DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEMIDBAR
Nr. 254
29. Ijar 5760

 

Diese Woche in der Tora (Num. 1,1-4,20):
Auflistung der Stammesfürsten und Musterung der
Kriegstüchtigen im ganzen Volk; Aufstellung und Anordnung der
Einheiten; Übertragung der Erstgeborenenpflichten auf die
Leviten; Befreiung der Leviten vom Armee- und ihre Einteilung
zum Tempeldienst; Aufteilung der Transport-, Auf- und
Abbaupflichten des Wüstenheiligtums innerhalb der levitischen
Familien.
Erew Schabbat: Jom Jeruschalajim
 
 

Der Stand der Dinge...
Das Herz der Nation
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Jeder bei seiner Fahne, bei den Zeichen ihres Stammhauses
sollen die Kinder Israels lagern; von fern rings um das Stiftszelt
sollen sie lagern" (Num. 2,2).

Das Volk Israel lagerte nach Stämmen wohlgeordnet rings um
die Bundeslade. Jede Stammesfahne hatte ihre eigene Farbe,
die sie von allen anderen Fahnen unterschied. Die Farben
glichen denen der zwölf Edelsteine auf dem hochpriesterlichen
Brustschild (siehe Raschikommentar ebda.). Jeder kannte seine
Fahne und dadurch seinen Platz und seine Aufgabe im
größeren Rahmen der vereinten Stämme. Im Herzen der
Stämme die "Königslegion", die Kohanim (Priester) und Levi'im
(Leviten), die im Wüstenheiligtum und danach im Tempel, möge
er bald wiedererbaut werden, ihren Dienst verrichteten.

Diese ganze Anordnung gleicht dem menschlichen Körper mit
seinen unterschiedlichen Gliedern, die jedoch einander
ergänzen und zusammen eine vollständige Einheit bilden. Im
Mittelpunkt des Körpers stehen Herz und Hirn, die wichtigsten
Organe, von denen das Leben für den ganzen Körper ausgeht
und sich so seine Bestimmung offenbaren kann. So kann man
sich auch die Anordnung der Stämme Israels und ihrer Fahnen
vorstellen. Jeder Stamm hat eine spezielle Aufgabe im Rahmen
der gesamten Nation. Gleichzeitig muss man wissen, dass es
auch im Volke Israel ein Herz und ein Gehirn gibt, nämlich
Jerusalem und den Tempel, wo die "Königslegion" wirkt, die
Kohanim, die vor dem König dienen und von seinem Geiste auf
die ganze Nation und die ganze Welt mit ihrem Dienst
übertragen.

Nach dem Stand der Dinge sind wir endlich nach Hause
zurückgekehrt. Wir stehen auf dem Höhepunkt des
wunderbaren Zeitalters der Einsammlung der Verstreuten und
dem neuen Erfolg der Nation im Lande Israel nach
Jahrtausenden, die wir im Zustand der "trockenen Gebeine"
(siehe Jecheskel Kap.37) verbrachten, wohingegen das Motto
unserer Tage die Rückkehr nach Jerusalem, der Stadt des
Ewigen, dem Herz un dem Lichte der Welt, bildet.

Das Werk ist jedoch noch nicht vollendet, wir müssen uns
aufraffen und einigen wie ein Mann, Jerusalem verteidigen und
es weiter ausbauen. Zur Zeit von Esra und Nechemja konnten
sich die Feinde Israels nicht mit dem Aufbau Jerusalems
abfinden, und wir mussten es gleichzeitig mit dem Aufbau
verteidigen, "So arbeiteten wir an dem Werke, dass die eine
Hälfte die Lanzen hielt vom Aufsteigen des Frührots bis zum
Hervortreten der Sterne... und so seien sie uns in der Nacht als
Wache, und am Tage beim Werke" (Nechemja 4,15-16), und
der Ewige, der Tröster Zions und Erbauer Jerusalems, sei uns
zur Hilfe.

In Freude über Jerusalem, und in Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und Antwort

König David

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Bei einem Rundgang durch die Altstadt von Jerusalem
erklärte der Lehrer seiner Klasse: "An dieser Stelle befand sich
der Palast von König David, und von hier sah er Batschewa im
Bade". Was halten Sie von solchen "pikanten" Anreizen zur
Erhöhung der Aufmerksamkeit der Schüler?

Antwort: So ein Trottel! Konnte er wirklich nichts Anderes
finden, um die Phantasie der Schüler und Schülerinnen zu
reizen?! Er hätte die Vorstellungskraft der Schüler auf die guten
Eigenschaften Davids lenken sollen, auf seine Geduld, auf
seine Fähigkeit, über Beleidigungen hinwegzusehen, auf seine
Liebe zu G~tt, auf seinen Mut als Soldat, auf seinen Einsatz für
die Nation, auf seine Heiligkeit und seine Reinheit und auf seine
Hingabe zur Festigung des israelischen Königtums! Stattdessen
muss er mit solchen Sprüchen die Phantasie der Kinder
anstacheln?! Als wenn es in unserer verwestlichten Welt nicht
schon genug unsittliche Sinnesreize gäbe!

Das war auch kein Ausrutscher, denn dahinter verbirgt sich eine
bestimmte Methode: "Ich betone damit, dass David auch nur ein
Mensch wie du und ich war, mit menschlichen Schwächen, ein
großer Mensch mit großen Schwächen, ein Mensch mit einer
guten und einer schlechten Seite, kein idealer Mensch".

Um Himmels Willen! So etwas fand er nötig, von sich zu geben?
Kein Wunder, dass ein Schüler erwiderte: "Mit so einer
Persönlichkeit kann ich mich viel eher identifizieren als mit
einem reinen und heiligen Menschen". Und dem stimmte der
Lehrer auch noch zu!

