DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHOFTIM
Nr. 780
4. Elul 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 16,18-21,9):

Regierung: Richter, König, Priester, Propheten; Warnung vor Götzendienst, Erkennen und Bestrafen desselben - Zeugen; Wiederholung Totschlägergesetze, -städte; Betrug durch Verschieben von Landmarkierungen; intrigierende Zeugen; Gesetze der Kriegführung; Gebot der Vernichtung der Kana'aniter; die Leiche im Feld/Mörder unbekannt.

Haftara: Jeschajahu 51,12 - 52,12


Am Schabbes-Tisch...
 

Wer braucht die Polizei?
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

In letzter Zeit häufen sich schwere Gewaltverbrechen im Lande Israel bis hin zu Mord, und die Frage wird laut: Wo bleibt die Polizei? Warum verhängen die Gerichte lächerlich milde Strafen für diese widerlichen Verbrechen? Überhaupt gilt zu klären, wie das Verhältnis zwischen Polizei und Gerichten im Prinzip auszusehen hat! Dazu nimmt unser Wochenabschnitt gleich zu Anfang Stellung: "Richter und Beamte sollst du in allen deinen Toren einsetzen ... dass sie das Volk in Gerechtigkeit richten" (Dt. 16,18). Der Raschikommentar bemerkt dazu: "Richter - die das Urteil fällen, und Beamte - die das Volk auf jener Gebot züchtigen ... mit Stab und Riemen, damit es das Urteil des Richters auf sich nehme". Dieser Kommentar bedarf weiterer Erläuterung.

Eigentlich beschreibt die Tora doch im genannten Vers den Idealzustand des Volkes Israel im Lande Israel, geleitet von gerechten Gesetzen nach dem Worte G~ttes, und wenn dem so ist - 1. Welcher Jude möchte schon gerne ein "Beamter" sein, der seine Mitjuden mit Stab und Riemen züchtigt, damit sie das Gesetz akzeptieren? 2. Und wozu braucht man im Idealzustand überhaupt Polizei, eine ausführende Gewalt, die die Öffentlichkeit zur Annahme des Rechtes zwingt? Die Öffentlichkeit akzeptiert doch die wahrhaftigen Urteile, ihren Wert und die göttliche Güte, die sie mit sich bringen, ohne die genannten Druckmittel? So fragte der Autor des "Ma'or veSchemesch": "Man sollte dies beachten, unsere heilige Tora ist doch ewig und lehrt den Menschen Weisheit alle Tage, und wenn dem so ist, wer würde es auf sich nehmen, zur Zeit, wenn die Israeliten auf ihrem Boden weilen und in Wohlstand den Willen ihres Schöpfers tun, Vollzugsbeamter zu sein und Juden zu schlagen? Und wer bräuchte dann solche Beamten überhaupt ... denn freudig würde jeder das Urteil ihrer Richter annehmen?" Und antwortete, dass es nämlich zwei Zustände beim Volke Israel gebe. Beim ersten Zustand beruht die Rechtsprechung nicht auf den Gesetzen der Tora, und die Richter werden in ihrer Arbeit nicht von Himmelsfurcht geleitet, wodurch von ganz alleine ein gewisser Widerstand bei den Streitparteien bezüglich der Annahme des Urteils entsteht, entweder aufgrund eines gesunden Gefühls oder klarer Erkenntnis, dass G~ttes Willen hierbei nicht zum Ausdruck kommt, und darum werden Vollzugsbeamte nötig, die notfalls mit Gewalt das Recht bei den Streitparteien oder gegenüber der Öffentlichkeit durchsetzen. Das ist nicht gerade eine optimale Situation, wenn zusätzlich zur Rechtsprechung auch eine Polizei nötig ist. Das Gericht entscheidet und die Polizei sorgt für die Ausführung der Entscheidung, die Widerstand in der Öffentlichkeit provoziert. Es gibt aber auch ein anderes Szenario, ein ganz anderes, wobei im israelischen Gerichtshof die größten Gerechten der Generation sitzen, deren ganze Absicht und Bestreben der Umsetzung des himmlischen Willens gilt. In dieser Situation besteht eine innere Solidarität und generelle Übereinstimmung im jüdischen Volke und speziell bei den streitenden Parteien zur Annahme der wahrhaftigen Gerichtssprüche, die das Wort G~ttes ausdrücken, denn "wem G~ttesfurcht eigen, dessen Worte werden erhört" (Brachot 6b). In diesem Idealzustand sind die Richter auch gleichzeitig Polizisten. Eine Polizei wäre nämlich vollkommen überflüssig, weil die Gesellschaft in Ehrfurcht und Respekt die Gerichtsurteile akzeptiert, die das Gute in die Welt bringen und sie ihrer Vervollkommnung und endgültigen Erlösung näherbringen. So heißt es im Original: "Man kann daraus entnehmen, dass uns unsere Tora das Wesen des Richters oder Bürgermeisters mitteilt, der über die Öffentlichkeit gewählt wurde. Denn wenn der Wandel des Richters nicht seinem Amt entspricht und er nicht den himmlischen Willen im Sinn hat und nicht das Banner der Tora und die Gesetze der Religion hochhält - so ein Richter oder Bürgermeister erzeugt bei den Streitparteien keine Ehrfurcht, und ein widerwilliger Streiter wird nicht auf ihn hören. Wenn es aber der Generation vergönnt ist, von den wahren Gerechten und Frommen geleitet zu werden, die G~tt lieben und ihm dienen, dann erfüllt G~tt alle ihre Aussprüche und Urteile durch sie wegen ihrer großen Gerechtigkeit und Heiligkeit. Siehe, solche Richter sind selber Polizisten, denn ihr Volk wird sie respektieren, da es von Furcht vor ihnen wie vor einem Schwerte befallen wurde, und kein Unrecht tun. Und alles, was sie sagen, wird das Volk erfüllen, weil es weiß, dass ihre Worte Gewicht haben (und das alles wegen des enormen Respektes des Volkes vor ihnen) und somit bedeutet der Vers Richter und Beamte sollst du einsetzen: Setze solche Richter ein, die auch die Beamten sein werden ... vor denen man sich wegen ihrer Heiligkeit so sehr fürchtet wie vor einem Beamten, der mit Stock und Riemen seiner Autorität Nachdruck verleiht - und dann werden sie das Volk in Gerechtigkeit richten".

