DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Num. 25,10-30,1): G~ttes Friedensbund mit Pinchas, dem Priester; Musterung der Kinder Israels vor Jericho; Auslosung der Anteile am Lande Israel; auch Töchter erben Land; Jehoschua zum Nachfolger Moschehs erwählt; Opfergesetze für Wochentage, Schabbat, Neumond und Feiertage. Haftara: Jirmijahu 1,1 - 2,3
Das Verdienst der Tora, des Volkes und des Landes Die talmudischen Weisen lobten ganz besonders die Töchter Zelofchads angesichts derer Begeisterung für das Land Israel, in dem sie einen Erbbesitz erbaten. Ihre Vorliebe für das Land Israel hatten sie von ihrem Stammvater Josef geerbt. So erklärte Raschi zum Vers Num. 27,1: "Von den Familien Menasches ben Josef - warum steht dies, da doch bereits steht ben Menasche? Nur um dir zu sagen, dass Josef das Land liebte; so heißt es (Gen. 50,25), bringet meine Gebeine hinauf; und auch seine Töchter das Land liebten, wie es heißt, gebet uns Erbbesitz". Im Midrasch raba äußerten sich die talmudischen Weisen überschwenglich im Lobe der Frauen: "In jener Generation umzäunten die Frauen, was die Männer durchbrachen". Dazu bringt der Midrasch ein Beispiel, und zwar von der Sünde um das goldene Kalb, als die Frauen nicht bereit waren, dafür ihren Goldschmuck herzugeben und überhaupt versuchten, ihre Männer davon abzubringen und auch nicht daran teilnahmen. Auch in der Angelegenheit der Kundschafter, die üble Nachrede über das Land hervorbrachten und deswegen der Tod in der Wüste verhängt wurde, heißt es im Midrasch: "Über sie (die Männer) wurde das Urteil verhängt ... die Frauen jedoch hatten keinen Anteil an diesem Ratschluss". Der Midrasch entnimmt dies aus einem Vers unseres Wochenabschnittes: "Denn der Ewige hat von ihnen gesprochen: Sterben sollen sie in der Wüste; und kein Mann blieb von ihnen übrig, außer Kalev ben Jefunneh und Jehoschua ben Nun" (Num. 26,65). Der Midrasch lernt aus "kein Mann blieb von ihnen übrig" - aber Frauen doch, und die Männer wurden bestraft, "weil sie nicht ins Land einziehen wollten, während die Frauen vortraten, Erbbesitz im Lande zu erbitten". Damit erklärt der Midrasch auch die Aufeinanderfolge der Abschnitte von den Töchtern Zelofchads am Anfang des 27. Kapitels und vom Tod der Wüstengeneration am Ende des 26. Kapitels, nämlich "was die Männer durchbrachen und zerstörten, das umzäunten und reparierten die Frauen" (Bemidbar raba §21). Im Talmudtraktat Sota fügten die Weisen noch dem Verdienst der Frauen hinzu, indem sie schrieben: "Durch das Verdienst der frommen Frauen jenes Zeitalters wurden die Israeliten aus Ägypten erlöst" (11b). Der Talmud erzählt anschaulich und ausführlich von den Männern, die am Joch der Knechtschaft verzweifelten und keine Kinder mehr in die Welt setzen wollten, und wie ihre Frauen sie mit Klugheit und allerlei Hilfsmitteln aufmunterten und sie zu weiterem Familienwachstum anregten, um das Volk Israel zu erhalten - und durch dieses Verdienst wurden wir aus Ägypten befreit.
