DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
SCHABBAT ROSCH HASCHANA
Nr. 735
1. Tischri 5770

Schana tova - ketiva wechatima tova

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Aus der Vogelperspektive

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Das klingt aber gar nicht gut, dieses "Taschlich"; da treten wir vor den, der alleine die Welt richtet, am Tage des Gerichtes, und anstatt die Verantwortung für unsere Taten zu übernehmen, anstatt um sein Vergeben und Verzeihen zu bitten - sagen wir das "Taschlich"-Gebet: "Wer ist ein G~tt wie du? der Missetat vergibt und über die Abtrünnigkeit hinweg sieht dem Überrest seines Volkes. Nicht für immer hält er an seinem Zorn fest, denn an Gnade hat er Gefallen..." (Micha 7,18).

Anstatt unsere Sünden zu bekennen und unsere Schwächen zuzugeben wenden wir uns an den König des Rechtes und bitten: "Ignoriere sie, wirf in die Tiefen des Meeres alle unsere Sünden". Wir sind sozusagen nicht verantwortlich für unsere Taten, sie waren nur ein Beispiel, eine Nebensächlichkeit, die man in die Tiefen des Meeres werfen und wieder zur Tagesordnung übergehen kann. Ein wahres Wunder, dieses "Taschlich"...

Und nicht nur das "Taschlich", überhaupt dieser ganze Tag des Gerichtes ist ein einziges großes Wunder. "Am Monatsbeginne zu unserem Festtage" (Psalm 81,4), am Tage, an dem der Mond verdeckt ist, d.h. am Tage, an dem sich die Sünden Israels nicht erkennen lassen. Ein seltsames Gericht wird über uns gehalten, denn zu Beginn der Gerichtsverhandlung wird die vor dem Richter liegende Anklageschrift ausradiert, und der Angeklagte geht frei aus. Ein Wunder...

Wundersam, wie wir am großen Tage des Gerichtes auf unser Recht verzichten, um Verzeihung und Vergebung zu bitten und lieber den Herrn der Welt aufs Neue über uns als König setzen. Wundersam, wie wir, anstatt uns mit unseren Sünden zu beschäftigen, uns in die Welt der großen Hoffnungen erheben, von einer Welt träumen, die G~tt zu ihrem König macht, eine Welt, in der die Gerechten sehen und sich freuen und die Aufrechten fröhlich werden, eine Welt von einziger Harmonie, in der alle Geschöpfe einen Bund bilden, den göttlichen Willen aus vollem Herzen zu erfüllen.

Wunderlich, wie wir mit unserer Entscheidung, auf die Beschäftigung mit unserem privaten Gerichtsverfahren zu verzichten und lieber an unserem Traum von einer anderen Welt anhängen, einer Welt des Guten, in der das Böse wie Rauch verfliegt, wir plötzlich in uns die Kraft finden, alles zu überwinden, uns zu erneuern und uns zu ändern. Die große Erkenntnis von Rosch Haschana um unseren wirklichen Auftrag in dieser Welt durchdringt alle Schalen, vertreibt alle Zweifel, schleudert alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres, und wir erneuern uns und werden zu neuen Geschöpfen, unschuldig und sündenfrei wie ein Neugeborenes, befreit von Zynismus und Zweifeln, durchsetzt von Glauben an G~tt und sein Volk, fähig zu großer Umkehr aus Liebe.

Ein Wunder, aber der Höhenflug der Gebete an Rosch Haschana erneuert in uns Kräfte, die sich mit der Zeit abgeschwächt hatten und erzeugt in uns die Sicherheit, die Welt in einen guten und anständigen Ort verwandeln zu können. Aus der Vogelperspektive scheinen die Sünden, die wir das Jahr über angehäuft haben, winzig zu sein, sie erhalten wahre Proportionen, sie sind in Wirklichkeit nicht alle unsere, und auf jeden Fall haben sie nicht die Kraft, unsere große Wandlung aufzuhalten, die die Umkehr verspricht. Aus dieser Vogelperspektive erscheint das "Taschlich" vollkommen gerechtfertigt, und es ist auch nicht nötig, dass das Licht des Mondes die Sünden des Volkes Israel hervor hebt.

Ein Wunder, aber am Jahrestag der Entstehung der Welt entscheidet G~tt, der Menschheit erneut Vertrauen zu schenken, die er genau an diesem Datum damit betraut hatte, die Krone der Schöpfung zu sein. Und wenn schon der Herr der Welten Vertrauen hat, dann können wir doch erst recht nicht mit unseren Zweifeln verbleiben. 

Wenn man sich alle diese Wunder betrachtet, kann man schon nicht anders als den Apfel in eine Quelle von Honig zu tunken und zu glauben, dass das kommende Jahr sicher ein gutes werde, und mögen wir dies selber spüren und von ihm einen Geschmack von Honig kosten.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...
 

Rosch Haschana und Jom Kippur
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Zwei Tage des Gerichtes - Rosch Haschana und Jom Kippur, eigentlich ähnlich, und doch sehr verschieden. An Rosch Haschana essen und trinken wir und sind fröhlich, an Jom Kippur aber fasten wir und schränken uns ein. An Rosch Haschana beschäftigen wir uns mit Gebet und der Inthronisierung G~ttes, mit der Bitte, dass er sich unserer Vorväter erinnere und unser, mit dem Erwachen zum Schall des Schofartones, ohne die geringste Bitte um Verzeihung und Vergebung, Sündenbekenntnis und Sühne. In den Gebeten an Jom Kippur hingegen geben wir detaillierte Sündenbekenntnisse ab und sagen "Sslichot" ohn' Unterlass. Was bedeutet dieser Unterschied? 

