DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
SCHABBAT SUKKOT
Nr. 737
15. Tischri 5770

Chag ssame'ach!

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Kriegsgerät

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Die "Friedenshütte" - das ist die große Botschaft des Laubhüttenfestes (Sukkot). Jeden Schabbat- und Feiertagabend beten wir: "Breite über uns die Hütte deines Friedens aus" (aschkenasischer Ritus), oder: "und breite über uns die Hütte des Erbarmens, des Lebens und des Friedens aus" (Ritus Sfard), und enden mit dem Segensspruch: "..der du die Friedenshütte über uns ausbreitest und deinem ganzen Volke Israel und über Jeruschalajim".

Sukkot ist allerdings nicht nur ein Fest des Friedens, sondern auch ein Fest des Krieges. Nicht nur breitet sich über uns die "Friedenshütte" aus, wir halten zudem "Kriegsgeräte" in den Händen, wie der Feststrauß im Sohar (Hauptwerk der Kabbala) genannt wird. Es fällt ja nicht schwer, die Ähnlichkeit zwischen dem Lulaw und einem gezogenen Schwert zu erkennen, zwischen den Myrthenblättern, die ihren Zweig bedecken, und einer Ritterrüstung mit Schuppenpanzer, zwischen dem Etrog und Schleudersteinen und sogar zwischen den Blättern der Bachweide und den Spitzen von Pfeilen. Entsprechend wird im Buch der Chaschmonäer der Triumphzug der Chaschmonäer nach der Eroberung der Festung Akra in Jerusalem geschildert, bei dem sie Lulawim in ihren Händen hielten. Auch die Hin- und Her-Bewegungen beim Lulawschütteln - dreimal in jede Richtung - lassen sich als Zustoßen mit dem Schwert in alle Richtungen verstehen, nach dem Motto "und du wirst dich ausbreiten nach Westen und Osten, Norden und Süden" (Gen. 28,14).

Zwei Stimmen lassen sich also vom Laubhüttenfest heraus hören: Die Stimme des Friedens und die Stimme des Krieges. Zwei göttliche Eigenschaften, die von zwei der "Gäste" (Uschpisin) in der Sukka vertreten werden. Unser Lehrer Moscheh, der die Eigenschaft der "Ewiglichkeit" (Nezach) repräsentiert, die auch im Sieg (Nizachon) zum Ausdruck kommt und den ewigen Bestand sichert. Zu ihm gehören die "Kriegsgeräte" des Feststraußes, unter dem Ausspruch: "das Recht muss den Berg durchbohren" (Sanhedrin 6b). Aharon haKohen (der Priester) steht für die göttliche Eigenschaft "Glanz", deren Ausdruck der Frieden ist. Jener Aharon, "der den Frieden liebte und dem Frieden nachjagte, der die Menschen liebte und sie zur Lehre führte" (Mischna "Sprüche der Väter" 1,12). Zu ihm passen die "Wolken der Ehre", die auf dem Volke Israel in der Wüste ruhten, zu deren Andenken wir das Gebot der Sukka erhielten (gem. Sefat Emet).

Zur Verflechtung dieser Festgebote können wir die folgenden Psalmenverse anführen: "Es jauchzen die Frommen zur Feier, jubeln auf ihren Lagern" (149,5) - beim Schlafen in der Sukka im Sinne von "Wolken der Ehre". "G~ttes Erhebung ist in ihrer Kehle" (149,6) - beim Hallel-Gebet, "und zweischneidiges Schwert in ihren Händen" (ebda.) - beim Ergreifen des Lulaw, "an ihnen zu üben das vorgeschriebene Recht" (149,9) - mit der Tora.

Diese zwei Stimmen, die Stimme des Friedens und die Stimme des Krieges, erschallen gemeinsam beim Laubhüttenfest wie zwei Stimmen, die einander ergänzen, auch wenn sie sich nicht miteinander abfinden. So schrieb Rabbiner A.J. Kuk in seinem Buch "Orot Hakodesch": "Zwei Stimmen lassen sich in der Welt unter gewaltigem Lärm hören... Die harmonische Stimme, die Stimme, die allseitige Anpassung fordert... die Stimme des Friedens... demgegenüber donnert eine verwirrende Stimme, die Stimme, die entsprechend der Kraft des jeweiligen Einzelnen röhrt, und zum Lebenskampfe der Überwältigung eines Jeden seines Nächsten... und jede Eigenschaft lärmt auf diese Weise, und die Stimme des Kriegsgeschreis ertönt in allen Welten".