Es
ergibt sich daraus, dass die Frauen das jüdische Volk in den drei
Fundamenten bestärkten, auf denen die Nation ruht. Der mich nach seinem Willen geschaffen Wenn wir uns nun fragen, woher die Frauen die Kraft dazu hatten, die Eigenschaft, nicht zu sündigen und die schweren Prüfungen zu überstehen, die das Volk heimsuchten - so können wir das anhand der Worte unseres Lehrmeisters Rabbiner Zwi Jehuda Kuk beantworten, der schrieb: "Die Eigenschaft der Frau, ihr Fundament der (zusätzlichen) Einsicht, wird durch eine bestimmte Halacha beleuchtet. Der Mann sagt in seinem Morgengebet 'der mich nicht als Frau geschaffen', und die Frau antwortet in ihrem Segensspruch 'der mich nach seinem Willen geschaffen' - auf den ersten Blick Diskriminierung der Frau? Ist es aber nicht, denn der Ausdruck 'nach seinem Willen', dem Willen G~ttes, ist ein großes Wort mit tiefem Sinn, es bedeutet größere G~ttesnähe, und zwar dass die Frau weniger menschlich, dafür mehr göttlich ist". Die Sache stammt, wie Rabbiner Kuk erklärte, aus dem unterschiedlichen Rohmaterial, aus dem Mann und Frau geschaffen wurden: "Der Mann wurde vom Erdboden geschaffen, aus dem Staube, und erst dann erhielt er die göttliche Seele eingehaucht, d.h. in einen groben Rohstoff wurde eine göttliche Lebensseele gegeben. Das Rohmaterial der Frau hingegen war keine grobe Erde, vielmehr stammte es aus dem Körper des Mannes, der bereits die göttliche Seele des Lebens enthielt. Der Mann beginnt bei grobem Staub, die Frau aber aus der Rippe, die bereits göttlichen Geist eines lebendigen Körpers enthielt. In dieser Sache kann sich die Frau eines Vorzugs vor dem Manne rühmen. 'Nach seinem Willen' bedeutet also keinen nachträglichen Trost, na ja, eben so, wie er wollte, mit einem Hauch des Abfindens mangels anderer Möglichkeiten... im Gegenteil! Gegenüber der Feststellung des Mannes in seinem Segensspruch, 'der mich nicht als Frau geschaffen' antwortet die Frau mit Nachdruck in Erkennntnis ihres Wertes: Ich wurde nach seinem Willen geschaffen, so wie G~tt mich schaffen wollte - eine besondere Schöpfung. Die Schöpfung eines lebendigen Körpers aus einem lebendigen Körper mit göttlicher Seele". Diese Schöpfung der Frau aus einem reineren, göttlicheren Grundstoff lässt sie auf natürlichere und einfachere Weise den göttlichen Willen erfüllen und gibt ihr die Kraft, nicht zu sündigen und selbst bei schweren Zuständen in der Nation nicht zu verzweifeln. Mögen die Frauen diese ihre Kraft bei der Erlösung Israels erkennen und sich und ganz Israel in Reinheit stärken, in Sittlichkeit, in Aufopferung für die Tora, das Volk und das Land, und möge uns dadurch die vollkommene Erlösung bald vergönnt sein.
