DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BO
Nr. 234
8. Schewat 5760


Diese Woche in der Tora (Ex. 10,1 - 13,16):

Die letzten drei Plagen: Heuschrecken, Finsternis und Tötung
der Erstgeborenen; Definition des "ersten Monates";
Vorbereitungen zum Auszug aus Ägypten: Opferblut an
Türpfosten, Opferlamm essen; Pessachgesetze; Kinder Israels
backen Matze; Gesetze von Tefillin und Erstgeborenen der
Haustiere zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.
 
 

Der Stand der Dinge...
Licht im Dunkel
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Und es war eine dichte Finsternis im ganzen Lande Ägypten
drei Tage, einer sah nicht den andern, und keiner erhob sich
von seiner Stelle drei Tage; aber bei allen Kindern Israels war
Licht in ihren Wohnsitzen" (Ex. 10,22-23).

Der Raschikommentar nennt verschiedene Grade der
Dunkelheit: "Dichte Finsternis, dass sie einer den anderen jene
drei Tage nicht sahen, und noch drei weitere Tage Finsternis,
doppelt so stark wie die erste, dass keiner von seiner Stelle
aufstehen konnte; wer stand, konnte sich nicht hinsetzen, und
wer saß, konnte nicht aufstehen".

Diese Worte enthalten einen Hinweis auf den seelischen und
den spirituellen Zustand des Menschen. Wenn ein Mensch in
sich einkehrt und von der Umwelt abkapselt, so ähnelt das dem
"einer sah nicht den andern", und manchmal steckt er in einer
so tiefen Depression und Entfernung von jeglicher
menschlichen Gesellschaft, wie "keiner von seiner Stelle
aufstehen konnte", dass er sich nicht alleine von diesem Zustand
befreien und keine Änderung herbeiführen kann.

Auf der anderen Seite steht der Mensch, der seine Seele und
sein Leben erleuchten und auf seine Umgebung einwirken
möchte - er muss seinen Nächsten ersteinmal sehen, dazu sich
in ihn einfühlen können und ihn auch lieben - wie es heißt: "aber
bei allen Kindern Israels war Licht in ihren Wohnsitzen". Wenn
sich ein Mensch auf einer Stufe befindet, von der er das ganze
Volk Israel überschauen und erkennen kann, mit seiner
Umgebung, mit seinem Volk und der gesamten Schöpfung
G~ttes verbunden ist uns sie liebt, dann wird sein Herz
erleuchtet, und er kann von diesem Licht an seine Umgebung
abgeben.

Nach dem Stand der Dinge müssen wir unsere Liebe und
unseren Glauben verstärken, damit ein jeder seinen Nächsten
sehen, fühlen und lieben kann. Nach dem Vorbild von Aharon
HaKohen (Aharon der Priester, der Bruder von Moscheh), der
den Frieden liebte und sich für ihn tatkräftig einsetzte, der die
Geschöpfe liebte und sie der Tora näherbrachte - und so wird
"bei allen Kindern Israels Licht in ihren Wohnsitzen" sein.
In Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und Antwort

Friede in unserer Zeit
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich kann schon verstehen, dass das Festhalten an den
Golanhöhen auch moralische Beweggründe hat. Schließlich
gehört uns der Golan, wie es ja schon in der Tora steht, sowohl
in moralischer als auch in historischer Hinsicht. Zwar vertrieben
uns die Römer, und der Golan wurde uns weggenommen, aber
heute kehrt das Raubgut durch die Opferbereitschaft der
israelischen Streitkräfte und der dortigen Siedler an uns zurück.
Es ist auch mehr als gerechtfertigt, Bürger nicht zu vertreiben,
die ihr Haus ehrlich und aufgrund regierungsamtlicher
Entscheidung dort bauten. Alles in allem ist es eine 100%ig
moralische Angelegenheit, auf dem Golan zu bleiben, weil er ja
schließlich uns gehört als unser Erbbesitz im Rahmen göttlicher
Bestimmung.
Allerdings handelt es sich auch beim Frieden um eine höchst
moralische Angelegenheit, um ein Ideal, zu dem uns G~tt auch
verpflichtet hat!

Antwort: So ist es, auch zum Frieden hat uns G~tt verpflichtet.
"Ich werde dem Land Frieden geben" (Lev. 26,6), wahrlich ein
großes Ideal. Überhaupt brauchen wir dazu gar kein göttliches
Gebot, wo wir doch auf der Welt das in den Frieden verliebteste
Volk sind - jedes unserer Gebete schließen wir mit den Worten:
"..der sein Volk Israel mit Frieden segnet".

