DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KORACH (außerhalb Israels Schlach Lecha)
Nr. 258
28. Sivan 5760

 

Diese Woche in der Tora (Num. 16,1-18,32):
Putschversuch Korachs und seiner Anhänger gegen Moscheh
und Aharon; harter Kern versinkt im Erdboden, andere werden
von himmlischem Feuer verzehrt; deren Räucherpfannen
dienen als Altarüberzug zum Mahnmal; anschließender Unmut
im Volk wird mit Seuche bestraft; Aharon heilt; göttliches
Wunder mit Aharons Stab bestätigt Führung durch Moscheh
und Aharon; Bestimmung der Priester und der Leviten zum
Tempeldienst und die ihnen zustehenden Abgaben.
 
 

Der Stand der Dinge...
Nehmen ist seliger denn Geben...
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Und Korach nahm" (Num. 16,1). Sein ganzes Wollen und
Streben konzentriert Korach aufs Nehmen - gib her! gib her! Er
will Moscheh und Ahron die Führung wegnehmen; sein
sagenhafter Reichtum ist das Ergebnis ständigen Raffens. Er
giert nach Ehre und will sie anderen abjagen. Er klagt Moscheh
und Ahron an: "Zuviel der Ehre", und nach Raschi zu Num.
16,3: "Ihr nahmt euch selbst viel zu viel Größe".

Er sät Streit im Volke Israel - nicht gerade zu Ehren G~ttes -
und bringt damit die verdiente Katastrophe über sich, seine
Familie und seine Jünger: "Und es öffnete die Erde ihren Mund
und verschlang sie samt ihren Häusern, allen Leuten, die
Korach angehörten, und der ganzen Habe" (Num. 16,32).

Im Gegensatz zu Korach versteht Moscheh nur zu geben: "nicht
einem unter ihnen habe ich einen Esel genommen" (Num.
16,15), er ist äußerst bescheiden: "Moscheh aber war ein sehr
bescheidener Mann, mehr als irgendein Mensch auf dem
Erdboden" (Num. 12,3), sogar als G~tt ihn zur Leitung des
Exodus nach Ägypten schickt, stellt er sein Licht unter den
Scheffel: "Ach, Herr, ich bin kein Mann der Rede... denn ich
habe eine schwere Sprache und eine schwere Zunge" (Ex.
4,10). Er flieht vor der Ehre, aber die Ehre läuft ihm nach.

Nach dem Stand der Dinge müssen wir aus der Tragödie um
Korach und seine Anhänger unsere Lehren ziehen. Weder das
Nehmen noch das Eigeninteresse dürfen uns den Weg weisen,
nicht auf individueller noch auf nationaler Ebene. Der
Materialismus darf nicht im Mittelpunkt unseres Lebens stehen,
weil er die moralischen Werte der Allgemeinheit und des
Einzelnen zerrüttet. Vielmehr muss die Erziehung auf das
Geben, auf Idealismus und ethisches Verhalten ausgerichtet
sein - dem Nächsten zu helfen, die Geschöpfe zu lieben und mit
ihnen verbunden zu sein.

Nun leben wir allerdings in einer materialistischen Zeit, wie
Rabbiner Awraham Jizchak Hakohen Kuk sel. [erster
Oberrabbiner Israels] es ausdrückte: "Es ist uns überliefert, dass
eine geistige Auflehnung im Lande Israel und in Israel
stattfinden wird, im Zeitabschnitt, da der Anbeginn der
Auferstehung der Nation sich rührt zu kommen. Die materielle
Sorglosigkeit, die Teile der Nation umfasst, welche sich einbilden
werden, bereits ihr Ziel erreicht zu haben, wird die Seele
verkleinern... Das Streben nach erhabenen und heiligen Idealen
wird nachlassen, und entsprechend wird die Spiritualität
versinken...", es wird aber nicht lange dauern, bis ein
Umschwung stattfindet in Form der "großen Umkehr, die die
Nation wiederbelebt und ihr und der Welt die Erlösung bringt,
eine Umkehr, die auf göttlicher Inspiration beruht, die sich
ausbreiten wird" ("Orot Ha'Techija" §44+69), und dadurch
werden wir mit eigenen Augen sehen, wie "neues Licht auf Zion
leuchten" wird (Sidur).
 
Frage und Antwort

Der Mann am Steuer

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Sollte man wegen der vielen tödlichen Verkehrsunfälle
nicht am besten ganz das Autofahren verbieten?

