DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NIZAWIM-WAJELECH
Nr. 783
25. Elul 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 29,9-31,30):

Das ganze Volk am Bund mit G~tt beteiligt, nochmalige Ermahnung zur Einhaltung der Gebote, göttliches Versprechen, auch nach schwerer Strafung zu G~tt und Land zurückzukehren. Moschehs 120. Geburtstag, moralische Unterstützung für seinen Nachfolger, Jehoschua, Ausblick auf die Zukunft, Wohlstand wird zur Abwendung von G~tt und Strafe führen.

Haftara: Jeschajahu 61,10 - 63,9


Nach Schabbatausgang: Beginn der "Selichot" vor dem täglichen Morgengebet bis Erew Jom Kippur
[Minhag Aschkenas]

Donnerstag + Freitag: Rosch Haschana


שנה טובה

כתיבה וחתימה טובה


Tschuwa

Wo die wahren Umkehrer stehen...

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

RavYoramEliyahu

Die talmudischen Weisen offenbaren uns im Traktat Brachot ein großes Geheimnis bezüglich der Hochrangigkeit der reumütigen Umkehr (Tschuwa): "Rabbi Abahu sagte, wo die Bußfertigen stehen, vermögen auch die vollkommen Gerechten nicht zu stehen, denn es heißt: Friede, Friede dem Fernen und dem Nahen (34b; Jeschajahu 57,19), d.h. Friede wird erst dem Fernen gesagt, dem Ba'al Tschuwa, und erst dann dem Nahen.

So schrieb auch Maimonides in den Gesetzen von der Umkehr: "Der Ba'al Tschuwa meine nicht, er sei wegen seiner Sünden und Verbrechen weit entfernt von der Stufe [der Vervollkommnung], die die Gerechten erreichen. Dem ist nicht so, er wird vielmehr von G~tt so innig geliebt, als hätte er niemals gesündigt" (7,4) und fügt hinzu: "ja, sein Lohn ist groß, da er den Reiz der Sünde schon gekostet hatte, dennoch seinen Trieb bezwingen konnte und sich von den Sünden ferngehalten hatte. Die Weisen sagen: An dem Ort, an dem die Ba'alej Tschuwa stehen, an dem können die vollkommen Gerechten nicht stehen. Das will heißen, der Grad ihrer sittlichen Vollendung ist größer als derjenige derer, die niemals sündigten, da sie ihren Trieb mehr bezwingen müssen als jene". Maimonides erklärt hier, warum der Rang der Ba'alej Tschuwa so hoch ist, weil sie sich nämlich mit der Sünde und mit der Kraft der Triebe auseinandersetzten und sie beherrschen lernten, und dabei sind sie größer als die Gerechten, die niemals solche Probleme zu bewältigen hatten.

Eine weitere Erklärung erhalten wir vom Autor des Netiwot Schalom (Benetiwej Tschuwa S.196): "So schuf der Heilige, gelobt sei er, eine neuerliche Schöpfung, die Kraft der bußfertigen Umkehr, und dass der Mensch durch sie wie zu einer neuen Kreatur, wie ein Neugeborenes werde; nicht wie jemand, der seine Sünde berichtigt und zu seinem früheren Zustand zurückkehrt, sondern durch die erhabene Kraft der Tschuwa gilt er als Neugeborenes ohne Berücksichtigung seines früheren Wesens, und darum "können an dem Ort, an dem die Ba'alej Tschuwa stehen, die vollkommen Gerechten nicht stehen", denn selbst über "vollkommen Gerechte" heißt es: "Ja, da ist kein Mensch gerecht auf Erden, der das Gute tue und niemals fehle!" (Kohelet 7,20), doch der Ba'al Tschuwa ist eine neue Kreatur, und an ihm haftet kein Fleckchen oder Staubkorn, er ist wie ein Konvertit, denn ein Konvertit gilt nach dem Gijur wie neugeboren. Durch den Übertritt erreicht er nicht nur Anteil an einer neuen Seele, sondern auch sein Körper wandelt sich in eine neue Schöpfung, und Gleiches gilt auch für Ba'alej Tschuwa, die zu einem neuen Wesen werden".

