KIMIZION präsentiert:

Was man für Pessach nicht sauber machen muss, oder
wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet

Rav Schlomo Aviner
veröffentlicht im Lokalblatt von Bet-El
"Hamakom Haseh", Parschat Wajakel-Pekude 5758
durchgesehene und ergänzte Ausgabe 5759,
veröffentlicht in der Jahresschrift "Schana beSchana", S.219-226

Wer an Pessach verreist

Wer an Pessach verreist und überhaupt nicht zuhause sein wird - braucht überhaupt
nicht sauber zu machen. Warum? Er verkauft alles Chametz einschließlich aller
Krümel. Krümel alleine kann man natürlich nicht verkaufen, das hat halachisch
keine Wirkung. Man kann aber die Essensvorräte im Schrank mitsamt dem
anhaftenden Schmutz verkaufen. Entsprechend kann man alles Chametz in der
Wohnung in den Verkauf einbeziehen und braucht nichts sauber zu machen. Wenn
aber ein Gast die Wohnung benutzt, muss man die Zimmer reinigen, die bewohnt
werden. Die übrigen, nicht gebrauchten Zimmer muss man mit Klebestreifen
"versiegeln" und das darin enthaltene Chametz verkaufen..

Bleibt nur die Frage, wo man das Gebot des Chametz-Suchens erfüllt, um diese
Mitzwa nicht zu verpassen. Wenn man am Abend des 14. Nissan ("Erew Pessach")
am Zielort ankommt, erfülle man das Gebot dort. Wenn man erst am nächsten
Morgen ankommt, suche man sich ein leicht zu reinigendes Zimmer seines Hauses
aus, z.B. die Diele, und mache dort sauber.  Dieses Zimmer wird nicht in den
Chametzverkauf mit einbezogen.

Weniger als 1 "Kesajit" Chametz

Bei einer Menge von weniger als 1 Kesajit Chametz übertritt man nicht das Verbot
des "nicht zu sehen und nicht an zu finden" (siehe "Igrot Moscheh" O.C., 1.Bd.,
Nr.145). Zwar macht die "Mischna Brura" darauf aufmerksam, dass selbst ein
kleinstes, sichtbares Stück Chametz der rabbanitischen Strafverordnung über "Chametz,
 das über Pessach aufbewahrt wurde" unterliegt, wenn man es aber mit allem anderen
Chametz vor Pessach verkauft hatte, besteht natürlich kein Problem (M.B. zu
§451 "Scha'ar Hazijun" 6, siehe auch "Chason Isch" O.C. §117,15, M.B. zu §442,33).

1 Kesajit = 27 Kubikzentimeter (Würfel mit 3 cm Kantenlänge). Natürlich
ist es verboten, selbst eine kleinere Menge Chametz als diese an Pessach zu essen,
aber man übertritt nicht "nicht zu sehen und nicht an zu finden". Normalerweise
liegen solch große Stücke (von mind. 1 Kesajit) nicht in den Zimmern herum, außer,
wenn kleine Kinder häufig mit Brot oder Keksen herumlaufen und diese überall
verstreuen. In einem Raum, wo die Kinder nicht mit Essen herumlaufen, braucht
man überhaupt nicht zu putzen.

Übrigens, aus dem gleichen Grund nehme man für den Brauch, Brotstücke am
Abend vor Pessach vor der Chametz-Suche zu verstecken, grundsätzlich kleinere
Stücke als 1 Kesajit, denn wenn man nicht alle wiederfindet, braucht man nicht
verzweifelt die Wohnung auf den Kopf zu stellen und kann auch in dieser Hinsicht
auf den Bitul Chametz [Null- und Nichtigerklärung] nach der Suche vertrauen.