Halten wir also fest: der Frieden gilt uns als ein höchstes,
moralisches Gut. Darum müssen wir uns besonders vorsehen,
den Frieden nicht zu zerstören, d.h. den Frieden, den wir schon
jetzt genießen. Ich meine damit nicht, was man heutzutage den
"Friedensprozess" nennt, sondern den seit 25 Jahren mit Syrien,
Ägypten und Jordanien bestehenden Frieden. Dieser Frieden
lässt sich nicht abstreiten. Ebenso steht fest, dass Syrien seit dem
Jomkippurkrieg nicht eine einzige Kugel über unsere Grenze
gefeuert hat. Gleiches gilt für die Ägypter und die Jordanier. Das
nennt man Frieden. Gibt es etwa eine andere Erklärung als
Frieden, wenn der Feind nicht auf uns schießt?! G~ttseidank
haben wir schon 25 Jahre Frieden.

Wem haben wir es eigentlich zu verdanken, dass unsere
Grenzen so ruhig sind? Doch nur unseren Streitkräften, die im
Jomkippurkrieg unsere Feinde in die Flucht schlugen. Dieser
Krieg führte unseren Feinden die Stärke der israelischen Armee
("Zahal", Zwa Hagana LeIsrael) deutlich vor Augen. Obwohl wir
überrascht worden waren, konnten wir sie zum Stehen bringen,
zurückdrängen und überwältigen, ja sogar eine ganze ägytische
Armee einschließen, und wenn wir nicht selber aufgehört hätten,
wären wir in kurzer Zeit nach Kairo und Damaskus gelangt.
Unsere Feinde haben sehr gut verstanden, dass sie jeden
Versuch, gegen uns anzugehen, teuer bezahlen müssen.

Wir leben in Frieden - dank unserer Armee, die den
Jomkippurkrieg bestand, bis auf den heutigen Tag ihrer Aufgabe
gewachsen ist und die Grenzen hermetisch abriegelt. "Offenbar
und bekannt ist es vor dem Throne deiner Herrlichkeit, wenn nur
ein Stück der Grenze geöffnet, es nicht möglich wäre, sich zu
erhalten, nicht einmal eine Stunde lang" (dem nach dem WC-
Besuch fälligen Segensspruch nachempfunden, siehe Siddur).

Den Frieden mit Syrien haben wir nicht den unermüdlichen
Erziehungsanstrengungen der dortigen Schulen zum Thema
"Der hohe Wert des Friedens mit Israel" zu verdanken, sondern
dem göttlichen Auftrag, den Zahal gewissenhaft erfüllt. Von den
Golanhöhen hat man selbst mit primitiven Kanonen eine
beherrschende Stellung über Damaskus. Es ist zwar traurig,
doch sagte schon der englische Philosoph Hobbes, der Mensch
sei des Menschen Wolf. Innerhalb der Staaten hat sich der
Zustand schon gebessert, weil Polizei, Gerichte und
Gefängnisse für Ordnung sorgen. Doch zwischen Völkern gibt
es das alles nicht, da herrscht noch das Gesetz des
Dschungels. Darum gibt es nur ein Mittel, den Frieden
sicherzustellen, nämlich die Abschreckung.

"Ich werde dem Land Frieden geben" (Lev. 26,6). Und wie
genau, bitte? "Ihr werdet eure Feinde verfolgen, und sie werden
auf der Flucht vor euch dem Schwerte verfallen. Fünf von euch
sollen hundert, und hundert von euch Zehntausende verfolgen"
(ebda. 7-8). Das nennt sich Frieden? So ist es, denn "kein
Schwert wird durch euer Land ziehen" (ebda. 6). Dieser Frieden
wird durch Abschreckung erreicht.

Worum geht es also die ganze Zeit beim Gerede über den
Frieden? Es geht um Papier, auf dem das Wort 'Frieden' steht.
Ein einfaches Blatt Papier! Dafür zogen wir uns vom Sinai
zurück und überließen ihn dem Feind, mit ihm Ölquellen im
Werte von Milliarden, nicht etwa für Frieden, sondern für ein
Stück Papier, auf dem 'Frieden' geschrieben steht. Den Frieden
hatten wir schon vorher. Dasgleiche gilt für Jordanien, und jetzt
in Bezug auf Syrien.

Vielleicht möchte jemand behaupten, dieses Papier sei aber
sehr viel wert? Dann darf ich hiermit bekanntgeben, dass jemand
bestimmtes keinerlei Vertrauen in so ein Papier hat, jemand von
höchster Kompetenz in dieser Sache, jemand, dem wir bis heute
den Frieden zu verdanken haben: Zahal! Zahal glaubt nicht an
so ein Papier, denn Zahal unterhält gewaltige Kräfte, in hoher
Einsatzbereitschaft, an den Grenzen mit Ägypten und
Jordanien. Kurz gesagt, so ein Papier bringt uns gar nichts. Es
verschafft uns zwar die unbestreitbare Annehmlichkeit, nach
Kairo reisen und dort Pizza essen zu können, doch geht es hier
um viel ernstere und folgenschwerere Dinge. Den Frieden
erlangen wir durch Zahal, und das Papier fügt dem kein Jota
hinzu. Wenn, G~tt behüte, die Feinde auf uns schießen sollten,
können wir uns nicht hinter diesem Papier verstecken, es ist ja
noch nicht mal kugelsicher.

