Parschat "Jitro" (2.Buch Moscheh "Exodus", Kap.18,1 - 20,23) S.385
Siehe, ich komme zu dir 

Warum mußte sich die göttliche Präsenz dem ganzen Volke offenbaren, genügte es denn nicht, die Tora durch unseren Lehrer Moscheh zu überbringen? Die Schrift selbst kommt dieser Frage zuvor und erklärt (Ex. 19,9): "Siehe, ich komme zu dir in der Dichte des Gewölks, damit das Volk höre, wenn ich mit dir rede und auch auf immer dir vertraue". 

Da die Zehn Gebote die gesamte Lehre enthalten, war folglich das ganze Volk Israel selbst Zeuge bei der Übergabe der Tora; das befreit uns davon, unsere Theologie durch Mutmaßungen zu rechtfertigen. Entsprechend schrieb Maimonides, daß das Volk Israel nicht wegen all der Wunderzeichen an die Tora und unseren Lehrer Moscheh glaubte, sondern weil es selbst die Stimme G~ttes zu ihm sprechen hörte. "Israel glaubte nicht an unseren Lehrer Moscheh wegen der Wunderzeichen, die er vollbrachte. Sondern wodurch glaubten sie ihm? Durch die Offenbarung am Sinai - denn unsere Augen sahen es, und nicht fremde, unsere Ohren hörten es, und nicht andere, das Feuer, das Getöse und den Fackelschein. Und er nähert sich dem Nebel, und die Stimme spricht zu ihm, und wir hören: Moscheh, Moscheh, geh und lehre sie. Und weiter heißt es: Angesicht zu Angesicht hat der Ewige mit euch geredet (Deut.5,4). Und woher, daß die Offenbarung am Sinai allein den Beweis für die Wahrheit seiner Prophetie, an der es nichts zu rütteln gibt, darstellt? Weil es heißt (Ex.19,9): Siehe, ich komme zu dir in der Dichte des Gewölks, damit das Volk höre, wenn ich mit dir rede und auch dir auf immer vertraue" (Gesetze von den Grundlagen der Tora, 8.Kap.,1.Hal.). 

Trotzdem wird zusätzlich noch die Anwesenheit des Propheten bei der Übermittlung dieses göttlichen Spruches benötigt, denn das Volk hat noch nicht die Kraft, ihn direkt aufzunehmen, wie es heißt: "Und sprachen zu Moscheh: Rede du mit uns und wir wollen hören, und nicht möge G~tt mit uns reden, daß wir nicht sterben" (Ex.20,16); daher ist auch das Vertrauen auf unseren Lehrer Moscheh vonnöten. Und dennoch ist auch die direkte Begegnung mit dem Herrn der Welt notwendig, um sicher zu sein, daß Moscheh und seine Lehre wahr sind, und G~ttes Wort auf seinen Lippen: "..und auch dir auf immer vertraue". 

Halten wir also zwei Dinge fest: Die Übergabe der Tora via unseren Lehrer Moscheh, und die Offenbarung am Sinai vor dem ganzen Volk, welche uns absolute Sicherheit an der Authentizität der Tora gibt. Diese absolute Sicherheit wird von jeder Generation zur nächsten, vom glaubwürdigen Zeugen zum nächsten übermittelt. Wenn wir uns mit der 
Tora beschäftigen, "erfreuen die Worte wie bei ihrer Übermittlung am Sinai", wir begegnen jedesmal aufs Neue der Offenbarung am Sinai. Darum informiert uns die Tora nicht ausdrücklich über den genauen Ort und Zeitpunkt [Anm.: Der Sinai ist eine Berggruppe; der Zeitpunkt, nämlich das Wochenfest, wird in der Tora nicht wie die anderen Feiertage mit dem genauen Datum genannt, sondern nur indirekt, durch das Abzählen von sieben Wochen nach Peßach bestimmt - das Omerzählen]. Und diese absolute Sicherheit der Offenbarung am Sinai, einst und für alle Zeiten, die durch ununterbrochene Übermittlung von glaubwürdigen Zeugen zu uns gelangte, ist es, die sich tagtäglich durch unsere Vertiefung in der Tora wieder und wieder erneuert.