DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJIKRA
Nr. 760
5. Nissan 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 1,1 - 5,26):

Der Opferdienst: welche Tiere oder Nahrung, wer, wo, wie und wofür; die zentrale Bedeutung der Kohanim (Priester) und des Wüstenheiligtums (Vorläufer des Tempels in Jerusalem).

Haftara: Jeschajahu 43, 21-28, 44, 1-23



HaRav Engelmann

Der Opferdienst - eine
Herausforderung

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Wie lässt sich das Buch Wajikra (Leviticus) lesen?

Jedes Jahr aufs Neue nimmt die Begegnung mit den Wochenabschnitten mit dem Aufschlagen des Buches Wajikra eine andere Form an, wird nämlich von einer lebendigen und verständlichen Begegnung zu einer stummen und entfernten Betrachtung. Die Geschichten von den Vorvätern und ihren Eigenschaften, die uns im Verlaufe des ersten Buches Moscheh in Liebe fesselten, wie auch die Wunder des Auszuges aus Ägypten und der Zug durch die Wüste sind nun zu Ende, und wir beginnen die Lesung des 3. Buches, das sich ausführlich mit den Opfertieren, der Unreinheit (Tum'a), der Reinheit (Tahara) und den anderen Themen der Heiligkeit und des Tempels beschäftigt. Die Ansprachen am Schabbes-Tisch und in den Synagogen steuern an ferne Ufer, belassen das Sündopfer, das Ganzopfer und das Schuldopfer zwischen den Seiten des Chumasch, trösten und begnügen sich mit Gedanken zu Pessach, zum Feiertag der Unabhängigkeit und Fragen des Omerzählens. Diejenigen Rabbiner, die es dennoch für angebracht halten, Predigten über Themen des Opferdienstes zu halten, finden sich einer Zuhörerschaft geschlossener Augen gegenüber, nicht unbedingt aufgrund angestrengter Konzentration.

Wir sind von diesen Dingen weit entfernt, von den Opfern. Wir verstehen kaum irgendetwas von diesem geheimnisvollen Dienst an G~tt, und deshalb stoßen diese Abschnitte bei uns auf Unverständnis und Dumpfheit. Man braucht gar nicht bis zur Feststellung zu gehen, dass wir keinen freien Raum in unserer Seele finden für diese Art des G~ttesdienstes, erst recht keine Sehnsucht danach.

In den letzten Jahren erschienen einige Bücher, die uns den Opferdienst durch bildliche Darstellung zugänglicher machen wollen. Alle diese Versuche sind sicher segensreich, doch scheinen mir Bilder von geschlachteten Rindern und Kleinvieh sowie für den Opferdienst aufbereiteten Fleischstücken nicht unbedingt einen Ausweg aus der Problematik zu bieten. Wir sind nicht wirklich fähig, zwischen der Keule und dem Fettschwanz einerseits und der spirituellen Erhebung andererseits einen Zusammenhang her zu stellen. Auch der Versuch, durch Bilder vom Hohepriester und die anschauliche Schilderung seines Dienstes an Jom Kippur und anderen Tagen Sehnsüchte nach dem Tempel zu erwecken will nicht so recht gelingen und erreicht manchmal sogar das Gegenteil.

Innerliche Begegnung

Auch ich kann hier nicht mit großartigen Geistesblitzen oder bahnbrechenden Erklärungen aufwarten und möchte diese Problematik eher als Denkanstoß gesehen wissen. Ich kann hier nur einen kleinen Spalt für große Gedanken auftun.

