DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJAKHEL-PEKUDE
Nr. 759
27. Adar 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 35,1 - 40,38):

Kein Feuermachen am Schabbat; Aufruf zu Materialspenden für alle Teile des Heiligtums; künstlerische Fertigung und genaue Beschreibung des Stiftszeltes, der Bundeslade, des Tisches der Schaubrote, des Räucheraltars und des Wasserbehälters. Genaue Materialliste des Heiligtums, Details der Dienstkleidung der Kohanim und des Hohepriesters; Abnahme und Aufstellung des Heiligtums durch Moscheh und Einweihung.

Haftara: Jecheskel 45, 16-25, 46, 1-18


Schabbat HaChodesch

Am Schabbes-Tisch...

Einer für Alle und Alle für Einen

Rav Ejal Vered
Rabbiner an der Jeschiwa Nezer Mata'ai, Ari'el

Die Abschnitte vom Bau des Wüstenheiligtums bilden das Rückgrat des Buches Exodus (Schemot), ihr Anfang und Ende sind miteinander verbunden. Dabei fällt auf - obwohl sich an den Arbeiten für das Heiligtum das ganze Volk Israel beteiligte, erfolgten die entsprechenden Weisungen fast immer in der Einzahl an Moscheh: Mache, gebe, tue, bringe.

So auch am Ende des Werkes im Abschnitt Wajakhel. Dort begegnen wir wiederum dieser Kürze: "Und Moscheh versammelte die ganze Gemeinde der Kinder Israel und sprach zu ihnen: Das ist, was der Ewige geboten hat zu tun" (Ex. 35,1). Die Tora betont die Tatsache, dass sich die Kinder Israel um Moscheh versammeln. Es fragt sich, wozu dient diese Versammlung?

Wie wir bereits wissen, gelangte G~ttes Lehre normalerweise in Stufen zum Volk. Moscheh lehrte Aharon, Aharon seine Söhne, die die Ältesten, und erst dann, beim vierten Mal, gelangte die Lehre an ganz Israel. Diesmal verhält es sich jedoch anders. Alle versammeln sich wie ein Mann, um direkt von Moscheh zu hören. Das ist um so verwunderlicher, wenn wir uns die Gebote an Moscheh genauer ansehen. Sie sind alle bereits bekannt. Es handelt sich praktisch um eine fast wörtliche Wiederholung der Gebote aus dem Abschnitt Truma. Wozu ist also diese besondere Versammlung notwendig, die vom gewohnten Procedere abweicht? Und warum werden die Gebote in einer Weise übermittelt, als ob G~tt nur zu Moscheh spräche?

Unsere Welt besteht aus unendlich vielen Stufen und Dimensionen. Die talmudischen Weisen fassten sie in vier Kategorien zusammen, in vier "Welten". Die höchste, edelste Welt nennt sich Azilut, danach die Welt der Schöpfung, von der die Welt des Schaffens ausgeht, und am Ende unsere Welt, die Welt der Tat.

Die Welt der Azilut ist G~tt am nächsten (von ezel, nahe bei), im Schatten G~ttes (von bezel, im Schatten), eine Welt der Ideale und der fein- und tiefsinnigsten aller Gedanken. Von dort aus beginnen die Gedanken sich zu verketten und zu formen, bis wir am Ende einen kleinen Zipfel von ihnen zu fassen bekommen, so wie sie in unserer Welt der Tat in Erscheinung treten.

Dabei besteht allerdings eine existenzielle Gefahr. Dinge können auf dem Wege verloren gehen. Die Unterschiede zwischen den Welten sind so groß und so gewaltig, Entfernungen von Lichtjahren, dass ein berechtigter Zweifel besteht, ob das Endergebnis noch einen Hinweis, wenn auch einen noch so leichten, auf seinen Ursprung gibt, und wir können dann keinen Blick mehr auf die höheren Welten werfen, die in diesem Ding, das gerade erst in unserer Welt Gestalt angenommen hat, zum Ausdruck kommen.