Es ergibt sich also durch die Tschuwa ein neuer Zustand, der vorher noch nicht existierte, es erscheint ein neuer Mensch, und darum gilt er als "größer". So schrieb Rabbiner A.J.Kuk in seinem Werk Orot HaTschuwa: "Es gibt eine innere seelische Tschuwa, eine Besserung des inneren Verlangens, und im Rahmen der Tschuwa erhebt sie sich aus dem Maße, in dem der Wille zum Guten im Herzen zu Anfang ruhte, vor der Sünde, und darum, seitens der Innerlichkeit, sind Ba'alej Tschuwa größer als vollkommen Gerechte" (6.Kap.). Im Klartext: Vor der Sünde hat der Mensch einen bestimmten Willen im Verhältnis zum Guten, doch nach der Sünde muss er seinen Willen auf das Gute neu ausrichten, um von der Sünde abzukommen und wieder umzukehren, und eben diese Erhebung des Willens an sich bringt ihn sogar auf einen höheren Stand als vor der Sünde, und deshalb gilt er als größer - und genau das ist die Erneuerung, die in ihm durch den Prozess der Tschuwa stattfand.

Fortwährende Erneuerung

In den Schriften Rabbiner Kuks finden wir eine weitere Erklärung, warum der Ba'al Tschuwa als größer gilt: "Wenn ein Mensch ausgerechnet ein vollkommen Gerechter sein möchte, fällt es ihm schwer, ein Ba'al Tschuwa zu sein, darum ist es dem Menschen angemessen, in seinem Herzen immer danach zu streben, ein Ba'al Tschuwa zu sein, d.h. konzentriert auf die Idee der Tschuwa und nach ihrer praktischen Verwirklichung strebend" (Orot HaTschuwa, 14.Kap.). Denn, schreibt Rabbiner Kuk, "keine Sache läutert und reinigt den Menschen und erhebt ihn auf die wahre Vorzüglichkeit des Menschen so wie die Vertiefung in die Tschuwa, denn dort, wo die Bußfertigen stehen, vermögen auch die vollkommen Gerechten nicht zu stehen".

Der Vorzug des Menschen kommt dann wirklich zum Ausdruck, wenn er sich immer im Zustand der Tschuwa befindet, wenn er weiß, dass er immer weiter vorankommen muss im Prozess der Tschuwa und nicht von sich glauben sollte, er sei bereits ein vollkommen Gerechter. Diese ständige Beschäftigung mit der Tschuwa fördert die spirituelle Reinigung des Menschen und erhebt ihn auf die höchste Stufe der Vollkommenheit. So schrieb unser Lehrmeister Rabbiner Zwi Jehuda Kuk: "Der Ausdruck Ba'al Tschuwa gleicht dem Ausdruck Ba'al Laschon hara [jemand, der immerzu über Andere tratscht], indem sich der Betreffende beständig damit beschäftigt. Entsprechend beschäftigen sich die Ba'alej Tschuwa ständig mit der Tschuwa, was ihre Tschuwa ganz und vollkommen macht" (Or lenetiwati S.105). Denn das Hauptfundament der Vollkommenheit des Menschen, erklärte Rabbiner A.J.Kuk, "sind die Sehnsucht und der feste Wunsch nach Vollkommenheit, und dieser Wunsch ist das Fundament der Tschuwa, die ihn jederzeit auf seinem Lebensweg dirigiert und ihn wirklich vervollkommnet" (Orot HaTschuwa, 5.Kap.).

Wollen wir diese Tage der Tschuwa, des Verzeihens und des Erbarmens dazu nutzen, uns mit den großen Inhalten der Tschuwa näher vertraut zu machen und einen großen Vorrat für unsere Arbeit im Laufe des Jahres anzulegen, um uns immer mehr die Vorzüge der Ba'alej Tschuwa anzueignen, deren Rang und Lohn sehr groß sind.




