DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TRUMA
Nr. 756
6. Adar 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 25,1 - 27,19):

Sachspendenaktion zum Bau des Wüstenheiligtums (Bundeslade, Tisch der Schaubrote, Leuchter, Stiftszelt, umgebende Trennwand, Vorhänge, Altar), Maße und Anordnung der einzelnen Teile.

Haftara: Könige I, 5, 26-32, 6, 1-13

 

Der Stand der Dinge

Pflicht und Spende

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Der Mensch ist von Natur aus gut, wie es heißt: "G~tt hat die Menschen gerad' geschaffen" (Prediger 7,29), nur dass die "vielen Berechnungen" (ebda.) den Menschen dazu brachten, vom geraden Weg abzuweichen. Im daraus resultierenden Zustand ist es daher unmöglich, Fragen des moralischen Lebenswandels der willkürlichen Entscheidung der Menschen zu überlassen, und darum gab uns der Herr der Welt die Tora und ihre Gebote, die minimalen Anweisungen für den Menschen, die er im täglichen Leben erfüllen muss, wenn er sein moralisches Potential verwirklichen will.

Über die Verbindung zwischen der angeborenen Moral des Menschen und der Erfüllung von Tora und Geboten schrieb Rabbiner A.J.Kuk in seinem Buch Orot HaTschuwa (3,3): "Die natürliche Furcht vor der Sünde ist die gesunde menschliche Natur bezüglich der allgemeinen Moral". An anderer Stelle schrieb er: "Ganz allgemein besteht die Lehre der Noachskinder aus den Fundamenten der natürlichen Moral, und im gleichen Verhältnis steht die besondere israelitische Natur zu jeder Sünde und jedem Vergehen seitens der Tora und der Gebote, das Erbe der Gemeinde Jakovs" (Ejn Aja Schabbat). Weiter heißt es dort: "Und diese Natur kehrt nur durch das Torastudium der Massen zu den Israeliten zurück, Torastudium zur Mehrung von Toragelehrten, und Torastudium in Form von täglich festen Zeiten des Lernens der breiten Masse, denn Israel kann unmöglich zu seiner ursprünglichen Stärke zurück kehren, sein natürliches Leben zu leben, außer wenn ihm seine geistige Natur in ihrer ganzen Größe wieder ersteht".

Neben der Pflicht, ein System von Gesetzen einzuhalten, kann die menschliche Gesellschaft ihr Leben nicht nur auf das Recht alleine stützen nach dem Leitspruch "Was ist meine Pflicht, dass ich sie tue". Dazu heißt es im Talmud: "Jerusalem ist nur deshalb zerstört worden... weil sie Recht genau nach der Tora sprachen und nicht innerhalb der Rechtslinie verblieben" (Baba mezia 30b). Darum dürfen sich der einzelne Mensch und auch nicht die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit mit dem Buchstaben des Gesetzes begnügen, sondern müssen die Freiwilligkeit erwecken, über die Rechtslinie hinaus zu wirken.

Bei der Aufstellung des Wüstenheiligtums fällt die Bedeutung der freiwilligen Spenden auf, ohne die das ganze Unternehmen unmöglich gewesen wäre, und darum setzte die Tora die Freigiebigkeit des Herzens als Vorausbedingung für die Beiträge zum Wüstenheiligtum an erste Stelle: "..von jedem, den sein Herz dazu treibt, nehmet meine Hebe" (Ex. 25,2). Bei dieser Spendenfreudigkeit begnügte sich die Tora nicht mit Geldspenden zur Errichtung des Wüstenheiligtums, so wie noch beim Gebote vom "halben Schekel" - "zwanzig Gera der Schekel" (Ex. 30,13) - vielmehr wurden die Israeliten beim Bau des Wüstenheiligtums um Sachspenden gebeten, die direkt zum Bau verwendet werden konnten, wie z.B. Gold, Silber und Kupfer, purpurblaues, purpurrotes und karmesinfarbenes Garn, Byssus und Ziegenhaare; rotgefärbte Widderfelle und Tachaschfelle und Akazienholz, obwohl sie Geld zum Ankauf all dieser Dinge hätten spenden können.

