DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese
Woche in der Tora (Lev. 6,1 - 8,36): Ausführungsvorschriften
für das Ganzopfer, Mehlopfer, Sühnopfer, Schuldopfer, freiwillige Opfer;
Amtseinsetzung Aharons und seiner Söhne als Priester (Kohanim) und Heiligung
der Dienstgeräte, dazugehörige Opfer. Haftara: Maleachi 3,4-24
Zum Toragebot "Und an jenem Tage sollst du deinem Sohne erzählen" ("We-higadeta", Ex. 13,8) lautet das Gesetz nach Maimonides wie folgt: "Es ist ein Gebot der Tora, von den Wundern und Wundertaten zu erzählen, die unseren Vätern in Ägypten getan wurden... Und warum in der Nacht zum 15. Nissan? Dazu wird gelehrt: Und an jenem Tage sollst du deinem Sohne erzählen: Das ist um dessentwillen - zur Stunde, wenn Matza und Maror vor dir liegen" (Gesetze von Chametz und Matza, 7.Kap.). Zu sollst du deinem Sohne erzählen erklärte Raschi: "ein Sohn, der nicht zu fragen versteht, und der Vers lehrt dich, du sollst mit ihm Worte der Agada anfangen, die das Herz an sich ziehen", und in seinem Kommentar zum Sidur schrieb er noch: "Erkläre ihm aus der Agada und mache ihm das Wunder bekannt" (Agada - der im Stil von Erzählungen gehaltene Teil der mündlichen Tora). Demnach ist die Hagada von Pessach eine Agada von Pessach. Wie kommt das? Worin besteht der Unterschied zwischen den beiden Begriffen? Und wie "ergänzt" die Agada die Hagada? Erklärt der Malbim-Kommentar: "Der Begriff Aguda umfasst voneinander getrennte Dinge, die zusammen gehalten werden". Demnach deckt sich die Aufgabe der biblischen Agada mit dem Bereich des Torastudiums, der die eine Quelle offenbaren und aufdecken will, die alle Kräfte, Fähigkeiten und Ereignisse in Natur und Geschichte umschließt und sie miteinander verbindet. Das ist das ganze Ziel der Pessach-Hagada - alles, was uns unterschieden und voneinander getrennt erscheint, von Anfang bis Ende miteinander verbunden zu sehen, auf einem einzigen Fundament, das sich immer mehr als ein Ziel und eine Bestrebung offenbart, gemäß wohlgeordneter und genauer göttlicher Vorsehung - die Agada von Pessach. Andererseits muss man sich vorsehen, dass jener verbindende und verknüpfende Zusammenschluss nicht die Einzigartigkeit eines jeden Details verdeckt, die Notwendigkeit und die Pflicht, jedes Thema gründlich zu erklären und zu untersuchen, um es gehörig zu verstehen und Schlüsse für die Zukunft daraus zu ziehen. Hagada kann auch mit Gedud (Regiment) verwandt sein, das für sich allein steht, aber auch Bestandteil des Truppenverbandes ist. Daher erläutert der Talmud zu "ihr sollt euch keine Einschnitte machen" (lo titgodedu; Dt. 14,1) - "ihr sollt keine Parteien bilden" (Jewamot 13b), und wie Rabbiner Hirsch (zu Dt. 14,2) erklärte: Man muss die Einheit waren (und sogar) unterschiedliche Meinungen... dürfen nicht zu Aufteilung in unterschiedliche Gesellschaften führen, zu Spaltungen al titgodedu, sondert euch nicht ab, teilt euch nicht in Gruppen und Parteien". Ganz ausgezeichnet passen hier die Worte von Rabbiner A.J.Kuk: "Die Idee des Zusammenbringens voneinander ferner Welten (Agada) bildet das Fundament für den spirituellen Aufbau der Welt und ihrer Vervollkommnung. Das ist eine fundamentale Kraft, die sich wie ein roter Faden durch alle Offenbarungen des Lebens und alle seine Wendungen zieht, und sie muss immer in breitester Form erscheinen. Die analytische Eigenschaft muss bei ihrer Untersuchung, jede Wissenschaft in deren Umfeld zu klären (Hagada), Raum lassen für die synthetische Eigenschaft (Agada) im Lichte der vereinigenden Seele zu erscheinen..." (Orot Hakodesch I,S.25). In der kommenden Sedernacht werden wir also wissen, unseren Kindern das große Wunder zu erklären (Hagada) und es ihnen vor allem als eine Einheit (Agada) zu präsentieren, ihnen und unseren Bekannten und uns selber, das ununterbrochene Wunder, das sich auch durch uns offenbart, nämlich der Auszug aus Ägypten, der Auszug aus dem babylonischen Exil, der Auszug aus unserem letzten Exil. Und mit G~ttes Hilfe werden wir in unseren Tagen die volle Erfüllung der Prophezeiung Michas erleben: "Wie in den Tagen deines Auszuges aus dem Lande Ägypten werde ich es Wunder sehen lassen" (7,15).