Dieses Jahr fällt der erste Tag Sukkot auf Schabbat. An diesem Tage nehmen wir den Feststrauß nicht zur Hand. Es gibt kein Kriegsgerät. Nur die Friedenshütte wölbt sich über uns. Das soll uns zeigen, lehren und verkünden, dass auch unser Krieg - der Krieg G~ttes gegen das Böse in der Welt - dem Frieden dient, nicht einem gestutzten Frieden des Nachgebens und der Anschmeichelung an das Böse, wobei das Nachgeben der menschlichen Pflicht zu Gerechtigkeit und Moral spottet; vielmehr ein Frieden der Vollkommenheit, bei der jede Seite den Mangel der anderen ergänzt. Dann offenbart sich der Lulaw, das Schwert des Krieges - als "Leben" (die Buchstaben von Lulaw und Chajim haben denselben Zahlenwert, was häufig zur Interpretation heran gezogen wird). In diesem Sinne fährt Rabbiner Kuk fort:
"Und zwischen allen Stimmen dringt jene Strömung der höchsten Stimme hindurch... der harmonischen... der einenden... und aus der Fülle der Welten kommen die Stimmen zu jedem Geschöpf, zu jedem Geist und zu jeder Seele, zu jedem Körper und seinen Eingeweiden. Zu jedem Einzelnen in seiner Einzigartigkeit, zu jeder Gemeinschaft in ihrer Gemeinschaftlichkeit, und zu jeder Nation in ihrer nationalen Gemeinsamkeit. Die wichtigsten Seelen, getränkt mit dem Elixier des Lebens der harmonischen Stimme, in ihrem Innern lodernde Zungen heiligen Feuers, dürstend nach Frieden - dies sind die Engel des Friedens in der Welt". An diesem Laubhüttenfest und an diesem Schabbat wollen wir wiederum G~tt, den Herrn des Friedens bitten: "und breite über uns die Hütte des Erbarmens, des Lebens und des Friedens aus", und segnen Einer den Anderen mit einem "Schabbat des Friedens" - Schabbat Schalom
 
 
 
 
Sukkot
 

Eine ganz große Freude
 
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

"Wer die Lustbarkeit bei der Wasserprozession nicht gesehen hat, hat im Leben keine Lustbarkeit gesehen" (Sukka 51a, Mischna). Wirklich? 

Eines der besonderen Gebote des Laubhüttenfestes ist die außergewöhnliche Freude, zu der die Tora auffordert: "Und freue dich an deinem Feste" (Dt. 16,14), "und freuet euch vor dem Ewigen, euerm G~tt, sieben Tage" (Lev. 23,40), und bei Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides", Gesetze vom Lulaw 8.Kap.): "Obwohl an allen Festtagen das Gebot der Freude besteht, gab es am Laubhüttenfest im Tempel eine zusätzlich Freude... man beginnt mit der Freude am Ausgang des ersten Feiertages, und ebenso Tag für Tag an den Mittelfeiertagen beginnt man nach der Darbringung des täglichen Abendopfers mit der Freude für den Rest des Tages und die ganze Nacht...", und diese Freude nennt sich "die Lustbarkeit bei der Wasserprozession", wie in dem oben angeführten Zitat und Zeugnis der talmudischen Weisen. 

