DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TISSA
Nr. 240
20. Adar-1 5760

Diese Woche in der Tora (Ex. 30,11 - 34,35):
Volkszählung durch Tempelspende; Wasserbecken für
Priesterwaschung; Salböl; Räucherwerk; 2 Architekten des
Heiligtums; Mahnung zur Schabbathaltung; Sünde des
goldenen Kalbes; Moscheh zerbricht die ersten Gesetzestafeln;
Tötung der Kalbsünder; Moscheh und die göttliche Präsenz im
Versammlungszelt; Moscheh macht neue Gesetzestafeln; G~tt,
verspricht, bei der Eroberung Israels zu helfen; Mahnung, nicht
den Wegen der Bewohner zu folgen; Moscheh strahlt nach 40
Tagen und Nächten auf dem Berg Sinai.
 
 

Der Stand der Dinge...
Von Zahlen und Qualen
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Wenn du aufnimmst die Zahl der Gemusterten der Kinder
Israel, so gebe jeder ein Sühngeld seiner Seele dem Ewigen,
wenn man sie mustert; dass kein Sterben unter ihnen entstehe,
indem man sie mustert" (Ex. 30,12) - "denn auf die Zahl hat der
böse Blick Einfluss, und die Pest könnte über sie kommen, wie
wir in den Tagen Davids finden" (Raschikommentar, Hinweis auf
Schmu'el II, 24,10-15) [Aus der Summe des Sühngeldes lässt
sich die Anzahl der Menschen errechnen, ohne diese direkt
zählen zu müssen].

Das Volk Israel hat eine große Seele, die in allen Juden in allen
Generationen und allen Strömungen zu finden ist. Jeder
Versuch, dieses Volk zu zählen und in seine Einzelteile zu
zerlegen bringt keinen Segen, denn "der Segen ruht nur auf
dem vor den Augen Verborgenem" (Ta'anit 8b).

Wenn man Menschen zählt und sie so zu Nummern macht und
in Statistiken verwandelt, verschwindet ihre Persönlichkeit und
ihre einzigartige Seele, das "Ebenbild G~ttes". Zum Vergleich:
Um sie zu erniedrigen und sie von der Erdoberfläche
auszuradieren, wurden die Juden von den Nazis zu Nummern
gemacht, die man ihnen auf den Arm tätowierte.

Wenn es also darum geht, das Volk Israel zu zählen, zählt man
weder Köpfe noch Körper, sondern die halben Schekel, die
jeder Jude in die öffentliche Kasse einzahlt. Von diesem Geld
werden die regelmäßig für die Allgemeinheit darzubringenden
Opfer finanziert, um auf diese Weise das Verdienst der ganzen
Gemeinschaft zu erhöhen und Heiligkeit, Licht und Güte in der
Welt zu mehren sowie die ganze Nation und jedes Individuum
auf eine höhere spirituelle Stufe zu bringen.

Nach dem Stand der Dinge sehen wir uns beim Zählen von
Menschen überhaupt nicht vor. Im Gegenteil, Statistiken,
Meinungsumfragen und Volksabstimmungen werden in der
israelischen Gesellschaft als Selbstverständlichkeit angesehen,
und es besteht die dringende Gefahr, dass diese Methoden in
Gesellschaft und Politik das Moralverständnis, eherne
Wertvorstellungen und die Existenzgrundlagen von Staat und
Volk angreifen.

Wir müssen aus dem Fehler von König David lernen, dass man
Juden nicht zählt. Ewige Werte, die Verbindung zum jüdischen
Volk und zum Lande Israel lassen sich nicht anhand von
Meinungsumfragen messen, nicht durch ein Referendum
bestimmen und unterliegen auch nicht der Wechselhaftigkeit
der öffentlichen Stimmung - als wolle man der Ewiglichkeit
Israels mit der Stoppuhr beikommen.

In Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und Antwort

Die Reinheit der Jugend

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Die Schwierigkeiten bei der Vermittlung jüdischer Werte
an die heutige Jugend sind allgemein bekannt. Darf man
angesichts dieses Zustandes auf bestimmte religiöse
Grundsätze verzichten, um die Jugendlichen zur Teilnahme an
jüdischen Veranstaltungen und Jugendgruppen zu bewegen?

Antwort: Die religiöse Jugend, so sagen die Erzieher, sieht sich
mit großen Schwierigkeiten und schweren Kämpfen gegen die
schlechten Einflüsse westlicher Kultur konfrontiert. Es ist
tatsächlich nicht leicht, diesem Ansturm standzuhalten, und wir
haben kein Patentrezept zur Lösung des Problems konstanter
Verlockungen.

