| Parschat "Ekew"
(5. Buch Moscheh "Deuteronomium" 7,12 - 11,25) S.437 Die jetztzeitige Welt und die kommende Welt Schon die Rischonim [hervorragende Rabbiner der Periode vor etwa 1000 Jahren] stellten die Frage, warum die Tora uns zwar für die Einhaltung der Gebote Erfolg in dieser Welt verspricht, doch gar nichts über einen Erfolg in der kommenden Welt sagt, was doch sicherlich eine viel größere und wichtigere Errungenschaft wäre. Der zweite Abschnitt des Schma-Gebetes (Dt.11,13-21) [der täglich sowohl im Morgen- als auch im Abendgebet zitiert wird und von Lohn und Strafe redet], erwähnt nichts in dieser Richtung. Überhaupt wird die ganze Angelegenheit von der kommenden Welt in der gesamten heiligen Schrift fast nicht einmal angedeutet, und nur ein scharfes Auge kann die wenigen Hinweise erkennen. Rabbiner Awraham Jizchak Kuk [erster Oberrabbiner Israels] erklärte dies mit der enormen Bedeutung des Begriffes von der kommenden Welt, der keiner ausführlichen Beschreibung benötigt und mit Andeutungen auskommt. Vom pädagogischen Standpunkt aus ist dies durchaus zuträglich, denn der Mensch hat schon von sich aus eine starke Neigung zum Thema der kommenden Welt. Wenn die Tora ausführlich darüber spräche, würde das die empfindliche Balance von dieser und der kommenden Welt völlig umstoßen. Die Folge wäre eine vollkommene Beherrschung der menschlichen Gedankenwelt durch die kommende Welt, ebenso seiner Gefühlswelt und seiner Vorstellungskraft, wodurch die Angelegenheiten der diesseitigen Welt beiseite rückten und deren Wichtigkeit und Nutzen keine angemessene Würdigung mehr fänden, obwohl auch diese den Menschen erheben und den Erfolg der kommenden Welt mitbegründen. So war es zur Zeit der Verkündung der Tora und der Prophetie; während
der Periode des zweiten Tempels jedoch erschienen die Zadukim ("Sadduzäer")
auf der Bildfläche, Menschen von materialistischer Weltanschauung,
die die kommende Welt und überhaupt alle spirituellen Dinge in Abrede
stellten. Damals hielten unsere Weisen es für nötig,
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