DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJEZE
Nr. 744
11. Kislev 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 28,10 - 32,3):

G~ttes Versprechen an Jakov, ihn im Exil zu schützen, Begegnung mit Rachel, Jakov in Charan bei Lawan, Lea, die vertauschte Braut, Hochzeit mit Rachel, Geburt der Stämme, Lawans Betrügereien und göttliche Wende zu Jakovs Vorteil, beschleunigte Abreise nach Kana'an und Showdown mit Lawan auf dem Wege.

Haftara: Hoschea 12, 13-15, 13, 1-15, 14, 1-10

Am Schabbes-Tisch...

Mit meiner ganzen Kraft

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Unsere Vorväter erfüllten bereits die ganze Tora - dazu gehört auch die Arbeitsmoral, wie wir bei Jakov sehen. Zu einer Zeit, als die Menschheit noch nichts von Arbeitnehmerrechten gehört hatte, in der die Ausbeutung und Benachteiligung der schwachen Bevölkerungsschichten zu den Methoden der Arbeitgeber gehörten, sorgte sich die Tora bereits um die Rechte der Arbeitnehmer, angefangen bei dem Verbot: "halte nicht den Arbeitslohn bei dir" (Lev. 19,13). Der Grund dafür liegt natürlich in der Not des Arbeiters und das persönliche Risiko, das er mit der Annahme der Arbeit eingeht, wie es heißt: "und danach langet seine Seele" (Dt. 24,15), und wie die talmudischen Weisen erklärten: "...weshalb stieg dieser auf die Leiter, hing sich an den Baum und setzte sich der Todesgefahr aus: doch nicht etwa wegen seines Lohnes? ...wenn jemand den Lohn eines Mietlings zurück hält, ist es ebenso, als würde er ihm die Seele nehmen" (Baba mezia 112a). Und "SeferHaChinuch" fügte die Sorge um die persönlichen Bedürfnisse des Arbeiters hinzu: "Zu den Wurzeln des Gebotes gehört, dass G~tt am Erhalt des Menschen intessiert ist, den er schuf, und bekanntlich leidet der Körper bei Verspätung der Nahrungszufuhr, und darum wurde uns die Auszahlung des Mietlings geboten, denn dafür riskiert er seine Seele, um sich davon zu ernähren" (Gebot Nr.238). In allen diesen Gründen sieht die Tora bei der Vorenthaltung des Arbeitslohnes nicht nur das Problem einer Geldschuld, sondern eine Frage der Existenz, wie es der "Or HaChajim" erklärte: "Die Absicht hierbei ist, dass derjenige, der den Arbeitslohn zurück hält - obwohl er nur Geld raubt - nicht an seinem Gelde, sondern an seiner Seele bestraft wird".