Eines ist sicher, wir dürfen auf keinen Fall auch noch mit
eigenen Händen die Jugend verunsichern und ihnen dem
jüdischen Gesetz (Halacha) widersprechende Veranstaltungen
organisieren, wie zum Beispiel gemischte (Mädchen und
Jungen) Jugendgruppen und -organisationen. Die bestehenden
gemischten Jugendgruppen tragen nicht das Siegel der
Zustimmung irgendeines Toragelehrten oder
entscheidungsbefugten Rabbiners. Es gibt keine halachische
Responsa, die aufgrund talmudischer Quellen oder des
Schulchan Aruch soetwas erlauben würde. Manchmal jedoch,
sagte Rabbiner Schlomo ben Awraham Aderet ("RaSchbA",
zählt zu den Rischonim von vor etwa 750 Jahren), muss man "in
die andere Richtung sehen" (Responsen V,238), denn es lässt
sich nicht immer alles auf einmal in Ordnung bringen, sondern
nur schrittweise. Wenn man ein großes Übel auf einen
mittelmäßigen oder gar kleinen Missstand herunterschrauben
kann, so ist das schon als Erfolg zu werten.

Am Anfang pflegten die religiösen Jugendlichen den
nichtreligiösen Jugendorganisationen, ob linker oder rechter
politischer Schattierung, zuzuströmen. Schließlich eröffnete sich
ihnen die Möglichkeit einer religiösen Jugendorganisation in
Gestalt der "Bnej Akiwa". Zwar war diese Organisation gemischt,
doch so verhielt es sich natürlich auch bei den weltlichen
Jugendgruppen; jedenfalls konnte man von einer gewissen
Verminderung der Übertretungen sprechen. Darum drückten
viele Rabbiner ein Auge zu und hielten die Entwicklung sogar
für segensreich und für einen Fortschritt zur Rettung der
Jugend.

Doch wenn diese Sache zum Prinzip erhoben wird, zum Guten
schlechthin - dann sind wir verloren. Mängel gibt es überall. "Ja,
da ist kein Mensch gerecht auf Erden, der das Gute tue und
nimmer fehle!"(Prediger 7,20), und es gibt keine
Jugendorganisation auf Erden, die nur das Gute tue und nimmer
fehle... Wenn sie allerdings beipflichtet, dass es bei ihr noch
etwas zu verbessern gibt, um voranzukommen, dann trägt sie
ihre Bezeichnung zu Recht. Doch wenn sie das Schlechte "gut"
nennt - was soll dann aus ihr werden?!

Im Schulchan Aruch heißt es unmissverständlich: "Der Mann
muss sich sehr, sehr von den Frauen entfernt halten" (Ewen
Ha'Eser, 21,1) - außer natürlich von seiner eigenen Frau, der er
sehr, sehr nahe sein soll. Hier soll jetzt nicht diskutiert werden,
was denn genau mit diesem "sehr, sehr" gemeint ist, denn dazu
muss man sich eingehend in die Halacha vertiefen. Eines ist aber
sicher: Eine Jugendgruppe fällt nicht unter die Rubrik "sehr,
sehr von den Frauen entfernt", sondern "sehr, sehr nahe", was
in jeder Hinsicht verboten ist.

Selbst beim "Freudenfest des Wasserschöpfens" im Tempel,
während der Mittelfeiertage des Laubhüttenfestes, wurde
sorgfältig zwischen Männern und Frauen getrennt, obwohl es
sich um eine heilige Veranstaltung an heiligem Orte handelte,
wie es am Ende des Talmudtraktates Sukkot von unseren
Weisen beschrieben wurde (S. 51b/52a).

Es gibt keinerlei halachische Erlaubnis für gemischte
Jugendaktivitäten, weder in einem Privathaus noch in der
Schule, und schon gar nicht in der Jugendgruppe.

Um nicht missverstanden zu werden - wir wollen hier nicht mit
der Brechstange gegen gemischte Jugendgruppen vorgehen,
zweifelsohne gibt es hier aber noch einiges zu verbessern. Und
der erste Schritt zu dieser Verbesserung liegt in der
Bekanntmachung der Notwendigkeit, dass hier eine
Angelegenheit dringend ins Lot kommen muss. Zwar handelt es
sich dabei nicht um den einzigen behandlungsbedürftigen
Missstand, doch außer der Beseitigung der Übertretungen eines
strengen Verbotes gewinnen wir durch diesen Prozess eine
Menge Aufhellung unseres spirituellen Horizontes und
Erhebung auf einen höheres Niveau der Heiligkeit.

G~ttseidank haben wir allen Grund zur Freude über die
anhaltenden Bestrebungen zur Besserung innerhalb der
religiösen Jugendbewegungen. Es gibt schon eine getrennte
Jugendbewegung, und auch die gemischten
Jugendorganisationen eröffnen getrennte Treffpunkte und
organisieren getrennte Aktivitäten. Diese lobenswerte
Entwicklung gilt es mit aller Kraft zu unterstützen.