Rosch Haschana

Rosch Haschana und der Auszug aus Ägypten

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Im Gebet von Rosch Haschana und auch im Kidusch sagen wir: "Du gabst uns, Ewiger, unser G~tt, in Liebe diesen Tag des Gedenkens, einen Tag des Schofarblasens zur heiligen Zusammenkunft, eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten". Es fragt sich, was Rosch Haschana mit dem Auszug aus Ägypten zu tun hat? Pessach, Schawuot und Sukkot sind direkt mit dem Auszug aus Ägypten verbunden: Pessach ist das Fest unserer Freiheit, der Tag, an dem wir aus Ägypten auszogen. Schawuot ist das Fest der Übergabe unserer Tora, und dieser Tag wurde unserem Lehrer Moscheh so versprochen: "Wenn du das Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr auf diesem Berge G~tt dienen" (Ex. 3,12). Und Sukkot markiert die Zeit unserer Freude, wie es heißt: "Damit es eure Generationen erfahren, dass ich die Kinder Israel in Hütten habe wohnen lassen, als ich sie aus dem Lande Ägypten herausführte" (Lev. 23,43). Auch den Schabbat verbinden wir mit dem Auszug aus Ägypten, wie wir beim Kidusch sagen: "Er ist der erste Tag der heiligen Feste, eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten". Steht es doch ausdrücklich schon bei den Zehn Geboten: "Hüte den Schabbat-Tag, ihn zu heiligen ... und sollst bedenken, dass du ein Sklave gewesen bist im Lande Ägypten, und dich der Ewige dein G~tt von da herausgeführt hat mit starker Hand und ausgestrecktem Arm; darum hat dir der Ewige dein G~tt geboten, den Schabbat-Tag zu halten" (Dt. 5,12/15). Es ist also klar, warum am Schabbat und an den Festen der Auszug aus Ägypten erwähnt wird - aber an Rosch Haschana?

Diese Frage drängt uns zur Klärung des Inhaltes und des Zieles des Auszugs aus Ägypten; war der Auszug ein Ziel für sich - ein Auszug aus der Sklaverei in die Freiheit, oder war er ein Mittel und Beginn einer längeren Entwicklung? Rabbiner A.J.Kuk schrieb dazu in seinem Kommentar zum Sidur: "Der Auszug aus Ägypten war so ein Ereignis, dass nur dem äußeren Anschein nach wie eine einmalige und vorübergehende Sache wirkte, und verblieb als mächtige Erinnerung den Nachkommen Israels und der ganzen Menschheit. In Wahrheit aber kommen wir durch innerliche Erkenntnis zu dem Wissen, dass die Aktion des Auszugs aus Ägypten eine Aktion ist, die überhaupt nicht aufhört, eine Offenbarung der Hand G~ttes, eine öffentliche Bekanntmachung und klare Erscheinung in der Weltgeschichte" (Olat Ra'aja I, S.26). Zum Vers: "Ich bin der Ewige, dein G~tt, der dich aus dem Lande Ägypten geführt hat" (Ex. 20,2) fragten die Weisen in der Mechilta: "Warum wurden die Zehn Gebote nicht an den Anfang der Tora gesetzt? Das wurde mit einem Gleichnis verdeutlicht: Einer kam in das Land und sprach zu den Bürgern: Soll ich über euch regieren? Da sagten sie ihm: Hast du denn etwas für uns getan, dass du über uns regiertest? - Was tat er? Er befestigte ihnen die Stadtmauer, leitete ihnen Wasser herbei, führte ihre Kriege. Da sprach er: Soll ich über euch regieren? Da sagten sie ihm: Aber sicher! - So führte G~tt Israel aus Ägypten, teilte ihnen das Meer, versorgte sie mit Man, schuf ihnen den Wasserbrunnen, schickte ihnen die Wachteln, führte ihnen den Krieg gegen Amalek. Da sprach er zu ihnen: Soll ich über euch regieren? Da sagten sie ihm: Aber sicher!". Daraus lernen wir, dass der Auszug aus Ägypten der Vorbereitung und Schaffung der Voraussetzungen für die Herrschaft G~ttes in der Welt galt, und so heißt es im Midrasch: "Ich bin der Ewige, dein G~tt - unter dieser Bedingung führte ich dich aus Ägypten, dass du meine Göttlichkeit aufdichnimmst" (Schemot raba §29).

