| PESSACH S.450
Was ist ein Wunder? "Nes", Wunder, auch Flagge, etwas flattert vor den Augen aller wie eine Flagge. Was offenbart sich hier in so spektakulärer Weise? Der Herr der Welt lenkt die Natur, und er kann der Natur auch ungewöhnliche Dinge abverlangen; "der Ewige, mein Banner" (Ex. 17,15). Man kann ein Wunder auch "rational" erklären - wenn etwas exakt
dann eintrifft, wenn man es am dringendsten braucht, oder daß ein
bestimmter natürlicher Prozeß schneller als normal abläuft.
Diese Sorte Wunder verdeutlicht, wie G~tt über die Zeit herrscht
und die Gesetze von Wahrscheinlichkeit und Statistik nötigenfalls
zu seinen Zwecken ausbeutet. Dies offenbarte er besonders durch das Wunder,
als er für König
Andere Wunder flattern noch auffälliger. Normalerweise "geht die Welt ihren gewohnten Gang" (Awoda Sara 54b), doch auf einmal geht sie einen anderen Gang. Die Regeln der Schöpfung ändern sich. Allerdings gibt es noch viele andere Schöpfungsregeln, dabei gibt es unendlich viele Möglichkeiten; ihre Einschränkung und Bestimmung in den uns bekannten Gesetzlichkeiten der Schöpfung nennen wir "Natur". Die Propheten lernten auch die anderen Möglichkeiten der Kreation kennen, und wie sie zur Erscheinung zu bringen sind. Im täglichen Leben geschehen keine Wunder, es herrscht die Natur
nach den Gesetzen von Ursache und Wirkung. In Wirklichkeit aber hält
G~tt auch hier die Fäden in der Hand: "Aber du bist ein G~tt, der
sich verbirgt" (Jeschajahu 45,15). Das ist die Bedeutung des Wortes "Olam"
(Welt): Verborgen (mit'alem) in den Welten (Olamot), die
er geschaffen hat. In sechs Tagen schuf G~tt sein ganzes Werk, ruhte am
siebenten Tage und verbarg sich. Wir befinden uns seitdem in G~ttes Schabbat-Ruhetag.
Der Schabbat, den wir halten, bekennen wir, daß G~tt die Natur von
seinem
Die normale Ordnung der Wirklichkeit sieht keine Wunder vor. Der Talmud
(Traktat Schabbat 53b) berichtet uns von einem Mann, dem die Frau starb
und ihm einen Säugling hinterließ. Er hatte kein Geld für
eine Amme, und so geschah ihm ein Wunder, das ihn selber in die Lage versetzte,
das Kind zu säugen. Rav Josef sagte darüber: Kommt und seht die
Größe dieses Mannes, weil ihm dieses Wunder geschah. Worauf
ihm Abaje erwiderte: Im Gegenteil, wie übel ist dieser Mann, da doch
Auch soll man seine religiöse Grundeinstellung nicht auf Wunder
ausrichten. Nur wessen religiöse Fundamente wackelig sind, braucht
viele Wunder. Gideon ben Joasch, der immer wieder Bestätigung durch
Wunder und Beweise von G~tt verlangte (Richter, 6.Kap.), galt nicht als
einer der großen Toragelehrten (Traktat Rosch Haschana 25a/b). Im
Gegenteil, die Tora warnt uns sogar vor jenen, die Wunder bewirken, damit
man sie religiöse Neuerungen einführen läßt. Entsprechend
schrieb Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") in den Gesetzen von
Königen und
Anhand der Wunder verstehen wir den Vers "G~tt ist mein Banner/Wunder
(nissi)" (aus "Adon Olam") - daß nämlich alle
Naturgesetze aus Wundern bestehen. Genauso handelt es sich bei der
Menschheitsgeschichte um ein im Verborgenen ablaufendes Wunder (Kommentar
des Nachmanides). War nicht auch die Gründung des Staates
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