DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHA'ALOTECHA (außerhalb Israels NASSO)
Nr. 256
14. Sivan 5760

 

Diese Woche in der Tora (Num. 8,1-12,16):
Dienstweihung der Leviten; 1.Pessach in der Wüste und
Ersatztermin für Verhinderte; Reise und Lagern nach der
Wolken-/Feuersäule; die silbernen Alarmtrompeten;
Zugordnung des Lagers; Trennung von Jitro; Klage über
einseitige Diät; Wachtelschwemme und Strafung; Einsetzung
von 70 Weisen zur Unterstützung Moschehs; 2 neue Propheten
im Lager; üble Nachrede von Mirjam und Aharon über Moscheh,
Aussatzstrafung Miriams.
 
 
Frage und Antwort

Jeschiwebocher in die Armee?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: In einer Ihrer früheren Antworten ["Betrachtungen"
Nr.180] schrieben Sie, dass man Jeschiwaschüler nicht mit
Gewalt zum Wehrdienst einberufen sollte: "Dieses Problem lässt
sich nicht mit Gewalt lösen. Man kann jemanden nicht zwingen,
Soldat zu sein, wenn ihm jegliche Motivation dazu fehlt".
Zu unserem großen Leidwesen gibt es viele Bürger, die keine
Jeschiwaschüler sind, aber ebenfalls nicht in der israelischen
Armee dienen wollen. Das interessiert jedoch niemanden, denn
nach dem Gesetz müssen sie einrücken. Darum sollten auch
Jeschiwaschüler, die israelische Staatsbürger sind, zum Dienst
an ihrem Staat verpflichtet sein, denn schließlich genießen sie
ja auch den Nutzen dieses Gesetzes.

Antwort: Jeschiwaschüler haben das Recht, ihren Wehrdienst
aufzuschieben, solange sie lernen. Auf dieses Recht haben sie
per Gesetz Anspruch, ein vollgültiges Gesetz wie auch das von
Ihnen erwähnte. Demnach kann man sie nicht zum Wehrdienst
zwingen. Wohl aber sollte man durch passende Erziehung und
Aufklärungsarbeit in ihnen die Lust erwecken, diese große
Mitzwa zu erfüllen.

Das Gesetz über die Aufschiebung des Wehrdienstes ist ein
gutes Gesetz, denn jeder muss auf seine Weise Verantwortung
für unseren Staat übernehmen. So wie Wirtschaftsfachleute und
gute Soldaten brauchen wir auch Leute des Geistes und des
Glaubens, die während langjährigen intensiven Studiums zu
großen Toragelehrten heranwachsen. Es muss ja nicht jeder
Wirtschaftsfachmann oder Soldat werden, und es können auch
nicht alle nur Leute des Geistes und des Glaubens sein,
sondern man muss für eine gerechte Rollenverteilung sorgen,
die alle einbezieht.

Frage: Wenn man Ihre Ansicht annähme, niemanden
einzuberufen, dem die Motivation fehlte, könnte man die
allgemeine Wehrpflicht vergessen. Stattdessen hätten wir dann
eine Freiwilligenarmee, und das kann nicht angehen, solange
wir von Feinden umgeben sind, die uns vernichten wollen. Die
rauhe Wirklichkeit macht die allgemeine Wehrpflicht zwingend
notwendig, und es nicht im entferntesten an ihre Abschaffung zu
denken.

Antwort: Jeder Militärfachmann wird Ihnen sofort bestätigen,
dass man mit motivationslosen Soldaten nichts anfangen kann.
Nicht nur, dass sie keinen militärischen Nutzen bringen, sie sind
obendrein eine Last für die ganze Abteilung. Einer der
Generalstabschefs sagte einmal, dass er eine kleine, aber kluge
Armee bevorzuge. Daneben kommt der Kampfbereitschaft
erhöhte Bedeutung zu. Die Tora bestimmt die Einsetzung eines
"kriegsgesalbten Priesters" (Kohen), der den Kampfgeist der
Soldaten im Glauben an G~tt erweckt. Auch in der heutigen Zeit
sind besondere Anstrengungen auch auf dem Gebiet der
Erziehung nötig, um das Ansehen des Armeedienstes zu heben,
sowohl bei den Jeschiwaschülern als auch bei der Nation in
ihrer Gesamtheit, und zu lehren, dass diese Armee heilig ist.

Frage [von anderer Seite]: Sie haben die Jeschiwaschüler, die
nicht in der Armee dienen, in ein ziemlich schlechtes Licht
gestellt, obwohl alle großen Rabbiner, Jeschiwavorsteher,
Dajanim (Richter am Rabbinatsgericht) und chassidische
Rebben einhellig die Meinung vertreten, dass die Jeschiwa
Allerheiligstes ist, das nicht angerührt werden darf.