Erklärt Rabbiner Avigdor Nebenzahl (Rabbiner der Jerusalemer Altstadt) in seinen Vorträgen zu Rosch Haschana, der Unterschied gleiche der Methode beim Einreißen einer Mauer. Es gibt dazu zwei Möglichkeiten - die eine, mit einem schweren Hammer darauf einzuschlagen, Ziegel um Ziegel zu brechen, bis schließlich die ganze Mauer einstürzt. Die andere, ganz andere, bei der man die Mauer überhaupt nicht anrührt, sondern unter ihr gräbt, ihr Fundament erschüttert, den festen Boden, auf dem die Mauer steht, bis wir tief genug gegraben haben, dass die Mauer auf nichts mehr zu stehen hat und ganz von selbst einstürzt.

Das ist der Unterschied zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur. Unsere Sünden und Mängel gleichen einer hohen Mauer, eine "schlechte" Mauer, an der wir das ganze Jahr über "bauten". An Rosch Haschana kümmern wir uns überhaupt nicht um die Mauer, um die Sünden an sich, vielmehr beschäftigen wir uns mit den tieferen Gründen, die zu den Sünden führten, mit den Fundamenten, auf denen unsere Sündenmauer steht. Jene Fundamente bestehen aus den Gedanken und dem Willen, die nicht auf das einzige wirkliche Fundament gerichtet waren, auf dem alles beruht und von dem alles abhängt - nämlich der Inthronisierung G~ttes, denn würden wir uns immer vor Augen führen, dass G~tt unser König war, ist und sein wird, "Ich nehme den Ewigen mir stets vor Augen" (Psalm 16,8), sündigten wir überhaupt niemals, denn unsere Gedanken wären auf seine Gedanken ausgerichtet, unser Willen auf seinen Willen und unsere Bestrebungen auf seine Bestrebungen. 

Und darum beschäftigen wir uns an Rosch Haschana mit der Einsetzung der göttlichen Königsherrschaft über uns und über die ganze Welt, indem wir uns vergegenwärtigen, wer wir eigentlich sind mithilfe eines inneren Erwachens durch den Schofarklang. Erst nachdem wir uns mit den Grundfragen der Existenz unserer "Sündenmauer" beschäftigt haben, kommt Jom Kippur an die Reihe, an dem wir die Mauer Stein um Stein auseinander nehmen; wir haben uns hierbei schuldig gemacht, wir haben dabei verräterisch gehandelt, wir haben jenes geraubt usw., wir bitten in allen Einzelheiten um Vergebung und für alle Mängel, die sich während des Jahres angesammelt haben und diese große und furchtbare Mauer entstehen ließen. Darum sind wir an Rosch Haschana fröhlich, essen und trinken, weil wir uns mit der Beseitigung der Wurzeln des Übels befassen, die zur Sünde führten, während es an Jom Kippur um die tätlichen Einzelheiten der Sünden geht. Wir fasten und schränken uns ein angesichts unserer Mängel und verübter Sünden.

Zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur müssen wir wissen, zwischen dem Prinzip und seinem Ausdruck in der Wirklichkeit die wahre Verbindung herzustellen, zwischen der Wurzel und ihrer Verzweigung, zwischen der Ursache und ihrer Wirkung, und mögen wir dadurch zu einem guten neuen Jahr eingeschrieben und besiegelt werden, jeder Einzelne und die ganze Allgemeinheit.
 
 
 
 
Frage und Antwort
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

(Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden).

Frage: Ich war mitten im Minchagebet, als ich zu einem Notfall (Magen David Adom) gerufen wurde; muss ich die Schmone-Esre im Abendgebet nachholen?
Antwort: Nein. Wer mit einer Mitzwa beschäftigt ist, ist von einer anderen Mitzwa frei.

Frage: Hatte Theodor Herzl an einem Plan gearbeitet, das ganze Volk Israel zum Christentum konvertieren zu lassen?
Antwort: Sicher nicht. Siehe "Herzl: A New Reading", Dr. Weiss, S.65

Frage: Wenn ich schwitze, ist das nicht ungebührlich für meinen Arba Kanfot, sollte ich ihn dann lieber nicht tragen?
Antwort: Das ist nicht ungebührlich. Sie sollten ihn jederzeit tragen, in der Armee, bei der Arbeit usw.

Frage: Dürfen wir während der sieben festlichen Tage nach unserer Hochzeit an einer anderen Hochzeit teilnehmen, oder nennt sich das "eine Freude mit einer anderen Freude vermischen" (was zu unterlassen ist)?
Antwort: Es ist erlaubt. Dieses Prinzip wird nicht für diesen Fall gelehrt.

Frage: Jemand gibt in der Zeitung bekannt, er sei der Maschiach ("Messias")?
Antwort: Das ist Unsinn.

Frage: Darf man in seinen Tefillinbeutel andere Dinge als Tefillin tun?
Antwort: Es ist verboten, außer Sie kauften den Beutel von vornherein mit dieser Absicht.

Frage: Warum absolvieren die Schüler der "Schwarzhut"-Jeschiwot keinen Armeedienst?
Antwort: Nur Geduld, am Ende werden alle zur Armee gehen.

Frage: Sollte ich eine halachische Organspender-Karte unterzeichnen?
Antwort: Eine große Mitzwa. Das rettet Leben.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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Seine Handy-Nr. (auch SMS): +972 (0)52 3653028
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Zu guter Letzt: Wie man sich an Rosch Haschana (und später) nicht die Hände klebrig macht: