DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Chag ssame'ach! Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Die "Friedenshütte" - das ist die große Botschaft des Laubhüttenfestes (Sukkot). Jeden Schabbat- und Feiertagabend beten wir: "Breite über uns die Hütte deines Friedens aus" (aschkenasischer Ritus), oder: "und breite über uns die Hütte des Erbarmens, des Lebens und des Friedens aus" (Ritus Sfard), und enden mit dem Segensspruch: "..der du die Friedenshütte über uns ausbreitest und deinem ganzen Volke Israel und über Jeruschalajim". Sukkot ist allerdings nicht nur ein Fest des Friedens, sondern auch ein Fest des Krieges. Nicht nur breitet sich über uns die "Friedenshütte" aus, wir halten zudem "Kriegsgeräte" in den Händen, wie der Feststrauß im Sohar (Hauptwerk der Kabbala) genannt wird. Es fällt ja nicht schwer, die Ähnlichkeit zwischen dem Lulaw und einem gezogenen Schwert zu erkennen, zwischen den Myrthenblättern, die ihren Zweig bedecken, und einer Ritterrüstung mit Schuppenpanzer, zwischen dem Etrog und Schleudersteinen und sogar zwischen den Blättern der Bachweide und den Spitzen von Pfeilen. Entsprechend wird im Buch der Chaschmonäer der Triumphzug der Chaschmonäer nach der Eroberung der Festung Akra in Jerusalem geschildert, bei dem sie Lulawim in ihren Händen hielten. Auch die Hin- und Her-Bewegungen beim Lulawschütteln - dreimal in jede Richtung - lassen sich als Zustoßen mit dem Schwert in alle Richtungen verstehen, nach dem Motto "und du wirst dich ausbreiten nach Westen und Osten, Norden und Süden" (Gen. 28,14). Zwei Stimmen lassen sich also vom Laubhüttenfest heraus hören: Die Stimme des Friedens und die Stimme des Krieges. Zwei göttliche Eigenschaften, die von zwei der "Gäste" (Uschpisin) in der Sukka vertreten werden. Unser Lehrer Moscheh, der die Eigenschaft der "Ewiglichkeit" (Nezach) repräsentiert, die auch im Sieg (Nizachon) zum Ausdruck kommt und den ewigen Bestand sichert. Zu ihm gehören die "Kriegsgeräte" des Feststraußes, unter dem Ausspruch: "das Recht muss den Berg durchbohren" (Sanhedrin 6b). Aharon haKohen (der Priester) steht für die göttliche Eigenschaft "Glanz", deren Ausdruck der Frieden ist. Jener Aharon, "der den Frieden liebte und dem Frieden nachjagte, der die Menschen liebte und sie zur Lehre führte" (Mischna "Sprüche der Väter" 1,12). Zu ihm passen die "Wolken der Ehre", die auf dem Volke Israel in der Wüste ruhten, zu deren Andenken wir das Gebot der Sukka erhielten (gem. Sefat Emet). Zur Verflechtung dieser Festgebote können wir die folgenden Psalmenverse anführen: "Es jauchzen die Frommen zur Feier, jubeln auf ihren Lagern" (149,5) - beim Schlafen in der Sukka im Sinne von "Wolken der Ehre". "G~ttes Erhebung ist in ihrer Kehle" (149,6) - beim Hallel-Gebet, "und zweischneidiges Schwert in ihren Händen" (ebda.) - beim Ergreifen des Lulaw, "an ihnen zu üben das vorgeschriebene Recht" (149,9) - mit der Tora. Diese zwei Stimmen, die Stimme des Friedens und die Stimme des Krieges, erschallen gemeinsam beim Laubhüttenfest wie zwei Stimmen, die einander ergänzen, auch wenn sie sich nicht miteinander abfinden. So schrieb Rabbiner A.J. Kuk in seinem Buch "Orot Hakodesch": "Zwei Stimmen lassen sich in der Welt unter gewaltigem Lärm hören... Die harmonische Stimme, die Stimme, die allseitige Anpassung fordert... die Stimme des Friedens... demgegenüber donnert eine verwirrende Stimme, die Stimme, die entsprechend der Kraft des jeweiligen Einzelnen röhrt, und zum Lebenskampfe der Überwältigung eines Jeden seines Nächsten... und jede Eigenschaft lärmt auf diese Weise, und die Stimme des Kriegsgeschreis ertönt in allen Welten". Dieses Jahr fällt der
erste Tag Sukkot auf Schabbat. An diesem Tage nehmen wir den Feststrauß
nicht zur Hand. Es gibt kein Kriegsgerät. Nur die Friedenshütte
wölbt sich über uns. Das soll uns zeigen, lehren und verkünden,
dass auch unser Krieg - der Krieg G~ttes gegen das Böse in der Welt
- dem Frieden dient, nicht einem gestutzten Frieden des Nachgebens und
der Anschmeichelung an das Böse, wobei das Nachgeben der menschlichen
Pflicht zu Gerechtigkeit und Moral spottet; vielmehr ein Frieden der Vollkommenheit,
bei der jede Seite den Mangel der anderen ergänzt. Dann offenbart
sich der Lulaw, das Schwert des Krieges - als "Leben" (die Buchstaben von
Lulaw und Chajim haben denselben Zahlenwert, was häufig
zur Interpretation heran gezogen wird). In diesem Sinne fährt Rabbiner
Kuk fort:
"Wer die Lustbarkeit bei der Wasserprozession nicht gesehen hat, hat im Leben keine Lustbarkeit gesehen" (Sukka 51a, Mischna). Wirklich? Eines der besonderen Gebote des Laubhüttenfestes ist die außergewöhnliche Freude, zu der die Tora auffordert: "Und freue dich an deinem Feste" (Dt. 16,14), "und freuet euch vor dem Ewigen, euerm G~tt, sieben Tage" (Lev. 23,40), und bei Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides", Gesetze vom Lulaw 8.Kap.): "Obwohl an allen Festtagen das Gebot der Freude besteht, gab es am Laubhüttenfest im Tempel eine zusätzlich Freude... man beginnt mit der Freude am Ausgang des ersten Feiertages, und ebenso Tag für Tag an den Mittelfeiertagen beginnt man nach der Darbringung des täglichen Abendopfers mit der Freude für den Rest des Tages und die ganze Nacht...", und diese Freude nennt sich "die Lustbarkeit bei der Wasserprozession", wie in dem oben angeführten Zitat und Zeugnis der talmudischen Weisen. An dieser Stelle lässt
sich fragen, worin bei dieser "Lustbarkeit" ein Unterschied zu unseren
anderen Festfreuden besteht, überhaupt ist uns ja geboten, G~tt immer
in Freude zu dienen, und was ist an dieser Freude denn Besonderes dran?