Die Suche-nach-Chametz ("Bedikat Chametz") am Abend von Erew Pessach

Man braucht nur dort nach Chametz zu suchen, wo es normalerweise hingelangen
kann. Wo ein Verdacht besteht, dass die Kinder hereingekommen sind, muss nur dort
gesucht werden, wo es wahrscheinlich ist, dass Chametz dort hingelangt sein kann.
Hinter Bücher haben sie bestimmt keines geschoben, und auch zwischen den Seiten
befindet sich bestimmt kein Kesajit. Manche Leute legen ihre Bücher auf den Balkon,
damit der Wind darin blättere und das Chametz herausblase. Das nützt aber gar nichts;
wenn wirklich Chametz darinnen ist, muss man Seite für Seite prüfen.
Aber wie gesagt, man darf erleichtern und braucht überhaupt nicht in den Büchern
zu suchen. Jeder weiß schließlich am besten, was seine Kinder treiben.
Man sollte mal hier und dort kurz reinschauen.

Bezüglich der Krümel in den Ecken des Hauses: 1. Es kommt kein Kesajit
zusammen, 2. nicht einmal ein Hund würde sie fressen [gebräuchliche halachische
Definition für Chametz, das soweit ungenießbar geworden ist, dass es seinen
Verbotsstatus verliert].

Wenn Brot hinter einen Schrank an eine unzugängliche Stelle gelangt ist, wird man
auch an Pessach nicht rankommen, und es gilt als vergraben - so wie man nicht unter
Steinen suchen muss oder unter den Fundamenten des Hauses, wo niemand
Chametz hervorholen würde.

Übrigens sollte man die Suche dort beginnen, wo man normalerweise Chametz
benutzt, damit der Segensspruch im passenden Zusammenhang gesagt wird.

Erziehung der Kinder

Wenn man unbedingt einen Frühjahrsputz abhalten will, so ist das natürlich möglich
- aber nicht ausgerechnet vor Pessach! Das ist nicht die geeignete Zeit dafür. Die
Pessachferien sind dazu da, mit den Kindern Ausflüge zu machen, mit ihnen zu
spielen, fröhlich zu sein, herumzutanzen und kleine Vorträge für die Sedernacht
vorzubereiten. Das ganze Jahr über arbeitet die Frau schwer, "und belegten die
Töchter Israels mit Fronarbeit" (frei nach Ex. 1,13). Jetzt sind doch Ferien, um mal
mit den Freundinnen einen Ausflug zu machen - und der Ehemann bleibt zuhause
und passt auf die Kinder auf. Dafür gibt es die Ferien, und nicht, um wie ein
Verrückter den Boden zu schrubben. Man macht Ausflüge, amüsiert sich und
gelangt ausgeruht zur Sedernacht, die so zu einem Erlebnis und zu einer
Horizonterweiterung für die Kinder wird. Wenn die Hausfrau unbedingt wie eine
Verrückte arbeiten will und gerne Dienstmädchen spielt, kann sie das tun - aber
erzieherisch gibt sie so ein schlechtes Vorbild. Sie muss sich ihre Zeit zum Spielen
mit den Kindern freihalten. Wir sind nicht aus der ägyptischen Sklaverei befreit
worden, nur um uns selber zu versklaven. Wir haben natürlich nichts gegen
gründliche Reinigung des Hauses, man muss sie aber über das ganze Jahr verteilen
und sich alle paar Monate ein Zimmer vornehmen. Jetzt ist nicht die Zeit für
Großputzaktionen, alles zu ordnen - und zur Sedernacht herrscht trotzdem noch
Unordnung, und das Haus ist reif für eine Renovierung.

Wenn eine Frau freudig leidet - bittesehr, sie erspart sich dadurch einen Teil
der Qualen des Gehinnom. Alle Leiden, die man in dieser Welt durchmacht, werden
einem auf die Zukunft angerechnet. Wer daran interessiert ist, darf sich ganz legitim
so verhalten - aber nicht vor Pessach, denn der Monat Nissan ist ein Monat der
Freude.

Frage: Muss der Ehemann seiner Frau bei der Arbeit helfen?
Antwort: Weder der Mann muss seiner Frau helfen, noch die Frau ihrem Mann,
sondern beide müssen gemeinsam sauber machen, denn das ist ein gemeinsames
Haus und ein gemeinsames Leben.