Der Bau des Wüstenheiligtums ist in einen Schleier des Geheimnisvollen gehüllt. Es ist an sich ein Wunder, dass G~tt, der alle Welten ausfüllt und alle Welten bewegt und kein Ort von ihm frei ist, uns beauftragte, ihm ein Haus zu bauen, das Heiligtum, ein Ort beständiger Offenbarung, eine unfassbare Tatsache. Und so sagte Schlomo: "Und nun G~tt Israels, werde doch bewährt dein Wort, das du geredet deinem Knechte David, meinem Vater. Denn, mag wohl in Wahrheit G~tt wohnen auf der Erde? Siehe die Himmel, und der Himmel Himmel können dich nicht fassen: gar nun dieses Haus, das ich gebaut!" (Kö.I, 8,26-27).

Der Bau des Heiligtums stellt also ein Geheimnis dar, ein Wunder, etwas, das auf uns aus höheren, verborgenen Welten herab schaut, die sogar König Schlomo nicht begreifen konnte.

Wenn man so ein Heiligtum baut, muss man über die ganze Distanz die entsprechenden Absichten beachten. Schließlich handelt es sich um handfeste Arbeit. Dort wird eifrig mit allen möglichen Materialien gearbeitet, Gold, Silber, Kupfer, Stoffe, Pflanzen und Räucherwerk. Dort also, zwischen den Schlägen auf den Amboss und dem Weben der Tücher können sich disqualifizierende Gedanken von der materialistischen Sorte einschleichen, als ob wir G~tt wirklich ein Haus bauen, und bis jetzt hatte er einfach keine Unterkunft...

Darum galt als grundsätzliche Vorbedingung für alle, die am Heiligtum arbeiteten, nicht ihre Fingerfertigkeit, sondern ihre Konzentration bei der Arbeit auf die richtigen Gedanken. Diese Fähigkeit hat ihr Zentrum im Herzen, in seiner Neigung und seiner Reinheit, und darum werden die am Heiligtum Arbeitenden an vielen Sellen "Weise des Herzens" genannt, sowohl die Männer als auch die Frauen.

Und über alledem waltet ein besonderer Mensch, ein Mensch aus der Welt des Denkens, aus der Welt der Azilut. Das ist Bezalel, auch er war "im Schatten G~ttes" (bezel el), er wird von G~tt folgendermaßen benannt: "Siehe, ich habe mit Namen berufen Bezalel, den Sohn Uris, des Sohnes Chur vom Stamme Jehuda. Und habe ihn mit göttlichem Geist erfüllt, mit Weisheit und Einsicht, mit Wissen und allerlei Fertigkeiten. Kunstwerke zu ersinnen, in Gold, Silber und Kupfer zu arbeiten. Auch im Schneiden und Einsetzen der Steine und im Holzschnitt, und so in allen Arbeiten zu schaffen. Auch habe ich ihm beigegeben den Oholiaw, Sohn des Achisamach aus dem Stamme Dan und allen Kunstverständigen Weisheit ins Herz gelegt; sie sollen alles anfertigen, was ich dir befohlen habe" (Ex. 31,2-6). Das also waren die Leute, die für den Bau des Heiligtums für würdig befunden wurden.

