| Parschat "Lech lecha" (1.
Buch Moscheh "Genesis" 12,1 - 17,27) S.358
Die Sache mit Sara Es ist schon sehr erstaunlich,
wie unser Vorvater Awraham Saras Überführung in Pharaos Palast
zustimmte, um sich selbst zu retten - "..damit es mir wohlgehe um deinetwillen,
und meine Seele lebe deinethalben" (Gen. 12,13). Und daß es sich
dabei um keine Kleinigkeit handelt, sehen wir daran, daß sich die
Geschichte noch zweimal
Dabei läßt sich eine gewisse Weiterentwicklung beobachten. Beim ersten Mal handelt nur Awraham, während sich Sara passiv verhält. "Sage doch, meine Schwester seist du". Doch nirgendwo steht geschrieben, daß sie es wirklich sagte, im Gegenteil, Pharao beschwert sich: "Warum sagtest du: Meine Schwester ist sie?" Eigentlich hätte Awraham Sara anweisen müssen: "Sage doch: Er ist mein Bruder", doch das hätte wie "Richte ihnen aus, ich hätte dich sagen lassen: Er ist mein Bruder" verstanden werden können. - Und beim dritten Mal versteht Awimelech die Situation schon von alleine. Diese Geschichte soll uns das rechte Verhältnis zwischen Mann und Frau verdeutlichen. Bei den Tieren beschränkt sich das Verhältnis auf Männchen/Weibchen. Bei Adam und Chawa ("Eva") erscheint bereits eine höhere Stufe: die Frau nicht als Mittel zur Erfüllung der Bedürfnisse des Mannes, sondern beide gemeinsam verkörpern den Menschen im "Ebenbild G~ttes". Bei unserem Vorvater Awraham jedoch begegnen wir einer noch höheren Stufe, wie wir im folgenden sehen werden. Während der ersten zwanzig Generationen der Weltgeschichte, die G~tt "erzürnten", verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Mann und Frau, wie sich auch nach der Sünde Kains das Verhältnis des Menschen zu seinem Nächsten verschlechterte. Bei der Einreise nach Ägypten sagte Awraham zu Sara: "Siehe doch, ich weiß, daß du eine schöne Frau bist" (Gen. 12,11) - hatte er das bisher nicht bemerkt ?! Vielmehr war es das erste Mal, daß er sie wie mit den Augen eines Ägypters betrachtete. Er schaute sie immer nur sittsam an und brachte ihr höchsten Respekt entgegen, wie wir dem Raschikommentar entnehmen; er betrachtete sie sicher nicht als sein "Weibchen". Doch genau dies war die Betrachtungsweise der sittenlosen Ägypter, nämlich mit dem Schwerpunkt auf der Erotik. Der Midrasch erzählt uns, wie auch aus den Büchern der Archäologen bekannt ist, daß die Pharaonen ihre Schwestern heirateten. Dazu erklärt Rabbiner Meir Leibusch Malbim, ein Torakommentator des vorigen Jahrhunderts, daß der Stamm der Pharaonen wegen ihrer Endogamie (Heiraten nur innerhalb einer Kaste o.ä.) von der Bildfläche verschwand. Sie wollten ihr aristokratisches Blut nicht mit dem des gemeinen Volkes vermengen. Awraham lehrt uns, wie er
im Gegensatz zu Pharao, der seine Schwester zu seiner Frau machte, seine
Frau wie seine Schwester behandelte. Über dem Verhältnis "männlich
/ weiblich", und über dem Verhältnis "Mann / Frau" steht das
Verhältnis "Bruder / Schwester", das den erhabenen Wert des gegenseitigen
Respektierens repräsentiert. Das sollte man sich wieder und wieder
vor Augen führen, bis man es endgültig verstanden
Besonders im Hohelied rückt
diese höchste Stufe der Liebe in den Blickpunkt: "O daß du mein
Bruder wärest" (Hohelied 8,1).
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G~tt informierte Awraham:
"Und ich will einen Bund stiften zwischen mir und dir" (Gen. 17,2). Als
Awraham diese großen Worte hörte, war er vollkommen sprachlos:
"Da fiel Awraham auf sein Angesicht" (Gen. 17,3). Und das Ergebnis: "Darum
soll man dich nicht mehr Awram nennen, Awraham soll dein Name sein; denn
zum Vater vieler Völker habe ich dich bestimmt" (Gen. 17,5). Von hier
ab wird Awrahams Eigenschaft als spiritueller Vater der gesamten Menschheit
deutlich. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sein Anliegen, sein Wesen und seine
Bestimmung auf die nationale Ebene, zu Gunsten
Der Raschikommentar erklärt
uns die Bedeutung des Namens "Awraham" als "Vater vieler Völker" anhand
der "Notrikon" genannten Methode. Dieser Begriff stammt aus dem
hellenistischen Jargon von vor etwa 1800 Jahren, und er bezeichnet eine
der Grundregeln der formalen Logik, was dem heutigen Begriff des "Anagramm"
nahekommt, d.h., ein aus Wortanfängen zusammengesetztes Wort. "..ist
die Deutung einer Abkürzung, die sein Name enthält; der Buchstabe
Resch, der vorher
darin war - solange er nur der Vater von Aram,
seiner Heimat, war; während er jetzt der Vater der ganzen Welt geworden
war" (Raschikommentar zu Gen. 17,5). Aram war sein Land, sein Familiensitz
und seine Heimat, sein Vater Terach das geistige Oberhaupt von Aram - und
so stand es ihm ganz natürlich zu, Vater seines Volkes zu sein. Jetzt
ist er eben Vater vieler Völker. So hätten wir erwartet [nach
der oben erwähnten Auslegungsmethode], daß sein Name nun "Aw-ham"
lautete. Trotzdem, so erklärt Raschi, "wich das Resch,
das von Anfang an da war, nicht von seiner Stelle" (ebda.), d.h., glaube
ja nicht, daß Awraham nach Erhalt des universalen Status' seinen
spezifischen nationalen Status verloren habe. Awraham ist unser spezifischer
Vorfahr - er ist wir: "Und ich werde dich zu einem großen Volke machen".
