DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


EINZELHEITEN ZU MACHON MEIR/KIMIZION UND VIELE ANDERE INTERESSANTE INFORMATIONEN FINDEN SIE  IN DEN AUSGABEN DES AKTUELLEN JAHRGANGS


Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MIKEZ
Nr. 229
2. Tewet 5760
 

2. Schabbat Chanukka
Diese Woche in der Tora (Gen. 41,1 - 44,17):
Pharaos Träume und Josefs Deutung: 7 fette und 7
Hungerjahre,  Josef Vizekönig, Anlage von Vorratsspeichern,
Neuordnung der ägyptischen Wirtschaft, Josefs Brüder
kommen, Getreide zu kaufen, erkennen ihn aber nicht.
 
 
Frage und Antwort

Alles zu seiner Zeit - auch Tora
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Muss ich als berufstätiger Mensch Tora lernen, oder reicht
es, wenn sich damit die Rabbiner und die Jeschiwe-Schüler
befassen?

Antwort: "Nicht weiche dies Buch der Lehre von deinem Munde,
und du sollst sinnen darüber Tag und Nacht" (Jehoschua 1,8) -
nach den talmudischen Weisen beinhaltet dieser Vers die Pflicht
zum Toralernen. Jeden Tag muss man wenigstens ein
bestimmtes Minimum lernen, sowohl bei Tag als auch bei
Nacht, nämlich einen Abschnitt morgens und einen Abschnitt
abends (Menachot 99b). Diese Bestimmung gilt allerdings nur
für den Durchschnittsmenschen. Für Toragelehrte kommt ein
anderer Vers zur Anwendung: "'..du sollst sie [die Tora, deinen
Söhnen] einschärfen' - die Worte der Tora müssen in deinem
Munde geschärft sein; wenn jemand dich etwas fragt, so sage
es ihm nicht stotternd, sondern antworte ihm sofort" (Kiduschin
30a; nach Dt. 6,7). Dafür reichen ein paar Minuten morgens und
abends natürlich nicht aus, sondern man muss dafür gründlich
lernen, mit großer Selbstaufopferung, tags und nachts.

Doch wollten wir nicht über Rabbiner oder Talmidej Chachamim
sprechen, die ihr ganzes Leben der Tora widmen, sondern über
Leute, die für ihren Lebensunterhalt einer weltlichen
Beschäftigung nachgehen. Doch auch diese müssen jeden Tag
bestimmte Zeiten fürs Toralernen reservieren. Das Motto der
Jugendorganisation "Bnej Akiwa" lautet bekanntlich "Tora
WeAwoda", "Tora und Arbeit". Selbst wenn jemand mit einer
wichtigen Aufgabe betraut ist - wichtig für Staat, Gesellschaft
oder Familie - und er dabei sogar viele Gebote erfüllt, kann es
nicht angehen, dass er ganz ohne das Licht der Tora dabei
auskommt. Sein Leben spielt sich im allgemeinen auf der
materiellen, physischen Ebene ab. So neigt der Mensch dazu,
seinen körperlichen Trieben auf ihr niederes Niveau zu folgen.
Wie kann man ihn vor sich selbst schützen? Durch Drohungen?
Durch Zwang? Vielmehr muss man ihm einen Anreiz zu
spirituellem Aufstieg geben und ihn das gute Licht kosten
lassen. Dafür ist das Einhalten von festgesetzten Zeiten
notwendig. Die talmudischen Weisen lehrten: "Wenn jemand
auch nur einen Abschnitt morgens und einen Abschnitt abends
lernt, übte er das Gebot aus 'nicht soll dies Buch der Lehre aus
deinem Munde weichen'... dies darf man aber nicht vor Leuten
aus dem gemeinen Volke sagen" (Menachot 99b), damit sie sich
nicht auf die billige Tour ihrer Pflicht entledigen. Doch "Rawa
sagte: Es ist sogar Pflicht, dies vor Leuten aus dem gemeinen
Volke zu sagen" (ebda.). Ein einfacher Mensch könnte glauben,
das "Meer der Tora" sei so weitläufig, dass er darin ertrinken
müsse, dass er niemals einen Anteil daran erlangen könne, und
wenn doch, könnte es doch nur ein winziges bisschen sein, fast
gar nichts - und darum lasse er lieber ganz die Finger davon.
Wenn man ihm aber mitteilt, dass das gar nicht stimme, sondern
wenn er einen Abschnitt am Tag und einen am Abend lerne,
einen Anteil an der Tora habe und damit großes Glück erlangen
könne - dann wird er sich doch fürs Lernen entscheiden.
Vielleicht entwickelt sich aus dem einen Abschnitt hier und dem
anderen da sogar eine gewisse Leidenschaft, und er lernt mehr
als das Minimum. Aber auch wenn er nicht darüber hinaus geht,
so sammelt er großes Verdienst an. Es gibt sogar eine Methode,
das tags/nachts-Lernen in die 20 Minuten zwischen
Minchagebet und Abendgebet zu legen, wie es in vielen
Synagogen gehalten wird, wo der Rabbiner einen kurzen
Vortrag hält oder Anleitung beim Lernen gibt, und so den Tag
mit der Nacht verknüpft.

