DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TAWO
Nr. 269
16. Elul 5760

 

Diese Woche in der Tora (Dt. 26,1-29,8):
Erstlingsfrüchte, Land von Milch und Honig, Torasteine am
Jordan, Fluch und Segen von den Bergen Ewal und Gerisim,
ausführliche Warnung zur Einhaltung der Gebote, Lohn und
Strafe, Erinnerung an Wunder und Bund mit G~tt.
 

Der Stand der Dinge...
Freude am Guten
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Und es soll geschehen, wenn du in das Land kommst, das der
Ewige, dein G~tt dir als Besitz gibt, und du nimmst es ein und
wohnst darin: So sollst du nehmen von den Erstlingen aller
Frucht des Erdbodens, die du einbringst aus deinem Lande..."
(Dt. 26,1-2)

Raschi erklärt diesen Vers: "Sie waren dazu erst verpflichtet, als
sie das Land eingenommen und verteilt hatten". Vorbedingung
für das Darbringen der Erstlingsfrüchte, der Verkündung
unserer Dankbarkeit vor Himmel und Erde für G~ttes
Wohltaten, und dass wir nicht undankbar sind - ist die Eroberung
und die Besiedlung des Landes. Nur durch die Herrschaft des
jüdischen Volkes über das Land Israel wird der himmlische
Name in großem Rahmen in der Welt geheiligt und die Ehre
G~ttes und seine Güte vor Aller Augen offenbart.

Darum wartet man mit dem Darbringen der Erstlingsfrüchte bis
zur Eroberung und Besiedlung des Landes, denn erst dann sind
wir von der Dankbarkeit für die Gnaden G~ttes erfüllt.

Nach dem Stand der Dinge leben wir in einer Generation, der es
vergönnt war, ins Land einzuwandern, darum zu kämpfen, es zu
erobern und es zu besiedeln, doch haben wir das Werk noch
nicht vollendet. Immer noch plagen uns politische Kämpfe und
wirkliche Kriege um die Souveränität im Lande Israel.

Wir gehören zu einem besonderen Gliede in der Kette der
Generationen, dessen Aufgabe im Aufbau der materiellen
Existenzgrundlage unseres Staates besteht. Dabei ist es nur
natürlich, wenn die in das industrielle Schaffen, in den
Materialismus vertiefte Generation die göttliche Gnade und
Güte nicht wahrnimmt, die in diesem gewaltigen Werk der
Wiedererstehung des Volkes Israel in seinem Lande verborgen
liegt.

Doch ist der Tag nicht mehr fern, wenn sich der Blick der Augen
des Geistes und der Seele schärfen wird und wir alle die Gnade
G~ttes und seine Wohltaten erkennen werden, die Güte des
Landes, das von Milch und Honig fließt. Und wir werden zu dem
Ort gehen, den G~tt erwählte, seinen Namen dort walten zu
lassen, und werden aufsteigen und vor dem Ewigen unserem
G~tt mit lauter Stimme sprechen (siehe Raschi zu Dt. 26,5) und
uns an all dem Guten erfreuen, das G~tt uns gibt, und mit
eigenen Augen sehen, wie er "ein neues Licht über Zion
leuchten lässt und wir alle bald seines Lichtes teilhaftig werden"
(aus den Segenssprüchen vor dem morgendlichen Schma-
Gebet).
 
Frage und Antwort

Fremde Wesen aus dem Weltall

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Gibt es intelligentes Leben auf anderen Sternen?

Antwort: In seinem Sendschreiben an die Weisen von
Montpellier erklärte Rabbiner Moscheh ben Maimon
("Maimonides"), dass uns zur Erfassung eines jeden Themas
drei Wege zur Verfügung stehen: Prophetie, logische
Beweisführung und praktischer Versuch. Zu unserem Thema
findet sich nichts Ausdrückliches weder in der Tora noch in den
Prophetenbüchern. Das verwundert auch nicht weiter, denn die
Tora ist kein Handbuch der Naturwissenschaft, sondern lehrt
uns über Gut und Böse. Zur Erkenntnis der Wirklichkeit haben
wir den wissenschaftlichen Verstand, auch er eine göttliche
Gabe, und wir sagen sogar einen Segensspruch, wenn wir
einen großen Wissenschaftler sehen. Wir haben nichts gegen
das mögliche Bestehen anderer Welten, wie auch Rabbiner
Chasdai Crescas (Spanien, vor ca. 600 Jahren) am Ende
seines Buches "Or Haschem" erwähnt, doch fehlt uns ein
ausdrücklicher Beweis in dieser Sache. Auch die rationale,
theoretisch-wissenschaftliche Forschung hat bisher keine
eindeutigen Beweise dafür geliefert. So bleibt nur der praktische
Versuch.

Erstaunlicherweise redet man schon seit über fünfzig Jahren
über UFO's und Lebewesen auf fernen Sternen.
Hunderttausende Menschen bezeugten, sie gesehen zu haben -
und trotzdem haben diese Zeugnisse nicht den geringsten
wissenschaftlichen Wert, denn in keinem Museum der Welt
findet sich ein echtes UFO oder wenigstens ein Teil davon, das
ein Wissenschaftler analysieren könnte. Zur wissenschaftlichen
Methodik gehört es, sich nicht auf Erklärungen anderer
Wissenschaftler zu verlassen, vielmehr muss jedes Experiment
nachprüfbar sein, d.h., jeder Wissenschaftler auf der Welt muss
es nachvollziehen können, und es ist ihm überlassen, ob er
gegebene Prämissen akzeptieren oder ihre Ungültigkeit
beweisen will.

