DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT CHUKKAT (außerhalb Israels Korach)
Nr. 259
5. Tammus 5760

 

Diese Woche in der Tora (Num. 19,1-22,1):
Wasser mit Asche der roten Kuh zur Beseitigung von
Leichenunreinheit im Tempel; Mirjam stirbt, Brunnen versiegt,
Volk murrt; Moscheh eröffnet neue Quelle, aber nicht genau wie
von G~tt befohlen; Edom verweigert Durchreise; Aharon stirbt
nach Übertragung der Hohepriesterschaft auf seinen Sohn
Elasar; Kana'aniter greifen an und werden geschlagen; Volk will
kein Manna mehr, Strafung durch Giftschlangen; kupferne
Schlange; Volk singt Loblied; Eroberung von Moaw und
Baschan (Transjordanien und Golan).
 
 

Der Stand der Dinge...
Von Völkern und Schwertern
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Wie die Kinder Israels durch das Land Edom ziehen wollen,
erwidern die Edomiter: "Du darfst nicht durch mein Land ziehen,
sonst werde ich dir mit dem Schwerte entgegentreten" (Num.
20,18).

Im Raschikommentar dazu heißt es: "Ihr rühmt euch mit der
Stimme, die euch euer Vater als Erbteil gegeben, und sagt, 'wir
riefen, und er hörte unsere Stimme'; so werde ich gegen euch
ausziehen mit dem, was mein Vater mir als Erbteil gelassen,
'und du wirst von deinem Schwerte leben'"

Nach diesen Worten ist die Stärke des Volkes Israel von
spiritueller und moralischer Natur. Mithilfe dieser Stärke
überwindet es die Widrigkeiten der Geschichte und die Fallen,
die ihm seine auf dem Wege lauernden Feinde gestellt haben.
Die Kraft des jüdischen Geistes vererben wir seit den Vorvätern
von Generation zu Generation weiter. Diese Kraft wurde uns
von G~tt aufgeprägt, "der uns von allen Völkern erwählte und
uns seine Lehre gab" (Segensspruch über die Tora).

Demgegenüber, und im Gegensatz zum jüdischen Volk, folgen
Edom und die Völker der Erde dessen Vorbild, heute so wie
damals. Sie kommen uns mit der Macht des Schwertes, das die
Fähigkeit symbolisiert, Mitmenschen zu überwinden und zu
vernichten.

Nach dem Stand der Dinge schreckt uns weder die Bedrohung
Israels durch das Schwert noch jagt sie uns Angst ein. Israel,
das seit Generationen gelernt hat, im Namen von Gerechtigkeit
und Moral aufzutreten, weiß auch das Schwert zu führen, wie es
dies im Falle von Sichon, König der Emoriter, demonstriert
hatte: "Israel aber schlug ihn mit der Schärfe des Schwertes und
nahm sein Land in Besitz" (Num. 21,24) - bis eine Zeit kommen
wird, von denen Jeschajahu prophezeite: "Nicht wird Volk gegen
Volk das Schwert erheben, und nicht mehr den Krieg lernen"
(2,4).
 
 
Frage und Antwort

Sind alle "Hechscher" koscher?(II)

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Sie behaupten immer wieder, daß alle "Hechscher"
[Koscher-Bescheinigungen] koscher sind [siehe
"Betrachtungen" Nr. 173 Chaje Sara 5759]. Ich habe das
Gefühl, daß Sie, verehrter Herr Rabbiner Aviner, in dieser
Sache etwas naiv sind und nicht wissen, was mancherorts
vorgeht. Wenn Sie wüßten, wieviele Pannen in den Fabriken
der Nahrungsmittelproduzenten und erst recht in Restaurants
vorkommen, würden Sie sich nicht so ausdrücken.

Antwort: In Restaurants und Konditoreien muß man wegen der
Flexibilität der Essensbereitung allerdings besonders sorgfältig
prüfen. Die Fabriken arbeiten nach einem festgelegten Schema,
was die Überwachung erleichtert. In aller Bescheidenheit kenne
ich die Realität sehr gut - und trotzdem bleibe ich dabei: wenn
ein Toragelehrter die Verantwortung übernimmt und dem
Produkt das Koscher-Zertifikat verleiht, dann ist das koscher.
Dann komme auch kein Neunmalkluger daher und erfreche sich
gegen die Rabbiner, als ob diese dem ganzen Volk Israel
Treifes vorsetzten.

