| Parschat "Mezora" (Lev. 14,1 - 15,33) S.401
Vom Reden und Schweigen Der Mensch unterscheidet sich von der übrigen Schöpfung durch
die Rede, der "redende Mensch". Diesem Lebewesen wurde vom Herrn der Welt
die besondere Befähigung verliehen, seine Gedanken in Form von Worten
auszudrücken. Einerseits gibt es Gedanken, deren sprachlicher Ausdruck
die Welt wie mit Wohlgeruch erfüllt, und andere, die zum Himmel stinken.
Diesbezüglich heißt es im Buche Kohelet (Prediger
Üble Rede verbreitet ihren Pesthauch in der ganzen Umgebung und
legt ihn auf die ganze Gesellschaft. Dieser niedere Trieb sucht sich gerne
ein gesetzliches Schlupfloch, auf das er sich dann scheinheilig beruft.
So können auch diejenigen, die aus uneigennützigen Gründen
über einen Mitmenschen reden, zerstörend wirken. Gibt es denn
ein deutlicheres
Wer natürlich nicht das Buch "Chafetz Chaim" - von der üblen (Nach-)Rede - einige Male gründlich durchstudiert hat, muß sich sehr zurückhalten und zugeben, daß er viele Dinge nicht kennt, und sichere Zuflucht beim Schweigen suchen. Er braucht auch nicht zu befürchten, daß er damit seine Aktionsmöglichkeit einschränkt oder Verrat an seiner Verantwortlichkeit übt. Es gibt nämlich Reden, das zerstört, und Schweigen, das aufbaut. Wer sich ernsthaft im Schweigen übt, wird mehr und mehr wahrer Weisheit teilhaftig werden, denn "ihr Schutzzaun ist Schweigen" (Mischna "Sprüche der Väter" 3,17). "Darum verstummt der Einsichtige in selbiger Zeit" (Amos 5,13). Durch die Kunst des Schweigens erwirbt der Mensch hohe Verantwortlichkeit in seinen Äußerungen, und so bringt sein Wort der Welt Segen und Heilung. |