Drei Fasttage verordneten die talmudischen Weisen zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems und des Heiligtums (erster und zweiter Tempel). a) 10. Tewet, an dem die Belagerung Jerusalems begann (erster Tempel). b) 17. Tammus, an dem die Stadtmauer Jerusalems durchbrochen wurde (beim zweiten Tempel; beim ersten wurde die Stadtmauer bereits am 9. Tammus durchbrochen, doch nach der Zerstörung des zweiten Tempels legten die Weisen die Gedenktage zusammen). c) 9. Aw, Zerstörung des ersten und zweiten Tempels. Die abschließende Bemerkung des Talmuds (im Traktat Ta'anit 29a), die sich mit den Fasttagen zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels befasst, lautet nun: "..am neunten Aw gegen Abend setzten sie ihn in Brand. Er brannte den ganzen Tag (10. Aw) ... Das ist es, was Rabbi Jochanan sagte: Wäre ich in jenem Zeitalter, würde ich [die Trauerfeier] auf den zehnten gesetzt haben, weil der Tempel größtenteils an diesem verbrannt wurde". Und gleich danach fragt der Talmud: Warum haben dann die Weisen den Fasttag für die weiteren Generationen auf den 9. Aw und nicht auf den 10. Aw festgelegt, da doch Brand und Zerstörung vor allem am 10. Aw stattfanden? Und antwortet wie folgt: "Bei einem Unglück ist der Beginn die Hauptsache". Daraus folgt sofort die Frage - warum eigentlich entscheidet der Beginn des Unglücks? Besonders wo auch die beiden anderen Fasttage, 17. Tammus und 10. Tewet den Beginn eines Unglücks bezeichnen, den Beginn der Belagerung und den Anfang vom Ende beim Durchbruch der Stadtmauern. Was haben diese Dinge zu bedeuten? Damit wollen uns die talmudischen Weisen ein wichtiges Prinzip lehren. Wir leben in einer Welt, in der alles nach dem Resultat bewertet wird, nach dem tatsächlich erreichten Ziel, und darum hängen die Größe des Nutzens oder die Schwere des Schadens von der Frage ab, ob wir Erfolg hatten, oder ob unsere Feinde g~ttbehüte Erfolg hatten, unsere/ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus - die Dinge werden in Wahrheit nach den Plänen und dem Willen gemessen, nach der Absicht, die der Tat vorangeht, denn die Planung, der Wille und die Absicht sind die Wurzel der Tat, sie sind die Sache selbst, sein Wesen, und nicht die Tat, die daraus resultiert. Darum besteht das Unglück in der Dreistigkeit und der Frechheit unserer Feinde, Jerusalem zu belagern, die Stadtmauer zu durchbrechen und den Tempel niederzubrennen, denn darin liegt die Wurzel der Zerstörung, noch vor der tatsächlichen Verbrennung, die den tätlichen Ausdruck ihrer Frechheit und Bosheit darstellt. Die Lösung gegen jene Frechheit und Dreistigkeit unserer Feinde lautet darum heute im allgemeinen "Kraft der Abschreckung", "nationale Ehre", "politischer Verstand" u.a., in Wahrheit jedoch müssen wir den "Beginn des Unglücks" in seiner Planungsphase und seiner tätlichen Offenbarung ausmachen und ihm sofort entgegentreten, denn wer weiß, wie sich die Sache g~ttbehüte weiterentwickelt... In einem Zeitalter, in dem es gang und gäbe ist, alles nach dem Resultat zu beurteilen, wenn z.B. ein Beschuss mit Kassam-Raketen und Granaten im Süden des Landes g~ttseidank ohne Verletzte abgegangen ist, gehen wir sofort wieder zur Tagesordnung über, doch das ist ein großer Fehler. Wir müssen die Wurzel des Übels von seiner ideellen und seiner praktischen Seite her verinnerlichen, wie uns die talmudischen Weisen lehrten, und dementsprechend handeln. Sobald der Feind sein Haupt erhebt - mit Überlegungen, die sich in Propaganda und Beginn einer Aktivität äußern, müssen wir mit aller Macht und mit Entschlossenheit noch vor der vollen tätlichen Umsetzung reagieren, die dann nicht mehr gewagt wird, denn "bei einem Unglück ist der Beginn die Hauptsache". Auf diese Weise möge uns die Fortführung des "Beginns der Erlösung" gelingen, denn auch dieser ist die Hauptsache, im Aufbau unseres Landes, unseres Staates und unseres Heiligtumes, bald und in unseren Tagen, amen.
Frage:
Ist es möglich, eine Ehe retroaktiv zu annullieren und so das
Problem der Agunot
zu
lösen? [Frauen, die wegen Weigerung des Mannes zur Scheidung oder
dessen Verschwinden nicht heiraten können]
Frage:
Darf
ein Mann einen Ehering tragen?
Frage:
Kann
man sein Judentum genetisch beweisen?
Weitere Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
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