DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NASSO
Nr. 768
9. Sivan 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 4,21-7,89):

Weitere Aufgabenverteilung für den Stiftszelttransport; Prozedur für Ehebruchsverdächtigte; Enthaltungsgelübde und deren Opfervorschriften; die Gaben der Stammesfürsten zur Einweihung des Wüstenheiligtums (Stiftszelt).

Haftara: Richter 13, 2-25


Am Schabbes-Tisch...
 

Es segne dich der Ewige und behüte dich
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Der erste Vers des Priestersegens, der die Grundlage für alle anderen Segen bietet, löst Verwunderung aus. Unter "Segen" (Bracha) verstehen wir bekanntlich Mehrung und Zugabe, wohingegen das "Behüten" das Bestehende, das schon Vorhandene bewahren soll. Demnach müsste die Abfolge im Vers genau umgekehrt lauten: 'Behüte dich der Ewige und segne dich' - erst das Bewahren des Bestehenden, und dann der zusätzliche Segen! Warum also setzte die Tora den Segen vor das Behüten? Erklärte Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels): "Bei einem gewöhnlichen Menschen kommt zwangsläufig zuerst das Behüten des Bestehenden, und danach der Segen, die Zugabe und die Vermehrung, denn nur, was bereits existiert und im System des Seins befestigt wurde, kann vom Behüten erfasst werden; das gilt aber nicht für den Segen G~ttes. [G~ttes] Segen bringt gleichzeitig das Behüten mit sich, und alles, was vom Himmel gesegnet wird, wird auch behütet, und zwar durch den Segen selber. Und darum geht der Segen der Behütung voran: Es segne dich der Ewige und behüte dich" (Olat Ra'aja I, S.61-62). D.h., von seiten des menschlichen Verstandes und einer realistischen und praktikablen Lebensauffassung ist es wirklich besser, das Bewahren dem Segen voranzustellen, doch wir, das jüdische Volk, gehören zu einer ganz anderen Lebensordnung - einer göttlichen Ordnung, bei der immerzu Entwicklung und Erneuerung stattfinden, "in seiner Güte erneuert er täglich beständig das Schöpfungswerk" (Morgengebet), und darum müssen wir, als Allgemeinheit und als Individuen, immer "hinzufügen", für Entwicklung und Wachstum sorgen - bei unseren Gedanken, bei unserem Willen und bei unseren Taten, und nur so können wir wirklich das Bestehende, das bis heute Erreichte bewahren. Doch wenn wir uns g~ttbehüte nur mit dem Bestehenden begnügen, dem Status quo, dann werden wir nicht nur nicht vorankommen, sondern verkümmern, schwächer werden und rückwärts treiben bis hin zum Verlust des bereits Erreichten.

So lässt sich auch erklären, warum Maimonides, der große Erzieher, in seinem Gesetzeswerk das Gebot der Heiligung des göttlichen Namens der Warnung vor dessen Entheiligung vorangestellt hatte (Gesetze von den Grundlagen der Tora 5,1): "Dem ganzen Haus Israel ist die Heiligung dieses großen Namens geboten, wie es heißt: auf dass ich geheiligt werde unter den Kindern Israel, und sie sind gewarnt, ihn nicht zu entheiligen, wie es heißt: Und entweihet nicht meinen heiligen Namen". Und das, obwohl die Themen im Toravers andersrum angeordnet sind: "Und entweihet nicht meinen heiligen Namen, auf dass ich geheiligt werde unter den Kindern Israel" (Lev. 22,32). Das soll uns lehren, dass nur wer zur Heiligung des göttlichen Namens in der Welt willig und aktiv tätig ist, keine Entheiligung (=Chilul, d.h. Chalal - Leerraum) verursacht, doch wer sich damit begnügt, nur nicht den göttlichen Namen zu entweihen, findet sich sehr schnell in der materialistischen Welt (Chol), und alles Heilige lässt er beiseite... Kein Zweifel dass eines der Kennzeichen heutiger 'Kultur' im Willen und in der Sehnsucht nach 'Ruhe' und 'Stabilität' auf den Gebieten von Familie, Wirtschaft, Gesellschaft und Sicherheit besteht, doch darf sich diese Beständigkeit nicht in Erstarrung verkehren, in statisches Verharren, in Routine und Gewohnheit, vielmehr müssen wir uns immer anstrengen, unser ganzes Leben mit der Bestrebung nach Segen zu führen - der Mehrung und der Zugabe, des Wachsen- und Blühenlassens, und dann werden wir auch bei der Bewahrung des bisher Erreichten Erfolg haben - G~tt wird uns segnen und behüten, amen.



