Parschat "Balak" (4. Buch Moscheh "Numeri" 22,2 - 25,9) S. 422
"Wie schön sind deine Zelte, Jakov"

Unsere Begegnung mit dem Schöpfer beginnt jeden Morgen mit dem Vers: "Wie schön sind deine Zelte, Jakov" (Num. 24,5), der ausgerechnet vom Bösewicht Bileam stammt. Dieser Vers bezeichnet die israelitische Sittenreinheit: "..daß ihre [Zelt-]Eingänge nicht einander gegenüber waren" (Raschikommentar ebda.). 

Jener perverse Bösewicht, von dem es heißt, daß er es mit seiner Eselin trieb (Sanhedrin 105b) und dessen Strafe in der jenseitigen Welt darin besteht, in brodelndem Ausfluß zu sieden (Gittin 57a), verleitete die Kinder Israel zur Unzucht mit den Töchtern Moaws, weil er genau wußte, wie G~tt die Unzucht haßt. Und dennoch, in einem lichten Moment spiritueller Erhebung und durch die auf ihm ruhende Hand G~ttes, scharfen und durchdringenden Blickes, erkannte er die im innersten Wesen der jüdischen Natur verwurzelte Sittenreinheit. Davon war er so sehr beeindruckt, daß er seine dritte Prophezeiung, die erhabenste von allen, mit ihrer Preisung begann. 

Er erkannte, daß die Sittenreinheit eine jüdische Wesenseigenschaft ist, und damit begegnen wir unserem Schöpfer jeden Morgen.