Jeder Jude hat ein Recht auf sein tägliches Quantum Tora!
Komme was da wolle! Auch wenn er krank ist, auch wenn er arm
ist, auch wenn er reich ist und von Telefonanrufen verfolgt und
unter der Fuchtel seines Privatsekretärs steht, auch als Soldat in
einer Eliteeinheit nehme er sich zwei, fünf Minuten oder sogar
eine halbe Stunde, um etwas Tora zu lernen. Wie kann auch nur
ein Tag vergehen, ohne dass wir den Worten des Herrn der Welt
zugehört hätten, die er zu uns spricht. So können wir unsere
Seele erheben und verfeinern und auf ein höheres spirituelles
Niveau gelangen.

Glücklich sind wir, wie gut ist unser Anteil! [aus dem
Morgengebet]
 

 
 
Am Chanukka-Tisch

Wunder und Normalfall

Rav Jakov Ari'el
Oberrabbiner von 
Ramat Gan

Das Wunder ist ein Werk des Himmels, Heldenmut eine
menschliche Eigenschaft. Das Wunder steht über der Natur, der
Heldenmut innerhalb der Natur.

Eigentlich scheinen diese beiden Dinge in gegensätzliche
Richtungen zu weisen. Im Talmud wird das Chanukka-Fest mit
dem Wunder des Ölkruges beschrieben. Im täglichen Gebet
findet dieses Wunder jedoch keinerlei Erwähnung. Also ein
Widerspruch zwischen Talmud und Gebet - oder nicht? - Auf
den zweiten Blick sieht die Sache dann auch ganz anders aus.

Das Wunder des Ölkruges besteht nicht nur aus einer
wundersamen Verlängerung der Brenndauer einer bestimmten
Menge Olivenöls, es hat auch eine allgemeinere Bedeutung.
Dieses Ereignis im Tempel spiegelt nicht nur eine örtliche
Erscheinung wider, sondern steht für die Geschehnisse im
ganzen Lande Israel. Der Hellenismus hatte sich in der
gesamten Gesellschaft breitgemacht, vor allem in der
Oberschicht und bei den einflussreichen Persönlichkeiten des
öffentlichen Lebens: in der Priesterschaft, der Aristokratie und
dergleichen. Seine Anziehungskraft war überwältigend. Wer
konnte diesem gesellschaftlichem Druck standhalten?! Wer
konnte sich diesem gewaltigen Einfluss "westlicher Kultur", die
schon die ganze Welt erobert hatte, in den Weg stellen?! Dazu
eine fortschrittliche Kultur, ästhetisch, sinnlich und anziehend,
die Ehre, Status, Reichtum, angenehmes Leben und
persönlichen Nutzen versprach.