Antwort: Ich habe nicht den Eindruck, dass alle großen Rabbiner
diese Ansicht teilen. Es gibt genügend Fälle, in denen man nicht
allen Toragrößen folgen kann, weil sie einfach unterschiedliche
Ansichten haben. Was meine bescheidene Wenigkeit angeht,
so folge ich unserem großen Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda
Hakohen Kuk sel., der den Dienst in der israelischen Armee zu
einer überaus großen Mitzwa erklärte, von der niemand befreit
sei. Desweiteren sprach er sich allerdings für einen Aufschub
des Dienstes aus, damit der Jeschiwaschüler zunächst ein
hohes spirituelles Niveau erreiche; aber eine Befreiung komme
nicht in Frage.

Er gab für diese Mitzwa drei Gründe an, von denen jeder für
sich ausreicht: 1) Lebensgefahr des ganzen Volkes. Jeder
Soldat trägt zur Rettung bei und kann nicht von dieser Aufgabe
befreit werden. 2) Die Mitzwa der Eroberung des Landes Israel,
damit es in unserer Hand sei - und nicht in den Händen unserer
Feinde. 3) Die Heiligung des göttlichen Namens durch die
israelitische Gemeinschaft. Glücklicherweise machen wir nicht
mehr den Eindruck eines bemitleidenswerten, geschlagenen
und verfolgten Volkes - "..zum Spott und zum Hohn sind wir
unter den Völkern geworden, wurden wie zur Schlachtbank
bestimmte Schafe geachtet zu Totschlag, Vernichtung,
Misshandlung und Schmach" (Tachanun-Gebet), ein wehrloses
Schaf unter 70 Wölfen - sondern den eines unabhängigen
Volkes, das sich erhobenen Hauptes in dieser Welt bewegt, "ein
junger Löwe, Jehuda" (Gen. 49,9).

Während meines eigenen Wehrdienstes (und auch später im
Reservedienst) begegnete ich vielen charedischen
Jeschiwaschülern. Diese hatten sich keineswegs gegen ihre
Rabbiner aufgelehnt, sondern waren fromme und
g~ttesfürchtige Jungen mit dem Plan, ihre Studien langsam
einzuschränken und auf Arbeitssuche zu gehen; ebenso hielten
sie es für an der Zeit, ihren Wehrdienst zu leisten. In den Jahren
5717-18 (1957/58) zum Beispiel traten 56 Wischnitzer
Chassidim ihren Wehrdienst im Rahmen der Nachal an [No'ar
Chaluzi Lochem; Gründung von Wehrdörfern, die nach einer
Anlaufzeit und Erweiterung in zivile Hände übergehen] in der
Ortschaft "Amej-Os" nicht weit von Gasa-Stadt, wo sie sich mit
Diamantschleiferei und Landwirtschaft beschäftigten
["Wischnitz" gehört zu den bedeutendsten chassidischen
Bewegungen in Israel]. Der Anführer dieser Gruppe war
ausgebildeter Rabbiner, Schwager des heutigen Wischnitzer
Rebben, dem Vorsitzenden des "Rates der großen Toraweisen",
und erhielt den Segen des damaligen Wischnitzer Rebben mit
auf den Weg. Es verdient hierbei hervorgehoben zu werden,
dass kein Einziger dieser Gruppe im Verlaufe des Dienstes
seiner Erziehung den Rücken kehrte und alle Charedim blieben.
Darüberhinaus nahm der Oberrabbiner der Wischnitzer
Chassidim in Haifa am Unabhängigkeitskrieg teil, er, der Leiter
der Wischnitzer Jeschiwa in Haifa, und diente auch nach dem
Kriege weiterhin in der Armee. Der Vater des jetzigen
Wischnitzer Rebben pflegte vor dem Sechstagekrieg den
Übungsflügen der israelischen Piloten zuzuschauen, den
"Schlachtreihen des lebendigen G~ttes" (Schmu'el I, 17,36).

Fassen wir uns in Geduld im Lichte der Tora, und dann wird es
uns vergönnt sein, weitere charedische Jeschiwaschüler in der
Armee zu sehen, nachdem sie zu Toragelehrten heranwuchsen,
und so sich selber und der jüdischen Gemeinschaft Segen
bringen.  

 
Am Schabbes-Tisch

Feind Israels = 
Feind G~ttes?