Die Fürsorge der Tora um den Arbeiter besteht nicht nur in der Sicherstellung der rechtzeitigen Ausbezahlung seines Lohnes, sondern auch seiner übrigen Rechte, vor allem dass der Lebensunterhalt des Arbeiters nicht von der Gnade seines Arbeitgebers abhängt und auch keinen Grund zum Verlust seiner Freiheit darstellt. Darum lautet das Gesetz, "ein Lohnarbeiter könne sogar in der Mitte des Tages zurück treten" (Baba mezia 10a), was aus folgendem Vers hervor geht: "denn mir sind die Kinder Israel Knechte" (Lev. 25,55) - "meine Knechte, und nicht Knechte von Knechten" (Baba kama 116b). Das bedeutet nach der Tora, dass der Arbeitnehmer vertragsrechtlich die Oberhand habe. Die gesellschaftliche Gerechtigkeit kann sich jedoch nicht mit dem Schutz der Rechte des Schwachen begnügen, vielmehr muss gleichzeitig auch dafür gesorgt werden, dass die Rechte des Starken nicht verletzt werden. Darum stellte die Halacha das Arbeitsverhältnis auf eine Basis gegenseitiger Respektierung, damit der Arbeitgeber nicht den Arbeitnehmer ausnutze, jener aber seine Arbeitspflicht auch nicht auf die leichte Schulter nehme. Über diese Gegenseitigkeit schrieb Maimonides am Ende der Gesetze von den Lohnverhältnissen: "Auf die Weise, wie der Hausherr (=Arbeitgeber) ermahnt ist, nicht den Lohn des Armen (=Arbeitnehmer) zu rauben oder zurück zu halten, so ist auch der Arme ermahnt, nicht von der Arbeit des Hausherrn zu rauben und nicht hie und da müßig zu gehen und den ganzen Tag betrügerisch zu verbringen, vielmehr ist er verpflichtet, sich betreffend seiner Arbeitszeit in Selbstdisziplin zu üben. Wurde doch [dem Arbeiter duch die talmudischen Weisen] der vierte Segensspruch des Tischgebetes erlassen [damit er diese Zeit seiner Arbeit widme], ebenso ist er verpflichtet, mit aller Kraft zu arbeiten, so wie Jakov der Gerechte sagte: mit meiner ganzen Kraft habe ich bei eurem Vater gedient (Gen. 31,6), darum erhielt er seinen Lohn auch in dieser Welt, wie es heißt: und der Mann breitete sich gar sehr aus (Gen. 30,43)".

Es gibt also auch Pflichten des Arbeitnehmers, und zwar Arbeitsmoral und verantwortliches Handeln. Weiter schrieb Maimonides dort: "Der Arbeiter darf seine Arbeit nicht nachts verrichten und sich tagsüber [anderweitig] verdingen... und er hungere und peinige sich nicht, und gebe seine Essensration nicht an seine Kinder, weil er damit seine Arbeit für den Hausherrn mindert, denn nun ist er schwächer und weniger konzentriert und arbeitet nicht mit voller Kraft".

Ein Musterbeispiel an Arbeitsmoral in der Schrift finden wir bei Chanoch, über den es heißt: "Und Chanoch wandelte mit G~tt, und er war nicht mehr, denn G~tt hatte ihn genommen" (Gen. 5,24), und es fragt sich, worin bestand das "Wandeln mit G~tt", das ihn so verdienstlich machte? Im Midrasch Talpiot wird dazu vorgebracht: "Chanoch war ein Schuhmacher, und Naht um Naht widmete er Einzigkeiten seinem Schöpfer". Diesen Midrasch erklärte Rabbiner Israel aus Salant folgendermaßen: Hiermit soll nicht etwa ausgedrückt werden, wie Chanoch bei seinem Nähen in erhabene Gedanken vertieft war, denn damit hätte er seine Arbeitspflicht missachtet, und das ist nach dem Gesetz verboten, denn wie kann er seine Gedanken auf andere Dinge lenken, während er im Auftrag Anderer arbeitet, die ihn bezahlen?! Vielmehr bestanden die 'Einzigkeiten' Chanochs in seiner großen Aufmerksamkeit für jede einzelne Naht, dass sie gut und haltbar gelänge, damit die Schuhe besser und haltbarer werden.

Der Stand der Dinge...

Der Raub der Terafim

Rav Elischa Wischlitzki

(Leiter des Bet Midrasch "Mahut" und Vorstand von "El-Ami")

Rav Vishlitsky

 
1. Ein gefährlicher Aramäer

Wie wir es von der Pessach-Hagada her kennen, werden wir nicht vergessen, wie Lawan der Aramäer alles vernichten wollte. Zum Toravers: "arami owed awi" (Dt. 26,5) lautet eine der Deutungen: "Ein Aramäer, der meinen Vater beseitigt" - indem er der Familie unseres Vorvaters Jakov mit den Stammmüttern Rachel und Lea die Rückkehr aus fremdem Lande nach dem "Lande der Vorväter" nicht gestatten wollte. Damit versuchte er das ganze Wesen Israels durch Verhinderung seiner Rückkehr nach seinem Lande und zu sich selbst auszulöschen.

