DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Gen. 23,1-25,18):
Unsere Stammmutter Riwka spürte schon während der Schwangerschaft Unterschiede zwischen ihren Zwillingssöhnen. "Als aber die Kinder sich stießen in ihrem Leibe.." (Gen. 25,22) - als sie am Lehrhaus von Schem und Ewer vorbei kam, wollte Jakov heraus kommen, und als sie an einem Götzentempel vorbei kam, wollte Eßaw heraus kommen (siehe Raschikommentar). Auch bei ihrer Geburt stellte Riwka einen Unterschied fest: "Und es kam der erste heraus, rot, ganz wie ein Haar-Mantel" (25,25), ein Zeichen, dass er einst Blut vergießen werde. Und noch deutlicher, als die Jungen größer wurden: "Und die Knaben wuchsen, und es ward Eßaw ein jagdkundiger Mann, ein Mann des Feldes, aber Jakov ein schlichter Mann, wohnend in Zelten" (25,27). Noch als kleine Kinder war nach dem Raschikommentar nichts Besonderes an ihrem Verhalten fest zu stellen, und niemand nahm es mit ihnen so genau, doch als sie dreizehn Jahre alt wurden, wandte sich der eine dem Lehrhaus zu, und der andere der Vielgötterei. Als sie erwachsen wurden, offenbarte sich der böse Kern von Eßaw, als er sich vornahm, seinen Bruder Jakov zu töten, wie es heißt: "Und Eßaw fasste einen Groll gegen Jakov wegen des Segens, womit sein Vater ihn gesegnet, und Eßaw sprach in seinem Herzen: Es werden die Tage der Trauer um meinen Vater heran kommen - dann will ich meinen Bruder Jakov erschlagen" (27,41). Schon während ihrer Schwangerschaft wusste Riwka dank ihrer prophetischen Gabe, dass es hier nicht nur um zwei Kinder ging, die aus ihr hervor gehen werden, sondern um zwei Reiche: das Reich Israels und das Reich der Nationen der Welt, wie geschrieben steht: "Und der Ewige sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Leibe, und zwei Nationen werden sich aus deinem Schoße scheiden; und eine Nation wird mächtiger als die andere, und der ältere wird dem jüngeren dienen" (25,23). Raschi: "und zwei Nationen (leomim) - unter leom ist nichts anderes als Herrschaft zu verstehen. Wird stärker sein als die andere Nation - sie werden nicht gleich sein an Größe; wenn der eine sich erhebt, sinkt der andere; so heißt es (Jech. 26,2) ich fülle mich von der zerstörten; Zor [die Völker der Welt] füllte sich nur an der Zerstörung von Jeruschalajim", und das Gegenteil, wenn Israel wieder ersteht und Jerusalem aufgebaut wird. Nach dem Stand der Dinge können wir uns kaum glücklicher schätzen, und für unseren guten Anteil, unser angenehmes Schicksal und unser schönes Erbe dankbar sein, wie wir mit eigenen Augen das Wiedererstehen Israels ansehen, das Einsammeln der Verstreuten und den Aufbau Jerusalems. Zwar ist der Prozess der Wiederbelebung des Volkes Israels noch nicht vollendet, wir befinden uns noch mitten drin - und darum versuchen die Völker der Welt, von denen es heißt: "Man weiß, dass Eßaw Jakov hasst" (siehe Raschi zu Gen. 33,4), den Ablauf der Erlösung zu behindern. Nur eine Generation zurück, in Europa, erstanden die Nazis als Erben Amaleks aus dem Hause Eßaw und ermordeten sechs Millionen Juden. In unseren Tagen weht der Geist Amaleks aus dem Iran zu uns herüber. Im selben Lande, wo der böse Haman versuchte, alle Juden zu vernichten und zu töten, erhob sich ein alt-neuer Plagegeist und gibt die gleichen Erklärungen ab. Er versucht sich auch an der Herstellung von Atombomben und anderen Massenvernichtungsmitteln mit dem Ziel, die Zuflucht im Lande Israel zu vernichten, was ihm nicht gelingen wird. Selbst im Lande unseres Lebens erheben sich die Araber und bemühen sich, unsere Wiedererstehung zu verhindern, mit ihren Versuchen, einen arabischen Staat im Herzen unseres Landes zu gründen, wobei ihr ganzes Streben der Vernichtung unseres Staates gilt. Leider werden sie dabei von der Europäischen Gemeinschaft politisch und wirtschaftlich unterstützt, und man lässt ihnen und auch den jüdischen Befürwortern der Teilung unseres Landes hunderte von Millionen zufließen, womit sie zu ihrer Schmach und Schande die Bestrebungen fort setzen, die die Deutschen in der Schoa begannen. Doch sowohl die einen als
auch die anderen hatten keinen Erfolg und werden auch keinen Erfolg haben,
ihre bösen Pläne zu verwirklichen, und bald möge sich an
uns erfüllen: "Und es ziehen hinauf die Sieger auf den Berg Zion,
zu richten den Berg Eßaw, und des Ewigen wird sein das Königtum"
(Ovadia 1,21); dadurch werden alle Erdenbewohner erkennen, dass der Ewige,
G~tt Israels, König ist, und sein Reich herrscht über Alles (Psalm
103).
