Parschat "Re|e" (5. Buch Moscheh 11,26 - 16,17) S. 440/463
"Kinder seid ihr des Ewigen eures G~ttes"

"Bevorzugt ist der Mensch, daß er im Ebenbilde geschaffen ist" (Mischna "Sprüche der
Väter" III,14). Der Mensch ist ein "Ebenbild" G~ttes. An dieser göttlichen Tatsache
gibt es nichts zu rütteln, ob der Mensch sich nun dieser Eigenschaft durch sein
Verhalten würdig erweist oder nicht, ob er dieses sein inneres Wesen leugnet oder nicht
- er ist und bleibt ein Ebenbild G~ttes. Es steht nicht in seiner Macht, sein Menschsein
zu annullieren.

Wenn sich nun der Mensch dessen bewußt ist, Ebenbild G~ttes zu sein, wenn er seinen
inneren Wert kennt - und dieses Wissen selbstverständlich in allen seinen Aktivitäten
und Äußerungen zum Ausdruck kommt - widerfährt ihm noch größere Wertschätzung:
"Ein besonderer Vorzug ist's, daß es ihm zum Bewußtsein gebracht worden, daß er im
Ebenbilde geschaffen, wie es heißt: 'Denn im Ebenbilde G~ttes hat er den Menschen
geschaffen'" (ebda.). Durch Übermittlung dieser Information durch den Herrn der Welt,
Ebenbild G~ttes zu sein, ermöglichte er ihm, eine höhere Stufe göttlicher Zuneigung zu
erlangen.

"Bevorzugt sind Israel, daß sie Kinder genannt sind" (ebda.). Wir sind die Kinder des
Herrn. Auch diese absolute göttliche Tatsache ist unabänderlich und auch nicht von
unserem Verhalten abhängig, wie der Talmud (Traktat Kiduschin 36a) feststellt:
"...wenn ihr euch wie Söhne betragt und wenn ihr euch nicht wie Söhne betragt" - selbst
wenn sie sündigen, wenn sie Dummheiten machen, wenn sie ungläubig sind, ja selbst
wenn sie fremden Göttern nachlaufen - bleiben sie Kinder des lebendigen G~ttes, sagt
der Talmud.

Wenn wir uns nun aufgrund dieses Wissens, Kinder des Herrn zu sein, entsprechend
verhalten, wird uns besondere Zuneigung zuteil werden: "Ein besonderer Vorzug ist's,
daß es ihnen zum Bewußtsein gebracht worden, daß sie G~ttes Kinder genannt sind;
wie es heißt: 'Kinder seid ihr des Ewigen eures G~ttes'" (ebda.) - G~tt, der uns von
unserer besonderen Qualität wissen ließ, zeigt uns dadurch noch größere Zuneigung,
wodurch wir wiederum auf höhere Stufen göttlicher Wertschätzung gelangen können.

Und jetzt, wo wir von unserem besonderen "Verwandtschaftsstatus" wissen - wie
kommen wir in den Genuß dieser besonderen Zuneigung? "Bevorzugt sind Israel, daß
ihnen ein kostbares Werkzeug gegeben ist" (ebda.). Die Tora vermag dem in der Tiefe
der israelitischen Seele verborgenen Potential praktischen Ausdruck zu verleihen. Ob
wir es verstehen oder nicht - das ist das Wesen der Tora.

Wenn wir nun zu der Erkenntnis des Wesens der Tora gelangt sind, wie sie dem
Ursprung der spezifisch israelitischen Existenz verknüpft ist, vernehmen wir von einer
noch höheren Stufe göttlicher Hinwendung: "Ein besonderer Vorzug ist's, daß es ihnen
zum Bewußtsein gebracht worden, daß ihnen ein kostbares Werkzeug gegeben ist, mit
welchem die Welt erschaffen worden" (ebda.). Die Tora formt die jüdische
Gemeinschaft, und dadurch die Welt und alle höhereWelten.

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