DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHAR
Nr. 252
15. Ijar 5760

 

Diese Woche in der Tora ( Lev. 25,1-26,2):
Gesetze des Siebentjahres (Schmitta), des Joweljahres (alle
50); Bodenrecht; Auslösung des Verarmten; Auslösung von
Hauseigentum; Sonderregelungen für Leviten; Zinsverbot;
Sklaven- und Arbeitsrecht; Götzenverbot; Schabbat heiligen.
 
Frage und Antwort

Fraulichkeit - Männlichkeit

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Viele reden vom Feminismus in Sinne der Neigung zur
Annahme von männlichen Verhaltens- und Denkweisen. Es gibt
allerdings auch das umgekehrte Problem, wenn Männer nämlich
wie Frauen leben wollen. Wo liegen die Grenzen?

Antwort: Wir haben hier nicht die Absicht, uns mit
psychopathologischen Problemen zu befassen, sondern mit
einem kulturellen Phänomen.

Ein Mann ist ein Mann und eine Frau ist eine Frau! Für die Frau
ist es gesund, Frau zu sein, und ungesund, Mann zu sein.
Genauso ist es für den Mann gesund, Mann zu sein und nicht
Frau. Wollte der Herr der Welt Mann und Frau identisch, hätte
er nicht zwei Geschlechter geschaffen. In seiner Weisheit
entschied er sich jedoch für unterschiedliche Sorten, jede mit
besonderem Charakter und Eigenschaften, Denkweisen und
Wegen zu G~tt. So bringen sie der Familie Segen, der Vater auf
seine und die Mutter auf ihre Weise, und ebenso der ganzen
Menschheit.

Die Neigung von Männern, weibliches Verhalten und Erlebnisse
zu suchen, und umgekehrt, entstammt einem Mangel an
Verantwortungsbewusstsein und einem fehlenden Verständnis
für das Leben in einer Welt der Pflichten. Die talmudischen
Weisen bezeichnen das mit "der Art der Emoriter", dass heißt
einer heidnischen Lebensweise: "Wenn er sich ihren Namen
und sie seinen beilegt, so ist dies als emoritischer Brauch zu
betrachten" (Schabbat 67b), Raschikommentar: "Er und seine
Frau tauschen ihre Namen untereinander". Hier geht es um
pikante Erlebnisse; der Mann möchte ein wenig Frau sein, und
sie ein wenig Mann. Der Namenstausch kennzeichnet nicht nur
einfach ein Spiel, sondern eine tiefsitzende Perversität, sich in
der Rolle des anderen Geschlechtes sehen zu wollen.

Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels)
schrieb zu dieser Talmudstelle, dass alles von der Einstellung
zum Leben abhänge: ein Leben der Erfüllung von Pflichten oder
ein Leben der Erfüllung der Wünsche, des Willens. Entweder
hat jeder seine eigenen Pflichten, der Mann die Pflichten des
Mannes, er muss sich wie ein Mann verhalten, in einem
Männerberuf arbeiten, sich eine Denk- und Lernweise eines
Mannes aneignen und G~tt dienen, wie es für den Mann
vorgesehen ist. Und typische Frauenpflichten, frauliche
Lernweise, spezifische Aufgaben der Frau, Gebotserfüllung der
Frau, ihre eigene Art und Weise. In einer Welt der Erfüllung von
Pflichten steht jeder, wo er hingehört. So baut man Familie und
Nation.

Oder man sieht die Welt nur unter dem Aspekt des
größtmöglichen Genusses, d.h. "heidnisch", warum also keine
Vertauschungen durchführen, wie es einem gerade Spaß
macht: bis jetzt machte es mir Spaß, Mann zu sein, ab jetzt will
ich Frau sein, vielleicht ist das ein tolles Erlebnis - wie eine Frau
zu sprechen, sich so anzuziehen, zu denken und zu verhalten!
Ein Vergnügen und ein Erlebnis. Frauen wollen Talmud
studieren und zur Tora aufgerufen werden, um des Erlebnisses
wegen. Gleichzeitig sucht der Mann das Erlebnis der Freiheit
vom Torastudium.

