"Bevorzugt ist der Mensch, daß er im Ebenbilde geschaffen ist"
(Mischna "Sprüche der
Väter" III,14). Der Mensch ist ein "Ebenbild" G~ttes. An dieser
göttlichen Tatsache
gibt es nichts zu rütteln, ob der Mensch sich nun dieser Eigenschaft
durch sein
Verhalten würdig erweist oder nicht, ob er dieses sein inneres
Wesen leugnet oder nicht
- er ist und bleibt ein Ebenbild G~ttes. Es steht nicht in seiner Macht,
sein Menschsein
zu annullieren.
Wenn sich nun der Mensch dessen bewußt ist, Ebenbild G~ttes zu
sein, wenn er seinen
inneren Wert kennt - und dieses Wissen selbstverständlich in allen
seinen Aktivitäten
und Äußerungen zum Ausdruck kommt - widerfährt ihm
noch größere Wertschätzung:
"Ein besonderer Vorzug ist's, daß es ihm zum Bewußtsein
gebracht worden, daß er im
Ebenbilde geschaffen, wie es heißt: 'Denn im Ebenbilde G~ttes
hat er den Menschen
geschaffen'" (ebda.). Durch Übermittlung dieser Information durch
den Herrn der Welt,
Ebenbild G~ttes zu sein, ermöglichte er ihm, eine höhere
Stufe göttlicher Zuneigung zu
erlangen.
"Bevorzugt sind Israel, daß sie Kinder genannt sind" (ebda.).
Wir sind die Kinder des
Herrn. Auch diese absolute göttliche Tatsache ist unabänderlich
und auch nicht von
unserem Verhalten abhängig, wie der Talmud (Traktat Kiduschin
36a) feststellt:
"...wenn ihr euch wie Söhne betragt und wenn ihr euch nicht wie
Söhne betragt" - selbst
wenn sie sündigen, wenn sie Dummheiten machen, wenn sie ungläubig
sind, ja selbst
wenn sie fremden Göttern nachlaufen - bleiben sie Kinder des lebendigen
G~ttes, sagt
der Talmud.
Wenn wir uns nun aufgrund dieses Wissens, Kinder des Herrn zu sein,
entsprechend
verhalten, wird uns besondere Zuneigung zuteil werden: "Ein besonderer
Vorzug ist's,
daß es ihnen zum Bewußtsein gebracht worden, daß
sie G~ttes Kinder genannt sind;
wie es heißt: 'Kinder seid ihr des Ewigen eures G~ttes'" (ebda.)
- G~tt, der uns von
unserer besonderen Qualität wissen ließ, zeigt uns dadurch
noch größere Zuneigung,
wodurch wir wiederum auf höhere Stufen göttlicher Wertschätzung
gelangen können.
Und jetzt, wo wir von unserem besonderen "Verwandtschaftsstatus" wissen
- wie
kommen wir in den Genuß dieser besonderen Zuneigung? "Bevorzugt
sind Israel, daß
ihnen ein kostbares Werkzeug gegeben ist" (ebda.). Die Tora
vermag dem in der Tiefe
der israelitischen Seele verborgenen Potential praktischen Ausdruck
zu verleihen. Ob
wir es verstehen oder nicht - das ist das Wesen der Tora.
Wenn wir nun zu der Erkenntnis des Wesens der Tora gelangt sind, wie
sie dem
Ursprung der spezifisch israelitischen Existenz verknüpft ist,
vernehmen wir von einer
noch höheren Stufe göttlicher Hinwendung: "Ein besonderer
Vorzug ist's, daß es ihnen
zum Bewußtsein gebracht worden, daß ihnen ein kostbares
Werkzeug gegeben ist, mit
welchem die Welt erschaffen worden" (ebda.). Die Tora formt die jüdische
Gemeinschaft, und dadurch die Welt und alle höhereWelten.
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