Es blieb nur eine kleine Gruppe priesterlicher Abstammung im
Gebiete Modi'in, die die Flamme der jüdischen Identität wahrte,
die sich nicht im Kontakt mit der ihr fremden, hellenisierten Welt
verunreinigte, die ihr Öl rein und edel hielt, versiegelt mit dem
Siegel des reinen und heiligen Priestertums. Diese Gruppe war
zu Beginn recht unbedeutend, weit entfernt von den Zentren des
Einflusses, eine Handvoll ohne Macht und Druckmittel,
unwichtig. Und sieheda, diese kleine Familie verwandelte sich in
eine Feuersbrunst, die über das ganze Land hinwegfegte, die
einen neuen, frischen Geist von Glauben, Begeisterung und
Einsatz für das der Nation Heilige brachte. So entstand eine
große nationale Bewegung, die sich in Heldenmut zu hüllen
verstand und Kriegslisten anzuwenden wusste, bis sie eine
überlegene Großmacht bezwang und durch den Einsatz
internationaler politischer Verbindungen eine respektable
souveräne Herrschaft errichtete, die dem jüdischen Volk für viele
Generationen staatliche Unabhängigkeit sicherte.

Wer in diesen Ereignissen nur die Hand des Zufalls und eine
Antithese zum Wunder sieht, hat das Wesen des Wunders nicht
verstanden. Ein Wunder beinhaltet nicht nur eine himmlische
Erscheinung, sondern bewirkt auch sehr irdische
Umwälzungen, die sich nicht auf normale, rationale Weise
erklären lassen. Wer sich etwas eingehender mit den Dingen
beschäftigt, erkennt ohne Zweifel die Beteiligung einer
himmlischen Ursache. Es besteht also kein Widerspruch
zwischen Talmud und Gebetstext, zwischen dem Wunder des
Ölkruges und dem Heldenmut der Makkabäer, ihren Kriegen
und ihren erfolgreichen politischen Schachzügen. Das Wunder
von Modi'in, Bet Choron, Bet Zur und anderer Orte, der
segensreiche Einfluss der Chaschmonäer auf die Masse des
Volkes, die ideologische Revolution im Bewusstsein des Volkes,
der Kampfgeist, die aufrechte Haltung, das erhobene Haupt, der
Mut, die Einsicht und die Ausdauer, die sich im Volk offenbarten
- diese und noch andere werden vom Wunder des Ölkruges
symbolisiert, weit mehr, als sich im Tempel ereignete.

Aus dem Wenigen wurde viel; viel mehr als das Achtfache. Der
Schwache wurde zum Helden, der Unreine rein. Darin lag der
Kern des Wunders. Der Tempel gibt nur im Kleinen wieder, was
sich auf der Bühne des ganzen Landes abspielt; und darin
besteht seine Aufgabe, nämlich als Zentrum des Volkes zu
dienen, auszudrücken, was im Volk vorgeht und darauf Einfluss
zu nehmen. Hierbei gibt es weder Widerspruch noch
Gegensatz, sondern zwei Seiten einundderselben
Angelegenheit.

"Al Hanissim" - das Wunder des Ölkruges und das Wunder des
Heldenmutes, der Rettungen und der Kämpfe.
 

H A L A C H A
CHANUKKA

In jeder Schmone Esre - Schacharit, (Mussaf an Schabbat und
Rosch Chodesch), Mincha und Ma'ariv - sowie im Tischgebet
wird "Al-Hanissim" eingefügt, an Rosch Chodesch noch
zusätzlich "Ja'ale Wejawo".
An allen Chanukka-Tagen wird im Morgengebet das
vollständige Hallel gesagt und, wenn ein Minjan vorhanden ist,
aus der Tora gelesen.

Wann zündet man Chanukka-Lichter?
Hierbei gibt es drei Bräuche:
1) sofort bei Sonnenuntergang;
2) bei Sternenaufgang - und Abendgebet gleich anschließend;
3) Abendgebet kurz vor Sternenaufgang, und gleich
anschließend Lichterzünden