Auf dieser Basis ist er auch Vater der Menschheit; das spezifische Resch
ging nicht verloren. Auf der Basis
* * *
Im Wochenabschnitt "Lech
lecha" dreht sich alles um unseren Vorvater Awraham. Auf ihn bezieht sich
in den Prophetenbüchern eine besondere Mitzwa (Gebot), und
zwar des Betrachtens: "Schauet auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid,
auf die Brunnenhöhle, aus der ihr gegraben. Schauet auf Awraham, euren
Vater, und auf Sarah, die euch geboren" (Jeschajahu 51,1-2). "Schauet",
betrachtet, überlegt. Es besteht eine besondere
Das geistige Erbe der Vorväter 1. Awraham und wir
2. "Die Taten der Väter
als Vorzeichen für die weiteren Generationen"
3. Der die Schuld der
Väter an den Kindern ahndet
Es gibt also dieses Phänomen, daß Kinder für die Sünden der Väter büßen, zwar nicht auf immer, aber doch drei, vier Generationen: "..der die Schuld der Väter ahndet an den Kindern, am dritten und am vierten Geschlecht.." (s.o.). Wollen wir nun versuchen, die dem zugrundeliegende Logik und Gerechtigkeit zu verstehen. Die Antwort ist sehr einfach: wenn nämlich die Kinder "an den Gewohnheiten ihrer Väter festhalten" (Brachot 7a), d.h., ein Leben der Sünden führen. Aber selbst bei tadellosem Lebenswandel können sie unter den Sünden ihrer Eltern leiden, wie zum Beispiel bei einer schwangeren Frau, die die Grundsätze einer gesunden Lebensführung mißachtet und somit das Ungeborene der Gefahr der Mißbildung aussetzt. Womit hat es das verdient? Natürlich trifft das Ungeborene keine Schuld, und doch leidet es an den Sünden der Mutter. Ein anderes Beispiel: schlechtes Benehmen der Eltern im Hause überträgt sich auf den Charakter der Kinder. Die Kinder tragen keine Schuld daran, doch müssen sie darunter leiden. Begeben wir uns nun auf eine
höhere Ebene des Verständnisses: Der Mensch erhält das Erbe
seiner Vorväter zum Guten wie zum Schlechten. Wenn er nun sagen sollte:
Das ist doch nicht fair, für die Taten der Väter büßen
zu müssen?! - doch erbt er auch Gutes! Darüberhinaus hält
die Wirkung der "guten Erbschaft" weit länger an und ist von wesentlich
stärkerem Einfluß als die "schlechte Erbschaft". "Der die Schuld
ahndet... am dritten und am vierten Geschlecht..", und damit hat es sich,
"aber Gnade erweise ich bis ins tausendste Geschlecht denen, die mich lieben
und meine Gebote halten" (Ex. 20,6). Wenn das keine Verhätschelung
ist! Wir beschweren uns über das Schlechte, und gleichzeitig mißachten
wir das Gute, das wir von unseren Eltern und Vorfahren ererbt haben, wenn
wir es nicht vollkommen ignorieren. Führen wir uns einmal vor Augen,
wie die Welt vor ein paar tausend Jahren aussah, als die Menschen noch
auf Bäumen lebten. Und siehe, nach einigen tausend Jahren intensiver
Erziehung ist das Antlitz der Welt sowohl in geistig-kultureller als auch
in technologischer Hinsicht nicht wiederzuerkennen. Das fiel nicht einfach
so vom Himmel, sondern bedeutet das Erbe aller Generationen. Wir profitieren
vom geistigen und praktischen Erbe aller Geschlechter, und besonders vom
Erbe unserer eigenen Vorfahren - und wir leiden auch unter ihren Fehlern.
Und was ist denn dabei? Ist das etwa nicht fair? Dem reichen, positiven
Erbe steht ein winziges negatives Erbe gegenüber. Kein Mensch kann
sich als selbständige, von der Menschheit als Ganzem abgekapselte
Schöpfung sehen. Die Generationen bilden eine einzige Kette, eine
einzige Seele, eine einzige Kontinuität, eine einzige göttliche
Lebenskraft, die sich im Laufe der Generationen in allen ihren
4. Israel - die Kinder
Awrahams
[aus einem längeren
Artikel; siehe auch nächsten Wochenabschnitt]
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