DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NOACH
Nr. 739
6. Marcheschwan 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 6,9-11,32):
Sittenverfall, Bau der Arche, Sintflut 150 Tage, Neubesiedlung der Erde, noachidische Gebote, Noach betrunken, Sünde Chams, Nachkommen Schem, Cham und Jafets, Turmbau zu Babel, Sprachenverwirrung, die Generationen bis Awra(ha)m und Sara(i).
Haftara: Jeschajahu 54, 1-17, 55, 1-5
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Geh aus deiner Arche!

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

Es heißt in unserem Wochenabschnitt: "Und G~tt redete zu Noach und sprach: Gehe aus der Arche" (Gen. 8,15-16). Es fragt sich, warum dieser göttliche Befehl nötig war, Noach aus der Arche zu holen, denn es gibt doch wohl nichts Einfacheres als nach dem Ende der Sintflut und dem Trocknen der Erdoberfläche aus der Arche auszusteigen? Auf diese Frage bezieht sich der Midrasch Tanchuma: "Nachdem die Wasser ruhten, hätte Noach aus der Arche ziehen müssen, doch sagte er, weil ich mit der Erlaubnis G~ttes einzog, der mir sagte, komm du und dein ganzes Haus in die Arche, so verlasse ich sie auch nur mit seiner Erlaubnis". Woher wusste Noach, dass er zum Verlassen der Arche diese Erlaubnis brauchte?

Von Rabbiner Goldwicht sel. (dem früheren Leiter der Jeschiwa "Kerem bejawne") hörte ich dazu eine Erklärung, die auf einem Midrasch zu Psalm 37 fußt: "Awraham sagte zu Malchizedek (=Schem, Sohn des Noach): Wie seid ihr aus der Arche gezogen? Antwortete jener: Durch die Mildtätigkeit, die wir dort verübten. Sagte er: Wie habt ihr denn in der Arche Gelegenheit zu mildtätigen Gaben gehabt, gab es denn dort arme Leute?... Sagte jener: Durch die Mildtätigkeit, die wir den Haustieren, den wilden Tieren und den Vögeln angedeihen ließen; wir schliefen nicht, sondern legten diesem und jenem [Tier sein Essen] vor die ganze Nacht lang. Da sagte Awraham: Wie jene, die ohne Mildtätigkeit an Tieren und Vögeln nicht aus der Arche gezogen wären... so erst recht ich, dass ich Mildtätigkeit an den Menschen üben werde, die im Ebenbild G~ttes geschaffen wurden. Und gleich 'pflanzte er eine Tamariske' (Gen. 21,33)". Auf den ersten Blick scheint Awrahams Frage verwunderlich, was interessiert ihn der Auszug aus der Arche? Die Sintflut ist vorbei, und man verlässt die Arche... Hätte er doch fragen sollen: Durch welches Verdienst durftet ihr die Arche besteigen?, und nicht, wie ihr aus der Arche gezogen seid! Erklärte Rabbiner Goldwicht: Nach den talmudischen Weisen gab es eine Beschwerde über Noach, weil er seine Generation nicht in Schutz nahm und keine Gnade für sie erbat, und sie auch nicht zur Besserung bekehrte, bis dass die Weisen den Vers "die Wasser Noachs... überschwemmen" (Jeschajahu 54,9) auf die Sintflut beziehen, die wegen Noach kam, weil er seine Generation nicht in Schutz nahm. Awraham fragte Schem: Welches Verdienst ließ euch die Arche verlassen und die Welt neu erschaffen, denn ihr wart doch die Erbauer der neuen Welt? Sagte ihm Schem: Durch das Verdienst der Mildtätigkeit - "die Welt wird auf Mildtätigkeit gebaut" (Psalm 89,3). G~tt brachte uns in die Arche und erzog uns zur Mildtätigkeit, und das war eine schwere Mission. 

Tag und Nacht ohne Pause während eines ganzen Jahres?! Wie haben sie das geschafft? Die talmudischen Weisen berichten, dass Noach einmal dem Löwen zu spät sein Mahl vorsetzte, der ihn daraufhin biss. Und wenn die Weisen "einmal" sagen, dann bedeutet das: dieses eine Mal verspätete er sich, und nicht mehr - und trotzdem wurde er für ungeeignet befunden, die Eigenschaft der Mildtätigkeit weiter zu verbreiten. So war es sein Sohn Schem, der unserem Vorvater Awraham begegnete und ihm diese Eigenschaft vermittelte, und dadurch wird klar, warum ein besonderer Befehl zum Verlassen der Arche nötig war, denn Noach verstand, dass er diese Eigenschaft erwerben sollte, über die er vorher nicht verfügte - die Mildtätigkeit, die Sorge um den Nächsten. Und woher wissen wir, dass er doch den Ansprüchen gerecht wurde? Der göttliche Befehl "geh aus der Arche" beweist, dass er würdig war, die Arche zu verlassen und die Welt neu aufzubauen.

