| Parschat "Wajikra" (3.Buch Moscheh, Kap.1,1 - 5,26) S.394
Ob viel oder wenig, wenn man nur sein Herz zum Himmel richtet Im Talmudtraktat "Brachot" wird die Geschichte erzählt, wie Rabbi
Jochanan seinen kranken Schüler Rabbi Elasar besuchen kam und diesen
weinend vorfand. Rabbi Jochanan wollte den Grund dieses Weinens herausfinden
und fragte ihn unter anderem: "Vielleicht weinst du, weil du nicht genug
Tora gelernt hast? Das ist doch kein Grund, denn wir haben gelernt: Ob
viel oder wenig, wenn er nur seine Gedanken auf den Himmel richtet" (Brachot
5b). Nicht die Menge entscheidet, sondern das
In der gleichen Gemara (17a) finden wir den folgenden Wahlspruch der
Rabbiner aus Jawne [eine zeitlang Sitz des Sanhedrins nach der Zerstörung
des Tempels]: "Ich bin ein Geschöpf und mein Nächster ist ein
Geschöpf" - das heißt 'ich, der sich mit der Tora befaßt,
bin ein Geschöpf, und ebenso ist mein Nächster vom einfachen
Volke ein Geschöpf' (Raschikommentar), "meine Arbeit ist in der Stadt
und seine Arbeit auf dem Felde"; "Vielleicht aber sagst du: ich tue viel,
er aber wenig, so haben wir gelernt: ob man viel oder wenig tut - wenn
man nur sein Herz auf den Himmel richtet". In der Gesellschaft gibt es
sowohl Toragelehrte als auch Handwerker, und beide Gruppen haben die Pflicht,
sich mit der Tora zu beschäftigen (MaHaRScha
Die vorgenannte Erklärung stützt sich auf die letzte Mischna
des Traktates
Warum sollte man sich dann groß verausgaben? Nun, es versteht sich wohl von selbst, daß hier das individuelle Vermögen maßgeblich ist. Für den Armen bedeutet die Darbringung einer Handvoll Mehl soviel wie für den Reichen ein ganzes Vieh. Es ist eben alles relativ. Und wenn jeder das in seinen Kräften Stehende tut und seine Gedanken vollständig auf den Himmel gerichtet sind, dann gilt "ob viel oder wenig". Von einem aber, der viel tun könnte und sich nur zu einem Bruchteil dessen aufrafft, ist dabei sicher nicht die Rede. Wir haben damit also zwei Richtlinien vor uns, die in gegensätzliche
spirituelle Richtungen zielen und einander ergänzen:
Was außerhalb des Menschenmöglichen steht, gilt als nicht existent; wenn also jemand wirklich geradlinig und ohne sich selbst etwas vorzumachen, alles, was wirklich in seinen Kräften steht, tut, erhält er Lohn für das Wenige wie für das Viele. |