Es geht immer nur um Papier. Das kennen wir aus der
Geschichte zur Genüge. Neville Chamberlain, vor dem 2.
Weltkrieg britischer Regierungschef, übte auf die
Tschechoslowakei Druck aus, damit sie einen Teil ihres
Staatsgebietes, das Sudetenland, an Hitler abgebe, weil so
angeblich ein neuer Weltkrieg verhindert werden könne. Ein
berühmtes Foto zeigt Chamberlain nach seiner Rückkehr aus
dem Flugzeug steigend und ein Blatt Papier durch die Luft
wedelnd: "I bring you peace". Worauf Churchill erwidert haben
soll: "You bring a piece of paper"...

Chamberlain hatte anscheinend vergessen, dass der erste
Weltkrieg nicht durch ein Stück Papier beendet wurde, sondern
durch die militärische Niederlage der deutschen Armee. Und so
nützte auch das Stück Papier Chamberlains nichts, vielmehr
folgte ihm ein gewaltiger und furchtbarer Krieg, in dem auch
Millionen unserer Brüder umkamen, möge G~tt ihr Blut rächen.
Ein Stück Papier!

Unterdessen haben wir auch ohne Papier Frieden. Zwar
entgegnen Manche, die Syrer sitzen unterdessen im Libanon
und steuern von dort den Terror gegen uns. Das ist wirklich ein
schweres Problem, und nicht nur bei uns, sondern überall!
Jedes Jahr kommen einige teure Juden durch Terror ums
Leben. Doch wollen wir die Proportionen nicht aus den Augen
verlieren: Jedes Jahr sterben bei uns 600 Menschen bei
Autounfällen und 6000 durchs Rauchen, davon 1000 durch
passives Rauchen! So lässt sich leicht verstehen, dass das
Terroristenproblem bei so schwerwiegenden, das Schicksal des
ganzen Staates betreffenden Entscheidungen keine Rolle spielt,
weder bei uns noch irgendwo anders auf der Welt.

Wollen Sie wissen, wer wirklich so ein Papier braucht? Syrien!
Dieses Land befindet sich in einem kümmerlichen Zustand und
in einer katastrophalen Wirtschaftslage: ein Drittel der
Bevölkerung ohne Arbeit, der Rest verdient Pfennige, der
Mindestlohn liegt bei etwa 100 Mark, der Durchschnittslohn bei
200 Mark, mit der Technologie hinter dem Mond, keine Banken
für die Bürger, keine Handys, kein Internet, Mangel an
Nahrungsmitteln, gewaltige Staatsverschuldung, die von Tag zu
Tag anwächst, Kürzungen bei den Übungen der veralteten
Armee, eine diktatorische Minderheit, die über die Mehrheit
herrscht - kurz, ein bankrottes Land. Es gibt nur einen Lichtblick:
Die Ölförderung, die etwa drei Milliarden Dollar pro Jahr
einbringt. Das ist zwar eine kleine Summe für ein so großes
Land, und nach den Prognosen soll das Öl schon in etwa 5-10
Jahren versiegen; da bleibt nur eine Hoffnung, nämlich
amerikanische Unterstützung. Die Amerikaner folgen allerdings
einem lobenswerten Prinzip: Sie helfen niemandem, der es mit
dem Terrorismus hält. Wenn die Syrer mit dem Terror via
Libanon aufhörten, könnten sie mit amerikanischer Finanzhilfe
rechnen.

Sie brauchen dieses Papier, auf dem das Wort 'Frieden' steht!
Vielleicht sollten wir einfach mal die Spielregeln ändern. Wir
versorgen die Syrer mit einer großen Menge 'Frieden'-Papier,
und sie geben uns dafür die Teile unseres Landes zurück, an
denen sie unrechtmäßigerweise immer noch festhalten. Oho!
Wie wertvoll wäre dieses Papier!

Wir haben natürlich nichts gegen Papier, wir lieben Papier, doch
wollen wir nicht vergessen, dass nicht davon der Frieden
abhängt, sondern von Zahal. "Der Ewige gibt Macht seinem
Volke, der Ewige segnet sein Volk mit Frieden" (Psalm 29,11).
Hütet den Frieden! Bewahrt den Golan!