DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TEZAWE
Nr. 757
13. Adar 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20 - 30,10):

Die Priester - Aharon und seine Söhne; Priesterkleidung und -ausstattung; besondere Opfer und Amtseinführung; das tägliche Opfer; Opferdienst nur im Heiligtum und nur durch Priester; der Räucheraltar und der Dienst des Räucherwerkes im Heiligtum.

Haftara: Schmu'el I, 15, 1-34

 

Donnerstag: Fasten Esther

Schabbat Sachor

Sonntag (+Montag) : Purim

 

Der Stand der Dinge...
Krieg gegen Amalek
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR


Eines der Gebote lautet, am Schabbat vor Purim den Abschnitt "Gedenke was dir Amalek getan auf dem Wege bei eurem Auszuge aus Ägypten" (Dt. 25,17-19) aus der Tora zu lesen. Und was hat er uns getan? "Der dich auf dem Wege anfiel und deinen Nachtrab erschlug, all die Schwachen hinter dir, du aber warst matt und müde" (ebda.). Raschi: "anfiel (karcha) - kar und cham, Kälte und Hitze, er hat dich abgekühlt und deine Siedehitze lauwarm gemacht; denn die Völker hatten sich gefürchtet, euch anzugreifen; da kam dieser und fing an und zeigte anderen den Weg; das gleicht einem siedenden Kessel, in den kein Mensch steigen kann; da kommt ein Nichtswürdiger und springt hinein; obschon er sich verbrennt, so hat er ihn doch vor den anderen kalt gemacht".

Beim Auszug aus Ägypten erkannten und wussten Israel und die Völker, die die Wunder des Auszuges gesehen hatten, dass das Volk Israel als der Erstgeborene des Schöpfers gilt - und wehe jenem, der ihnen auflauerte und sie bekämpfte, bis dass die Nationen von Angst und Furcht, ja Lähmung erfasst wurden, wie es im "Lied am Meer" heißt: "Es hören's die Völker, sie beben: Zittern ergreift die Bewohner Peleschet. Da erschrecken die Stammfürsten Edoms, die Mächtigen Moaws, sie ergreift Beben, vor Angst aufgelöst sind alle Bewohner Kana'ans. Es falle über sie Schrecken und Angst; an der Größe deines Armes erstarren sie wie Stein" (Ex. 15,14-16). Da kam Amalek und brachte einen Zweifel in die Herzen der Völker und eines Teils des Volkes Israel - sind die Israeliten wirklich das vom Herrn auserwählte Volk? Ist es wirklich unmöglich, gegen Israel zu kämpfen und ihnen Böses zu tun? Das Ziel Amaleks war das Säen von Zweifel, Zweifel an der Einzigartigkeit und am Vorzug des Volkes Israel. So gleicht der Zahlenwert der Buchstaben Amaleks (=240) dem Zahlenwert des Wortes Safek (Zweifel). Amalek gehört zu den Nachkommen Eßaws des Bösewichts, ein Feind Israels - er versuchte, Eßaws Testament zu erfüllen, der uns bis auf die Knochen hasste. Seine Ursprünge jedoch sind auf die Urschlange zurück zu führen, die das Gift des Zweifels in die Herzen von Adam und Chawa gab, als sie vom Baum des Wissens von Gut und Böse aßen - hatte G~tt die Welt wirklich zum Guten geschaffen, oder ist die Welt, in der wir leben, vielleicht böse? Das brachte schließlich dunkle Traurigkeit über die Seele und über die ganze Menschheit. Die Schlange wollte G~ttes Licht in der Welt auslöschen, und dieses Licht will auch Amalek auslöschen, das sich in der Welt durch das Volk Israel offenbart.

Nach dem Stand der Dinge müssen wir uns vergegenwärtigen, dass auch in unserem Zeitalter die Nachfolger Amaleks am Werke sind, die wie Haman das jüdische Volk vernichten wollen und Zweifel in den Herzen der Völker und Israels an unserer Einzigartigkeit als durch den Schöpfer auserwähltes Volk zu säen, das der Welt Licht und Güte bringen soll.