Im Gegensatz zur Frau und ihrer besonderen Persönlichkeit
unterliegt der Mann dem Gebot (Mitzwa), angestrengt Tora zu
lernen. Rabbiner Kuk erklärte in seinem Kommentar zum
Gebetbuch in Bezug auf die morgendlichen Segenssprüche,
"Gelobt seist du, Ewiger, unser G~tt, der mich nicht als Frau
geschaffen", bzw. ".., der mich nach seinem Willen geschaffen",
dass der Mann seine Persönlichkeit durch ständige Bewältigung
innerer Konflikte aufbaue, durch ständiges Hinzufügen, Lernen,
Kämpfen, Stufe-um-Stufe. Die Frau hat dies alles nicht nötig,
denn mit ihrer intuitiven Auffassungsgabe verfügt sie über eine
innere Natur des Erfassens höherer Wahrheiten. Man darf dies
nicht durcheinanderbringen. Rabbiner Kuk schrieb: "Die
Eigenschaft des Mannes ist so gebaut, dass er zu seinem Glück
durch Mehrung von Kultur und wissenschaftlicher und
künstlerischer Vervollkommnung gelangt, und die Eigenschaft
der Frau ist so gebaut, dass sie sich gerade aus ihrem Inneren
heraus weiterentwickelt, ohne sich mit Büchern abzumühen,
'und jeder, der seine Tochter Tora lehrt, gelte, als ob er sie
Frivolität lehrte' (Sota 20a, Mischna)". Der intuitiven, natürlichen
Auffassungsgabe steht die diskursive, der Weg von Arbeit und
Mühe, gegenüber. Wenn der Mann wie eine Frau alles auf
intuitive Weise aufnehmen will - obwohl er gar nicht über diese
Intuition verfügt - nimmt er Schaden. Wenn die Frau sich
abmühen und sich anstrengen, Fragen aufwerfen und sie auch
beantworten will mit ihrer instinktiven und intuitiven Natürlichkeit
- dann wird auch sie Schaden nehmen.

Rabbiner Kuk schrieb weiter: "Alle Verderben des Lebens, auf
jeden Fall ein großer Teil von ihnen, kommen davon, dass der
Mann Frauengewänder anlegt" - nicht unbedingt im textilen
Sinne, sondern als Verhaltensweise, "von selbst wie das Kraut
des Feldes wachsen will, im spirituellen und im praktischen
Sinne, und die Frau wollte lernen und erobern..". "Es werden
Tage kommen, da die Welt sich ihrer Pervertierung bewusst
werden wird, und jedes Geschlecht wird wieder an seiner
Eigenschaft festhalten".

Von dieser Plage wird zur Zeit nicht nur das Volk Israel, sondern
die ganze Menschheit heimgesucht - die Männer wollen weiblich
sein. Statt Tüchtigkeit, Arbeit und Toralernen sucht man(n) sich
angenehme Erlebnisse. Natürlich sind auch wir für angenehme
Erlebnisse, doch sollen diese ein Teil des Lebens sein, ein
angenehmer Nebeneffekt der Lehre des Lebens, aber nicht
dessen Dreh- und Angelpunkt. Der Mann hat Pflichten und
Aufgaben auf dieser Erde!

Die Frau stattete G~tt mit einer Mischung von Verstand und
Gefühl aus, die sogenannte "Einsicht der Frau". Aus dieser
Einsicht entspringt die Intuition, die ihr in vielen Dingen den
richtigen Durchblick ermöglicht. Darum gebot ihr G~tt nicht zu
lernen. Sollte sie lernen und analysieren, in der Art des
Talmudstudiums Fragen konstruieren und diese dann kunstvoll
beantworten, neue Welten erobern und der Wirklichkeit ihren
Stempel aufdrücken - dann würde sie ihre erhabene
Eigenschaft, ihre gefühlsmäßige, intuitive Intelligenz verlieren
und könnte nicht ihre Aufgabe erfüllen, Segen zu bringen.