Kinderkleidung

Vielleicht stecken Kekse, Salzstangen o.ä. in den Taschen. Man muss auch nach
Krümeln suchen, denn Kinder stecken die Hände in die Tasche und essen die
Krümel dann [an Pessach]. Aber nicht bei der Winterkleidung, die man schon
weggeschlossen hat, sondern nur bei den Sachen der Saison.

Frage: Reicht es, Kinderkleidung in der Waschmaschine zu waschen?
Antwort: Auch nach der Wäsche kann Chametz in den Taschen verblieben sein, das
noch essbar ist.
Spielzeug: Plastikspielzeug kann man in scharfes Reinigungsmittel eintauchen. Am
besten aber in einem Karton wegpacken und ein paar Spiele extra für Pessach
anschaffen. Spielzeug im Regal - das ganze Fach mit Nylonfolie "versiegeln".

Sowieso ist an Pessach nicht viel Zeit. Da sind die Feiertage, und außerdem macht
man Ausflüge. Wenn man aber erstmal mit dem Großreinemachen begonnen hat,
dann muss auch sortiert und geordnet werden, eine schier endlose Arbeit.
Sowieso ist jedes Kind meist auf ein bestimmtes Spielzeug fixiert - das kann man
dann gerne gründlich reinigen.. Außerdem soll man den Kindern
auch nach dem "Gesetz der Festfreude" Spielzeug für die Feiertage kaufen.

Badezimmerschrank

Dafür gibt es alle möglichen Reinigungsmittel und -geräte. Sicher kann dort Chametz
sein, z.B. Zahnpaste, Lippenstift und andere Mittel, die Weizenstärke enthalten,
ebenso Parfüm mit Alkohol aus Weizen. Aber schade um die Zeit: Man schließe den
Schrank gut ab, verhindere versehentliches Öffnen mit reichlich Klebestreifen, und
beziehe den Inhalt im Chametzverkauf mit ein.

Sofa

Man muss alle Polster absuchen (was sich da alles anfindet...)

Bücher

Brauchen nicht gesäubert zu werden, sollten aber nicht auf den Esstisch gelangen.
Nach dem allgemein üblichen Brauch sucht man nicht zwischen den Blättern nach
etwa verbliebenen Krümeln, sondern vertraut auf den Bitul Chametz. Wer an
Pessach am Essenstisch aus seinen Büchern lernen will, muss diese allerdings vorher
reinigen, oder ein paar Bücher speziell für Pessach kaufen.

Esszimmer

Man muss nicht alles reinigen, sondern nur, wo gegessen wird, d.h. Tisch und Stühle.
Wenn sie sauber sind, braucht man sie nicht extra zu putzen. Wenn Kinder mit
Grießbrei kleckern und Reste auf dem Stuhl erkennbar sind, mit einem feuchten
Lappen reinigen.

Esstisch: Muss gekaschert werden. Zwei Möglichkeiten: 1. Durch Übergießen mit
kochendheißem Wasser (Kaschern durch kochendes Wasser aus einem
angeschlossenem elektrischen Wasserkocher ist hier nicht nötig, da man
normalerweise keine kochendheißen Töpfe direkt auf die Tischplatte stellt, was diese
schärfere Form des Kascherns notwendig machen würde).
2. Bedecken - dann ist kein Putzen [und kein Kaschern] nötig. Eine Schicht
Wachspapier, dann eine Tischdecke, dann Nylon und darauf noch eine Tischdecke,
damit die Bedeckung dick und dicht ist.

Kinder-/Babystuhl

Wenn die ganze Einheit aus Plastik besteht, kann man ihn in einer Wanne mit
kochendheißem Wasser und einem scharfen Reinigungsmittel zwei-drei Stunden
einweichen lassen. Man braucht ihn nicht auseinanderzuschrauben, da die in den
Ritzen und Löchern steckenden Essensreste nicht einmal mehr für einen Hund
geeignet sind (s.o.), nur mit einer harten Bürste reinigen.

Küche

Die Küche muss man sehr sorgfältig kaschern, es darf nicht der kleinste Krümel
übrigbleiben. Ein ganzer Krümel wird auch nicht im Verhältnis 1:1000 ungültig
gemacht.