Antwort: Diese Frage zielt hauptsächlich auf die Männer, denn
g~ttseidank fahren Frauen vorsichtiger. Zwar haben sowohl die
Männer als auch die Frauen ihre Vorzüge, aber in diesem Fall
sind die Frauen den Männern überlegen. Manche Leute
behaupten zwar, die Mehrheit der Verkehrsunfälle gehe auf das
Konto von Frauen, doch bei näherer Untersuchung entpuppen
sich diese als die Bagatellfälle, wie Beulen beim Einparken und
dergleichen. Die schweren Verkehrsunfälle jedoch werden von
Männern verursacht. Der Mann am Steuer - ein gefährliches
Geschöpf. Es ist unverständlich, wie das passiert. Plötzlich wird
er gewalttätig. Auf diesem Gebiet müssen die Männer von den
Frauen Verantwortung und Mäßigung lernen und sich nicht in
wilde Bestien verwandeln.

Verkehrsunfälle sind etwas Furchtbares. Einmal verfasste ein
Rabbiner darüber einen Artikel mit der Überschrift: "Staatsfeind
Nr. 2". Die Einleitung lautete: "Der Feind Nr. 2 des Staates
Israel sind die Araber; Feind Nr. 1 - die Verkehrsunfälle". Damit
hatte er nicht ganz Unrecht. Jedes Mal, wenn ein Jude - möge
G~tt sein Blut rächen - von einem Araber ermordet wird, "da
erbebten die Säulen der Pfosten" (Jeschajhu 6,4), sind alle
erschüttert und weinen, und das mit Recht. Tagtäglich aber
verlieren wir 1½ Seelen durch Verkehrsunfälle, jedes Jahr 600
Menschen, dazu noch zwanzigtausend Schwerverletzte, die
hinterher auch mit Prothese nicht im Leben zurechtkommen.
Das ist mehr als aller Terror und alle Kriege Israels
zusammengenommen. Man muss aufpassen.

Zu seiner Zeit sagte Rabbiner A.I.Kuk: Wenn es das Sanhedrin
heute gäbe, würde es Privatfahrten mit dem Auto verbieten und
nur besondere Dienste erlauben, wie Krankenwagen,
Militärfahrzeuge oder Regierungslimousinen. Natürlich würde es
sofort ein großes Geschrei geben: Was, sollen wir etwa wieder
mit der Postkutsche fahren?! Was wird aus unserer
Lebensqualität?! Doch darauf erwiderte er: Und für mehr
Lebensqualität darf man Menschen umbringen?

Eine Fahrt ist eine gefährliche Sache. Männer, Frauen und
Kleinkinder kommen um, hunderte Kinder, sogar Fußgänger.
Das verlangt nach reumütiger Umkehr.

Manche Leute bitten ihre Rabbiner um Patentrezepte für den
Lebensunterhalt, für erfolgreiches Lernen oder für gute
Gesundheit. Diese Leute suchen Abkürzungen und Tricks. Ich
weiß ein viel besseres Patentrezept, gut für alle Probleme: Fahr
langsam!

Damit erfüllt man ein wichtiges Gebot: "Und wahret eure Seelen
wohl" (Dt. 4,15). Durch vorsichtiges Fahren und Beachten aller
Verkehrszeichen erfüllt man ein Gebot der Tora! Auf dem Tacho
gibt es einen Zähler für Kilometer, und im Himmel gibt es einen
Zähler für Mitzwot: auf wieviele Menschen man Rücksicht
genommen hat, wie oft man sein eigenes und das Leben
Anderer geschützt hat.

Ein Arzt rettet oder heilt Menschen, nachdem ihnen etwas
zugestoßen ist. Wir können verhindern, dass ihnen überhaupt
erst was passiert.

Für manche Gebote, wie Lulaw und Etrog, sind die Leute bereit,
tief in die Tasche zu greifen und auch Zeit aufzuwenden, um
besonders schöne Exemplare zu finden. Auch hier zahlt sich ein
Mehraufwand an Zeit aus. Der Unterschied ist meistens gar
nicht so groß. Statt einer halben Stunde Fahrt vielleicht 40
Minuten. Sie werden schon nichts verpassen. Auf jeden Fall ist
es immer eine gute Idee, Zeit und Mühe für Mitzwot zu
investieren.