Eine weitere Interpretation des "Aramäers, der meinen Vater beseitigt" bezieht sich auf Israel/Jakov, der wegen seines Aufenthaltes in der Fremde owed (verloren) genannt wird (Sfornokommentar).

2. Die Befreiung

Genau zu dem Zeitpunkt, als die göttliche Vorsehung an der Rückkehr unserer Nationalfamilie nach dem Lande des Lebens interessiert war, "endete die Vorsehung" im Ausland (Malbim zu Gen. 31,1-3) und begann die innere Befreiung der Nachkommen Jakovs aus dem Exil.

Der tiefere Sinn des Versprechens "und werde dich behüten, wo immer du auch gehest" (Gen. 28,15) bezieht sich nicht auf ein Leben eingebildeter Sorglosigkeit, das G~tt scheinbar ermöglicht, sondern auf die Vorbereitung der historischen Abläufe während der Endzeit, die uns klar machen werden, dass wir an unseren existenziellen Ort zurück kehren müssen, dem Lande Israel.

Schon für sich selbst genommen benötigt diese Richtungsänderung eine Befreiung von den Strängen des Exils, und nicht nur im physisch-körperlichen Sinne.

3. Ziehe aus... und kehre zurück

"Nun, auf, ziehe aus diesem Lande und kehre zurück in das Land deiner Geburt" (Gen. 31,13); es zeigt sich die Verbindung zwischen dem Ziel und dem Wesen der Rückkehr einerseits und der existenziellen Notwendigkeit des Auszuges und der Trennung von allem, was mit dem fremden Lande zu tun hat, andererseits, bis zum Schließen des Kreises seit jenem Vers, in dem Jakov schwor (nach dem Traum von der Himmelsleiter): "Wenn G~tt mit mir sein wird und mich behütet auf diesem Wege... Und ich kehre zurück in Frieden in das Haus meines Vaters, so soll der Ewige mein G~tt sein" (Gen. 28,20-21). Nicht umsonst heißt es in obigem Vers "Nun", nämlich zu genau diesem Zeitpunkt; du hast nichts mehr in der Fremde zu suchen, kehre nach Hause zurück! Der Auszug erfolgt mit großem Vermögen, offen sichtlichem und verborgenem, denn von nun an müssen wir es an unserem wahren Heimatorte aufbauen.

Daraus lernen wir, dass das beim Auszug erwähnte Viehzeug (31,18) nur ein einzelner Bestandteil im System der hier vorliegenden Umwälzung war und sich vielleicht als Grundlage zum Verständnis eines weiteren Bestandteiles dieser neuen Entwicklung ansehen lässt.

4. Das Zerschlagen der Terafim

Wozu nahm unsere Stammmutter Rachel die Terafim ihres Vaters mit? Warum ist es der Tora wichtig, diese Tat zu erwähnen?

Was der Ausdruck "Terafim" vielleicht ein wenig zu verbergen scheint, wird in der Folge durch die Worte Lawans deutlicher: "Warum stahlst du meine Götter?" (31,30) - welche sind die Götter Lawans?

Waren jene Figuren Symbole des Götzendienstes (so nach der Deutung von Rav Sa'adia Gaon), wobei Rachel die Absicht hatte, ihren Vater vom Götzendienst abzubringen (Raschi)? Oder handelte es sich dabei (nach der Deutung anderer Rischonim) um Hilfsmittel für Zauberei und Hellseherei (Ewen-Esra, Nachmanides, RaDaK)? In diesem Falle vollziehen sich hier der Auszug und die Befreiung aus dem Hause Lawan als ein Prozess der Befreiung von der Versklavung durch die menschliche Einbildung, die sich sicher wähnt, die Zukunft voraus sehen zu können.