Geschirrspülmaschine

Sollte besser gar nicht erst versucht werden, sie zu kaschern. In allen Generationen
wurde von Hand gespült. Man kann auch Papierteller usw. benutzen.
Frage: Lässt sich eine Geschirrspülmaschine überhaupt reinigen?
Antwort: Das ist wohl möglich, aber sehr mühsam. Es gibt sehr viele Dichtungen
und Flansche.

Backofen

Sehr schwer zu reinigen, am besten die Tür zukleben und nicht benutzen. Lieber
fertigen Kuchen kaufen, oder mit dem "Wundertopf" [auf dem Herd] backen.

Herd

Eisenroste: mit Alufolie umwickeln, auch um den festgebrannten Dreck herum, oder
mit Aluminiumfarbe anstreichen. Schade um jede Mühe; am besten einen Satz Teile
nur für Pessach anschaffen und einfach austauschen.
Brenner: Brauchen nicht gereinigt zu werden, jeder Schmutz verbrennt von alleine.
Auffangblech (von unten, wo der Schmutz unwiederbringlich hereinfällt):
Normalerweise holt man von dort kein Essen heraus, und sowieso ist dort alles trefe;
trotzdem mit Aluminiumfolie von oben bedecken.
Übrigens muss man bei der Aluminiumfolie auf die Stärke achten: wenn sie zu dünn
ist, reißt sie zu leicht, und wenn sie zu dick ist, lässt sie sich nicht formen.
Drehknöpfe: Mit einem Lappen reinigen.

Kühlschrank

Muss sauber gemacht werden, braucht aber nicht viel Arbeit zu sein. Natürlich muss
das Tiefkühlfach abgetaut und gereinigt werden. Übrigens sollte alles Chametz vor
Pessach aufgegessen werden, doch manchmal bleibt teures Chametz übrig [billiges
kann man ohne Gewissensbisse an Erew Pessach verbrennen], besonders
Tiefgefrorenes. Dieses sollte man mehrfach verpacken, groß und deutlich "Chametz"
draufschreiben, in der hintersten Ecke des Gefrierfaches verstauen und in den
Chametzverkauf mit einbeziehen.
Bei einem alten Kühlschrank mit Brüchen und Ritzen in der Tür darf man die
einzelnen Ablagen in der Tür nicht ohne weiteres benutzen, sondern muss sie mit
Plastikfolie abdecken. Auch muss das Dichtgummi der Türe gut gereinigt werden.
Manchmal ist es vorteilhafter, ein altes Dichtgummi durch ein neues zu ersetzen.

Vorratsschränke

Besser nicht reinigen, schade um die Zeit. Verkleben, abschließen und in den
Chametzverkauf mit einbeziehen.

Geschirrschrank

Nur gut verschließen; braucht nicht gereinigt zu werden.
Es gibt zwar Leute, die erschwerend alles für Chametz bestimmte Geschirr reinigen
[das saubere im Geschirrschrank!], es kann aber in dieser Sache ohne weiteres
erleichtert werden, und zwar aus folgenden drei Gründen, von denen jeder einzelne
bereits genügt:
1. Alle etwaigen Krümel werden im Chametzverkauf mit einbezogen
2. Das Geschirr ist sauber - kein normaler Mensch stellt schmutziges Geschirr in den
Schrank
3. Selbst wenn dort etwas Schmutz ist, handelt es sich bestimmt um weniger als 1
Kesajit.
Übrigens ist es in vielen Fällen leichter zu malen als zu putzen. Zum Beispiel kann
man die Küchenwand, wo häufig Essen/Fett usw. hinspritzt, übertünchen, oder die
Eisenroste des Herdes mit Aluminiumfarbe streichen (s.o.).

Mikrowellenherd

24 Stunden kein Chametz darin erhitzen, dann 5 Minuten putzen, drinnen eine halbe
Stunde Wasser kochen lassen und an Pessach Speisen nur in geschlossenen Gefäßen
erhitzen. Die Gefäße brauchen allerdings nicht hermetisch geschlossen zu sein.