Wie mir scheint, sind wir nicht dazu fähig, G~ttesnähe im praktischen und bildhaften Sinne durch das Darbringen von Opfern zu erreichen, doch können wir uns von der innerlichen Seite des Glaubens dem Opferdienst nähern. Ein gründliches Studium des Verhältnisses zwischen einer Sünde und dem Opfer, das wir dafür darbringen müssen, eröffnet einen Einblick des Glaubens zum tieferen Verständnis der Sünde und der Art ihrer Bereinigung. Die Untersuchung, wie jedes Opfer darzubringen ist, wann es gänzlich verbrannt wird und was dieses Verbrennen bedeutet, wann es von seinen Eigentümern gegessen wird und welche Teile an die Priester (Kohanim) gehen - alle diese Dinge haben nicht nur eine praktische Bedeutung. Hinter jeder Einzelheit verbergen sich weite Welten großen Glaubens, die unser Leben berühren.

Entsprechendes gilt auch im Verhältnis zu jenem Teil des Buches, der sich mit "Reinheit" und "Unreinheit" beschäftigt. Noch eine ganze Sphäre, die derzeit keine Rolle in unserem Leben spielt, und dennoch stehen das tiefere Verständnis der Begriffe von Reinheit gegenüber der Unreinheit, Klärung der Frage, wie man jeden Makel reinigt und wie bei jedem Makel vorgegangen wird in innigem Zusammenhang mit unserem Leben hier und jetzt. Sicher gibt es heute keinen "Aussatz" und die dazu gehörige Verbannung außerhalb des Lagers, doch die Tatsache, dass ein Lästermaul (das wegen seiner üblen Nachrede vom Aussatz befallen wird) in die Quarantäne der Isolation geschickt wird, lässt uns diese Erscheinung und das Geheimnis ihrer Korrektur verstehen. Es ist schon spannend zu sehen, wie wir bei jedem Schritt des Aussätzigen auf dem Wege zu seiner Reinigung/Rehabilitierung einen Hinweis auf die Umwandlung erhalten, die der Lästerer durch macht. Heute bringt eine Gebärende kein Opfer dar, doch das Lernen über das Wesen dieses Opfers erleuchtet klar unser Verhältnis zum Leben und zum Tode, zum zur-Welt-bringen neuen Lebens und dessen Wertes.

Die Verbindung zum Buche "Wajikra" wird demnach durch das Verstehen des Inhaltes hergestellt und nicht durch die praktische Ausübung, durch die Begegnung mit dem tieferen Sinn und nicht nur mit der äußeren Hülle. Die Sehnsucht nach dem Tempel kann sich nicht auf einen praktischen Mangel stützen, den niemand spürt. Mir scheint, die Erziehung muss sich mehr mit dem Wesen dieses Hauses beschäftigen. Und was den Grund für dessen Zerstörung angeht - sinnloser Hass, moralischer Verfall und spirituelle Öde - muss das Heiligtum als ein Ort der kompletten Bereinigung dieses unwürdigen Zustandes geschildert werden. Mit G~ttes Hilfe werden sich im Laufe der Beschäftigung mit diesen Fragen passende Antworten ergeben.

Am Schabbes-Tisch...
 

Das Salzgeheimnis
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Das absolute Gebot: "..bei all deinen Opfern sollst du Salz darbringen" (Lev. 2,13) bedarf der näheren Betrachtung. Was hat es mit diesem Salz auf sich, bis dass es für jedes Opfer unverzichtbar ist? (Opfer=Korban, vom Wortstamm 'annähern').

Zum Salz lässt sich sagen, es handelt sich dabei um die einzige materielle Schöpfung in unserer Welt, bei der sich gegenteilige und entgegen gesetzte Seiten offenbaren; das Salz ist somit ein Zeichen und ein Symbol für die Einheit der Gegensätze und ihren einen Ursprung.

1. Salz gewinnen wir hauptsächlich aus Wasser, zum Beispiel vom Toten Meer, dem Salzmeer. Wenn das Salz allerdings kristallisiert, brennt es wie Feuer, und in unserer Welt gelten Wasser und Feuer als Gegensätze - beim Wasser gibt es kein Feuer und beim Feuer kein Wasser, doch das Salz verbindet beide und offenbart ihren einen Ursprung.