Rav Asri'el Ari'el

"Erhebe Dich, Ewiger, dass deine Feinde sich zerstreuen" (Num.
10,35) verkündet Moscheh beim Weiterziehen der Bundeslade,
und fügt hinzu: "..und deine Hasser vor dir fliehen!" (ebda.). Wer
sind die "Feinde des Ewigen" und "seine Hasser"? Kann denn
irgendjemand einen Turm bauen, der bis in den Himmel reicht,
und Leitern dazu, um G~tt anzugreifen?!

Die Antwort finden wir im Raschikommentar zum Vers im
Namen der talmudischen Weisen: "'deine Hasser' - jene sind die
Hasser Israels; jeder, der Israel hasst, hasst den, auf dessen
Spruch hin die Welt entstand".

Dieses Prinzip entnahm Raschi dem Buch der Psalmen
(Kap.83,Vers 3): "So heißt es: 'Deine Hasser erheben das
Haupt' - und wer sind diese? 'Gegen dein Volk ersinnen sie
Pläne' (Vers 4)", das Volk Israel, das der Obhut G~ttes
untersteht.

In die gleiche Richtung zielen die Worte von Rabbiner Moscheh
ben Maimon ("Maimonides") in den "Gesetzen von Königen und
Kriegen" (am Ende des 7. Kapitels) bezüglich des Soldaten im
Kriegsgetümmel: "..und wisse er, dass er für die Einheit G~ttes
im Krieg steht... und sein einziges Bestreben sei, den Namen
G~ttes zu heiligen".

Dieses Thema verlangt nach eingehender Betrachtung. Wenn
das Volk Israel um seine Existenz und um seine Sicherheit
kämpft, einen Krieg "zur Rettung Israels vor einem Bedränger,
der über sie herfällt" (5. Kap.,Hal.1), so sieht es doch aus wie
ein Krieg, den jedes normale Volk zur Erhaltung seiner Existenz
kämpft - was erhebt ihn also in den Rang "Krieg G~ttes"?

Diese Angelegenheit können wir nur aus der Besonderheit des
jüdischen Volkes heraus verstehen. Das Volk Israel ist nicht wie
die anderen Völker. Jedes andere Volk existiert nur um seiner
Selbst willen. Das Volk Israel existiert für eine Bestimmung.
Wenn im jüdischen Volk nicht ein tiefes Bewusstsein einer
Bestimmung eingepflanzt wäre, hätte es nicht die Kraft gehabt,
zahllose Jahre grausamen Exils zu überdauern und erst recht
nicht die Kraft, in sein Land zurückzukehren. Allein schon durch
seine Existenz bestätigt es sein Wesen als G~ttes Volk, obwohl
große Teile die Gebote nicht befolgen. Wir wissen ganz genau,
und mit uns die ganze Welt, dass wir das "Volk der Bibel" sind
und die Botschaft der moralischen und glaubensmäßigen
Vervollkommnung der Menschheit im Lichte G~ttes tragen.
Auch wenn sich dies nicht auf einer offenbaren, rationalen
Ebene fassen lässt, so macht es sich doch überdeutlich auf der
emotionalen, unterschwelligen Ebene bemerkbar. Weder kann
man dem jüdischen Schicksal entkommen noch vor der
jüdischen Bestimmung davonlaufen. Selbst wenn große Teile
des jüdischen Volkes ihre Besonderheit vergessen, kommen die
Nichtjuden, und rufen ihnen wieder ins Gedächtnis, wo sie
herkamen und wohin sie gehen werden. Wenn sich das
jüdische Volk aber nicht genug bewusst ist, das Volk G~ttes zu
sein und seine Kriege zu führen, fällt es ihm schwer, die nötigen
seelischen Kräfte zum Kampf zu mobilisieren und für den Erfolg
Opfer zu bringen. Wenn nur die Existenz des Individuums das
höchste Ideal bildet - wozu also jetzt Leben von Einzelnen
zugunsten des Lebens anderer Individuen in der Zukunft
opfern? Und warum sollte man sich in irgendeine Gefahr
bringen, nur um die Verletzung der Ehre des Volkes zu
verhindern?

Darum verkündete unser Lehrer Moscheh zu Beginn der
Wanderung nach Israel: "Erhebe Dich, Ewiger, dass deine
Feinde sich zerstreuen und deine Hasser vor dir fliehen!" (s.o.).
Das ganze Volk Israel soll wissen, dass es G~ttes Kampf führt.
Wenn es dann in Ruhe in seinem Land siedelt, wird ihm schon
nicht mehr entgehen, dass die göttliche Präsenz auf ihm ruht.
Nicht nur im Kriege, sondern auch in Zeiten des Friedens und
der Sorglosigkeit. "Und wenn sie [die Bundeslade] sich
niederließ, sprach er: Kehre zurück, Ewiger, zu den tausend
Myriaden Israels!" (Num. 10,36).