Anrichte

Kann mit dicker Aluminiumfolie zugedeckt werden, braucht dann nicht gekaschert
zu werden, nur mit einem Lappen reinigen. Manchmal ist das bedecken zu
kompliziert, und es empfiehlt sich eher, die Anrichte zu kaschern. Gibt es Löcher,
wird dort flüssige Chlorbleiche ("Ekonomika") hineingeschüttet. Danach kochendes Wasser
über die ganze Anrichte gießen, d.h., während es kocht. Dazu braucht man einen
elektrischen Wasserkocher, der mit dem Strom verbunden ist, und nach dem Gießen
muss man ihn sofort abschalten. Am besten machen das zwei Leute gemeinsam:
Einer gießt, und der andere zieht rechtzeitig den Stecker heraus.

Spülbecken

Dafür gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten:
1. Nichts im Spülbecken ablegen, alles in der Schwebe haltend abspülen - praktisch
nicht machbar.
2. Plastikbecken einhängen; man muss aber auf gesicherten Wasserablauf achten
[damit kein rückstauendes Wasser zwischen dem Spülbecken und dem Einsatz
verbindet].
3. Gründlich säubern und wie Anrichte kaschern

Toaster

Geht nicht zu reinigen, braucht auch gar nicht gereinigt zu werden. Im Chametz-
Schrank verschließen und in den Chametzverkauf mit einbeziehen.

Mixer

Die Schüssel und Rührlöffel vollständig in kochendem Wasser untertauchen, den
Motorblock mit Folie bedecken (Lüftungsschlitze offenlassen!). Am besten aber
einen billigen Handmixer anschaffen.

Kaschern von Geschirr und Besteck

Das macht sehr viel Arbeit. Am besten alles neu kaufen. Das kommt zwar teuer,
man kann die Anschaffung aber auf mehrere Jahre verteilen, jedes Jahr etwas.
Kochtöpfe - kann man billige aus Aluminium anschaffen. Die Ärzte sind zwar
dagegen, aber eine Woche im Jahr hält man aus. Es gibt auch billige Plastikteller und
billiges Besteck.

Auto

Muss sauber gemacht werden. Matten herausnehmen, Schmutz per Hand aus dem
Auto holen. Braucht nicht gestaubsaugt zu werden; alle Fächer und Schubladen
reinigen. Kein Wasser nötig, ebenfalls brauchen die Sitze nicht herausgenommen zu
werden, überhaupt braucht gar nichts mit dem Schraubenzieher herausgeschraubt zu
werden. Entweder/oder - wenn man leicht herankommt, kann man den Schmutz
auch so, ohne Schraubenzieher, herausholen, und wenn man so nicht herankommt -
dann auch nicht an Pessach.

Verschärfungen

Wenn jemand weiß, dass es sich bei einer bestimmten Sache um eine
religionsgesetzliche Verschärfung handelt, und diese gerne einhalten will - so erwirbt
er sich dadurch Segen. Wenn er eine bestimmte Verschärfung aufsichnahm, jetzt
aber nicht weiter nach ihr handeln will, muss er sich von einem "Rabbinatsgremium"
[drei in diesen Gesetzen bewanderten Juden] eine Freistellung geben lassen. Wenn er
allerdings nicht wusste, dass es sich nur um eine Verschärfung handelte, sondern
glaubte, das Gesetz sei prinzipiell so, braucht er dazu keine Freistellung.

Wenn es eine Frau aus dem Inneren ihrer Seele zu extensivem Saubermachen
drängt, komme Segen auf sie. Besonders an Pessach kommt Segen auf alle, die
Verschärfungen aufsichnehmen. Allerdings zwingt man sich nicht zu
Verschärfungen, sondern nimmt sie in Liebe auf sich.

* * *

ZUSAMMENFASSUNG:

Nach allem oben Gesagtem braucht man für die Schlafzimmer zusammen nicht
länger als eine Stunde, Esszimmer noch eine Stunde und für die Küche zwei bis drei
Stunden. Alles in allem sollte ein halber Tag reichen.