Zur Zeit des Gebotes waren sicher alle ihres Ausgangspunktes bewusst. Ein Gefühl der Erhebung, ein greifbares Wunder. Doch in unserem Abschnitt schreitet man zur tätigen Ausführung; da gibt es eine Flut von Einzelheiten zu beachten. Eine enorme Anzahl von Menschen beteiligt sich am Werk. Auch hierbei lauert eine Gefahr. Beim Übergang vom generellen Gebot, das an die ganze Nation via Moscheh gerichtet wurde, bis zur detaillierten und exakten Ausführung besteht die Gefahr des Individualismus. Jeder einzelne Handwerker mag seiner Arbeit seinen persönlichen Stempel aufdrücken. So lässt sie sich auch nachher identifizieren: 'Seht mal her, dieses Goldgefäß habe ich gemacht' kann er einmal seinen Kindern erzählen, wenn er sie zu einem Rundgang durchs Heiligtum mit nimmt. Das ist ein ganz natürlicher Wunsch eines jeden Künstlers, seine Signatur auf seinem Werk zu hinterlassen. Und auch wenn der allgemeine Rahmen im voraus fest steht, bleibt doch ein gewisser Spielraum für Nuancen und Schattierungen. So würde ein aus vielen unterschiedlichen Einzelheiten zusammen gesetztes Heiligtum entstehen, ähnlich in der generellen Form, aber verschieden im Detail, und vor allem mit unterschiedlichen Absichten. Einer hatte bei seiner Arbeit die Ehre G~ttes im Sinn, der Zweite die ästhetische Schönheit des Objektes, und der Dritte seinen eigenen Ruhm.

Bevor es also an die Arbeit im Einzelnen geht, versammelt Moscheh die ganze Gemeinde bei sich. Wieder steht man vor Moscheh, dessen besondere Seele sein Gesicht erstrahlen lässt, wiederum fügt man sich ihm, seinen Absichten, und alle Ausführenden folgen seinen Gedanken und Weisungen, als ob er selber das Werk verrichtete. Danach begibt sich ein Jeder an seine Arbeit und denkt nur daran, wie er das Gerät genau so macht, wie Moscheh es haben wollte. Wie mache ich meinen persönlichen Gegenstand so, dass in ihm der allgemeine Gedanke am besten zum Ausdruck kommt.

So wurde Stück um Stück das Heiligtum erbaut, doch ein einziger gewaltiger Gedanke vereinte sie alle, ein einziger gedanklicher Riegel hielt alles zusammen. Die Lippen murmelten ein Gebet "...sei mit unseren Herzen und Worten bei unseren Gedanken, mit unseren Händen zur Zeit unserer Werke, und schicke uns Segen, Erfolg und Einkommen für aller unserer Hände Werk, und erhebe uns aus dem Staub unserer Armut, und erhebe uns über den Abfall unserer Armseligkeit...". Und als die Zeit der Aufstellung heran nahte, wurden alle Teile vor Moscheh gebracht. Er wusste sie alle miteinander zu verbinden, aus allen diesen von vielen verschiedenen Menschen gefertigten Einzelteilen ein einziges Heiligtum zu bauen, verbunden und geeint durch die Gedanken und Absichten der Ausführenden, die zu einer einzigen spirituellen Decke der Erscheinung göttlicher Präsenz zusammen wuchsen.




Frage und Antwort
 
Träume oder Schäume?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Leute träumen alle möglichen Träume, gute Träume, böse Träume, seltsame Träume. Haben sie eine spirituelle Bedeutung, oder sind sie vielleicht vollkommen sinnlos, oder selbst wenn sie eine Bedeutung haben - sollte man sich überhaupt damit beschäftigen?

Antwort: Unser großer Lehrmeister, Rabbiner Awraham Jizchak Kuk schrieb, dass uns die Tora vom Vertiefen in alle möglichen unklaren Visionen fern hält und die verschiedenen Arten der Totenbeschwörung, des Weissagens und der Zauberei verbot und uns vielmehr zu Normalität im Leben anhält. Die einzige Ausnahme bildet der Traum, zu dem uns die Tora anleitet, sich mit ihm im Leben auseinander zu setzen. Dazu lehrte sie, dass Träume genaue Strukturen vorweisen, so wie die Strukturen der materiellen Natur (Igrot Hara'aja Nr.79). Die Tora lehrt uns von den wahren Träumen Josefs, Pharaos und Nebukadnezars. So verhält es sich auch mit bösen Träumen, zu denen die talmudischen Weisen einen Fasttag verordneten, oder eine "Traumausbesserung" und ein besonderes Gebet, das während des Priestersegens zu sprechen ist.