Frage: Wie kann der Verbraucher wissen, der auf der Packung
die Koscher-Bestätigung sieht, ob der dort aufgeführte Rabbiner
wirklich ein Toragelehrter ist, oder sich nur als Rabbiner
ausgibt?

Antwort: Wenn der Verbraucher diesen Rabbiner nicht kennt,
muß er nachforschen. Wenn es sich um eine bekannte
Kaschrut-Organisation handelt, um ein israelisches Rabbinat
oder um einen städtischen Oberrabbiner in Israel, handelt es
sich auf jeden Fall um einen anerkannten Toragelehrten.

Frage: Mir sind einige Fälle von gefälschten Hechschern
vorgekommen, wo sich herausstellte, daß der Produzent ohne
Erlaubnis "koscher" auf die Packung druckte. Darf ich das
Erzeugnis trotzdem essen, denn Sie sagen ja, "alle Hechscher
sind koscher"?

Antwort: Wenn ein Fälscher die Unterschrift eines Rabbiners
nachmacht, hat das natürlich nicht die Wirkung eines
"Hechschers". Daraus sind allerdings keine Schlußfolgerungen
auf alle anderen Hechscher zu ziehen. Auch wenn man die
Unterschrift des anerkanntesten Rabbiners fälschte, ist das
Produkt nicht als koscher anzusehen.

Frage: Einmal gab ein Rabbiner sein Hechscher einem großen
und wichtigen Betrieb, und es stellte sich heraus, daß er keinen
Schimmer davon hatte, was dort vorging. In einem anderen
Betrieb fand man unzählige Insekten in den Erzeugnissen. In
einem Fall kam heraus, daß der Rabbiner das verarbeitete Obst
nicht auf Orla (Verbot des Essens von Früchten, die aus den
ersten drei Lebensjahren ihres Baumes stammen) geprüft hatte.
Ein anderes Unternehmen beschäftigte nur Nichtjuden und
arbeitete auch am Schabbat - nur daß dann der Maschgiach
[der vom Rabbinat beauftragte Kaschrut-Kontrolleur] nicht
kommen und die angelieferten Rohstoffe prüfen konnte. Über
einige Rabbiner, die Hechscher ausstellten, wurde Nachteiliges
bekannt, bis sie das Oberrabbinat unter besondere Aufsicht
stellte.

Antwort: Ich habe nie behauptet, daß es keine Fehler gibt.
Jedoch vertrauen wir in der ganzen Tora auf die Regeln von
"Mehrheit" und "Chasaka". Jeder Toragelehrte, der als solcher
bekannt ist, genießt "Cheskat Kaschrut", d.h., man vertraut auf
den toragesetzlichen Status Quo, solange nicht das Gegenteil
erwiesen ist. Wenn Stimmen laut werden, die vor Problemen
warnen, muß man der Sache nachgehen. Wurden die Probleme
mit ihm erörtert und als Resultat seine "Chasaka" erschüttert,
ziehen auch wir die nötigen Konsequenzen. Wenn ein Rabbiner
sein Hechscher ohne jede Nachprüfung erteilt, verliert er seine
Chasaka, bis er die religionsgesetzlich vorgeschriebene
reumütige Umkehr tut.

Frage: In einem Betrieb bereitet man dem prüfenden Rabbiner
ein ansehnliches Geschenkpaket mit den Erzeugnissen der
Firma vor, damit alles glattgeht. Auch sind Fälle von Rabbinern
bekannt geworden, die ihre Überwachungsaufgabe an
vollkommen unqualifizierte Familienmitglieder oder Freunde
delegierten, die ohne jegliche Aufsicht arbeiteten. Es kam sogar
vor, daß ein total unreligiöser Mensch mit der Kaschrut-
Überwachung betraut wurde.