Kinder, Kinder...
 

Wie lehrt man religiöse Themen?
 
 

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

Die Krise des Religionsunterrichts wird in großer Breite auf vielen Veranstaltungen diskutiert. Es wurden ihr Symposien, gelehrte Aufsätze und Seminare gewidmet. Es wurden verschiedene Lösungsmöglichkeiten zur Diskussion gestellt, angefangen von kosmetischen Änderungen bis hin zu radikalen Lösungen, die von einer kompletten Kehrtwendung beim Lehren von religiösen Themen reden. Dabei ist beachtenswert, dass die Behandlung dieses Themas nicht erst in unserer Generation begann, sondern schon vor über hundert Jahren. Auch Rabbiner A.J. Kuk beschäftigte sich damit. In diesem Artikel wollen wir auf zwei Quellen aus seinen Schriften zurückgreifen.

In seinem Buch Eder hajakar (das im Jahre 5666 erschien, vor über 100 Jahren) stritt er mit den modernen Schulen, die im Lande Israel von den Pionieren gegründet worden waren. Das waren "national-säkulare" Schulen. Rabbiner Kuk kritisierte sie aufs Schärfste mit der Behauptung, ihnen fehle der "Lebensgeist", der auf "Lehre und Tat" beruht. Mit "Tat" meinte er die volle Erfüllung der Tora, und mit "Lehre" das Studium von "Bibel, Mischna und Gemara, der Grundnahrung des jüdischen Geistes". Um Missverständnissen vorzubeugen erklärte er dazu, er fordere nicht, die althergebrachten Lehrmethoden für das Torastudium anzuwenden. Er sei nicht gegen Änderungen: "Man darf von den bestens in der Lehre der Pädagogik Bewanderten und Erfahrenen erbitten, die Last des Lehrstoffs zu erleichtern. Und erst recht sei es erlaubt, und vielleicht sogar geboten und Pflicht, die Sprache durch lebendiges Reden zu üben" (S.59). Rabbiner Kuk sprach von zwei Änderungen: die erste wahlweise, die zweite - Pflicht. Es sei erlaubt, sich didaktischer Methoden zu bedienen, die von "Pädagogen" eingeführt wurden, die auf neuen erzieherischen Theorien und auf den gesammelten Erfahrungen der Fachleute basieren, um die Last des Lernens zu erleichtern. Als Pflicht sah er die Benutzung lebendiger Sprache.

Konzentrieren wir uns auf die erste Lösungsmöglichkeit, nämlich das Lehren religiöser Themen auf leichtere Weise. Diese Lösung, gegen die Rabbiner Kuk nichts einzuwenden hatte, löste eine Flut von erzieherischen Neuerungen aus: neue Lehrpläne, Bevorzugung leichterer Kapitel zum besseren Verständnis des Chumasch, der Propheten und Schriften, der Mischna und der Gemara; Benutzung von Hilfsmitteln zur Veranschaulichung, Ablaufmodelle, Arbeitsblätter usw. Alles in der Hoffnung, dass wenn man den Schülern die Arbeit leichter mache, religiöse Studien nicht mehr abschreckend wirkten, sondern sogar Spaß machen können. Manche mögen behaupten, dass es auch ohne die Krise bei den religiösen Studien eine gute Idee ist, so zu lehren und zu lernen, weil es überhaupt keinen Sinn hat, den Schülern das Leben schwerer zu machen, wenn man es ihnen leichter machen kann. Genauso wie wir in der Welt des Materiellen auf allen möglichen Wegen versuchen, uns die Arbeit leichter zu machen, sollten wir es auch auf dem Gebiet der Geistesarbeit beim Lernen halten.