Das gilt erst recht für den Mann. Welche Katastrophe, wenn
man eine neue Rasse von verweichlichten Männern
heranzüchtet. Kann sich etwa eine Frau Verweichlichung
leisten?! Sie ist doch nicht weichlich! Ihre inneren Neigungen
führen sie auf dem richtigen, geraden Wege. Wenn sie aus sich
selbst "wie das Kraut des Feldes" wächst, macht sie das würdig
und gut. Der Mann aber käme aus diesem Prozess verweichlicht
heraus und würde nicht seine Pflicht erfüllen. Dann
interessierten ihm am Leben nur Erlebnisse. Heiraten
interessiert ihn gar nicht, denn Ehe bedeutet Pflichten und
moralische Verantwortung gegenüber der Partnerin. Der
westliche Mann wächst bereits in engem Kontakt mit dem
anderen Geschlecht auf; schließlich heiratet er, doch weil die
Ehe nicht nur unaufhörliche Erlebnisse bietet, sondern auch
gegenseitige Verpflichtungen und Liebe im Rahmen der
Moralgesetze beinhaltet, zerbricht sie eines Tages. In Amerika
werden 75% der Ehen in den ersten fünf Jahren geschieden. In
einigen skandinavischen Ländern gibt es schon gar keine
Scheidungen mehr - weil keiner mehr heiratet.

Die Welt wird mehr und mehr zu einem Supermarkt der
Genüsse, in dem der Mensch nur seinen Wünschen nachgeht,
eine heidnische Welt. Die Götter dieser Weltanschauung
säuseln: Mach wozu du Lust hast, lebe dich aus, fahr nach
Indien, dort braucht man nicht zu arbeiten oder den Eltern zu
helfen, keinen Reservedienst für deine Armee zu leisten oder
den Kopf über die Probleme der israelischen Gesellschaft zu
zerbrechen, dort tust du gar nichts, du lässt dich frei treiben, du
genießt, du erlebst, du reist herum, verbringst die Zeit mit
Freunden - das ist das Leben. Das ist kein Leben! Das ist ein
Leben der Vielgötterei!

Und wenn wir schon soweit gekommen sind, warum eigentlich
keine Drogen nehmen? Sie verschaffen doch ganz wunderbare
Gefühle! Ist es denn verboten, sich wunderbar zu fühlen? -
Natürlich wollen auch wir, dass du dich wunderbar fühlst. Willst
du wissen, wie? Durch gute Taten! Zwischen Mensch und G~tt
und von Mensch zu Mensch. Darin liegt die Freude der Gebote.
Das ist ein erlaubtes Gefühl, das ist ein empfohlenes Gefühl, mit
diesem Gefühl allein dienen wir schon G~tt.

Die westliche Erziehung behauptet allerdings: Wozu
anstrengen, gute Taten und so, um sich großartig zu fühlen - ein
kleiner Trip tut's auch, und zehnmal besser! Heutzutage hat
man eine Vielzahl von Drogen zur Auswahl: die Droge der
Mädchenbekanntschaften, die Droge des Hard Rock, usw. -
anstatt sich anzustrengen und zu arbeiten, denn dafür ist der
Mensch auf der Welt. "Ein Mensch wird zum Mühsal geboren"
(Ijow "Hiob" 5,7).

Vielleicht möchte jemand behaupten: Soll ich denn wirklich mein
ganzes Leben lang schuften wie ein Irrer? Wann kann ich mich
um mich selber kümmern? Nein! - wenn du dich anstrengst,
wirst du glücklich sein. Darin besteht das Glück des Menschen,
im Glück der Mitzwa.

