Parschat "Truma" (2.Buch Moscheh "Exodus", Kap.25,1 - 27,19) S.388
Tora und Arbeit 

In diesem Wochenabschnitt wird das wahre Verhältnis von Tora und Arbeit geklärt, und zwar gestützt auf die innere Ordnung des Tempels. Im Innern des Tempels befindet sich das Heiligtum mit dem sechsarmigen Leuchter und dem Tisch der Brote. Der Leuchter ist dazu bestimmt, Licht zu verbreiten, und der Tisch hat die Aufgabe, die Schaubrote aufzunehmen. Leuchter und Tisch symbolisieren Licht und Brot, Kultur und Wirtschaft, die Hauptgebiete menschlichen Schaffens. Das Herz des Tempels aber bildet das Allerheiligste. Dort befindet sich nur noch Tora. Mit der Tora wendet sich der Herr der Welt an uns, und darin finden auch Leuchter und Tisch, Kultur und Wirtschaft ihren Ursprung - das, was wir tun, was wir schaffen, was wir leisten. Die Arbeit ist unsere Aufgabe in der Welt - alle Arbeiten, die es gibt. Die erhabene Arbeit des Tempeldienstes, der Dienst des Gefühles, den wir Gebet nennen, der G~ttes-Dienst mit dem Verstand, nämlich das Torastudium, der Liebesdienst zwischen dem Menschen und seinem Nächsten und zwischen Mann und Frau, und die praktische Arbeit in der Landwirtschaft und im Handwerk. Doch dürfen wir in alledem den Ausgangspunkt nicht vergessen, das Wort G~ttes, und uns nicht zu tief in die Arbeit eingraben. "Wer sein Ohr vom Hören der Lehre abwendet - auch dessen Gebet ist ein Greuel" (Sprüche 28,9). Wir dürfen aber auch weder das kreative, aktive geistige Schaffen noch die praktische Arbeit, die uns das Brot bringt, außer acht lassen. Jenes Brot wird am Ende der "26 Preisungen" erwähnt: "Der Brot gibt allem Fleische, denn ewiglich währt seine Huld" (Psalm 136,25), denn auch durch die Arbeit des Menschen zum Hervorbringen von Brot hat eine bestimmte Heiligkeit, wie in den "Sprüchen der Väter nach Rabbi Natan" (11. Abschnitt) weiter erklärt wird, weil sie Teile der Welt vor dem Veröden rettet. Das ist die Lebensaufgabe des Menschen, zu schaffen und nicht müßigzugehen "..nicht umsonst hat er sie [die Erde] geschaffen, zur Bewohnung hat er sie gebildet" (Jeschajahu 45,18). Das Hauptfrage besteht nicht darin, wieviel Tora zugunsten der Arbeit oder wieviel Arbeit zugunsten der Tora geopfert werden muß, denn beide haben ihre Berechtigung - die menschliche Arbeit auf dem Fundament der göttlichen Lehre. Das Problem liegt vielmehr darin, fleißig und eifrig in beiden zu sein.