Die Forderung von Sach- anstelle von Geldspenden erklärte der Magid von Dubnow folgendermaßen: Beim Bau des Wüstenheiligtums wollte G~tt vor allem die Freigiebigkeit des Herzens sehen, den guten Willen der israelitischen Allgemeinheit, so wie es beim salomonischen Tempel heißt: "Ein Ruhebett machte sich der König Schlomo... Seine Säulen machte er silbern, seine Decke golden... sein Inneres ausgelegt mit Liebe von einer der Töchter Jerusalems" (Hohelied 3,9-10). Damit ist gemeint, dass diese Liebe in den Baumaterialien zum Ausdruck kommen muss. Weil das Wüstenheiligtum durch Spendenfreude erbaut wurde, hatten die Feinde keine Macht darüber, wie im Midrasch Elijahu raba (§25) mitgeteilt wird: "Und warum ist das Wüstenheiligtum bis auf den heutigen Tag vergraben? Weil es von den Rechtschaffenen durch Freigiebigkeit des Herzens geschaffen wurde, und es fällt G~tt schwer, das ganze Werk der Freigiebigkeit des Herzens von den Rechtschaffenen zu vernichten, und in der kommenden Zukunft wird G~tt in ihm weilen wie ehedem", und so heißt es auch im Midrasch hagadol: "Das Heiligtum, das sie aus vollem Herzen spendeten, wurde nicht vom bösen Blick bezwungen, der Tempel jedoch [sowohl der erste als auch der zweite], der nicht aus vollem Herzen gespendet wurde, geriet unter die Hand der Feinde".

Am Schabbes-Tisch...

Die göttliche Präsenz zwischen ihnen

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

"Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich in ihrer Mitte wohne" (Ex. 25,8). Die Kommentatoren befassten sich eingehend mit diesem Vers, welche Absicht G~tt mit diesem Gebot zum Bau eines Heiligtums/Tempels hatte und was er damit wollte, und wie er darin wohne? Rabbiner Jizchak Abarbanel schrieb: "Hier wird klar, dass die Absicht G~ttes bei der Anfertigung des Heiligtums und seiner Geräte dazu diene, dass mithilfe seiner Heiligkeit und Vorbereitung dazu die göttliche Präsenz unter den Israeliten weile... und der Nutzen aus der Anwesenheit der göttlichen Präsenz bei ihnen, damit ihnen die göttliche Vorsehung und sein Schutz zuteil werde, damit sie nicht glaubten, G~tt habe die Erde verlassen... sondern in ihren Seelen einzugraben, dass G~tt in ihrem Lager wandele" (zu Ex. 25). Die Kommentatoren wiesen darauf hin, dass es hier nicht "..damit ich darin wohne" heißt, sondern "in ihrer Mitte", d.h., die göttliche Präsenz wohnt in jedem einzelnen Juden, oder mit anderen Worten: in jeder jüdischen Seele ruht ein göttlicher Funke, ein "Teil G~ttes von droben" (Ijow 31,2), und damit kommt sein Wohnen im Heiligtum zum Ausdruck. Damit wird die Absicht der talmudischen Weisen bei ihrem Ausspruch verständlich: "Rabbi Akiva trug vor: Wenn Mann und Frau würdig sind, so weilt die Göttlichkeit zwischen ihnen" (Sota 17a). Da doch die göttliche Präsenz eigentlich im Tempel wohnt oder auf der Allgemeinheit Israels ruht - was hat sie dann, die es mit so großen und erhabenen Dingen hält, in der einfachen Lebenswirklichkeit zwischen Mann und Frau zu suchen? Und wenn man schon so redet, dann müsste es doch "in ihnen" und nicht "zwischen ihnen" heißen? Dazu erklärte Rabbiner Moscheh Bleicher in seinem Buch Schechina benejhem: "..die talmudischen Weisen lehren uns, dass die göttliche Präsenz, jenes göttliche Ideal, jene lebendige allgemeine Seele in der gesamten Nation ruht und wohnt - und sie erscheint und offenbart sich in konzentrierter Weise in dieser besonderen Schöpfung von Ehemann und Ehefrau. Das bedeutet, dass die Verbindung zwischen Mann und Frau nicht von ihnen ausgeht, von einer äußerlichen Kompatibilität, die zwischen ihnen besteht, vielmehr stammt sie aus dem Wesen der göttlichen Seele, die in ihnen lebt und sie zur Vereinigung miteinander treibt. Die G~ttheit zwischen ihnen - das bedeutet, dass die G~ttheit zwischen ihnen verbindet, sie zur Vereinigung treibt und sie dazu bringt, einander zu heiraten. Vom göttlichen Ideal her erscheinen in den Herzen von Mann und Frau das Bestreben zur Vereinigung und das Gefühl der Liebe, entsteht der Trieb und der starke Wille, die Verbindung aufzunehmen, sich zu vereinigen und ein gemeinsames Leben aufzubauen" (S.41). Wenn den beiden dies als Fundament ihrer Beziehung bewusst ist, werden sie sich mehr und mehr damit beschäftigen, diese Inhalte in ihrem Leben umzusetzen und sich nicht mit Kleinlichkeiten abgeben. Der Weg dorthin, schreibt Rabbiner Bleicher, führt "über die sympathische Beziehung zwischen dem Mann und der Frau, jeder Ausdruck der Einheit, alle die einfachen und normalen Dinge, die zu einer positiven Beziehung zwischen den Eheleuten führen, jede einfache Begegnung, jedes Lächeln, jede Aufmerksamkeit bringen sie zum Ausdruck und bauen langsam aber sicher, unmerklich, jene tiefe Eigenschaft der Einheit" (S.43). "Jene einfachen und kleinen Handlungen und ihre einfache Sympathie nähren, entwickeln und produzieren die tiefe Eigenschaft der Einheit zwischen den Eheleuten mehr als alle Gedanken, alles Gerede und alle Diskussionen zwischen ihnen über ihre Verbindung" (S.65).

