| Parschat "Bereschit" (1.
Buch Moscheh "Genesis" 1,1 - 6,8) S.355
Der Baum der Erkenntnis Eigentlich ist doch ein Mensch mit Erkenntnis von höherem Rang als jemand ohne Erkenntnis. Warum war dann die Sünde des ersten Menschen, das Essen vom Baume der Erkenntnis, kein Fortschritt für ihn?! Diese Frage stellte sich schon unser Lehrer Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") in seinem Werk "Führer der Unschlüssigen". Man muß einmal genauer untersuchen, woher der Mensch eigentlich seine Erkenntnis bezieht. Der Mensch muß sich vergegenwärtigen, daß "Du dem Menschen Erkenntnis gewährst", "gewähre uns von Dir Erkenntnis, Einsicht und Verständigkeit" (Schmone-Esre Gebet). Wenn die menschliche Erkenntnis von höheren Sphären herrührt, bringt sie Segen. Wenn sie sich aber von ihrem Ursprung loslöst, wird sie zu einer Quelle des Fluches. Der Herr der Welt, Schöpfer
der Welt und des Menschen, ist auch der Schöpfer der Tugend. Er weiß
genau, was wirklich Gut und wirklich Böse ist, und nicht der Mensch
bestimmt darüber. Und als die schlangenhafte Korruption daherkam,
das: "am Tage, da ihr davon esset, werden sich eure Augen öffnen,
und ihr werdet, wie G~tt, erkennend
Das war die Sünde des ersten Menschen, und das ist in gewissem Maße die erste Sünde eines jeden Menschen - die Entwendung der Kriterien von Gut und Böse vom Herrn der Welt. Mit dem Essen vom "Baume der Erkenntnis von Gut und Böse" entschied der Mensch, von jetzt ab selber die Kriterien von Gut und Böse festzulegen. Diese Sünde nennt sich "Humanismus". Er ersetzte die göttliche Ethik durch eine menschliche, und am Ende dieses Weges stehen Schwächung des Lebens und bitterer Tod. Diese Sünde wurde bei der Übergabe der Tora am Sinai ausradiert durch die seelischen Erhebung der gesamten israelitischen Gemeinschaft, die im Ausruf gipfelte: "Alles, was der Ewige geredet hat, wollen wir tun und darauf hören" (Ex. 24,7). * * * S.354
Wollen wir uns Raschis Worte zu Beginn der Tora ins Gedächtnis rufen: Da die Tora den Menschen zur richtigen Lebensführung anleitet und das Wissen enthält, die Weltgeschichte zum erfolgreichen Abschluß zu bringen, hätte sie eigentlich mit dem Wochenabschnitt "Bo" (Ex. 10,1) beginnen sollen, in dem das Volk Israel sein erstes Gebot erhält, die Festlegung des Kalenders. Darum erklärt Raschi im Namen unserer talmudischen Weisen, die Tora erzähle stattdessen zu Anfang die Geschichte von der Erschaffung der Welt, um den Völkern der Erde klarzumachen, daß die ganze Welt G~ttes Werk ist und sein Eigentum, und er wolle das Land Israel demjenigen geben, der in seinen Augen dazu geeignet ist. Der wichtigste Punkt, mit dem die Tora zu beginnen hat, ist gemäß dieser Erklärung Raschis die Lösung der alt-neuen Streitfrage, die in der Zeit Joschuas entstand, als nämlich die Kana'aniter behaupteten: "[Land-]Räuber seid ihr"; und Raschi schrieb sie nieder in vollem Bewußtsein, daß sie eines Tages wieder aktuell werden wird, wenn die Völker nämlich zu uns sagen werden: "Zionistische Imperialisten seid ihr". Dazu drängen sich zwei
Fragen auf:
Demnach zielen Raschis Worte anscheinend nicht auf das alte Problem der Kanaaniter, die die Autorität der Tora nicht anerkennen wollten, sondern vielmehr auf unsere Zeitgenossen, Völker, die an die Bibel glauben, namentlich Christen und Moslems, die uns die meisten Probleme verursachen und uns das Land unseres Lebens rauben wollen. Darum informiert uns Raschi,
daß wirklich die Möglichkeit besteht, die Gerechten der Völker
von unserem Recht am Lande Israel überzeugen zu können. Allerdings
nicht durch einen Bibelvers, der unser Anrecht an diesem Land ausdrücklich
erwähnt, denn nach ihrem derzeitigen spirituellen Zustand reicht ihnen
ein Vers der Tora nicht aus, sich gesetzlich verpflichtet zu fühlen.
Eine bessere Chance hat da schon die generelle Ausrichtung der Tora, die
von Anfang an zum Vorschein kommt und sie durchaus beeinflußt, da
ihre Kultur von biblischen Werten durchsetzt ist. In der Tat erkannte der
"Völkerbund" - in den Worten Raschis "die Völker der Erde" -
unser Recht auf das Land Israel an. Bekanntlich fiel die entsprechende
Entscheidung in einem besonderen
Wir können uns also
glücklich schätzen, daß wir der Bewahrheitung der Worte
Raschis teilhaftig wurden, als nämlich die Nationen unsere Forderungen
anerkannten und uns unser Land zurückgaben, und wir werden fortfahren,
dafür zu kämpfen und darin zu wachsen unter den Wundern G~ttes,
die er seinem Volk und seinem Erbe gewährt.
* * * S.354
Der Raschikommentar zur Tora
beginnt mit einem Auszug aus dem Midrasch
Es gibt keinen anderen Weg
als diesen, nämlich daß wir uns vollständig darüber
im klaren sind, das dieses Land in seiner Gänze hundertprozentig uns
gehört, und von dieser Position aus sind wir auch in der Lage, den
Völkern der Erde unser Recht zu erklären und sie zu überzeugen.
"Und diese Rede wiederholt sich ständig, jedes Mal, da sich die Kinder
Israel dem Lande ihres Heiligen nähern, kommen die Völker und
behaupten: 'Räuber seid ihr, uns gehört das Land und nicht euch'.
Und nur wenn Israel sich die Wahrheit des 'Seiner Werke Macht hat er seinem
Volke kundgetan' bewußt mache, werden die Ansprüche der Völker
aufhören. Und dies ist eigentlich ganz wunderlich, denn es heißt
ja nicht: 'Seiner Werke Macht hat er den Völkern kundgetan',
sondern 'Seiner Werke Macht hat er seinem Volke kundgetan', daß
nämlich, wenn Israel nur seiner Werke Macht kennen und erkennen würde,
schon
Auch Rabbiner Dr. Jakov Herzog
[israelischer Diplomat] sagte schon, daß es keine andere politische
Lösung gäbe als die, die aus Raschis Geschichtsverständnis
hervorgeht. "Nach meiner Ansicht ist dies der Schlüssel. Das sieht
zwar sehr unpolitisch und gar nicht rational aus, aber als jemand, der
sich die letzten zwanzig Jahre mit Politik beschäftigt hat, bin ich
heute mehr denn je davon überzeugt, daß hierin der Schlüssel
liegt".
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