2. Salz für sich alleine genommen ist kein Nahrungsmittel, und das geht so weit, dass man darüber keinen Segensspruch sagt, wenn man es dennoch zu sich nehmen will, da es allein als ungenießbar gilt. Demgegenüber würzt es fast alle Speisen und verstärkt ihren Geschmack. Ohne Salz schmecken viele Speisen nach nichts oder fade.

3. Salz kann töten, denn wenn man ein Feld mit Salz bestreut, wächst dort nichts mehr, weil das Feld seine Lebenskraft verlor, andererseits belebt das Salz, wenn man damit Fleisch zum Kaschern bestreut, das so zum Genusse erlaubt wird. Ferner lässt sich Fleisch mit Salz für lange Zeit haltbar machen, oder wie die talmudischen Weisen sagten: Fleisch wird durch Salz genießbar (Brachot 5a).

Folgendermaßen fasste der Torakommentar "Kli jakar" die Aufgabe des Salzes in unserer Welt zusammen: "Um G~tt zum König über alle Gegensätze zu erheben, die sich in der Welt zeigen und Viele veranlassten, der Ketzerei zu verfallen mit der Behauptung, von einer Sache könnten nicht zwei Gegensätze ausgehen - so haben wir doch beim Salz zwei Gegensätze vereint, denn es enthält die Kraft des Feuers und der Hitze, ist aber auch ein Produkt des Wassers, so dass nach den Weisen der Kabbala das Salz sowohl die (göttliche) Eigenschaft des Gerichtes als auch die des Erbarmens symbolisiert. Darum heiße es auch "Bund deines G~ttes" (Lev. 2,13, s.o.), denn bei dieser Opferung schließt man einen Bund mit G~tt, ihn zum Herrscher der Gegensätze zu machen".

Bei der Beschäftigung mit dem Opferdienst und überhaupt mit der Annäherung an G~tt und dem Dienst an G~tt müssen wir wissen, dass diese Annäherung im Grunde von unserem Verständnis und unserer Lebensweise abhängt, denn obwohl sich unsere Welt aus verschiedenen Kräften zusammen setzt, aus Gegensätzen und Gegenteilen, stammen sie doch alle aus einer Quelle, nämlich vom Herrn der Welt, dessen Herrschaft sich durch all diese Gegensätze und Widersprüche offenbart, was wir mit unserem begrenzten Verstand nicht immer erwarten oder verstehen.

Ein extremes Beispiel dafür finden wir im Reinigungsprozess von der Unreinheit, dessen innere Idee in der Vervollkommnung der Mängel des Menschen und der Welt besteht; der größte Mangel ist im Tode zu sehen, der höchsten Stufe aller Unreinheiten.

Im Geheimnis des Wassersprengens mit der Asche der "roten Kuh" sehen wir nicht nur ein göttliches Geheimnis in dem Sinne, dass es als unerklärtes Gesetz gegeben wurde, wobei die Unreinen gereinigt und die Reinen unrein werden, sondern auch den Aspekt der Verbindung zwischen einem Überrest des Todes - der Asche des verbrannten Körpers der Kuh - mit der Quelle des Lebens - lebendigen Quellwassers - lebendiges Wasser, das die Welt belebt.

Nur durch die Zugabe der Asche zu dem lebendigen Wasser und dessen Sprengung auf die Unreinen reinigen wir uns von dem großen gedanklichen Makel der Trennung der Kräfte voneinander, dem partikularen Ausblick auf das Leben und seine Kräfte und auf die Geschichte - in der Sprache der Kabbala "Welt der Trennung" genannt - indem wir ihre eine Quelle offenbaren. Das ist das Geheimnis des Salzes, nämlich das Geheimnis unseres Lebens, das im Toragebot "..bei all deinen Opfern sollst du Salz darbringen" zum Ausdruck kommt. 

Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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