Parschat "Behar" (3.Buch Moscheh "Leviticus", Kap.25,1 - 26,2) S.406
Und G~tt löst seinen Besitz aus

Rabbiner Chajim ben Attar (geb. vor ca. 300 Jahren in Marokko), der Verfasser des berühmten Torakommentars "Or Hachajim", sah in unserem Wochenabschnitt den genauen Ablauf unserer nationalen Erlösung voraus, und zwar anhand von entsprechenden Andeutungen in den Versen über die Auslösung von privatem Grundbesitz:

"Wenn dein Bruder verarmt [jamuch]" (Lev. 25,25) - 
damit ist G~tt gemeint, wie unsere Weisen sagen: "durch Trägheit senkt sich [jimach] das Gebälk [hamekaräh]" (Kohelet 10,18) - ihr habt den, über den es heißt "der seine Söller im Wasser bälkt [hamekaräh]" (Psalm 104,3), arm [mach] gemacht" (Megilla 11a). - Das Abweichen der Juden von der Tora bewirkt eine Zerstörung in den höheren Sphären, wodurch automatisch der göttliche Segen ausbleibt.

"..und etwas von seinem Besitze verkauft" (Forts. Lev.25,25) - 
das ist der Tempel, der "Besitz G~ttes", auch Mischkan, Pfand, genannt, weil er zweimal unserer Sünden wegen "verpfändet" [d.h. von Nichtjuden unter Kontrolle genommen und zerstört] wurde (Midrasch Schemot rabba, 51,3), wie unsere Weisen zu Psalm 79 erklären: "Psalm von Aßaf; G~tt, Völker sind eingedrungen in dein Erbe" - ist das etwa ein Grund für einen Lobgesang, wenn Nichtjuden in unser Erbe eindringen ?! In der Tat, denn dadurch hat G~tt seinen Zorn an Holz und Steinen des Tempels [und nicht an uns] ausgelassen (Midrasch Ejcha rabba, 4,14, Toßafot Keduschin 31b).

"..so soll sein nächster Verwandter kommen" (Forts. Lev.25,25) - 
damit sind die Gerechten gemeint, die G~tt nahestehend genannt werden, wie es heißt: "An den mir Nahen will ich geheiligt werden" (Lev. 10,3). G~tt nennt sich auch "Bruder der Gerechten", wie es heißt: "für meine Brüder und meine Nächsten" (Sohar); die Erlösung wird mit der Erweckung der Herzen beginnen und er wird zu den Menschenkindern sagen: Geht es euch wohl gut, da ihr in der Diaspora, fern vom Tische eures Vaters sitzet? Was gefällt euch denn am Leben wenn nicht die höchste Gesellschaft, wie ihr um den Tisch eures Vaters wart, des Herrn der Welt in Ewigkeit... ...und damit wird G~tt seinen Besitz auslösen, und dafür werden die Gerechten, die Herren des Landes, die Geistesgrößen Israels einst Rede und Antwort zu stehen haben, und von ihnen wird G~tt Genugtuung fordern für die Vernachlässigung des geringeschätzten Tempels!

"Wenn ein Mann [isch].." (Lev. 25,26) - 
damit ist überall G~tt gemeint, wie es heißt: "der Ewige ist ein Mann des Krieges" (Ex. 15,3/Sanhedrin 3a), 

"keinen Einlöser hat" (Forts. Lev. 25,26) - 
niemand kam auf den Gedanken, die jüdische Nation [ebenfalls "Besitztum" G~ttes] zur Umkehr zu bewegen, trotzdem sage nicht, er habe die Hoffnung aufgegeben;

"er aber zu Vermögen kommt" (Forts.) -
wörtlich: "seine Hand erlangt" - die göttliche Strenge des Gesetzes, die das jüdische Volk im Exil mit Leiden schlägt und es so für die Erlösung vorbereitet.

"So rechne er die Jahre seit seinem Verkauf ab" (Lev. 25,27) -
der "Verkauf" [ins Exil] erfolgte aufgrund unserer Sünden, "um eure Sünden seid ihr verkauft" (Jeschajahu 50,1) und zum Zeitpunkt der Abrechnung mußt der Restwert
beglichen werden.

"und erstatte das Übrige dem Manne, an den er verkauft hat" (ebda.) -
die Leiden tilgen die Restschuld. Wenn die Stunde der Erlösung schlägt, bringt der Herr die "Leiden des messianischen Zeitalters" über uns (Sanhedrin 98b), 

"und er kehrt zu seinem Besitze zurück" (Forts.Lev.25,27) - 
G~tt und das Volk Israel, denn es heißt (Dt.30,3): "der Ewige, dein G~tt, wird deine Gefangenschaft zurückkehren", es heißt nicht "zurückbringen", sondern "zurückkehren", und dies lehrt, daß G~tt mit ihnen aus dem Exil zurückkehren wird (Megilla 29a).

"Hat er aber nicht so viel erworben, als zum Zurückgeben nötig ist.." (Lev. 25,28) -
wenn das jüdische Volk nicht die Kraft hat, alle diese Leiden zu ertragen -

"im Jobeljahre wird es frei" (ebda.) -
auf jeden Fall erfolgt die Erlösung spätestens am letzten für sie festgelegten Termin, denn das Exil kommt zu einem Ende, selbst wenn ganz Israel (gottbehüte) vollkommenene Sünder wären!

"Und er kehrt zu seinem Besitze zurück" (ebda.).