Die drei Tempel Rabbiner Moscheh ben Nachman ("Nachmanides", aus der Periode der Rischonim vor etwa 800 Jahren) lehrte uns eine wichtige Regel, die uns viele Abschnitte in der Tora verstehen hilft. So schrieb er (in seinem Kommentar zu Gen. 12,6): "Ich sage dir eine Regel, und verstehe sie bei allen Abschnitten über Awraham, Jizchak und Jakov, eine große Sache, die unsere Lehrmeister nur kurz andeuteten - sie sagten, alles, was den Vätern geschah, ist ein Zeichen für die Nachkommen. Darum wurden die Geschichten von den Wanderungen, dem Graben der Brunnen und der anderen Vorfälle so ausführlich aufgeschrieben, wobei man ja auf den Gedanken kommen könnte, sie seien gänzlich überflüssig und unnütz. Doch alle lehren von der Zukunft, und wenn einem Propheten so etwas von den drei Vorvätern vorkommt, wird er es auf von der Vorsehung bestimmte Auswirkungen für deren Nachfahren untersuchen... Darum erhielt G~tt Awraham im Lande und ließ ihn Gleichnisse durchleben für alles, was er in Zukunft an seinen Nachfahren vollführen werde". Im Verlaufe des ganzen Buches Bereschit (Genesis) zeigte uns Nachmanides Dinge auf, die den Vorvätern geschahen und sich später im Volke Israel wiederholten. So z.B. bei der Reise Awrahams nach Ägypten wegen der Hungersnot, die Entführung Saras, der Ausschlag Pharaos und seines Haushaltes, und die Rückkehr Awrahams nach dem Lande Israel mit reichem Besitze - all dies "eine Andeutung für die Auswanderung seiner Nachkommen nach Ägypten wegen der Hungersnot, um dort im Lande zu wohnen, und die Ägypter verhielten sich schlecht ihnen gegenüber, nahmen ihre Frauen, wie es heißt: '..aber jegliche Tochter erhaltet am Leben' (Ex. 1,22)... und G~tt vergalt es ihnen mit großen Plagen, bis dass [die Israeliten] mit Silber und Gold und Klein- und Rindvieh auszogen... es fehlte nichts von allem, das dem Vorvater geschah und sich nicht an den Kindern wiederholte". Auf diese Weise erklärte Nachmanides in unserem Wochenabschnitt die Geschehnisse um Jizchak beim Graben der Brunnen und den Streit mit den Philistern; auf den ersten Blick, schrieb Nachmanides, "birgt die Geschichte dem einfachen Wortlaut nach keinen Nutzen und bedeutet keine große Ehre für Jizchak... doch hat die Sache einen verborgenen Inhalt, der auf zukünftige Geschehnisse anspielt". Dazu erklärte Nachmanides, dass "der Brunnen lebendigen Wassers auf das Haus G~ttes hinweist, das die Nachkommen Jizchaks schaffen werden". Damit wurden unsere drei Tempel angedeutet. "Und nannte den ersten Essek (Zank), ein Hinweis auf den ersten Tempel, eine Periode von Zank, Streit und Kriegen, bis sie ihn zerstörten. Und der zweite [Brunnen] wurde Sitna (Verleumdung) genannt, ein schlimmerer Name als der erste, und dieser deutet auf den zweiten Tempel hin, wie der Name in der Schrift erscheint: Und unter der Regierung des Achaschwerosch, im Anfange seiner Regierung, schrieben sie eine Verleumdung (Sitna) wider die Bewohner Jehudas und Jeruschalajims (Esra 4,6), und alle seine Tage waren von Verleumdung gekennzeichnet, bis sie ihn zerstörten und von ihm entfernt wurden in schlimmes Exil. Und der dritte wurde Rechowot (Weiten) genannt, das ist der zukünftige Tempel, der baldmöglichst in unseren Tagen erbaut werden möge, und der wird ohne Streit und Zank erstehen, und G~tt weite unsere Grenzen... und es steht über den dritten Tempel: Und immer breiter ward es rund herum in der Höhe (Jecheskel 41,7), und wir werden gedeihen im Lande, und alle Völker werden [G~tt] einmütig dienen". Wenn wir die Wochenabschnitte der Tora lesen und wissen, dass es das ist, was sie uns andeuten wollen, fassen wir Glauben und Vertrauen, denn so wie uns bereits die meisten Dinge geschahen, die sich bei unseren Vorvätern ereigneten, werden sicher auch die restlichen bald eintreten und wir werden erleben, wie uns G~tt zum Bau des dritten Tempels vorbereiten wird, denn wir müssen wissen, dass "die Zeichen, die uns der Torageber