DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MATTOT-MASS'EH
Nr. 262
26. Tammus 5760

 

Diese Woche in der Tora (Num. 30,2-36,13):
Selbstauferlegte Verbote, Vernichtung der Midjaniter,
Landzuteilung an die Stämme Gad und Re'uwen, Liste aller
Reisestationen während der Wüstenwanderung, Gebot der
Austreibung der Ka'aniter, die 6 Levitenstädte, Gesetz von der
Zuflucht des Totschlägers, Bodenerbrecht für Frauen; Ende des
4. Buches Moscheh.
 
 

Der Stand der Dinge...
Von Stacheln und Dornen
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Wenn ihr aber nicht die Bewohner des Landes vor euch her
vertreibt, so werden die, die ihr von ihnen übrig lasset, euch zu
Stacheln in euren Augen und zu Dornen in euren Seiten werden
und euch in dem Lande, in dem ihr wohnet, bedrängen" (Num.
33,55).

Der Raschikommentar erläutert dazu: "Die Bewohner, die ihr im
Lande belasset, werden euch zum Schlechten sein ...zu
Stacheln, die euch die Augen ausstechen und zu einer
Dornenhecke, die euch umgibt, um euch einzuschließen und zu
umzingeln, dass keiner hinaus noch herein kann, und euch
beengen".

Was soll das heißen, "zu Stacheln, die euch die Augen
ausstechen"? Die Augen symbolisieren Einsicht und Weisheit,
darum nennt man die Führer und Weisen des Volkes auch die
"Augen des Volkes".

Wenn wir demnach ein fremdes Volk in unserer Mitte belassen,
wird es einen Verlust von Einsicht und Weisheit bei unseren
Führern verursachen, eine Art Ausstechen der Augen des
Verstandes; den Rest kann sich jeder halbwegs Intelligente
selber denken.

Der heilige Kommentator "Or HaChajim" fügt dem noch hinzu:
"Nicht nur, dass eure Feinde an einem Teil des Landes
festhalten werden, sondern auch um einen Teil, den ihr schon
erobert und besiedelt habt, werden sie euch belagern, und wo
ihr siedelt, werden sie euch auffordern, dieses Land zu
verlassen".

Nach dem Stand der Dinge verpflichten uns die klaren und
deutlichen Worte unserer heiligen Tora, sowie die
unmissverständlichen Kommentare von Raschi und "Or
HaChajim" bezüglich der bitteren Konsequenzen der Herrschaft
eines fremden Volkes über Teile des Landes unseres Lebens,
aufzuwachen und aufzustehen und die Augen des Verstandes
unserer Führer und der Bevölkerung zu öffnen und wie ein Herz
und eine Seele dem Ratschluss unserer Feinde
entgegenzutreten, die uns aus unserem Lande und aus
Jerusalem verjagen und vertreiben wollen, und sich der Vers
erfüllt: "So soll dies das Land sein, das euch als Erbe zufällt:
das Land Kana'an in seinen Grenzen" (Num. 34,2), und wie es
im Raschikommentar dazu heißt: "weil der Heilige, gelobt sei er,
die Fürsten der 70 Völker vom Himmel herabwarf und vor
Moscheh niederzwang, indem er zu ihm sagte, siehe, sie haben
keine Kraft mehr".

Auch wenn unsere Politiker nicht immer nach dieser Erkenntnis
handeln, denn "Viele Gedanken sind im Herzen des Menschen -
aber der Ratschluss des Ewigen, der hat Bestand" (Sprüche
19,21). Und welcher Ratschluss? "Denn der Ewige hat Zion
erwählt, begehrt es sich zum Wohnsitze" (Psalm 132,13), "Denn
der Ewige wird sein Volk nicht verlassen und sein Erbe nicht
aufgeben" (Psalm 94,14).
 
 
Frage und Antwort

Gute Zeiten

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Zwar soll nach unseren heiligen Schriften die endgültige
Erlösung "Stück um Stück" erfolgen, doch was sich heutzutage
abspielt, sieht eher aus wie ein "Anti-Stück", die reinste
Katastrophe, eine Rückwärtsentwicklung; Teile vom Lande
Israel gehen uns verloren, Teile unseres Volkes (durch
Assimilation) und Teile der Tora (durch antireligiöse
Gesetzgebung). Das ist doch keine Erlösung! Wir verstehen
schon, "Stück um Stück" usw. [nach der Stelle im Talmud
Jeruschalmi, Brachot 4b, "So ist sie, die Erlösung des Volkes
Israel: Am Anfang wenig, wenig, und im weiteren Verlauf
zulegend"], man muss Geduld und einen langen Atem haben,
man kann nicht alles auf einmal erwarten - aber jetzt fällt vor
unseren Augen alles auseinander!