Die talmudischen Weisen vermerkten, wie die göttliche Präsenz in den Zelten der Stammmütter ruhte; dafür gab es drei besondere Zeichen. Als Sara im Zelt war, fand sich der Segen im Teig, ein Licht leuchtete vom Vorabend des Schabbat bis zum Vorabend des nächsten Schabbat, und eine Wolke war über dem Zelteingang angebunden. Als sie starb, verschwanden diese drei Zeichen, und als Riwka ins Haus kam, kehrten sie wieder (Midrasch raba). Beim Wüstenheiligtum und im Tempel erschienen folgende Dinge: Das Wunder der Schaubrote, die während der Woche ihrer Aufbewahrung im Heiligtum frisch blieben - entsprechend dem "Segen im Teig", die westliche Lampe [der Menora], die ununterbrochen brannte und "ein Zeugnis abgab über die Anwesenheit der göttlichen Präsenz in Israel" (Schabbat 22b), entsprach dem Licht im Zelte, und die Wolke, die das Stiftszelt bedeckte - "und die Herrlichkeit des Ewigen füllte die Wohnung" (Ex. 40,34). Und zum Thema, was denn den Segen in das jüdische Heim brächte, lehrten die Weisen, die Hausherrin müsse bei drei Dingen besondere Vorsicht walten lassen: Challa, Nida und dem Zünden der Lichter (Schabbat 2.Kap.), deren Anfangsbuchstaben kombiniert "Chana" ergeben (angedeutet im Brauch der Chena vor der Hochzeit, z.B. bei den jemenitischen Juden), genau die drei Zeichen in den Zelten unserer Stammmütter. Challa - das ist der "Segen im Teig" bei Sara. Zünden der Lichter - das ist das Licht, das die ganze Woche über brannte, und Nida, das Hüten der Reinheit und der Sittlichkeit des Ehelebens sowohl im Hause als auch außerhalb ist es, was die göttliche Präsenz herbei bringt, die durch die "am Zelteingang angebundene Wolke" symbolisiert wird. Und heute, da die göttliche Präsenz an ihrem vollen Erscheinen im "großen und heiligen Hause" gehindert ist, muss sich jedes Ehepaar besonders anstrengen, sie in ihrem privaten Heiligtum zum Erscheinen zu bringen, nämlich aus dem Verständnis heraus, dass es die göttliche Präsenz ist, die beide Ehepartner miteinander verbindet, und genau die sollten sie in ihrem Alltag offenbaren, unter Wahrung der gleichen Prinzipien, wie es die Stammväter und -mütter in ihren Zelten taten. Dadurch wird ihnen ein gutes und glückliches Leben von Liebe und Brüderlichkeit, Frieden und Freundschaft zuteil werden.

 

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