| GRUNDBEGRIFFE DES JUDENTUMS
Die Auserwähltheit des jüdischen Volkes Jeden Morgen vor dem Morgengebet, und auch, wenn man zur Tora aufgerufen wird, sagt man den folgenden Segensspruch: "Gelobt seist du, Ewiger, unser G~tt, König der Welt, der uns erwählt hat aus allen Völkern und uns seine Tora gegeben. Gelobt seist du, Ewiger, der die Tora gibt". Wir sind international unter dem Namen "das auserwählte Volk" bekannt, zweifellos. Doch was bedeutet dieser Ausdruck? Wer hat uns auserwählt, und wie, und wozu? Die erste Frage wurde bereits im oben angeführten Segensspruch
beantwortet. Wie jedoch wählt sich G~tt sein Volk? Mit dem Stimmzettel?
Wohl kaum. Vielleicht so wie jemand in den Supermarkt geht und sich aus
dem Angebot eine Dose Sardinen "auswählt"? Doch wer hat das Regal
gefüllt und wer hat den "Supermarkt" gebaut?
Göttliches "Auswählen" heißt Schaffen. G~tt, der die Welt von ihrem Anbeginn bis an ihr Ende kennt, schuf sich ein besonderes Volk, wie es beim Propheten Jeschajahu heißt (Kap.43, Vers 21): "Das Volk, das ich mir gebildet, meinen Ruhm sollen sie erzählen." Und dementsprechend sagen wir dreimal täglich, nach dem Morgengebet,
dem Mincha- und dem Abendgebet "Alenu leschabeach...": "An uns ist es,
zu preisen den Herrn des Alls, Huldigung darzubringen dem Schöpfer
des Anbeginns, daß er uns nicht erschaffen gleich den Völkern
der Länder und uns nicht gleichgemacht den Familien der Erde, daß
er unseren Anteil nicht gleichgemacht hat dem ihren und unser Los gleich
dem ihrer
Damit kommen wir zum dritten Teil der Frage, des "wozu". Auch dies ist oben bereits angeklungen - was heißt aber nun "seinen Ruhm zu erzählen" und "zu preisen den Herrn des Alls usw."? Anscheinend ist G~tt daran interessiert, seinen Willen und seine Taten auf eine ganz bestimmte Weise in der Welt bekannt zu machen - auf dem Wege über das jüdische Volk, das sich durch göttliche Lebensweise, nach den göttlichen Lebensregeln (Mitzwot, Gebote) auszeichnet. Dazu sind wir seine besondere Schöpfung; und genau dies macht uns geeignet, die Tora zu erhalten und die Mitzwot zu erfüllen - d.h. heißt, mit G~tt in Verbindung zu stehen und der Welt seinen Segen zukommen zu lassen. |