Und darum kämpfte Jehoschua bin Nun beim Auszug aus Ägypten gegen Amalek und besiegte ihn. Auch gegen Ende des babylonischen Exils plante Haman der Bösewicht die Vernichtung aller Juden, und es geschah ein Wunder, so dass er und seine Söhne am Galgen endeten. Aber in unserer Zeit, im Zeitalter der Wiedererstehung der jüdischen Nation, erhob sich ein Monstrum in Deutschland, plante und führte aus den Mord an sechs Millionen Juden, möge G~tt ihr Blut rächen. Und in diesen unseren Tagen plant ein anderer Hasser die Vernichtung des Staates Israel durch Atomwaffen, er schickt seine Handlanger und Mittelsmänner im Libanon und in Gasa, Hisbollah und Hamas, die uns mit Raketen beschießen, um der Welt zu zeigen, dass es möglich ist, Israel zu provozieren und zu erniedrigen und das Licht zu löschen, das vom heiligen Lande ausgeht. Wir müssen uns darum wieder aufrichten und mit aller Macht unserer Verteidigungsstreitkräfte jene bekämpfen, die uns vernichten wollen. Dadurch wird sich an uns das göttliche Versprechen erfüllen, das bereits Jehoschua gegeben wurde, wie es heißt: "Und der Ewige sprach zu Moscheh: Schreibe das zum Andenken in das Buch und tue es Jehoschua kund: dass ich das Andenken Amaleks auslöschen will soweit der Himmel reicht... Weil seine Hand wider den Thron G~ttes, darum führt Krieg der Ewige wider Amalek von Generation zu Generation" (Ex. 17,14/16).

Gut Purim, und in Erwartung der vollkommenen Errettung,
Rav Dov Begon


Kinder, Kinder...
 

Offener Brief zu Purim
 
 

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

Wie feiern wir Purim? Endlich ist es da - das Purimfest. Sehnsüchtig erwartet, hoffnungsfroh herbei gewünscht steht es vor der Tür. Wir hatten recht mit unseren großen Erwartungen, weil es wirklich ein Sphären verwurzelt ist, bis dass es die Kabbalisten mit Jom Hakippurim verglichen. Darum darf man es nicht "verpassen", es vorüber gehen lassen, ohne einen Nutzen daraus gezogen zu haben, ohne aus der Begegnung mit ihm etwas gelernt zu haben, ohne unsere geistige Welt bereichert zu haben.

I. Festfreude

1. Was macht uns Freude? Dazu antwortet der Midrasch: "Es steht geschrieben: Diesen Tag hat der Ewige geschaffen, lasst uns jubeln und uns freuen an ihm (Psalm 118,24), [an ihm - ] nun wissen wir noch nicht, woran sich zu freuen, am Tag oder am Heiligen, gelobt sei er? Das erklärte [König] Schlomo: Wir wollen froh sein und jubeln mit dir (Hohelied 1,4), und auch: Wonniglich freue ich mich des Ewigen" (Jeschajahu 61,10; Jalkut Schimoni). Manche glauben, weil uns ein Wunder an einem bestimmten Tag geschah, reicht es, jedes Jahr an diesem Datum ein Freudenfest abzuhalten ("am Tag"). Das ist aber ein Irrtum: diese statische Freude reicht nicht, die Freude muss auch eine bestimmte Zielrichtung und Bedeutung haben - Freude an G~tt. Wie freut man sich an G~tt? Wir freuen uns an seiner Nähe, wir freuen uns in Liebe zu G~tt und an seiner Liebe an uns, an seinem Verhältnis zu uns, an der Annäherung, mit der er uns sich annähert; an der göttlichen Rettung.

2. Die Menschen neigen dazu, ihre Nächsten an ihrer Freude zu beteiligen, Freude mit ihnen zu teilen. Das ist die Basis für das Gebot Mischloach manot (Versendung von Leckerbissen) - eine Freude, bei der sich Alle mit Allen freuen. Manche glauben allerdings irrtümlich, dass diese Freude auch das Lachen über Andere beinhaltet, z.B. jemanden rein zu legen, "in den April zu schicken", um ein Lachen zu erzeugen. Anstatt sich mit den anderen zu freuen, freuen sie sich auf Kosten anderer. Nicht nur, dass sie damit die erwünschte Freude verfehlen, sie erreichen genau ihr Gegenteil. Die innerliche Freude muss sich vom Menschen auf seine Umgebung übertragen, darf sich aber nicht in Giftpfeile verwandeln, mit denen die Umgebung geärgert wird.

3. Eines der Gebote dieses Tages ist das Erfreuen anderer, und zwar in Gestalt des Gebotes der Armengeschenke. Nicht nur Freude mit dem Nächsten teilen, sondern Freude bei jenen erwecken, die sonst keinen Anteil an ihr haben. So heißt es bei Maimonides: "Es gibt keine größere und prächtigere Freude als das Erfreuen der Herzen der Armen, der Waisen, der Witwen und der Konvertiten, denn wer das Herz jener Unglücklichen erfreut, ähnelt der göttlichen Präsenz, wie es heißt: ..zu beleben den Mut der Gebeugten und zu beleben das Herz der Niedergeschlagenen" (Jeschajahu 57,15; Gesetze von der Megilla 2,17). Freue dich darum mit deinen Freunden und deinen Bekannten, aber vergiss dabei nicht jene, die nichts zu lachen haben. Die Pflicht des Erfreuens bezieht sich hauptsächlich auf jene Letztgenannten.