Rabbiner Goldwicht pflegte dazu den Eintritt eines Jugendlichen in die Welt des Torastudiums mit dem Eintritt in eine Art Arche zu vergleichen; dort sitzt er und lernt Tora, eine Tora der Mildtätigkeit. Und wie die Weisen im Traktat Sukka erklären: Welches ist die Tora der Mildtätigkeit? Sie Andere zu lehren. Dabei vervollkommnet sich der Jugendliche in dieser Tora der Mildtätigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen im täglichen Leben in der Jeschiwa, sich um seinen Nächsten zu kümmern und ihm zu helfen, und er verlässt die Jeschiwa nicht einfach so, sondern wartet ab, bis er mehr und mehr von der Eigenschaft der Mildtätigkeit erworben hat, bis er den Befehl "geh aus der Arche" erhält, sei es durch die Notwendigkeit, den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen und dergleichen mehr. Er zieht aus und erbaut die Welt mit der Tora, die er aufnahm.

Diese Betrachtungsweise finden wir auch bei Rabbiner Chajim aus Woloschin (Schüler des "Gaon von Wilna"), wie von seinem Sohn übermittelt: "Er pflegte mich zu ermahnen, wie er sah, dass ich nicht das Leid Anderer mit trage und so sprach er immer zu mir über das Wesen des Menschen, dass er nicht für sich selbst geschaffen wurde, sondern Anderen zum Nutzen zu sein, was in seinen Kräften steht zu tun".

Wenn wir nun in das tägliche Arbeitsleben in den langen Winter hinaus gehen - wenn wir verwirklichen wollen, was wir an den hohen Feiertagen auf uns genommen haben - wollen wir uns daran erinnern, dass die Welt durch Mildtätigkeit wieder aufgebaut wurde, und durch Mildtätigkeit und Nächstenhilfe werden wir die Welt vervollkommnen und ihrer endgültigen Bestimmung zuführen.
 
 
 
Natur und Wunder
 
 

Wunder und Wirken
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Warum musste Noach zur Rettung des Menschengeschlechtes und der Tiere, für den Neubeginn nach der Sintflut eigentlich die Arche bauen? Der Herr der Welt hätte sie doch durch ein Wunder am Leben lassen können, während alle anderen bei der Sintflut umkamen, ohne Noach mit dem Bau der Arche zu bemühen? Wenn wir uns darüber hinaus einmal die Maße der Arche vergegenwärtigen, etwa 150 Meter Länge, 25 Meter Breite und 15 Meter Höhe - konnte sie wirklich Noach und seine Familie beherbergen, alle reinen und unreinen Tiere, Nahrung für alle, und danach Platz für den Abfall, alles, was für den Lebenserhalt während eines ganzen Jahres nötig ist? Das ist doch unmöglich! Darum müssen wir zwangsläufig annehmen, dass G~tt hier ein Wunder bewirkte und das Wenige ein Vielfaches auf übernatürliche Weise aufnahm; in diesem Falle aber stellt sich unsere erste Frage aufs Neue: Wenn G~tt doch auf jeden Fall bei der Arche ein Wunder geschehen ließ, warum musste sich Noach um ihren Bau bemühen, sich anstrengen und schwer arbeiten? Eine ähnliche Frage stellte Nachmanides zu unserem Wochenabschnitt (6,19): "Bekanntlich gibt es sehr viele Tierarten, darunter sehr große wie die Elefanten und die Auerochsen und ähnliche, und sehr zahlreiche, wie Klein-, Kriech- und Krabbeltiere, auch die Vögel des Himmels, unzählige Arten, und wie unsere Weisen sagten: 'Hundert unreine Vögel gibt es im Osten, und alle gehören zur Art Aja... reine Vögel ohne Zahl' (Chulin 63b). Und er muss von allen bringen, dass sie Nachkommen wie sie erzeugen, und wenn wir noch das Futter für alle für ein ganzes Jahr hinzu rechnen, wird es diese Arche nicht fassen können, nicht einmal zehn [Archen] wie diese, vielmehr ist es ein Wunder, dass das Wenige eine große Menge aufnimmt, und wenn du fragst, sollte er doch eine ganz kleine Arche machen und auf dieses Wunder vertrauen?", darauf antwortet Nachmanides mit einem in der ganzen Tora gültigen Prinzip, einem Haupt-Fundament der jüdischen Weltanschauung: "Sie bauten sie groß, um das Wunder zu verkleinern, denn so verhält es sich bei allen Wundern in der Tora oder den Propheten - das Menschenmögliche muss voll ausgeschöpft werden, und den Rest überlasse er dem Himmel". 