Der Typus des westlichen Mannes zeichnet sich mehr und mehr
durch Passivität und Weichlichkeit aus. Schon trägt man(n)
Frauenkleider und -schmuck. Hier offenbart sich eine innere
Eigenschaft - und ein Verbot der Tora. Er läuft mit langem Haar
herum, mit weiten, bunten Hosen, die verdächtig nach Pyjama
aussehen, oder trägt ein dünnes Ponchohemd mit Rüschen.
Einerseits nähert er sich gefährlich einem Verbot der Tora,
andererseits offenbart er damit ein Symptom für seinen Drang,
weiblich zu erscheinen. Anstatt sich den Kopf über jede Zeile
des Talmuds zu zerbrechen, blättert er lieber in mystisch
angehauchten Büchern und den Schriften des Rabbi Nachman
von Breslav. Rabbi Nachman war ein großer und heiliger
Mensch, der in den Dienst an G~tt, in das Torastudium, ins
Gebet und in den Kampf gegen seine Triebe ungeheure Kräfte
investierte. Das lehrte er auch seine Schüler, insbesondere,
sich beim Gebet anzustrengen. Was für eine G~tteslästerung,
seine Lehren in schwächliche Anleitungen von Mangel an Mut
und Stärke zu verfälschen! Zu glauben, das Klimpern auf der
Gitarre könne Torastudium und Verbesserung der
Charaktereigenschaften bei der Lösung unserer Probleme
ersetzen! Natürlich haben wir prinzipiell nichts gegen das
Gitarrespielen, wir lieben Musik, doch kann sie nicht den Dienst
an G~tt ersetzen.

Wir haben da eine schwere Aufgabe vor uns. Wie überzeugen
wir die Frauen davon, dass Frausein sehr gut ist, dass ihre
Aufgabe und ihre Pflichten gut sind? So schuf sie G~tt in seiner
Güte, und so findet sie ihr Glück, nämlich zu sein was sie ist,
d.h. Frau, und nicht beweisen will: seht her, auch ich kann es
den Männern gleichtun. Sie beweist damit gar nichts.

Genauso findet der Mann sein Glück darin, Mann zu sein, was
in der Mühe, der Anstrengung, dem Erklimmen höherer Stufen,
durch langsames, aber stetiges und unbeirrbares Voranarbeiten
zum Ausdruck kommt. Doch versuche er nicht, Frau zu sein,
denn das zeugt von lebenslanger Sehnsucht nach Erlebnissen.
Wenn der Mann sich an "männlichen" Erlebnissen gesättigt hat,
wechselt er über zu den weiblichen, ein unzulässiger
Rollentausch.

Im Tempel war eine Gruppe der Leviten für die
Gesangbegleitung des Opferdienstes zuständig, eine andere
Gruppe als Türhüter. Einmal wollte ein Gesangslevite einem
Torleviten beim Schließen einer schweren Tür helfen. Da sagte
ihm sein Kollege: Du bist von den Sängern, und ich bin von den
Türhütern (Archin 11b). Die Aufgaben dürfen nicht
durcheinandergebracht werden. Ein Türhüter, der beim Gesang
teilnimmt, und ein Sänger, der Tordienst verrichtet, machen sich
des Todes durch die Hand des Himmels schuldig. "Jeder bei
seinem Lager und jeder bei seiner Fahne" (Num. 1,52). Die
Weide des Nachbarn ist nicht grüner, und jeder muss seinen
eigenen Garten bearbeiten, wie es der Philosoph Walter einmal
ausdrückte. Dort findet er sein Glück, und nicht beim Besitz des
Nachbarn. Sein Glück liegt in der Erfüllung seiner Pflicht.

Abschließend lässt sich sagen, wir haben hier zwei Probleme.
Frauen möchten Mann sein - darüber wird viel geredet.
Seltsamerweise nimmt kaum jemand vom umgekehrten
Problem Notiz, vom Mann, der Frau sein will; dabei ist das viel
schlimmer.

Sammeln wir unsere Kräfte und rufen uns die Wege G~ttes ins
Gedächtnis, die im Volke Israel vorgezeichnet sind. Sie
bestehen in der Pflichterfüllung, in der Erfüllung seiner Aufgabe
in der Schöpfung. Mann - Mann, Frau - Frau. "Jeder bei seinem
Lager und jeder bei seiner Fahne" (s.o.).