II. Wein

Ein Sprichwort besagt: "Wenn Wein hinein geht, kommt das Geheimnis heraus" (Eruwin 65a, Sanhedrin 38a). Erklärung: Der Wein legt das Innenleben offen. Darum eile dich nicht mit dem Weintrinken, wenn dein Innenleben nicht rein ist. Wenn der Weingenuss Schätze von erhabenen Gedanken und edlen Bestrebungen offenbart, die in dir verborgen waren, dann nur zu, trinke Wein und offenbare deine Geheimnisse. Wenn der Wein dich aber dazu bringt, Unsinn heraus zu würgen, Dummheiten und Schlimmeres, dann versuche erst gar nicht, dich zu betrinken. Warte geduldig ab, bis sich dein Innenleben geläutert und dich gereinigt hat, und lass den Wein erst dann dein Geheimnis offenbaren.

III. Nacht und Tag

Die Gebote von Purim sind am Tage auszuführen. Wer es am Abend oder in der Nacht tut, hat seine Gebotspflicht nicht erfüllt. Eine Ausnahme bildet das Lesen der Estherrolle, das am Abend statt findet und am Tage wiederholt wird. Doch auch hierbei liegt das Schwergewicht des Gebotes auf dem Lesen am Tage. Auch die Festfreude, das Festmahl und der Weingenuss müssen tagsüber abgehalten werden, am Abend erfüllt man damit keinerlei Gebotspflicht, wie es ausdrücklich im Schulchan Aruch heißt (O.C. §695,1): "Wer das Purimmahl in der Nacht abhielt, hat seine Pflicht nicht erfüllt", doch Rabbiner Moscheh Isserles fügte hinzu: "Trotzdem freue man sich auch am Abend und mehre ein wenig seine Mahlzeit". Diese Weisung soll nicht den Schwerpunkt der Gebotsordnung verschieben: die Hauptsache bleibt der Tag - und ein wenig bei Nacht. Darum muss man sehr darauf achten, dass dieses "wenig" nicht die Festfreude am Tage beeinträchtigt. Wer die ganze Nacht auf Purimparties verbringt und dabei Unmengen von Wein konsumiert, gefährdet die Festfreude am Tage, die schließlich das Hauptgebot darstellt. Wie das? Es ist sehr zu bezweifeln, dass er am Tage auf seinen Beinen stehen kann, ob er am Tage überhaupt noch einen Tropfen Wein zu sich nehmen und das Gebot der Festfreude erfüllen kann. Darum muss man die Verhältnismäßigkeit einhalten, die das Gesetz vorgab: die Hauptsache am Tage, und etwas am Vorabend.

IV. Das Lesen der Megilla

Jedem Juden ist es geboten, die Megilla zu lesen oder ihrer Lesung zuzuhören. Es gibt viele Arten des Zuhörens, doch das Minimum, das man von einem intelligenten Menschen erwarten kann, ist das Folgen des Fortgangs der Ereignisse in der Megilla, das Erfassen des Ablaufs der Geschehnisse und in alledem das Erkennen der Hand G~ttes, die die menschliche Geschichte und die Generationen des jüdischen Volkes lenkt. Das ist nur möglich, wenn man die Megilla kontinuierlich liest. Wenn das Lesen aber ständig durch ausgiebiges "Hamanschlagen" unterbrochen wird, ist es unmöglich, richtig zuzuhören und sich den Inhalt der Megilla vorzustellen. Jeder Vers steht für sich alleine, manchmal hört man nur zusammenhanglose Worte. Durchblick und tieferes Verständnis - Fehlanzeige. Darum ist das "Hamanschlagen" auf ein vernünftiges Maß zu begrenzen, um so das Gebot der Megillalesung vorschriftsmäßig zu erfüllen.

V. Gefahr

Lebensgefahr verdrängt alle Gesetze der Tora, sogar die Purimgebote. Darum gibt es auch an Purim keinerlei Erlaubnis, sich in Gefahr zu begeben. Keine Knallkörper und kein Alkohol am Steuer.

Zurück zum Anfang: Der Hauptinhalt des Purimfestes ist die Freude an G~tt. Das ist keine schwere Aufgabe, wenn man sich ihr bloß bewusst ist. Lasst die Freude nicht uns beherrschen und den Herrn der Welt vergessen machen, vielmehr wollen wir Freude mehren in Anhänglichkeit an G~tt.



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