| Parschat "Kedoschim" (Lev. 19,1 - 20,27) S.402
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" Im Mittelpunkt unseres Wochenabschnittes stehen jene Worte, die alle
Daher erklärte Rabbiner Bar-Scha'ul die Stelle "deinen Bruder in
Tora und Mitzwot" nicht mit jemandem, der die Gesetze hält,
sondern jemand, der genau wie du zur Einhaltung der Gebote verpflichtet
ist. Diese Verpflichtung zur Einhaltung von Tora und Mitzwot macht
ihn der Gemeinschaft Israels zugehörig und daher das Gebot, ihn zu
lieben. Es stellt sich also die große Frage: Warum sollen wir jemanden
lieben, der vom rechten Weg abweicht?! Heißt es doch in Psalm 139
(21+22): "Sollte ich deine Hasser, Ewiger, nicht hassen? Des äußersten
Hasses hasse ich sie, Feinde gelten sie mir". Wie ist es überhaupt
möglich, so einen zu lieben ?! Überdies steht im Talmud ausrücklich,
den Übeltäter zu hassen (Pessachim 113b), und auch dies übernahm
Maimonides in sein Gesetzeswerk aufgrund des Verses "Wenn du den Esel des
dir Verhaßten siehst" (Ex. 23,5): "Und wie kann ein Jude einen
anderen als Hasser haben, heißt es nicht 'hasse nicht deinen Bruder
in deinem Herzen'? Die Weisen sagten: Wie einer alleine jemanden bei einer
Übertretung ertappte [d.h. ohne einen
Zum gleichen Ergebnis kam der heilige und geniale Rabbi Schmelke aus Nikolsburg, und zwar erbrachte er den Beweis von folgendem Segensspruch, der den Priestersegen einleitet: "...der uns geboten hat, sein Volk Israel in Liebe zu segnen", das ganze Volk, einschließlich der Sünder, denn nach dem Sohar (Hauptwerk der Kabbala) darf ein Kohen nicht segnen, wenn er das Volk nicht liebt. Dies ist ein weiterer deutlicher Beweis, daß der Haß nicht auf das Wesen, sondern nur auf das Schlechte in ihm gerichtet ist. Auch der Talmud bestätigt dies: "Ein Israelit hat sich versündigt - ..wenn er auch gesündigt hat, so ist er dennoch ein Israelit" (Sanhedrin 44a) und fährt fort: "Das ist es, was die Leute sagen: auch die Myrte zwischen den Brennesseln ist eine Myrte, und man nennt sie Myrte". Die Myrte - eine Metapher für die reine jüdische Seele, und die sie umgebenden Brennesseln bedeuten äußerliche Schlechtheit. Wie gesagt bezieht sich das Gebot, den Sünder zu hassen, nur auf
den Fall, wenn die vorgeschriebene Verwarnung erfolgte und er diese zurückwies,
wenn man ihn aber überhaupt nicht erst ermahnte, gilt nur das Gebot,
ihn zu lieben. Im Midrasch wird uns berichtet: "Rabbi Tarfon sagte: In
dieser Generation gibt es niemanden, der regelrecht ermahnen kann. Rabbi
Akiba erwiderte: In dieser Generation gibt es niemanden der weiß,
wie man regelrecht ermahnt". Und erst recht nicht in unserer Generation;
wenn wir wirklich wüßten, wie man richtig ermahnt, würde
sich jeder Sünder sofort bessern. Daher verfügten sowohl der
"Chafez Chajim" (s.o.) als auch
Nach diesen klärenden Worten können wir nun die ursprünglichen
Frage beantworten, warum ein Sünder zu lieben und wie das überhaupt
möglich sei. Das Schlechte ist bei ihm nämlich nur eine Äußerlichkeit,
doch in seinem Innersten steckt eine reine und heilige Seele, die viel
Licht und gute Eigenschaften auf den Charakter ihres Trägers ausstrahlt.
Das Gute in jedem Einzelnen aufzuspüren ist eine schwere Aufgabe,
die unendliche Weisheit erfordert. In diesem Sinne schrieb Rabbiner Kuk:
"Die jüdische
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