An dieser Stelle lässt sich fragen, worin bei dieser "Lustbarkeit" ein Unterschied zu unseren anderen Festfreuden besteht, überhaupt ist uns ja geboten, G~tt immer in Freude zu dienen, und was ist an dieser Freude denn Besonderes dran? Dazu kommt der Name, der wörtlich lautet: "Lustbarkeit des Hauses des Wasserschöpfens" wegen des Schöpfens aus der Schiloach-Quelle; ziemlich unklar, besteht doch der ganze Sinn und Zweck dieses Schöpfens nicht im Schöpfen selber, sondern im Ausgießen des Wassers auf dem Altar im Tempel. Demnach hätte diese Freude eher "Lustbarkeit der Libation" heißen müssen, und nicht "der Wasserprozession". In diesem Zusammenhang erklärte Rabbiner Kuk, seit der Sünde des Erdbodens bei der Erschaffung der Welt, der nicht wie von G~tt befohlen Bäume vom gleichen Geschmack wie dem ihrer Früchte hervor brachte, teilte sich die Welt in Mittel und Ziele - in Bäume und Früchte. Und seitdem schätzen und lieben wir Menschen ganz besonders die Ziele und haben andererseits gar nichts für die Mittel übrig. Die Mittel ermüden uns, wir haben keine Geduld dafür, und machmal scheinen sie uns vollkommen überflüssig, so dass wir nicht bereit sind, auf dem Wege zum Ziel irgendwelche Mühen in sie zu investieren, denn wir sind nur am Ziel interessiert. Einige Beispiele dafür: Normalerweise liebt der Mensch sehr das Gehalt, das ihm am Monatsende gezahlt wird, weniger aber die Arbeit selber. Oder das junge Paar, das schon gleich unter der Chuppa stehen will - der lange und oft komplizierte Weg dorthin enthält manchmal keine kleinen Krisen, schwächt und kann manchmal g~ttbehüte zur Verzweiflung treiben. Oder jemand, der von einem Ort an einen anderen gelangen will und darum nervös und schnell fährt, um den Weg so schnell wie möglich auszuschalten, denn der ist ja nur ein Mittel, die Hauptsache ist doch die Ankunft am Bestimmungsort zur Verwirklichung seiner Pläne... usw. Diese Regel gilt für fast das ganze Jahr, mit Ausnahme von sechs Tagen, als der Tempel bestand, an denen wir fähig sind, das Ziel bereits in den Mitteln zu offenbaren und das Ideal zu verstehen, zu fühlen und zu lieben, auch wenn wir nur mit den Vorbereitungen beschäftigt sind; das sind die Tage der Wasserprozession. Wir schöpfen an diesen Tagen, wie der Talmud sagt, von heiliger Inspiration, d.h. wir sind mit unserem Verstand und unseren Gefühlen mit dem Mittel genau so verbunden wie mit dem Ziel selber. Darum wurde diese Freude nach dem Schöpfen benannt, dem Mittel, in dem jedoch bereits die Freude des Ziels erscheint, des Ausgießens auf dem Altar. So wird klar, dass wer diese Freude nicht erlebte, in seinem Leben keine Freude gesehen hat. Denn alle unsere Freuden im Leben sind Freuden der Ziele, des Erreichens, eines Ergebnisses, und hier gesellt sich eine eine besondere Freude hinzu, die Freude an den Mitteln, die der Freude am Ziel aufs Haar gleicht. Das ist die besondere Freude, die uns die Tora am Laubhüttenfest gebietet, und mit G~ttes Hilfe mögen wir sie entdecken und mit ihrem Glanz die ganze Welt erleuchten. 
 
 
 
Frage und Antwort
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

(Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden).

Frage: Was ist vorzuziehen - ein Vorbeter mit einer schönen Stimme, oder ein gerechter Jude?
Antwort: Natürlich ein gerechter Jude. Gar keine Frage!

Frage: Hebt die an Erew Rosch Haschana übliche Anullierung der Schwüre alle Schwüre einer Person auf?
Antwort: Nein, sie entbindet ihn nur von der Pflicht zu den guten Taten, die er mehrmals ausgeübt hatte; einen richtigen Schwur muss er weiter einhalten. Das gilt übrigens auch für "Kol Nidre".

Frage: Wenn man keine andere Wahl hat, darf man Sslichot auch tagsüber sagen?
Antwort: Ja, mit einem Minjan.

Frage: Wenn wir uns an Rosch Haschana und Jom Kippur nieder werfen, müssen wir ein Tuch unterlegen?
Antwort: Wenn man mit dem Kopf auf den Fußboden gelangt, muss man dort ein Tuch hinlegen wegen des Verbotes, sich vor Steinen zu verbeugen.

Frage: Was kann ich tun, wenn meine Mutter immer üble Nachrede redet?
Antwort: Lenke das Gespräch auf ein anderes Thema.
 
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.kimizion.org/shiur
- englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
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- auf russisch:
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Bücher von Rabbiner Aviner: www.havabooks.co.il
Seine Handy-Nr. (auch SMS): +972 (0)52 3653028
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Radio "Reschet Moreschet" - 
Hören Sie Rabbiner Aviners Fragestunde live
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(+972 2) 5302685,  jede Woche Do. 22.30-24.00
israelische Zeit (=GMT+2, Sommerzeit GMT+3)
nur hebräisch!
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Wir freuen uns, zusätzlich zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
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