-Aba [Vati], warum wäscht man die Hände vor dem Essen der in Salzwasser getunkten Petersilie [oder sonstiges Gemüse]? -Weiß nicht, das ist doch eines der Symbole des Sederabends, oder? -Aber sonst essen wir doch Petersilie ohne extra Händewaschen?! -Ja, das hat wohl irgendwas mit dem Salzwasser zu tun. Salz aus Sdom, oder sowas ähnliches. Schmeckt doch gut, Petersilie mit Salzwasser, hier nimm. -Aba, warum isst man Petersilie am Sederabend? -Weil das "Karpas" ist. -Was ist "Karpas"? -Petersilie mit Salzwasser. -Aha. Aber warum isst man das in der Sedernacht? -Weil es schmeckt. Iss schnell, wir machen jetzt "Jachatz". -Was ist "Jachatz", Aba? -Sieh her. Hier haben wir drei Matzot. Die mittlere brechen wir in zwei Teile. -Warum? -Um den Afikoman zu verstecken. -Ja, aber warum ausgerechnet die mittlere? -Was weiss ich... So steht es in der Hagada. Schau, hier steht: Man schenkt den zweiten Becher ein. Man beginnt "Magid". Und jetzt alle zusammen: "kol dichfin jeite vejechol, kol dizrich jeite vejifsach". -Was ist das, "kol dichfin"?? -Das bedeutet: "Alle, die hungrig sind". Wir laden die Armen ein, die hungrig sind, dass sie kommen und mit uns essen. -Wann kommen sie denn? -Sie kommen nicht. -Warum nicht, sind sie gar nicht hungrig? -Sie sind doch hungrig. -Dann haben sie vielleicht nicht gehört, dass wir sie eingeladen haben? Die Tür war doch zu, und wir haben es ziemlich leise gesagt. Vielleicht lassen wir die Tür auf? -Nein, das geht nicht. Nur für den Propheten Elijahu öffnen wir die Türe. Jetzt muss sie zu bleiben. Es ist kalt draußen. -Dann ist den Armen draußen doch sicher auch kalt, Aba. -Kann sein, aber sie verstehen doch sowieso kein Aramäisch, warum also unnötig die Tür offen stehen lassen. -Vielleicht sollten wir sie auf Hebräisch einladen? -Vielleicht solltest du mit diesen Fragen aufhören?! -Die Lehrerin hat aber gesagt, dass man an Pessach viele Fragen stellen muss! -Sie hat nicht solche Fragen gemeint, sondern die von "Ma nischtana". Genau da sind wir jetzt angekommen, sing schön "Ma nischtana". - Du singst wirklich großartig. Jetzt fangen wir mit den Antworten zu den Fragen des "Ma nischtana" an, die du gestellt hast, und dann werden wir von den "vier Söhnen" reden. Welchen Sohn möchtest du vorlesen? -Den klugen Sohn. -Also los, lies vor, was der Sohn sagt, und ich antworte die Antwort des Vaters. -"Der vernünftige Sohn, wie drückt er seine Frage aus? Was für Bewandnis hat es mit den Zeugnissen, Gesetzen und Rechten, die der Ewige, unser G~tt, euch geboten hat?" -Sehr schön hast du vorgelesen. Und hier die Antwort: "Unterrichte ihn in den Lehren und Gebräuchen des Pessachfestes und sage ihm auch, en maftirin achar hapessach afikoman". Und jetzt der böse Sohn. -Ehh, nicht so schnell, ich habe die Antwort nicht verstanden. Was soll das heißen: "en maftirin achar hapessach afikoman"? -Das soll heißen... äh... hmm... das ist ein bisschen kompliziert, das ist etwas für einen klugen Sohn, der schon die Oberstufe besucht, nicht für einen klugen Sohn aus der ersten Klasse. Ehrlich gesagt, ich verstehe das auch nicht ganz. Na ja, ich habe die Schule schon eine ganze Weile hinter mir. Lasst uns weiter machen, bald sind wir bei "we-hi sche'amda".