Dazu kommt der Name, der wörtlich lautet: "Lustbarkeit des Hauses
des Wasserschöpfens" wegen des Schöpfens aus der Schiloach-Quelle;
ziemlich unklar, besteht doch der ganze Sinn und Zweck dieses Schöpfens
nicht im Schöpfen selber, sondern im Ausgießen des Wassers auf
dem Altar im Tempel. Demnach hätte diese Freude eher "Lustbarkeit
der Libation" heißen müssen, und nicht "der Wasserprozession".
In diesem Zusammenhang erklärte Rabbiner Kuk, seit der Sünde
des Erdbodens bei der Erschaffung der Welt, der nicht wie von G~tt befohlen
Bäume vom gleichen Geschmack wie dem ihrer Früchte hervor brachte,
teilte sich die Welt in Mittel und Ziele - in Bäume und Früchte.
Und seitdem schätzen und lieben wir Menschen ganz besonders die Ziele
und haben andererseits gar nichts für die Mittel übrig. Die Mittel
ermüden uns, wir haben keine Geduld dafür, und machmal scheinen
sie uns vollkommen überflüssig, so dass wir nicht bereit sind,
auf dem Wege zum Ziel irgendwelche Mühen in sie zu investieren, denn
wir sind nur am Ziel interessiert. Einige Beispiele dafür: Normalerweise
liebt der Mensch sehr das Gehalt, das ihm am Monatsende gezahlt wird, weniger
aber die Arbeit selber. Oder das junge Paar, das schon gleich unter der
Chuppa stehen will - der lange und oft komplizierte Weg dorthin enthält
manchmal keine kleinen Krisen, schwächt und kann manchmal g~ttbehüte
zur Verzweiflung treiben. Oder jemand, der von einem Ort an einen anderen
gelangen will und darum nervös und schnell fährt, um den Weg
so schnell wie möglich auszuschalten, denn der ist ja nur ein Mittel,
die Hauptsache ist doch die Ankunft am Bestimmungsort zur Verwirklichung
seiner Pläne... usw. Diese Regel gilt für fast das ganze Jahr,
mit Ausnahme von sechs Tagen, als der Tempel bestand, an denen wir fähig
sind, das Ziel bereits in den Mitteln zu offenbaren und das Ideal zu verstehen,
zu fühlen und zu lieben, auch wenn wir nur mit den Vorbereitungen
beschäftigt sind; das sind die Tage der Wasserprozession. Wir schöpfen
an diesen Tagen, wie der Talmud sagt, von heiliger Inspiration, d.h. wir
sind mit unserem Verstand und unseren Gefühlen mit dem Mittel genau
so verbunden wie mit dem Ziel selber. Darum wurde diese Freude nach dem
Schöpfen benannt, dem Mittel, in dem jedoch bereits die Freude des
Ziels erscheint, des Ausgießens auf dem Altar. So wird klar, dass
wer diese Freude nicht erlebte, in seinem Leben keine Freude gesehen hat.
Denn alle unsere Freuden im Leben sind Freuden der Ziele, des Erreichens,
eines Ergebnisses, und hier gesellt sich eine eine besondere Freude hinzu,
die Freude an den Mitteln, die der Freude am Ziel aufs Haar gleicht. Das
ist die besondere Freude, die uns die Tora am Laubhüttenfest gebietet,
und mit G~ttes Hilfe mögen wir sie entdecken und mit ihrem Glanz die
ganze Welt erleuchten.
(Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden). Frage: Was ist vorzuziehen
- ein Vorbeter mit einer schönen Stimme, oder ein gerechter Jude?
Frage: Hebt die an
Erew Rosch Haschana übliche Anullierung der Schwüre alle Schwüre
einer Person auf?
Frage: Wenn man keine
andere Wahl hat, darf man Sslichot auch tagsüber sagen?
Frage: Wenn wir uns
an Rosch Haschana und Jom Kippur nieder werfen, müssen wir ein Tuch
unterlegen?
Frage: Was kann ich
tun, wenn meine Mutter immer üble Nachrede redet?
Weitere Kommentare
von
Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
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