Antwort: Ich weiß wirklich nicht, wo solche Fragen herkommen.
Wollt ihr wirklich für G~tt entscheiden, wie die Erlösung "Stück
um Stück" abzulaufen hat? Wollt ihr das Tempo bestimmen,
und wann welche Krise stattzufinden hat?! Ihr stellt euch vor
G~tt hin und sagt: "Uns gefällt nicht, wie Du die Erlösung
bringst, wir haben eine andere Inszenierung erwartet wie diese,
darum werden wir uns nunmehr zurückhalten und keine
Dankbarkeit für das bisher Erreichte zeigen; wir behaupten ja
nicht, dass bisher gar nichts geschehen ist, aber die Sache
kommt nicht zu unserer Zufriedenheit voran. Ja, schlimmer
noch, die Regierung verursacht Rückzüge. Erst von der ganzen
Sinai-Halbinsel, und jetzt sind Jehuda und Schomron ("Judäa
und Samaria") und andere Gebiete an der Reihe. Das alles
macht uns gar nicht glücklich, und darum verkünden wir hiermit
in aller Öffentlichkeit, dass wir uns von so einer "Erlösung"
distanzieren. So macht man keine Erlösung. Wir sind
Spezialisten in Sachen Erlösung, 'Professoren und Doktoren der
Erlösung' und erklären hiermit dem Herrn der Welt nach
kritischer Überlegung, dass man so nicht die Erlösung
fertigbringt".

Ich muss mich doch sehr wundern. So eine Frechheit! Als ob wir
G~tt Vorschriften machen könnten, was Gut und was Böse sei...
"..und keine Dankbarkeit für das bisher Erreichte zeigen" - kaum
zu glauben! Verbrecherische Blindheit!

Sicherlich haben wir viele Probleme, aber man braucht sich nur
mal umzuschauen um die wahre Realität zu sehen. Zeichen und
Wunder!

Ein weißhaariger Jude sagte mir einmal: "Als mein Großvater
geboren wurde, gab es im Lande 80.000 Juden, als mein Vater
geboren wurde, 200.000, als ich auf die Welt kam, 600.000, als
mein Sohn geboren wurde, 2 Millionen, und jetzt, als mein Enkel
geboren wurde, 5 Millionen - und da gibt es Leute, die
behaupten, die Lage verschlechtere sich!"
Das nennt man Verschlechterung der Lage?!

Um uns herum Wunder über Wunder - das Land blüht, die
Juden kehren heim aus der Zerstreuung, und Tora, wo man nur
hinsieht...

Natürlich gibt es auch Rückschläge. Niemand hat uns einen
vollkommen glatten Ablauf versprochen. Überhaupt geht es auf
dieser Welt nirgendwo immer glatt (außer vielleicht in der
Antarktis), wir sind noch nicht im Garten Eden angekommen
und es gibt immer noch etwas zu tun. In Wirklichkeit
beschwerten sich sogar Juden zur Zeit von unserem Lehrer
Moscheh. Schon damals waren manche mit der Lage nicht
zufrieden. Selbst nach dem Wunder des Auszugs aus Ägypten
sagten sie: "Wohl aus Mangel an Gräbern in Ägypten hast du
uns weggeholt, um in der Wüste zu sterben?" (Ex. 14,11).