Dieses Zerschlagen der Unterwerfung unter die Terafim kann eine lebenswichtige Aufgabe in unserer Zeit erhellen (Rabbiner A.J. Kuk, Orot Israel V,16).

5. Bildung der öffentlichen Meinung durch Wahrheit und nicht durch Gehirnwäsche

Heutzutage, besonders im Wahlkampf, finden besonders grobe Eingriffe seitens der Medien und der Politiker statt, um den Ausgang der Wahlen zu beeinflussen.

Eine ganze Industrie von Werbeagenturen und Meinungsforschungsinstituten überschwemmt uns mit Umfragen und dergleichen und schafft eine unterschwellige Abhängigkeit von ihrer Beeinflussung in einem immer stärker werdenden Ausmaß. Gerade zu einer Zeit, in der der Staat Israel und das Volk in Zion eine gründliche Klärung der eigenen Identität und ihrer Bestimmung benötigen ebenso wie den Aufbau einer ehrlichen und verantwortungsbewussten Führung, müssen wir uns an den Taten der Stammväter und -mütter orientieren und weiterhin mit großer Energie die "Terafim" zerschlagen.

Das moderne Gewand der Terafim wird nicht unsere Augen blenden und uns davon abbringen, ihre Verfehlungen zu kritisieren, und wenn wir wirklich am Leben hängen und echte Freiheit wünschen, dann dürfen wir nicht den Umfragen und Vorhersagen nachlaufen und g~ttbehüte auf jene Stimmung herein fallen, die sie so gerne erzeugen wollen.

6. "Einen G~tt außer mir wirst du nicht kennen" (Hoschea 13,4)

Auch die Haftara zu Parschat Wajeze kommt nicht ohne diese gründliche Klärung angesichts der Arroganz des Menschen aus, der sich einbildet, in der Welt der Herr im Haus zu sein und allwissend, sogar die Zukunft. Zu der Kette von Verdorbenheiten, auf die der Prophet Hoschea seinen Finger legt, erklärt er unmissverständlich: "Und ich bin der Ewige, dein G~tt, vom Lande Ägypten her, und einen G~tt außer mir wirst du nicht kennen" (s.o.). Dabei geht es nicht nur um die allgemeine und die individuelle Vorsehung, sondern um eine eindringliche Feststellung, die bis in die Tiefen aller Ebenen des Lebens reicht.

Nicht von ungefähr vervollkommnet sich der gesunde Glaube in den folgenden Versen: "Aschur kann uns nicht helfen... und nicht mehr nennen wir unseren Gott unserer Hände Werk" (14,4); das ist die höchste Befreiung von der Krankheit der Arroganz in ihren verschiedenen Erscheinungsformen (siehe Jeschajahu 2,6-22; Sota 4-5).

7. Die Befreiung von den Terafim findet auch in der geistigen und seelischen Bereitschaft zur Beendigung der Passivität und der übertrieben kritikfreudigen Einstellung ihren Ausdruck mit dem Ziel, für eine tiefgreifende Änderung der öffentlichen Angelegenheiten hin zu wirken. Wenn es mir gelingt, mich von jedem Flecken der medialen Überheblichkeit in allen ihren Schattierungen und Abarten zu reinigen, werde ich meine "ehrenamtliche" Tätigkeit als Staatskontrolleur beenden und mich s.G.w. dem Aufbau, der Rehabilitation und dem wirtschaftlichen Erfolg widmen - und dann werde ich vielleicht verstehen, dass wir hier eine Geburt vor uns haben.

Seien wir nicht wie die Ungeduldigen, die den langsamen Fortgang der Erlösung verabscheuen, und stehen wir nicht mit der Stoppuhr in der Hand, um heraus zu finden, in wieviel Sekunden alles nach unserem Willen geschieht, sondern seien wir bereit, die Schulter zu neigen und auch auf öffentlicher Ebene aktiv zu werden.

 
 

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