Parschat "Bemidbar" (4. Buch Moscheh "Numeri" 1,1 - 4,20) S.408
Die Armee des Stammes Levi

Aus allen Stämmen Israels werden Soldaten ausgehoben, alle ziehen zum
Heeresdienst aus "von zwanzig Jahren an und darüber" (Num. 1,3) - außer dem Stamme Levi. Dessen Mitglieder beklagten sich darüber bei Moscheh: "Wie sonderbar! Wo gerade unser Stamm über die größte Eignung zum Heeresdienst verfügt, wie schon der Vorvater des Stammes, Levi selber, gezeigt hatte, der sich für die Ehre seiner Schwester Dina ereiferte und dabei zusammen mit seinem Bruder Schimon die Stadt Schechem vernichtete (Gen. Kap. 34). Und waren es nicht wir, die Moschehs Ruf 'Wer es mit dem Ewigen hält, zu mir' und 'Lege jeder sein Schwert an die
Hüfte; geht hin und her von Tor zu Tor im Lager, und erschlage jeder seinen Bruder, jeder seinen Freund, jeder seinen Verwandten!'(Ex. 32,26+27) nach der Sünde um das goldene Kalb, gefolgt waren ?! War es nicht Pinchas aus dem Stamme Levi, der seine Lanze ergriff und den Aufrührer Omri ben Salu tötete (Num. 25, 1-11) ?! Seit eh und je sind wir ein Stamm der Kämpfer zur Ehre G~ttes. Es ist wohl wahr, daß die Angelegenheit um Schechem nicht nach dem Sinne unseres Vorvaters Jakov war, danach aber handelten wir auf Befehl unseres Lehrers Moscheh! Unser Stamm, der Stamm Levi, entspricht am ehesten der göttlichen Eigenschaft des Kampfgeistes, wie uns aus den verborgenen
Quellen der Weisheit zugeflüstert wurde - warum aber sind gerade wir von
der kämpfenden Truppe ausgeschlossen?".

Darauf antwortete ihnen unser Lehrer Moscheh, der gewaltige Sproß des Stammes Levi: Jawohl, das ist schon alles richtig, ihr seid wirklich großartige Kämpfer. Ihr müßt euch allerdings sagen lassen, daß ein großer Kämpfer nicht frontal gegen den Feind anrennt, sondern mit strategischer Überlegung handelt. Wenn ihr das Böse besiegen wollt, müßt ihr gegen die Ursachen des Bösen kämpfen. Vermehrt Erleuchtung, verbreitet Tora - und ihr werdet nicht mehr gegen die Sünder zu kämpfen brauchen.

Den Ausgangspunkt für euren Kampf bildet die Lehre der Mildtätigkeit unter dem Banner G~ttes (Deut. 33, 8-11; Levis Segen): "Gib deine Thummim, deine Urim, jenem Frommen hin". Ich sehe, daß ihr Vertrauen verdient; ihr habt die Prüfung bestanden: "Den du in Massah hast geprüft, bei Haderwassern hadernd hast versucht". Ihr seid zu jeder Selbstaufopferung bereit: "Er sprach von Vater und Mutter: Ich hab'
sie nie gesehn! Er kannte seine Brüder nicht und achtete nicht seiner Söhne". In jeder Situation ist auf euch Verlaß, ihr verdient volles Vertrauen: "Er hütete nur dein Gebot, bewahrte deinen Bund". Daher übergebe ich euch eine neue Aufgabe: "So mögen sie dein Recht in Jakov lehren, und dein Gesetz in Israel", das Lehren der Tora, sowie eine weitere Aufgabe, in Fortsetzung der ersten, nämlich der G~ttesdienst [im Tempel]: "So mögen sie denn Räucherwerk dir bringen, und Opfer dir auf den Altar". Anstatt Soldaten zu sein, nehmt diese Aufgaben in Angriff, denn ich bin mir eures
Erfolges sicher: "Segne, Ewiger, seine Kraft, und seiner Hände Werk laß dir gefallen". Und was wird aus den Feinden? Genau davon ist hier die ganze Zeit die Rede - wenn ihr eure Aufgabe ordnungsgemäß erfüllt, steigert ihr damit die Fähigkeit der jüdischen Nation zur Unterwerfung ihrer Feinde: "Zerschmettre seiner Feinde Lenden, daß seine Hasser nimmer sich erheben".

Und nicht nur das. Ihr bekämpftet jene, die sich vor dem goldenen Kalb niederwarfen, und stärktet damit die militärische Schlagkraft der Nation. Jetzt werdet ihr noch Größeres vollbringen: Verbreitet das Licht der Tora, damit sich die Sünde des goldenen Kalbes nicht wiederholt, und dann werden wir überhaupt nicht mehr zu kämpfen brauchen: "Wäre die Sünde um das goldene Kalb nicht geschehen, hätten die das Land Israel bewohnenden Nationen mit den Israeliten Frieden geschlossen und
ihnen gedankt, denn der auf ihnen sichtbar ruhende Name G~ttes hätte in jenen die Ehrfurcht des Erhabenen erweckt, und es wäre zu keinerlei kriegerischen Handlungen gekommen" (Orot, "Hamilchama" §4). Das ist euer Kampf, und das ist eure Armee.