Auch bei den Wundern der Rückkehr aus dem babylonischen
Exil beschwerten sich manche Juden, die nicht den
messianischen Funken in der Koresch-Deklaration wahrnehmen
wollten (siehe Jeschajahu Kap.45). Sie wollten einen
vollkommenen Maschiach ("Messias"), und nicht nur einen
Funken, sie wollten alles schnell und erfolgreich zu einem guten
Ende gebracht sehen. Nachdem unter großen Mühen endlich
der zweite Tempel fertig war, herrschte eitel Freude und
Sonnenschein. Und selbst dann gab es welche, die weinten:
Wir erinnern uns noch an den ersten Tempel; im Vergleich dazu
soll dies etwa ein Tempel sein?! Er gefiel ihnen nicht. "Wehe
dem, der mit seinem Bildner hadert, ein Scherben unter den
Scherben des Erdbodens. Spricht denn der Ton zu seinem
Bildner: Was machst du? - und dein Werk: - es hat keine
Hände!" (ebd., Vers 9), er erdreistet sich, mit dem Herrn der
Welt zu streiten, "Wehe dem, der zum Vater spricht: Wozu
zeugest du? und zum Weibe: Wozu kreisest du [und gebärst]?"
(10), der Embryo gibt seinen Eltern gute Ratschläge?! "Um die
Zukunft befragen sie mich", zur Rechtfertigung? "..wegen
meiner Kinder und des Werkes meiner Hände entbietet ihr
mich" (11), sie geben mir Befehle, "Ich habe die Erde gemacht
und die Menschen auf ihr geschaffen; meine Hände haben die
Himmel ausgespannt und all ihr Heer hab' ich entboten" (12),
auch damals wart ihr schon dabei, um mir in die Schöpfung
reinzureden?!

Man darf sich nicht mit G~tt anlegen und behaupten, so mache
man keine Erlösung, noch darüber undankbar sein und G~tt
nicht Tag und Nacht für das bisher Erreichte danken.

Sicher gibt es noch Mängel, Probleme und Rückschläge. "Stück
um Stück" bedeutet nicht, dass der Zug die ganze Zeit
weiterfährt, vielmehr kann es auch vorkommen, dass er mal
rückwärts rollt; ankommen wird er aber auf jeden Fall. "Es
gleicht mein Geliebter dem Hirsche" (Hohelied 2,9) - wie ein
Hirsch hinter den Hügeln mal sichtbar und mal verdeckt ist, so
ist auch der Erlöser mal sichtbar und mal verdeckt (Midrasch
rabba). Der Hirsch läuft, plötzlich ist er hinter einem Berg
verschwunden, alles scheint verloren - und plötzlich erscheint er
wieder, viel weiter voran. So kommt auch die Erlösung voran,
und wird unsichtbar, die Mühe von Generationen war umsonst -
und dann erscheint sie wieder auf der Bildfläche.

Man kann sich das auch so vorstellen: Wir müssen den Karren
des Maschiach schieben. Manchmal bleibt er im Schlamm
stecken, manchmal bricht eine Achse oder ein Rad. Heute
käme er sicher mit dem Auto. Doch auch diese modernere
Reisemethode wäre nicht frei von Pannen. Manchmal löst sich
ein Ersatzteil, ein Sinai. Schließlich handelt es sich nicht um
einen Cadillac. Letztendlich fährt der Wagen doch. Manchmal
steckt er fest, hat einen Platten oder einen Unfall, g~ttseidank
fährt er aber doch weiter, und der Herr der Welt schiebt ihn
schon lange vorwärts.

Wir haben in unserer langen Geschichte schon viel, viel
Schlimmeres mitgemacht als die heutigen Probleme, nicht nur
zur Zeit von Bar Kochba, sondern auch vor der israelischen
Unabhängigkeit und in der Zeit danach. Tut euch selber einen
Gefallen und lernt unsere Geschichte, und erkennt, wieviel wir
G~tt zu danken haben. Wir haben schon größere Krisen
erfolgreich durchstanden. Auch jetzt müssen wir uns in den
Dreck begeben und den Karren des Maschiach weiterschieben.
Je stärker wir uns auf diese Aufgabe konzentrieren, umso
schneller werden sich die Dinge weiterentwickeln. Über das
Kommen des Maschiach heißt es im Talmud: "Haben sie [die
Juden] sich verdient gemacht, so will ich es beschleunigen,
haben sie sich nicht verdient gemacht, erst zur Zeit" (Sanhedrin
98a). Die vollständige Erlösung wird kommen, darüber herrscht
keinerlei Zweifel. Von allen Versprechungen der Tora und der
Propheten wird alles bis hin zum kleinsten Detail in Erfüllung
gehen. Die Mühen und Kämpfe auf dem Wege entscheiden
nicht über das "Ob", sondern nur über das "Wann". Unsere
Anstrengung gilt der Beschleunigung, dass sich alle
Prophezeiungen schnell in unseren Tagen erfüllen mögen.