Diese Erklärung (wie auch andere Kommentare) verdeutlicht uns, warum die Gerichtsbarkeit heutzutage soviel Widerstand erweckt und die Durchsetzung ihrer Urteile einen ganzen Beamtenapparat erfordert. Die Polizei muss Stärke und Einsatzbereitschaft demonstrieren, manchmal auch Gewalt, was häufig nichts nutzt und die Situation im Hinblick auf die Zukunft sicher nicht verbessert.

Und wenn jemand daherkäme und von der Möglichkeit einer Rechtsprechung ohne den Apparat zu ihrer Durchsetzung, ohne Polizei redete - würde man das doch sicherlich für eine Phantasie und in der Wirklichkeit nicht erfüllbar halten, oder nicht?

Darauf wollen wir Folgendes antworten: Was die Zukunft angeht, die nähere Zukunft hoffentlich - bezüglich der Halachot (Gesetze) der Gesellschaft, des Staates und der Allgemeinheit, gilt praktisch schon jetzt für das Leben des Einzelnen. Beim individuellen Menschen nämlich, beim Kind und beim Schüler, und auch beim Erwachsenen bei der Arbeit oder in der Gemeinschaft, sehen wir häufig, dass keine Notwendigkeit für externe Ordnungshüter oder Strafmittel besteht, vielmehr erfüllt das Kind zu Hause, der Schüler in der Klasse, der Erwachsene bei der Arbeit und in der Gemeinde seine Aufgaben, hält sich an die Spielregeln und selbst an schwierige Entscheidungen aus innerer Überzeugung und ehrlicher Zustimmung ohne die Anwendung irgendwelcher Druckmittel.

Wollen wir die Notwendigkeit elterlicher Autorität und eines eindeutigen regelrechten Rahmens in der Familie, in der Schule, bei der Arbeit und in der Gemeinde nicht geringschätzen. Andererseits müssen wir uns und unsere Kinder jedoch so erziehen, wie es heißt: "Besser eine Züchtigung im Herzen des Menschen als viele Geißelhiebe" (Brachot 7a), was nach Rabbiner A.J.Kuk Folgendes bedeutet: "Damit lehrten uns die talmudischen Weisen die Milde der Erziehung, denn nicht durch Prügel wird der Mensch erzogen, sondern auf den Wegen der Milde, und die wahre Furcht ist die Furcht vor der Erhabenheit, die zusammen mit der treuen Liebe einhergeht. Bis in die neuere Zeit gelangten die Gelehrten der Pädagogie nicht dahin, und ihre Erziehung bestand im Rohrstock, bis auf unsere Tage, da nun die zahlreichen Experimente ihnen beweisen, was uns unsere Weisen in heiliger Inspiration lehrten" (Ejn Aja zu Brachot, I S.31).