Doch wovon ist bei alledem die Rede? Von den früheren Zeiten! In den letzten Generationen jedoch minderten die großen Toraautoritäten ganz wesentlich die Beachtung von Träumen. Selbst über böse Träume, wegen derer laut Schulchan Aruch sogar am Schabbat gefastet werden darf, sagten sie, nicht zu fasten, noch nicht einmal werktags, und noch nicht einmal die besonderen Gebete zu sprechen. So schrieb z.B. der "Chason Isch": "Einige Male träumte ich solche, und schenkte dem keine Beachtung, du kannst aber das Gebet während des Priestersegens sagen" (Igrot Chason Isch II,149).

Als Grund dafür betonten sie die von den Weisen genannte Art der Träume, denen jede Bedeutung fehlt und die dem Menschen bloß seine eigenen Gedanken vorzeigen (Brachot 55b). So wie es im Buche Daniel heißt: "deine Gedanken auf deinem Lager stiegen auf" (2,29).

Zum Beispiel heißt es im Gesetzeswerk "Mischna brura", dass ein böser Traum nach einem Fasttag keinen Grund zur Beunruhigung dar stellt, da er von der Körperschwächung herrührt, und Gleiches gilt für den Traum nach einem leidvollen Erlebnis (zu O.C. §220, Scha'ar hazijun 1). Ebenso wer Zahnschmerzen hat und träumt, seine Zähne fallen ihm aus, oder wer an etwas Bestimmtes am Tage dachte und dann nachts davon träumte.

So schrieb auch der "Kaf Hachajim" von jemandem der träumt, er sei beim Ne'ilagebet an Jom Kippur, an den Tagen vor oder nach Jom Kippur.

Ebenso Rabbiner Jizchak Abarbanel zu einem bösen Traum eines Menschen, der sich nicht bei bester Gesundheit befindet.

Bekanntlich hat sich unsere Lebensweise im Vergleich zu den frühen Zeiten sehr geändert. Das Leben verlief geruhsamer in Dörfern oder Kleinstädten, weit entfernt vom Treiben in einer Großstadt, und keinen aufwühlenden Nachrichten ausgesetzt.

Heutzutage aber werden die Menschen unaufhörlich mit Informationen über die verschiedenen Kommunikations- und Massenmedien bombardiert, sie hören von allen möglichen schlimmen Ereignissen. Man muss nicht zwangsläufig davon träumen, doch bleiben die Dinge im Unterbewusstsein und tauchen von Zeit zu Zeit in Träumen wieder auf, wobei der Traum Kummer und Schrecken auslöst; das sind die Albträume.

Der "Aruch Haschulchan" schrieb, Leute, die sich mit dem vergänglichen Unfug der heutigen Zeit beschäftigen, werden davon träumen, besonders, wenn sie vor dem Einschlafen eine große Mahlzeit zu sich nehmen, denn die Verdauung wirkt auf die Einbildung, und solche Träume enthalten keine Wahrheiten und gelten rein gar nichts.

Darum sollte man sich keinen Traum zu Herzen nehmen, und man braucht wegen keines Traumes zu fasten. Dazu kommt, dass solches Fasten die Kraft zum Dienst an G~tt schwächt und manchmal Nervosität und Gereiztheit hervor ruft.

Wenn aber dennoch jemand besonders beunruhigt ist, kann er eine "Traumausbesserung" (hatawat chalom) vor drei Freunden sagen oder das besondere Gebet beim Priestersegen. Übrigens wurde auch in früheren Zeiten eine "Traumausbesserung" nur dann vorgenommen, wenn der Betreffende durch den Traum in seiner Seele zutiefst erschüttert war. Eine viel bessere Idee ist das Torastudium und das Geben von Armenspenden (zedaka), ebenso wie die reumütige Umkehr, auf dass es dem Menschen wohl ergehe.


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