Alles darüber Hinausgehende sind Verschärfungen, oder gar Hirngespinste. Man
arbeitet schwer, verschleißt seine Kräfte und brüllt die Kinder an. Man muss die
Kinder erziehen, aber nicht zur Nervosität. "Habe ich dir nicht eingeschärft, nicht
mehr in dieses Zimmer zu gehen, warum bist du trotzdem reingegangen?!", "Iss auf
dem Balkon, iss im Stehen, rühr bloß nichts an". Die Küche sieht aus wie nach einem
Luftangriff, der Ehemann und die Kinder stehen zitternd vor Angst in einer Ecke und
essen, während die Hausfrau wie ein Feldwebel herumkommandiert. Der Haussegen
hängt schief - und das nennt sich "Festvorbereitung"?! Das nennt sich
Kindererziehung?!

Am besten beteiligt man die Kinder an der Arbeit. Es muss aber wie ein interessantes
Abenteuer organisiert werden. Erstmal putzt man das unbedingt Nötige, einen
halben Tag, wie gesagt. Wenn man dann noch mehr machen will, kann man das in
aller Ruhe, mit Lust und Freude, mit Musik und mit Gesang. "Und ihr werdet Wasser
schöpfen" und sauber machen "mit Wonne aus den Quellen des Heils"
(frei nach Jeschajahu 12,3).

Im Schulchan Aruch (rm"a) heißt es:
"Jedermann muss seine Zimmer vor der 'Bedika' (s.o.) reinigen, ebenso muss man
die Taschen und Handöffnungen der Kleidungsstücke, wo man ab und zu Chametz
hineintut, untersuchen" (O.C. 433,11),
und die "Mischna Brura" fügt hinzu:
"Der allgemeine Brauch ist, das ganze Haus und die Zimmer am 13. Nissan zu
reinigen, damit man die Untersuchung vorschriftsmäßig in der Nacht zum 14.
ausführen kann". Mit dem "allgemeinen Brauch" hat man seine Pflicht erfüllt. Wer
mehr tun will, so komme auf ihn Segen - im Hinblick auf Pessach, aber nicht im
Hinblick auf die Kinder.

Natürlich zwinge ich hier niemanden dazu, meine Anleitung zu akzeptieren. Ich sage
nur meine bescheidene Meinung unter Hinzufügung von Begründungen, und wem
die Begründungen einleuchten, nehme sie an, und wem nicht, lasse davon ab. Die
meisten der Ratschläge, wie die Reinigungsarbeit zu verkürzen sei, hörte ich von den
Frauen selber. Es kann aber auch vorkommen, dass die Seele einer Frau sie gerade
nicht zur Verkürzung dieser Tätigkeit drängt, sondern sie im Gegenteil Freude daran
hat. Umso besser. Auch sie wird von diesem Artikel profitieren, denn sie wird nun
keine Angst verspüren, irgendein Gesetz zu übertreten, sondern in Ruhe und entspannt
putzen.

Die Hauptsache besteht in der Unterscheidung zwischen Chametz, dessen
Beseitigung Pflicht nach der vollen Strenge des Gesetzes ist, und Dreck - der
natürlich auch weggeräumt werden muss - doch nicht unbedingt vor Pessach. Diese
Arbeit kann man über das ganze Jahr verteilen. Vor Chametz muss man erzittern!
Aber nicht jeder Schmutz ist Chametz. Natürlich darf man Chametz nicht auf die
leichte Schulter nehmen, doch andererseits richtet sich nicht jeder Pessachputz
immer nur auf Chametzbeseitigung.
 

Ein fröhliches und koscheres Pessachfest! Man sollte immer darauf achten, dass
Pessach fröhlich und Purim koscher geraten. Man muss zur Sedernacht weder müde
noch erschöpft antreten, sondern fröhlich, damit diese Nacht ein überwältigendes
Erlebnis für die Kinder wird, eine große Quelle für den Glauben an G~tt, den Erlöser
Israels.

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