Die Aufgabe des ersten Menschen bestand darin, G~tt zum König der Welt zu machen, wie es der Midrasch beschreibt: "Als der Mensch geschaffen war, stand er auf seinen Beinen, und wurde als im Ebenbilde G~ttes beschrieben, und seine Größe war vom Osten bis zum Westen, und es sahen ihn alle Geschöpfe und fürchteten sich vor ihm in der Annahme, er wäre ihr Schöpfer und kamen, sich vor ihm zu verbeugen. Da sprach er zu ihnen: Warum kommt ihr, euch vor mir zu verbeugen? Kommt, ich und ihr, lasst Hoheit und Macht anlegen und über uns zum König krönen Jenen, der uns geschaffen. Zu dieser Stunde öffnete Adam seinen Mund und alle Geschöpfe stimmten ein: Der Ewige ist König, Hoheit hat er angelegt (Psalm 93,1)" (Jalkut Schimoni, Psalmen, §847). Nachdem Adam gesündigt hatte, wurde diese Aufgabe dem Volk Israel übertragen, wie geschrieben steht: "Das Volk, das ich mir gebildet, meinen Ruhm sollen sie erzählen" (Jeschajahu 43,21). Als Qualifikation für diese Aufgabe musste das Volk Israel den Schmelztiegel des ägyptischen Exils durchmachen, wie es heißt: "Wenn du das Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr auf diesem Berge G~tt dienen" (s.o.). Zum Vers "Du sollst keine fremden Götter haben vor mir" (Ex. 20,3) schrieben die Weisen in der Mechilta: "Wozu wurde dies gesagt? Weil es heißt: Ich bin der Ewige, dein G~tt. Ein Gleichnis: Wie ein König aus Fleisch und Blut, der in das Land kam. Da sagten seine Diener zu ihm: Mache jenen Gesetze. Sagte er: Nein, erst wenn sie meine Königsherrschaft angenommen haben, werde ich ihnen Gesetze machen, denn wenn meine Herrschaft nicht angenommen wird, werden auch meine Gesetze nicht angenommen. So sprach G~tt zu Israel, Ich bin der Ewige, dein G~tt. Du sollst keine fremden Götter haben vor mir. Ich bin der, dessen Königsherrschaft ihr in Ägypten auf euch genommen habt, nehmt meine Gesetze an".

Die Himmelsherrschaft auf Erden ist die Aufgabe des jüdischen Volkes in der Welt, und die Besserung der Welt durch die Königsherrschaft G~ttes ist die Pflicht eines jeden Einzelnen. Der Einzelne erfüllt diese Aufgabe durch praktische Umsetzung des göttlichen Willens, wie er in der Tora offenbart wurde, in seinen Taten und durch seinen Lebenswandel. Zum Jahreswechsel legt der Jude vor sich Rechenschaft ab: Habe ich die Offenbarung der göttlichen Königsherrschaft in der Welt gefördert oder g~ttbehüte behindert? Und nach seiner reumütigen Umkehr (denn man komme nicht zum König in einem Sackkleide; Esther 4,2) findet er sich am "Tage der Weltschöpfung", an Rosch Haschana ein und führt im Munde das Gebet an den Schöpfer der Welt: "Regiere ausnahmslos über die ganze Welt in deiner Herrlichkeit, erhebe dich über die ganze Erde in deiner Würde, erscheine in dem Glanze deiner Machthoheit über alle Bewohner der Menschenwelt deiner Erde, dass alles Werk erkenne, dass du es gewirkt, und einsehe alles Gebilde, dass du es gebildet, und alles was Atem hat in seinem Antlitz spreche: G~tt, G~tt Israel ist König und seine Regierung waltet über alles!" (Mussafgebet an Rosch Haschana).

 


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