hervorragender Bibel- und Talmudkommentator, Nordspanien,
lebte vor etwa 800 Jahren) erklärte: der "erste Monat der
Befreiungsmonate", der "zweite Monat der Befreiungsmonate",
usw. Das hat den Zweck, uns auf Schritt und Tritt an die
Befreiung und den Auszug aus Ägypten zu erinnern. Ebenso
zählen wir die Wochentage: der "Erste des Schabbats"
(=Sonntag), der "Zweite des Schabbats" (=Montag) usw., was
uns in jeder Lebenslage unseren Glauben an die Schöpfung der
Welt ins Bewusstsein ruft.

Dieses Gebot wirft eine große Frage auf; nicht bezüglich der
Mitzwa an sich, sondern über uns, denen sie geboten ist.
Warum benutzen wir nicht mehr die Monatsnamen aus der
Tora, warum tauschten wir sie gegen babylonische und
altpersische Namen, die bis auf den heutigen Tag bei uns in
Gebrauch sind?

Nachmanides beantwortete diese Frage mit dem Vers aus dem
Prophetenbuch Jirmijahu (16,14-15): "..da wird nicht mehr
gesagt werden: So wahr der Ewige lebt, der die Kinder Israels
herausgeführt aus dem Lande Ägypten; Sondern: so wahr der
Ewige lebt, der die Kinder Israels herausgeführt aus dem Lande
des Nordens..". Wenn wir noch bis dahin die Erinnerung an den
Auszug aus Ägypten auf unsere Fahnen geschrieben hatten, so
gilt es ab jetzt, der Befreiung aus dem babylonischem Exil
(Galut) zu gedenken. Darum bestimmten die damaligen Weisen,
nunmehr unsere Monate mit persischen und babylonischen
Namen zu belegen, damit wir uns immer daran erinnern, wo wir
herkommen.

Nach demgleichen Prinzip müssten wir eigentlich wiederum
unsere Monate mit anderen Namen belegen, passend zum
neuen Abschnitt auf dem Wege zu unserer endgültigen
Erlösung, dem Wiedererstehen jüdischer nationaler
Selbständigkeit. Nicht nur, dass wir nicht zu den ursprünglichen
Namen "der erste Monat", "der zweite Monat" usw.
zurückkehren, wir sollten noch nichteinmal "Nissan", "Ijar" und
dergleichen verwenden, sondern... "Januar" (statt "Tewet"),
"Februar" usw. Natürlich würden wir die Monate weiterhin mit
dem Neumond beginnen, wie es seit dem Auszug aus Ägypten
bei uns üblich war; die Namen jedoch müssen den fremden
Namen nachempfunden sein, um uns das letzte Exil und die
Befreiung daraus bewusst zu machen, und die Zählung der
Jahre müsste entsprechend auch mit dem Datum der letzten
Erlösung beginnen, nämlich dem 5. Ijar 5708 (14./15. Mai
1948).

Zu unserem großen Leidwesen löst der allgegenwärtige
Gebrauch der Monatsnamen des bürgerlichen Kalenders jedoch
keinerlei Assoziationen mit dem Auszug aus dem "Ägypten"
unserer Tage aus. Im Gegenteil, diese Sache verstärkt nur
unsere Anschmeichelung und Selbstverleugnung gegenüber
der nichtjüdischen Kultur, als ob wir niemals von der
Knechtschaft zur Unabhängigkeit am 5. Ijar vor über 50 Jahren
ausgezogen wären. Aus diesem Grunde müssen wir mit
ansehen, wie die Festlegung des Anfangs dieser "Monate"
nichts mit dem Laufe des Mondes zu tun hat, mit dem das
jüdische Volk verglichen wird. Aus dem gleichen Grunde,
nämlich der Wahrung eines niedrigen Profiles, zählen Viele die
Jahre nach dem Geburtsjahr des Gründers des Christentums, in
dessen Namen in den letzten zweitausend Jahren Unzählige
von uns zur Schlachtbank geführt wurden.

Darum werden wir gerade die Monatsnamen des babylonischen
Exils weiterbenutzen. So knüpfen wir in unserem Bewusstsein
die Verbindung zwischen der Erlösung aus dem babylonischen
Exil mit der vollkommenen Erlösung aus diesem unseren letzten
Exil. Und so wie es den Juden vergönnt war, das Exil zu
verlassen, so möge es uns vergönnt sein, dass die Galut und die
Galutmentalität die Juden verlassen.