| SUKKOT S.458
Sukkot - das Fest des Lebens Schon immer wiesen unsere Weisen auf die Besonderheit des Gebotes (Mitzwa) von der Laubhütte hin, das sich dadurch auszeichnet, daß man es mit seinem ganzen Körper erfüllt und in die Mitzwa mit Haut und Haaren eintritt, mit seiner Kleidung und selbst mit dem Schmutz an den Stiefeln. Darin ähnelt dieses Gebot dem Gebot vom Wohnen im Lande Israel. Dieser Vergleich stützt sich auf den folgenden Schriftvers: "Und in 'Schalem' ist seine Hütte, und seine Wohnstätte in Zion" (Psalm 76,3); Sukkot (Hütten) und Zion. Darüberhinaus erklärte Rabbiner Elijahu aus Wilna ("der Ga'on aus Wilna"), ebenso wie man sich jedes Jahr aufs neue mit dem Bau der Laubhütte beschäftigen soll und nicht einfach in die alte vom Vorjahr einziehen darf, muß auch der Aufbau des Landes aus eigener Kraft erfolgen, und diese Beschäftigung zieht dann den göttlichen Segen auf sich. Und nicht nur das - man erfüllt die Mitzwa der Laubhütte sogar im Schlaf! Bekanntlich ist das Übernachten in der Sukka nach dem jüdischen Gesetz von höherer Bedeutung als das bloße Einnehmen der Mahlzeiten daselbst. Demnach wird also auch beim Ruhen der Willenskräfte des jüdischen Menschen durch ihn ein Gebot erfüllt. Damit offenbart sich das heilige israelitische Wesen, das in seiner absoluten Göttlichkeit nicht von Taten abhängig ist. (Natürlich erfüllt man auch das Gebot des Wohnens im Lande im Schlaf). An Sukkot bezeugen wir, daß wir dem Leben nicht böse sind und wir die Mitzwa mit unserer gesamten Existenz erfüllen. Im Gegensatz zu Jom Kippur, welcher von Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") mit "Ruhetag am Zehnten [Tischri]" bezeichnet wird, da man an diesem Tag von allen diesweltlichen Dingen abläßt, nach Art der Engel, - erfüllen wir an Sukkot das Gebot sogar während des Ruhens unserer Willenskräfte; und nach Jom Kippur verfallen wir nicht etwa wieder in den alten Trott, sondern beginnen noch am selben Abend mit dem Bau der Laubhütte, wie es im Schulchan Aruch (RM"A), dem Gesetzeskodex, heißt. Das ist nicht als "Abstieg" aufzufassen, im Gegenteil, die Ausbreitung der Heiligkeit, die von außerhalb dieser Welt entstammt, der Heiligkeit der kommenden Welt des Jom Kippur, erstreckt sich auch auf das materielle Erbauen der Sukka in dieser Welt. In der Frage, ob ein gerader oder ein gebogener Schofar zu bevorzugen sei, wurde halachisch (religionsgesetzlich) entschieden, daß ein Schofar gekrümmt zu sein habe, da das Wesen der hohen Feiertage eine Verstärkung der Spiritualität mitsichbringe, wobei manchmal der schädliche Einfluß weltlicher Dinge "zurechtgebogen" werden muß. Nach dieser Läuterung kehren wir in diese Welt zurück, in der Hand den Lulaw, den Palmzweig, den schon die kleinste Krümmung untauglich macht, in der aufrechten Haltung wahrer Heiligkeit. |