Darum bedeutet eine starke Polizei eine notwendige Zwischenlösung, nicht aber die Basis der Lösung. Erst wenn die wahren Werte unseres Lebens im Vordergrund stehen und im Erziehungs- und Gerichtswesen erscheinen, wenn wir in die Situation gelangen "Gieb unsere Richter wieder wie ehedem" (Schmone-esre Gebet), dann wird sich an uns auch erfüllen: "wende ab von uns Kummer und Seufzen" (ebda.), dann wird die Polizei für ihre wahre Aufgabe frei werden, nämlich den entschlossenen Kampf gegen und die Vernichtung der Feinde von außen, da im Inneren unsere Richter bereits die Aufgabe der Polizei miterfüllen.

Möge jeder von uns auf seinem Gebiet und an seinem Ort in Bezug auf dieses wichtige Thema wirken, und möge sich mit G~ttes Hilfe diese große Vision bereits an uns erfüllen, bald und in unseren Tagen, amen.



Frage und Antwort - SMS
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

(Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden).

Frage: Darf ein Trauernder an einer Beschneidungsfeier teilnehmen?
Antwort:
Ja, aber nicht an der Festmahlzeit.

Frage: Was sagt die Halacha, wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich eine Schuld zurückgezahlt habe, aber doch glaube, sie bezahlt zu haben?
Antwort:
Sie sind frei, es ist aber angebracht, beim Gläubiger rückzufragen.

Frage: Darf man unsittliche Kleidung, z.B. Hosen (für Frauen) an eine mildtätige Organisation spenden, es könnte ja sein, dass eine Frau einen Rock darüber trägt, es ist aber nicht sicher?
Antwort:
Es ist erlaubt. Bezüglich des Verbotes "vor einen Blinden lege keinen Anstoß" (Lev. 19,14) nehmen wir an, dass der Empfänger gesetzestreu handeln wird (Mischna Schwi'it, Ende des 5.Kap.).

Frage: Ist es wichtig, Ledigen dabei zu helfen, einen Ehepartner zu finden, so wie z.B. die Besiedlung des Landes Israel?
Antwort:
Aber sicher!

Frage: Ich bin eine Frau und es fällt mir sehr schwer, aus dem Gebetbuch zu beten. Wenn ich unbedingt muss, ist meine Konzentration minimal. Hat so ein Gebet überhaupt einen Wert?
Antwort:
Ja, es hat einen Wert. Sie sollten wenigstens einen Teil davon beten, nach Ihren Kräften.

Frage: Meine Eltern kauften mir einen Ring zum Geschenk, der wie ein Verlobungsring aussieht. Jetzt sagen die Leute, ich sollte ihn umtauschen, weil ich seinetwegen nicht heiraten werde.
Antwort:
Unsinn.

Frage: Sollten die Kohanim (Priester) anfangen, die Gesetze vom Opferdienst und Tempel zu lernen?
Antwort: Es gibt andere Themen, die Vorrang haben.

Frage: Darf man mit der Schulleitung über einen Lehrer reden, der ungeeignet erscheint, wenn er dadurch seine Arbeit verlieren könnte?
Antwort: Es ist erlaubt; der Lehrer ist für die Schüler da und nicht die Schüler für den Lehrer. Sie müssen aber ein vollständiges Bild präsentieren.

Frage: Wenn jemand dem Rauchen abschwor, kann dieser Eid aufgehoben werden?
Antwort: Nein, da es nach der Tora sowieso verboten ist zu rauchen.


Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.kimizion.org/shiur
- englischsprachige Sendungen und Nachrichten
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Bücher von Rabbiner Aviner: www.havabooks.co.il
Seine Handy-Nr. (auch SMS): +972 (0)52 3653028
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Aufzeichnungen der jeweils letzten beiden Sendungen:
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