Wir lernen daraus über die Verantwortung des Menschen, sich zu bemühen, sich anzustrengen und selber zur Tat zu schreiten, bis er alle Möglichkeiten, die ihm auf natürliche Weise zur Verfügung stehen, ausgeschöpft hat, und erst nachdem er seinen Teil erfüllt hat, und wenn die Sache nötig ist und es keinen anderen Weg gibt, wird G~tt ein Wunder vollbringen. Dieses Konzept finden wir im Talmud jeruschalmi bestätigt (Schekalim 6,3), wo erklärt wird, warum die Tische, auf die die Opfertiere nach dem Schechten gelegt wurden, aus Marmor (ein kaltes und kühlendes Material) und nicht aus Holz (ein warmes und wärmendes Material) waren. Eigentlich hätte das Fleisch doch auf Holztische gelegt werden sollen, die das Fleisch eher erwärmen und zum Verfaulen bringen, dann hätte sich viel deutlicher eines der Wunder offenbart, die im Tempel an der Tagesordnung waren (siehe Mischna "Sprüche der Väter", 5.Kap. - "es zeigte sich keine Fäulnis am Opferfleisch"). Trotzdem benutzte man Tische aus Marmor, um das Wunder so gering wie möglich zu halten, denn man nutze jede Möglichkeit, das Wunder zu verkleinern, selbst bei einer Sache, die selber ein Zeichen des Wunders verkörpert. Das Prinzip des "das Menschenmögliche muss voll ausgeschöpft werden, und den Rest überlasse man dem Himmel" ist so fundamental, dass auch der MaBIT (Rabbi Moscheh ben Josef diTrani, lebte vor etwa 400 Jahren) in seinem Buch zu den Gebeten bei der Beschreibung, wofür man beten sollte und wofür nicht, und wofür zu beten sogar verboten ist, schrieb: "Das Gebet ist die Bitte des Menschen von G~tt um eine benötigte Sache, die nicht in seiner Macht steht", außerhalb seines Verantwortungs- und Tätigkeitsbereiches, doch was in seiner Macht steht, hat er die Pflicht sich tatkräftig zu bemühen, und darf nicht darum beten, dass G~tt es für ihn erledige. Natürlich ist es richtig, um göttlichen Beistand zu beten, aber nur als Hilfe, nicht als Ersatz für die menschliche Tat bei der ihm zugewiesenen Aufgabe. 

Lernen wir daraus, unser Leben auf die rechte Weise zu führen. Nicht in der Hoffnung auf Wunder vom Himmel, weder in unserem spirituellen als auch in unserem materiellen Leben, weder in unserem Privat- und Familienleben als auch im öffentlichen Leben, vielmehr werden wir unseren Teil tun, und G~tt wird uns Segen und Erfolg zu allem Werk unserer Hände senden, so wie er Noach segnete und alle, die mit ihm in der Arche waren.
 
 
 
Frage und Antwort
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

(Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden).

Frage: Wo ein Zweifel besteht - kann ich je eine Mesusa auf beiden Seiten der Tür anbringen?
Antwort: Nein, das macht das Gebot lächerlich.

Frage: Wenn doch "ganz Israel einen Anteil an der kommenden Welt hat" - wozu soll man sich anstrengen?
Antwort: 1. Es gibt große und kleine Anteile, 2. Anstrengung um des Himmels Willen, aus Liebe zu G~tt.

Frage: Darf ich etwas ohne Rechnung kaufen?
Antwort: Nein, damit helfen Sie einem Dieb. Und wenn Sie deswegen einen Rabatt bekommen, sind Sie selbst ein Dieb.

Frage: Darf man einen Lippenstift ohne Hechscher benutzen?
Antwort: Ja, wenn er keinen Geschmack hat.

Frage: Sind Tierversuche erlaubt?
Antwort: Ja, sie sind zum Nutzen der Menschen.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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