Antwort: Ich verstehe Ihre ganze Fragerei nicht. Manchmal
enttarnt man einen Rabbiner als Lügner, Dieb, Betrüger oder
Ehebrecher, und deswegen sollen alle Rabbiner ihre Cheskat
Kaschrut verlieren?! Der Begriff Cheskat Kaschrut bedeutet
nicht 100%ige, absolute Sicherheit wie in der Mathematik. Die
Tora ordnete vielmehr an, daß wir auf diverse Chasakot
vertrauen müssen, und in bestimmten Fällen kann sogar ein
Todesurteil auf eine Chasaka abgestützt werden. Und genauso
verfügen die Toragelehrten über Chasaka, solange nicht das
Gegenteil erwiesen ist. Wer auf ein unkoscheres Erzeugnis
"koscher" schreibt, verdient sicher nicht den Rabbinertitel,
solange aber nichts Negatives bewiesen ist, gilt das Erzeugnis
als koscher.

Frage: Es gibt sogar große und reine Toragelehrte, die von
Fabrikanten irregeführt wurden, oder denen in ihren
religionsgesetzlichen Entscheidungen der eine oder andere
Fehler unterlief. Kann man sich in so einem Fall immer noch auf
sein Hechscher verlassen?

Antwort: Auch ein großer Rabbiner kann mal irren. Warum
fragen Sie nicht gleich über die Talmudstelle am Beginn des
Traktates Horajot, wo das Sanhedrin ein bestimmtes
Nahrungsmittel als koscher deklarierte, alle Leute daraufhin
davon aßen - und am Ende stellte sich heraus, daß die
Entscheidung auf einem Irrtum beruhte! Dafür muß dann ein
Opfer im Tempel dargebracht werden. Warum haben Sie nicht
bezüglich dieses Falles gefragt, ob die Leute koscher aßen?!
Schließlich lautet die für Alle verbindliche Halacha gemäß
Schulchan Aruch, daß man bei jedem toratreuen Juden ohne
Prüfung essen darf, solange uns nichts Gegenteiliges über ihn
bekannt ist (="beCheskat Kaschrut").

Frage: Darf ich, um das Oberrabbinat zu stärken, Abstriche bei
meinen Anforderungen an die Kaschrut meines Essens
machen?

Antwort: Das hat mit unserer Problemstellung nichts zu tun.
Natürlich ist uns geboten, "zu dem Richter, der in jenen Tagen
sein wird" (Dt. 17,9) zu gehen, doch hier sprechen wir davon,
daß alle Rabbiner, und nicht unbedingt nur die dem
Oberrabbinat angeschlossenen, über Cheskat Kaschrut
verfügen.

Frage: Manchmal gibt der das Hechscher erteilende Rabbiner
selber zu, daß er mit dem Zustand nicht zufrieden ist, wegen
Personalmangels aber nichts verbessern kann.

Antwort: Im Gegenteil; weil er die Problematik genau kennt und
letztendlich doch sein Hechscher gibt, so ist das ein Zeichen,
daß das Produkt koscher ist.

Frage: Wenn jemand es mit der Kaschrut genaunehmen will,
warum sollte man ihn daran hindern?

Antwort: Um Himmels Willen! Hier gilt die Regel: "Wer eine
religionsgesetzliche Verschärfung einhalten will, so komme
Segen auf ihn", und nicht nur in Kaschrutangelegenheiten,
sondern auch beim Einhalten der Schabbatgesetze, beim
Gebet, bei seinen Schaufäden, bei seinem Verhalten im
Geschäftsleben, bei der Nächstenliebe, bei der Ehrung seiner
Frau, bei der Kindererziehung usw. Doch eine Bedingung gibt
es dabei: Man darf nicht auf Andere herabsehen. Kann man
sich denn eine schlimmere Verächtlichmachung als die
Beschuldigung vorstellen, die Rabbiner lassen die Bevölkerung
Treifes essen?! Das ist doch eine unglaubliche
Unverschämtheit! Natürlich sollte man bei der
Kaschrutüberwachung weitere Kontrollen einbauen, und sicher
sollten die Verbraucher zur Durchsetzung eines höheren
Kaschrutstandards Druck ausüben, denn die meisten
Unternehmen sind an einem Hechscher nur aus Umsatzgründen
interessiert. Je mehr die Ansprüche der Verbraucher wachsen,
wird sich auch die Kaschrut verbessern, doch all dies unter
ehrlicher Respektierung der Rabbiner, die bestimmt die
allerersten sind, die sich über höhere Kaschrutansprüche freuen
würden.