übermittelt, eigenständige und wesentliche Zeichen sind. Die Taten der Vorväter - ein Zeichen für die Nachkommen, damit ist kein äußerliches Zeichen gemeint. Die Vorväter und ihre Nachfahren bilden eine Einheit, und darum gehören die Schritte unseres Vorvaters Awraham und seine Taten in unsere Wirklichkeit ["Auf, wandle durch das Land nach seiner Länge und nach seiner Breite, denn dir werd' ich es geben", Gen. 13,17]. Alles ist miteinander verbunden. Die Schritte Awrahams haben einen göttlichen Wert in allen Generationen. Sie sind ein Zeichen in großem Sinne, ein wesentliches Zeichen, eine Offenbarung der existenziellen Wirklichkeit der Allgemeinheit Israels. Der ganze Sinn des Buches Bereschit, der ganze Sinn unserer Vorväter, alles ist eine existenzielle Angelegenheit der Allgemeinheit Israels. Je mehr wir uns mit diesem Wunder beschäftigen und darin vertiefen, das da heißt: Vorvater Awraham, Vorvater Jizchak und Vorvater Jakov, wird uns vergönnt sein, mehr und mehr unsere eigene existenzielle, göttliche Wirklichkeit zu erkennen" - so lehrte uns Rabbiner Zwi Jehuda Kuk ("Gespräche zum Buche Bereschit", S.203), wie die Geschichten von den Vorvätern anzusehen und zu verstehen sind. Der Berg Moriah Der Tempelplatz war schon zur Zeit unserer Vorväter als heiliger Ort bekannt und wurde von ihnen zum Dienst und zum Gebet genutzt. So finden wir, dass Awraham zum großen und erhabenen Ereignis der Bindung Jizchaks zum Berge Moriah geschickt wurde, und nach dem Bestehen dieser Prüfung betete er, dass dieser Ort zu einem festen Standort der göttlichen Präsenz werden möge, wo der Tempel erbaut werde, wie er sagte: "Der Ewige wird ersehen; wie man noch heute sagt: Auf dem Berge des Ewigen wird er gesehen" (Gen. 22,14), und im Raschikommentar heißt es dazu: "Der Ewige wird diesen Ort erwählen und sich ausersehen, seine Gegenwart daselbst wohnen zu lassen und Opfer daselbst darbringen zu lassen". Auch über Jakov heißt es bei seiner Ausreise nach Charan: "Da stieß er auf einen Ort" (Gen. 28,11) - Raschi: "Das ist der Berg Moriah", und die talmudischen Weisen fügten hinzu, dass Jakov beim Erreichen von Charan sagte: "Es ist nicht schicklich, dass ich an einem Ort vorüber gegangen bin, an dem meine Vorfahren ein Gebet verrichtet haben, ohne da ein Gebet verrichtet zu haben. Nachdem er umzukehren beschlossen hatte, zog sich ihm der Weg zusammen, und sofort stieß er auf den Ort" (Sanhedrin 95b). Und woher wissen wir, dass auch Jizchak dort betete? Zwar war er dort bei seiner Bindung, aber wann ging er speziell dort hin, um zu beten? In den Pirke de Rabbi Elieser (§32) zum Vers in unserem Wochenabschnitt "Und Jizchak betete zum Ewigen für seine Frau, denn sie war unfruchtbar" (Gen. 25,21) steht: "Rabbi Jehuda sagt: Nach zwanzig Jahren (seit er Riwka geheiratet hatte) nahm Jizchak [sie] und ging mit ihr zum Berge Moriah, dem Ort, an dem er gebunden worden war, und betete dort um ihre Schwangerschaft". Von den Taten unserer Vorväter
wollen auch wir, die Nachfahren etwas lernen, und wenn wir auch momentan
über keinen Tempel verfügen, so kommt doch unsere Generation
schon sehr nahe - die Westmauer ist in unseren Händen, von der die
göttliche Präsenz niemals weicht, und es ist uns geboten, gerade
an diesen Ort zu kommen und dort zu beten, sowohl um allgemeine Dinge wie
z.B. die Stärkung der Bestrebung zum Neubau des Tempels, als auch
um private Angelegenheiten. Jeder Mensch ist verpflichtet die Zeit zu finden,
wenigstens einige Male im Jahr zu kommen (je öfter, desto besser...)
und sich mit seinem Schöpfer ganz privat zu treffen, und aus dieser
Bestrebung und dieser Sehnsucht zum Orte des Heiligtums mögen wir
bald den Tempel neu erbaut sehen, amen, so G~tt will.
Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
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MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
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