In unzähligen Forschungsausschüssen wurden die diversen
Zeugenaussagen unter die Lupe genommen und auf
unterschiedliche Weisen erklärt, wie Fluggeräte, Raketen,
Wetterballone, Spielzeugdrachen, Flugzeuge oder
Hubschrauber im Nebel, geheime militärische Flugkörper,
astronomische Erscheinungen, Kometen, Mond im Nebel,
Nordlicht, niedrige Wolken, ein Auto auf einer fernen Anhöhe im
Nebel und dergleichen mehr.

Die Wissenschaft prüft kritisch: Sie akzeptiert nichts ohne
Beweis, lehnt aber auch nichts ohne weiteres ab.

Fünfzig Jahre lang forscht man schon ohne ein handfestes
Ergebnis, und trotzdem hält sich dieses Thema hartnäckig auf
der Tagesordnung, unterstützt durch hunderte oder gar
tausende Augenzeugen. Auch sorgt das entsprechende
literarische Genre unermüdlich für Interesse und Spannung auf
diesem Gebiet.

Wohl gibt es merkwürdige Erscheinungen, die die Wissenschaft
nicht erklären kann, und die UFO's bieten sich an, diese Lücke
teilweise zu füllen. Das macht daraus aber noch lange keine
Methode, denn es wird immer Dinge geben, die sich nicht
erklären lassen. Nur nimmt man sich hier ein Thema vor, zu
dem die Wissenschaft nur schweigen kann, und füllt dieses
Vakuum mit allen möglichen Behauptungen und Vermutungen.
Das gibt ihnen natürlich noch lange keine Beweiskraft.

Wie lässt sich demnach diese Hartnäckigkeit im Glauben an
UFO's erklären? Anscheinend haben wir hier einen modernen
Mythos von großer psychologischer Kraft vor uns, der
tiefsitzende Ängste erwecken kann. Befassen wir uns nun mit
diesem Aspekt:

Warum kommen die fremden Lebewesen zu uns, nach der
Vorstellung der Augenzeugen und Buchautoren? Offensichtlich
verfügen sie über außergewöhnliche Technologie - was wollen
sie dann von uns? Der nächste Stern außerhalb unseres
Sonnensystems liegt in einer Entfernung von 40.000
Reisejahren mit dem schnellstmöglichen Raumschiff - warum
machen sie sich diese Mühe? Die gängige Erklärung lautet: Sie
suchen hier Frauen, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern,
die vor dem Untergang steht. Darüberhinaus sind die fremden
Wesen sehr schlau und genusssüchtig, aber ohne jedes
Mitgefühl, sie weinen nicht und kennen keinen Zorn. Schlimmer
aber, dass ihnen jede Moral fernliegt, ebenso tiefsinnige
Überlegungen und seelische Dilemmas. Sie sind nicht
menschlich. Und darum müssen sie Frauen finden, um ihre Art
aufzufrischen...

Was nun hat dieser ganze Blödsinn mit uns zu tun?!

Vielmehr haben wir vor uns selber Angst, vor dem Menschen
von Morgen, dem unbekannten Wesen - ein sehr technologisch
orientierter Mensch, aber mangelnd an Menschlichkeit in den
sozialen Beziehungen. Viele Menschen fürchten sich vor
Wissenschaft und Technologie. Zwar sind Wissenschaft und
Technologie an sich nützliche Dinge, doch können sie die
Gesellschaft entmenschlichen. Das ist nicht einmal ihre Schuld,
sondern liegt vielmehr an fortwährendem Schwinden
moralischer Werte. Mit dem Computer kann man nicht reden.

Manchmal löscht der Computer eine wichtige Datei, und der
Mensch fleht ihn an: Bitte, lieber Computer, gib mir meine
Dateien wieder! Leider lässt er nicht mit sich reden. ERROR
ERROR... "error ata bewo'echa, we'error ata bezetecha"
("Verflucht seist du bei deinem Kommen, und verflucht seist du
bei deinem Fortgehen"; Dt. 28,19)...

Man fürchtet, der Mensch könne selber zu einer Art Computer
werden, zu einem techno-barbarischen Geschöpf, das viel
gefährlicher ist als ein primitiver Barbar, denn es verfügt über
gewaltige Machtmittel, die seiner Gewalttätigkeit Ausdruck
verleihen. Er kann auf Knopfdruck eine Atomrakete abfeuern
ohne den Einfluss eines ausgleichenden Gewissens.

Diese Entwicklung, genauer gesagt, die Herrschaft der
Technologie über den Menschen, bedroht das gesellschaftliche
Leben. Darüber wurden in den USA ganz umsonst hunderte,
vielleicht tausende Bücher geschrieben. Der rasende Ansturm
des mächtigen technologischen Golem lässt sich nicht zügeln.
Man fürchtet die Mutation des Menschen zum
"Computermenschen", ohne Gewissen und ausgerüstet nach
dem neuesten Stand der Technik. Das Tier im Menschen, plus
modernste Technologie - das ist "das fremde Wesen aus dem
Weltall".

Effizienz, Begabung und das Streben nach Auszeichnung
herrschen über den Menschen anstelle von Moralität und
Feinfühligkeit. Es erscheint eine Art totalitäre Technologie, und
in deren Zentrum eine menschliches Gefühl mangelnde
Maschine.