Akzeptierte Kriegsregeln (nur) für Israel

von Dr. Steven Plaut

Einer der absurdesten Aspekte der Anti-Israelkampagne ist der Versuch, Israel zu de-
legitimieren und arabische Greueltaten zu rechtfertigen mit der Begründung, Israel müsse
an seiner Verteidigung gehindert werden, außer, wenn es die striktesten Verhaltensregeln
befolgt. Falls Israel auch nur eine dieser auf Israel maßgeschneiderten Regeln der
Verteidigungsführung verletzen sollte, würden sie automatisch Israel zum Aggressor und
Kriminellen machen, und nicht etwa die arabischen Begeher von Grausamkeiten und
Aggression.

Diese Regeln gibt es in verschiedenen Versionen bis hinunter zur Aufklärung von
Terroristen über ihre Rechte bei der Gefangennahme. Wenn arabische Armeen Israel
angreifen, so lautet die erste Regel, sollte Israel nur eine geringere Anzahl von Arabern
töten dürfen als die Anzahl der von diesen Arabern getöteten Juden. Wenn Israel im Zuge
seiner Verteidigung nämlich mehr Araber tötete als die Anzahl der bei dieser Attacke
umgebrachten Juden, würde dies beweisen, daß Israel der Aggressor ist. Dieses Argument
wurde bisher bei jedem arabischen Angriff auf Israel vorgebracht, ebenso bei Israels
Antiterrorkampagne im Libanon und anderswo. Sollte die Anzahl der von der israelischen
Armee getöteten Hisbollah-Terroristen die der toten Israelis innerhalb Israels Grenzen
übersteigen, so beweist dies, dass Israel der Aggressor ist und der wahre Grund für den
Konflikt. Natürlich wären nach dieser Logik die USA und Großbritannien die
Aggressoren gegen Japan und Deutschland während des 2. Weltkrieges, weil sie weit
mehr Deutsche und Japaner töteten als Briten und Yankees von jenen getötet wurden.

Dann haben wir die besonderen Regelungen über die Behandlung von Aufrührern. Es
gibt kein einziges Land auf der Welt, wo Aufrührer ungestraft Polizei und Militär mit
Felsblöcken bombardieren dürfen, außer in Israel - sicher nicht in Los Angeles - wie die
Aufstände dort bewiesen. Dennoch fordert die Anti-Israelkampagne, dass Israel eine
christliche Wange hinhält, wenn Juden von Steinen und Molotowcocktails werfendem
Pöbel angegriffen werden.

Als palästinensische Terroristen vor einigen Jahren in der Nähe von Aschkalon einen Bus
voller Frauen, einige davon schwanger, in ihre Gewalt brachten, und eine der Frauen bei
dem Gefecht den Tod fand, das die Freigabe des Busses erzwang, erschossen einige der
Sicherheitsbeamten diese Terroristen, die über die "grüne Linie" infiltriert waren. Dieser
Fall war ein gefundenes Fressen für die israelische Lemming-Linke, die verlangt, dass
Terroristen, die keine israelischen Staatsbürger sind, das automatische Recht auf eine
Gerichtsverhandlung und einen Prozess haben, inklusive Verteidiger auf Staatskosten und
Zugang zum Obersten Gerichtshof. Zweifellos gilt dies auch für die Hisbollah-Terroristen
im Libanon. - Die verantwortlichen Sicherheitskräfte wurden damals vor Gericht gestellt
anstatt einen Orden zu erhalten.

Dann haben wir da noch die Regeln für das Verhör von Terroristen. Nicht zu vergessen,
wir reden hier von Leuten, die Busse mit Frauen und Kindern in die Luft jagen und
besonderen Wert darauf legen, jüdische Kinder zu erwischen. Doch wenn sie die
israelische Polizei mit Methoden verhört, die jeder New Yorker Polizist für
Verhätschelung hielte, dann steht sogleich "Folter" in allen Schlagzeilen. Als ob die
Polizei irgendeiner anderen Nation, die sich solchem Terrormüll ausgesetzt sähe, auch nur
einen Moment zögerte, was recht und billig ist zu tun. (Israel ist der einzige Staat im
Nahen Osten, der islamische Terroristen nicht im Schnellverfahren an die Wand stellt.
Darum leidet es wohl auch an so viel Terror.).

Eine weitere Regel besagt, dass wenn ein arabischer Zivilist im Zuge israelischer
Selbstverteidigung ums Leben kommt, Israel der Aggressor ist und kriminell. Israel darf
nur unter der Bedingung Kriege führen, dass keine Zivilisten getötet werden. Da es aber
noch nie einen Krieg gegeben hat, in dem nicht auch Zivilisten getötet wurden, läuft diese
Bestimmung darauf hinaus, dass Israel sich nicht militärisch verteidigen darf. Was, wo wir
gerade davon sprechen, genau das ist, was die Antizionisten wollen, da die Kapitulation
vor arabischen Forderungen die einzige Form israelischer Verteidigung darstellt, die sie
akzeptieren. Auf diese Weise bleiben die Araber faschistische und rassistische
Aggressoren, wenn Israel angegriffen wird - aber nur so lange, wie kein einziger
arabischer Zivilist im Zuge israelischer Verteidigungsbemühungen zu Schaden kommt.

Nun sehen wir schon die antizionistischen Maden mit den Augen rollen über eine
Gerichtsentscheidung, die Israel erlaubt, im Libanon als Trümpfe zum
Gefangenenaustausch Geiseln zu nehmen. Oh welche Unmenschlichkeit, rufen sie. Es ist
ja vollkommen belanglos, dass der Libanon von Terroristen nur so wimmelt und einige
israelische Geiseln von der anderen Seite gehalten werden.

Stellen Sie sich jetzt einmal vor, die USA hätten den 2. Weltkrieg nach den Regeln
geführt, auf denen die Antisemiten für Israel (und nur für Israel) bestehen. Am D-Day
landen also die amerikanischen Fallschirmspringer in der Normandie, machen einige SS-
Truppen aus, lesen ihnen ihre Rechte vor, bieten ihnen an, vor dem Supreme Court
Berufung einzulegen, laden pro-deutsche Beobachter ein um sicherzustellen, dass die SS-
Leute proteinreiche Nahrung mit ausreichend Faserstoffen und Vitaminen erhalten, dass
die Filme in den Gefangenenlagern für Nazis alle von hoher Qualität seien, dass es
Agenten für Hitler und Himmler erlaubt sei, sich in den US-Senat wählen zu lassen und
allabendlich in den NBC-Nachrichten erscheinen dürfen, dass besondere Vorsorge
getroffen wird, dass die Anzahl toter Nazis niemals die Anzahl der in der Normandie
getöteten Amerikaner übersteigt, dass gegen Nazis nur Gummigeschosse verwendet
werden dürfen und auch nur, wenn drei Tage vorher gewarnt wird, damit keine Zivilisten
im Gebiet verbleiben.

Diese besonderen Regeln sind nun nicht der Ausdruck ehrbarer hochanständiger ethischer
Überwesen, die Israel zu einem höheren Standard anhalten, wie es die antizionistischen
Maden gerne glauben machen wollen, sondern vielmehr der Versuch der Antisemiten,
Israel zu delegitimatisieren und arabische Grausamkeiten auf eine Vernunftsbasis zu
stellen.

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Dr. Steven Plaut (April 98)

Dr. Steven Plaut lehrt Geschäftsführung und Wirtschaftslehre an der
Universität Haifa, Israel.
Übersetzung: R. Plaut, Jerusalem 5761

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