Das ist eine große Mitzwa. Hier haben Sie eine gute
Gelegenheit! Fromme Menschen, Idealisten, suchen Mitzwot.
Manche suchen sie zwischen Mensch und G~tt, manche
suchen sie in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Aber
eine Mitzwa, zu laufen und ein Menschenleben zu retten - wer
wird sich nicht darum reißen! Dabei gibt es keine zwei
verschiedenen halachischen Meinungen oder Methoden, jede
Strömung und jede Partei stimmen überein, alle Aschkenasim
und alle Sefardim, alle Rechten und alle Linken, alle Religiösen
und alle Nichtreligiösen.

Wenn Sie das nächste Mal in Ihr Auto einsteigen, denken Sie
daran: G~ttseidank haben Sie jetzt die Gelegenheit, dieses
große Gebot zu erfüllen, nämlich Ihr Leben und das Leben
anderer Menschen zu schützen, gute Charaktereigenschaften
wie Sanftmut und Großherzigkeit zu erwerben und zu vertiefen,
die Mitmenschen und damit auch den Herrn der Welt zu
erfreuen.
 
 
Am Schabbes-Tisch

Dialog

Rav Asri'el Ari'el

Was macht ein Staatsoberhaupt, wenn sich vor seiner Haustür
ein Aufstand der Volksmassen zusammenbraut?

Zu allen Zeiten und in allen Völkern ruft der
König/Präsident/Diktator usw. seine Kommandoeinheit zuhilfe
und lässt auf die Aufständischen feuern. Doch unser Lehrer
Moscheh verhält sich ganz anders. Seine Stärke lag schon
immer in der Rede, auch in diesem Falle.

Zuerst bittet Moscheh um Aussprache mit Korach und dessen
Gefolgschaft. Nun wendet er sich an sie nicht mit sanfter
Stimme ("wajomer", 'er sagte'), sondern mit Nachdruck
("wajedaber"; siehe Raschi zu Num. 12,1). Sanfte Anrede wäre
ihm als Schwäche ausgelegt worden. Trotz des harten Tones
verletzt er jedoch nicht. Er bittet lediglich, die Entscheidung auf
den nächsten Morgen zu vertagen. Bis morgen haben sich die
Geister vielleicht wieder beruhigt, und dann kann man die
Probleme in Sachlichkeit zu lösen versuchen. - Doch Korach
antwortet nicht.

Moscheh versucht es nocheinmal, diesmal mit persönlicher
Anrede. Auch drückt er sich etwas milder aus. Nicht mehr
"wajedaber", sondern "wajomer". Diesmal versucht er zu
überreden, zu erläutern. Doch Korach antwortet nicht.

Darum lässt Moscheh nun nach den anderen Anführern des
Aufstandes schicken, Datan und Awiram. Wenn der Dialog mit
dem Oberhäuptling nicht klappte, geht es vielleicht mit seinen
Kollegen besser. Doch Datan und Awiram verhalten sich noch
radikaler als ihr Boss. Korach hört Moschehs Worte wenigstens
aus der Nähe und verweigert nur die Antwort. Doch Datan und
Awiram wollen nichteinmal herbeikommen und hinhören. Ihre
frechen Anschuldigungen lassen sie aus der Ferne vom Stapel,
weit genug von Moscheh entfernt, damit er ihnen nicht direkt
antworten kann.

Moscheh wendet sich daher wieder an Korach, und wiederum
mit sanfter Stimme. Er wiederholt seine Einladung für morgen.
Korach wird der Einladung folge leisten, doch in der
Zwischenzeit hüllt er sich in Schweigen und antwortet Moscheh
nicht. -

So hält es der Gesandte G~ttes. Er läuft weder Amt noch
Würden nach. Als göttlich Beauftragter ist er sich seiner Sache
sicher. Darum macht es ihm nichts aus, mit jedermann sanft zu
sprechen, selbst mit seinen schärfsten Widersachern. Auch
Korach weiß genau, in wessen Namen er auftritt, und in wessen
Namen er nicht auftritt. Er ist sich seiner Sache überhaupt nicht
sicher. Tief im Innern weiß er, dass er im Unrecht ist. Darum
weicht er jedem Angebot zum Dialog aus. Er fürchtet die sanfte
Rede Moschehs, wie es heißt: "eine weiche Zunge bricht
Knochen" (Sprüche 25,15). Und erst nachdem Moscheh
vollkommen klar wurde, dass der menschliche Mund hier nichts
mehr ausrichten kann, überlässt er das letzte Wort dem Mund
der Erde.