[Und sie (die Tora) ist's, die beigestanden hat unseren Vätern und uns], das müssen wir mit der besonderen Melodie singen, die ist doch so gefühlvoll. -Wer ist diese "sche'amda"? -"Hi" (sie). -Versteh ich nicht. -Sie hat unseren Vätern in allen Generationen beigestanden. -Och, Aba, ich verstehe wirklich gar nichts bei diesem Seder, es geht mir alles durcheinander. -Jetzt ist es noch ein wenig kompliziert, aber langsam wird es immer verständlicher. Bald kommen wir zum mathematischen Teil des Abends... "Rabbi Akiva sagte: ...folglich erhielten sie in Ägypten fünfzig, beim Meere aber zweihundertundfünfzig Plagen". -Zweihundertundfünfzig? Die Lehrerin sagte zehn. -In Ägypten zehn, am Meer zweihundertundfünfzig. Haben einiges einstecken müssen, die Ägypter. -Wir sagten aber doch vorher, am Meer fünfzig Plagen? -Ja, aber jede Plage bestand aus fünf, verstehst du? Hier, versuch es mal mit den Fingern. Am Ende kommt heraus, dass sie am Meer zweihundertundfünfzig erhielten, mal fünf. Fünffach, verstehst du? Dieser "Magid" ist wirklich nicht einfach, aber jetzt kommen wir zur Hauptsache. "Wer jene drei Dinge nicht an Pessach sagte, hat seiner Pflicht nicht genügt: Pessach, Matza und Maror". Fein, jetzt haben wir unsere Pflicht getan! "Diese Matza, die wir essen..."... Was ist los? Was hat dich plötzlich so traurig gemacht? -Mir ist eingefallen, dass Matza doch ein 'Brot der Armut' ist. Aba, bist du sicher, dass man die Tür nicht aufmachen kann und einen Armen von draußen einladen? -Keine Sorge, die sind schon alle eingeladen, dafür gibt es viele Wohlfahrtsvereine. Suche jetzt den Afikoman, ich habe ihn inzwischen versteckt. -Die Wohlfahrtsvereine laden die Armen zum Essen ein? -Nein, sie sorgen dafür, dass Leute sie einladen. -Warum haben wir dann nicht selbst welche eingeladen? Wir sind doch auch Leute! -Weil wir so sehr mit den Vorbereitungen für Pessach beschäftigt waren. Hast du nicht gesehen, wie wir geschuftet haben, alles Chametz zu beseitigen? -Wie haben es denn die Leute geschafft, die einladen? -Vielleicht suchst du jetzt mal den Afikoman? Zuletzt bekommst du vor lauter Fragen kein Geschenk. "Schulchan orech". Ein wahrer Genuss! Meine liebe Frau, dein Essen... mir fehlen die Worte! Dafür allein hätte sich schon der Auszug aus Ägypten gelohnt. Nun, was wünschst du dir für den Afikoman? Alles was du willst, außer einem Haustier. -Ich wünsche mir, dass wir nächstes Jahr Arme einladen. -Nu, im Ernst, wünsch dir was Normales. -Ich wünsche mir, dass wir nächstes Jahr Zeit haben und Arme einladen. -Gut, gib den Afikoman zurück. Wir fangen mit den schönen Liedern an. -Aba, was bedeutet "Die Erstgeburt der Patrossim zerschmettertest du um Mitternacht"? oder "Du tratest den kühnen Mut des Fürsten zu Charoschet nieder mit dem Stern der Nacht"? -Keine Ahnung, hab' vor Pessach einfach keine Zeit gehabt. Glaube mir, mit ein bisschen Zeit hätte ich mich auf alle deine Fragen vorbereiten können. -Was heißt das, "schinanaw jomru lo"? Was ist mit den "dreizehn Eigenschaften" gemeint? Wozu hat der Vater das Lämmchen gekauft? Warum hat die Katze es aufgefressen? Warum hat der Schlachter den Ochsen geschlachtet? Was ist ein 'Todesengel'? Aba? Aba! Hörst du mich? Ima... Gerade wo wir beim Todesengel angekommen sind, ist Aba... -Keine Sorge, Aba ist bloß eingeschlafen, du hast doch selbst gesehen, wie schwer er gearbeitet und sich auf Pessach vorbereitet hat...
Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Lernen Sie bei uns über
das Judentum, stärken Ihren Glauben im Geiste der Liebe zu den Geschöpfen
in einem reichhaltigen und umfassenden Programm mit persönlicher Note,
Verbindung zu Torapersönlichkeiten, Unterbringung in besonderer, familiärer
Atmosphäre.
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
Einzelheiten: Spanisch -
Tel. +972 (0)2 6512194, +972 (0)52 4621830
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
in:
|