| Parschat "Wajeschew" (1. Buch Moscheh "Genesis" 37,1 - 40,23) S.371
Der Traum
Durch den Traum offenbaren sich dem Menschen wichtige und wahrhaftige Dinge, wie z.B. in den Träumen von Awimelech, Jakov, Lawan, Josef, den Bediensteten Pharaos, Pharao selbst, Bileam, Schlomo in Giv'on, Nebukadnezar und Daniel. Demgegenüber gibt es Träume, denen, wie unsere talmudischen Weisen sagen, keine besondere Bedeutung beizumessen ist. Diese zwei Sorten Träume lassen sich wie folgt definieren: zum einen der Traum aus höheren Welten, der von zusätzlicher Lebenskraft gespeist wird und von dem es heißt, er sei "ein Sechzigstel Prophetie", zum anderen der irdische Traum, der der Einschränkung der Lebenskraft zur Zeit des Schlafes, des "Sechzigstel Todes", entspringt. Oder, wie es unsere Weisen ausdrücken: den durch einen Engel übermittelten Traum und den durch einen bösen Geist ("Sched") übermittelten Traum. Was gibt hier den Ausschlag? Im "Führer der Unschlüssigen" (II,36-38) erklärte Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") ausführlich das Wesen des Traumes, basierend auf dem Verständnis der Tiefen der Seele. Der Traum entstammt der Vorstellungskraft [einem Bestandteil der Seele] des Menschen. Im Wachzustand werden diese Kräfte durch überwältigende und sich ständig erneuernde Umwelteindrücke verdrängt und erdrückt. Wie die Psychoanalytiker erklären, verdrängt das Bewußtsein bestimmte Triebe durch "tendenzielle Zensur", die dann im Traum hervorbrechen. Nicht nur das, sagte unser großer Lehrer Maimonides, sondern das gesamte Streben des Menschen, das durch die Realität eingeengt oder dessen Verwirklichung behindert wird, erscheint ihm später im Traum. Wer seine Sehnsüchte, Beschäftigungen und Sorgen im Wachzustand auf die niederen Dinge des Lebens konzentriert, wird im Traum eben diese seine Gedankenwelt widerspiegelt sehen, als "Traum durch einen bösen Geist". Wer sich jedoch nach göttlicher Anhänglichkeit sehnt, wird im Traum durch das Sehen von Engeln belohnt. "Der Schlaf befreit den Menschen von der Versklavung durch die äußerliche
Welt" schrieb Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels),
und deshalb reichen seine inneren Kräfte "über seine gesamte
geistige Statur", zum Guten und zum Schlechten. "Die Umwelt" schützt
den Menschen vor dem Sturz "in den Abgrund", hält
Daher ist neben den andauernden Bemühungen, seine Taten, seine
Charakterzüge und seine Gedanken auf einem seiner göttlichen
Seele würdigen Niveau zu halten, besonderer Augenmerk auf eine Selbstprüfung
vor dem Schlafengehen zu legen, auf die Seelenreinigung vom "täglichen
Bösen", und dadurch zur Verbindung mit dem Herrn der
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