Da klingen die Ohren, die so etwas anhören müssen. Leider ist
dies kein Einzelfall, sondern eine verbreitete Methode, sich
große und heilige Menschen vorzunehmen und sie auf unser
Niveau herunterzuschrauben. Wohl ist das Leben schwer, der
Kampf gegen die Triebe nicht leicht und manchmal scheitern wir
dabei, manchmal verzweifeln wir und geben die Hoffnung auf,
weil wir keinen Ausweg vor dem Trieb zum Bösen sehen.

Doch worin besteht die Lösung? Stärkung der
Widerstandskräfte und der Sehnsucht nach G~tt, Betrachtung
unserer Geistesgrößen und Nachahmung ihres Vorbildes.

Stattdessen nimmt man die Großen der Welt und verkleinert
sie, macht sie zum Normalbürger mit einem Bein im Lichte, mit
dem anderen im Dunkel, eine Mischung von Licht und
Finsternis, und so kann man sich gleich viel besser mit ihnen
identifizieren.

Statt die Schüler auf ein höheres spirituelles Niveau zu bringen,
in ihnen idealistische Bestrebungen zu erwecken, sie zu
besserem Verständnis und Erkenntnissen zu leiten und ihnen
die nötige Kraft dazu zu geben - lässt man sie hängen und bringt
zu ihnen auf ihr niedriges Nieveau herunter, wer weiter oben
steht. So kann sich der Schüler leichter mit ihnen identifizieren,
lernt eine Stunde Tora und findet nichts dabei, hinterher im
Internet alle möglichen Schweinereien zu konsumieren.

Nur König David fand sich selbst gar nicht mit seiner Sünde ab,
sondern weinte darüber nach Überlieferung der talmudischen
Weisen dreizehn Jahre lang, wie es im Psalm (6,7) heißt:
"..mache mit meinen Tränen mein Lager zerfließen".

Dies rührt nicht an die Lehre der Weisen, wonach es heißt:
"Wer da glaubt, David sündigte, irrt" (Schabbat 56a) (nach
dieser Lehrmeinung fehlte unserem Fall von vornherein jegliche
Basis), aber auch nach der Ansicht des Torakommentators
Rabbi Jizchak Abarbanel, nach dessen Ansicht König David
doch sündigte, war er trotzdem ein großer Mensch, der seine
Tat in vollkommener Weise bereute und sich perfekt
rehabilitierte. Nach dieser Deutung sündigte unser König David
also einmal im Leben - doch das stempelt ihn noch lange nicht
als "Sünder" ab! Jemanden, der einmal im Leben lügt,
bezeichnet man auch nicht als Lügenbold. Wer einmal eine
Schlacht verliert, heißt deswegen nicht der "ewige Verlierer".
Von einer vereinzelten Tat lässt sich nicht auf das
Vorhandensein einer entsprechenden Charaktereigenschaft
schließen.

König David war kein Sünder, nicht zur Hälfte, Viertel oder
Achtel. Er war ein großer Mensch, gerecht und heilig. Doch
auch ein Gerechter und Heiliger kann manchmal stolpern. Sogar
unser Lehrer Moscheh konnte einmal zornig werden und sich
irren - doch deswegen nennt man ihn noch lange nicht einen
Choleriker oder Dummkopf. Man beurteilt einen Menschen nicht
anhand von Ausnahmefällen.

Bevor man über König David neue Deutungen verbreitet, die
sich nicht bei den früheren Kommentatoren finden, sollte man
sich ersteinmal an die einfachen Dinge halten. Niemand hindert
einen, neue Deutungen zur Bibel auszudenken, solche gibt es
zu Hunderten und Tausenden, doch müssen diese auf Glauben
und Himmelsfurcht fußen. Dazu muss man einige Standardwerke
lernen, wie z.B. "Messilat Jescharim" ("Der Weg der Frommen")
von Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto.

Nach dem Lernen des "Kapitels von den Liebeswerken" weiß
man, dass es König David nach G~tt dürstete und nicht nach
Sünde. "Wie eine Hindin jammert nach Wasserquellen, so
jammert meine Seele empor zu dir, o G~tt. Es dürstet meine
Seele nach G~tt, dem lebendigen G~tte" (Psalm 42,2-3), "Es
sehnte sich und schmachtete meine Seele nach den Höfen des
Ewigen" (Psalm 84,3), "es dürstet nach dir meine Seele, lechzet
nach dir mein Fleisch" (Psalm 63,2), "Und mich ergötzen an
deinen Geboten, die ich liebe" (Psalm 119,47).

Rabbiner Luzatto lehrt uns, zum Erreichen dieser Stufe die
Psalmen zu lernen und sich danach zu richten! Heutzutage
kennt jeder halbwegs religiöse Jugendliche "Messilat
Jescharim". Es ist anzunehmen, dass auch jener Lehrer dieses
Buch gelesen hat. Anscheinend muss er es noch zehnmal, ja
hundertmal durchgehen, bis sich die Dinge endlich bei ihm
einprägen.

Am Vorbild König Davids kann nicht jeder Hinz und Kunz
heruminterpretieren und ihm eine neue Persönlichkeit
andichten, damit sie dann in die jeweilige Wirklichkeit hineinpasst
und seinen dialektischen Hirnsprüngen in Verbindung der reinen
mit der unreinen Lebensweise eine Rechtfertigung verschafft.
Und auch wer der Auslegung Rabbiner Abarbanels folgt, muss
gleichfalls lernen, auf welche Weise König David eine reumütige
Umkehr unter übermenschlicher Hingabe zum Heiligen
vollbrachte.