Zu unserem großen Staunen distanziert sich Rabbiner Kuk aber andernorts von den "Pädagogen, die sich dazu aufschwingen, das Joch des Studiums auf ihre Weise zu erleichtern und glauben, sie brächten der Welt Segen, indem sie das Torastudium leicht machen, sodass man sich dabei nicht mehr besonders anstrengen muss" (Ejn Aja, Brachot 63b). Warum? Weil "das Wissen nicht nach seiner Menge gemessen wird, sondern nach seiner Qualität, nach der Tiefe des Verstehens ... besonders die Studien der Tora - nach der Größe des Eindrucks, die sie auf den Schüler machen, bezüglich der Charaktereigenschaft einer Moral der guten Taten und der reinen Himmelsfurcht". Rabbiner Kuk ist sich des Vorteils einer Erleichterung des Jochs des Lernens bewusst: Sie kann dazu führen, dass die Schüler eine größere Menge des Stoffes behalten (größere Fortschritte, größeres Wissen). Sie hat aber auch einen Nachteil: Die Qualität leidet. Was ist hier unter "Qualität" zu verstehen? Der Eindruck, den das Torastudium auf der Seele hinterlässt, die Taten des Menschen zu bessern und in der G~ttesfurcht weiterzukommen. Der Eindruck auf die Seele hängt aber von der Anstrengung ab, von "einem Lernen, das nicht auf bequemen und leicht begreifbaren Wegen daherkommt"!! "Der Lehrstoff, der auf leichte Weise aufgenommen wird, ohne Mühe und enorme Arbeit, wird auf immer oberflächlich und beschränkt bleiben, und er steht außerhalb der inneren Seele des Menschen und wirkt nur wenig auf seine Taten und die Triebe seines Herzens". Demgegenüber "erhebt sich der Mensch durch Mühe und Anstrengung seines Verstandes zu erhabenen Eigenschaften, neigt mehr dem Verstande und allen heiligen Dingen in Liebe und herzlichem Verlangen zu, und das Studium wirkt auf ihn, sich ganz seinen Studien zu ergeben". Die Mühe und der Kräfteeinsatz beim Torastudium erzeugen eine innige Verbindung zwischen der Tora und der Seele und bewirken automatisch eine Beeinflussung: Besserung der Taten und Vertiefung der G~ttesfurcht. Die Menge des Wissens ist dabei zweitrangig.

Wie lassen sich diese beiden Aussagen von Rabbiner Kuk bezüglich der Vorschläge der "Pädagogen" zur Erleichterung des Lernens von religiösen Themen miteinander verbinden? Es besteht dabei kein Widerspruch: In der ersten Aussage bekräftigte er, dass eine Erleichterung möglich sei. In der zweiten - dass sie nicht empfehlenswert ist. Das will sagen, eine Erleichterung ist nicht rundheraus abzulehnen, dennoch ist die Mühe vorzuziehen. Man kann davon ausgehen, dass sich seine ablehnende Haltung nicht auf die Hilfsmittel bezieht, mit denen sich ein besseres oder genaueres Verständnis erzielen lässt. Zum Beispiel die Benutzung von Landkarten zu frühen Zeitperioden beim Studium der entsprechenden Kapitel der Schriften, woran gar nichts auszusetzen ist, im Gegenteil. Es erleichtert nicht nur das Lernen, sondern macht es auch verständlicher.

Über den Wert der Mühe beim Torastudium als Bedingung ihres Erwerbes schrieb schon Maimonides in seinem Mischnakommentar: "Je nach der Mühe der Lohn - je nach der Größe deiner Anstrengung wird dein Lohn ausfallen. Und sie sagten, von der Weisheit wird nichts bestehen bleiben außer dem, was mit Mühe und Anstrengung und Furcht des Lehrers gelernt wurde. Aber ein Lernen in Vergnügen und Bequemlichkeit wird nicht bestehen bleiben, und er wird daraus keinen Nutzen ziehen" (zu "Sprüche der Väter", Ende des 5.Kap.).



Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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